Unterwegs mit Hobos

Wikipedea schreibt:

Ein Hobo ist ein nordamerikanischerWanderarbeiter. Hobos sind meist heimatlos und nutzen Güterzüge, um durchs Land zu reisen und sich hier und dort mit kleineren Tätigkeiten etwas zu verdienen.

Die Blütezeit der Hobos war das späte 19. und das frühe 20. Jahrhundert. In wirtschaftlichen Krisenzeiten, nach Kriegen und besonders zur Zeit der Großen Depression nahm ihre Zahl stark zu. In Britt (Iowa) gibt es den einzigen Hobo-Friedhof und ein Hobo-Museum

2017 fährt Fredy Gareis nach Britt (Ihn kennen Sie schon von der Buchbesprechung „Vier Räder, Küche, Bad“ von vor zwei Wochen-siehe auch unten), um sich mit Hobos anzufreunden. Einmal im Jahr gibt es in der Stadt ein großes Hobotreffen und die Chancen, einen Hobo zu finden, der ihn bei einer Eisenbahnfahrt mitnimmt, sind hier am besten. Gareis will über das Leben der Hobos in den heutigen USA schreiben. Nach dreieinhalb Monaten hat er sehr viele Eindrücke gesammelt und es entsteht dieses Buch:


Zuerst ist es Tuck, der sich Gareis annimmt und mit ihm „auf Fahrt“ geht. In besseren Händen kann der Autor nicht sein, denn Tuck ist ein berühmter Hoboveteran, der eigentlich schon sesshaft geworden ist, aber für das deutsche Greenhorn noch einmal „einen Ritt macht“. Er verrät ihm Grundwissen und erste Tricks. Was muss ein Hobo unbedingt in seinem Rucksack haben, wie erkennt man, ob sich ein Zug für eine Fahrt eignet, um mit ihm „Strecke zu machen“? In welchen Wagons ist es am komfortabelsten? Wo wartet man am besten (im „Dschungel“) auf den Zug und entgeht den Bahnhofssicherheitsleuten und der örtlichen Polizei? Hobos kommen durch viele kleine Städte mit nur einer Hautstraße und dort passen Hobos für Polizisten nicht ins Straßenbild.
Während die beiden unterwegs sind, erzählt Tuck viele Geschichten über andere Hobos. Man liest von Legenden und in der Mitte des Buches werden einige in einem Fototeil vorgestellt. (Und es gibt dort auch Fotos vom Autor, wie er sich immer mehr zu einem Hobo verwandelt).

Shoestring, Mitte vierzig und Kriegsveteran, ist der zweite Mentor von Fredy Gareis. Auf dem Ritt der beiden erfährt man mehr über die Schattenseiten des Hobolebens und der heutigen USA. Shoestrings leidet oft unter Schmerzen, hat deswegen Alkohol- und Drogenprobleme, saß auch schon im Gefängnis. Er bekommt eine kleine staatliche Unterstützung, die aber nicht zum Leben reicht und ist darauf angewiesen, dass Leute ihm Geld geben, wenn er mit seinem Veteranenschild vor Supermärkten oder an Tankstellen steht. Er wird von Vorbeigehenden beschimpft, dass er nicht arbeitet, immer seltener findet er Unterstützung. Die USA sind inzwischen ein Land, in dem die Intoleranz in der Bevölkerung steigt und immer mehr Menschen, quer durch alle Schichten, sich zudröhnen, weil sie den Alltag nicht mehr ertragen. In dem Buch erzählt Gareis beispielhaft von „Der Insel“, einem Ort, zu dem drogenabhängige Menschen kommen, um dann in Müll und Fäkalien vor sich hinzuvegetieren. Kaum zu glauben, wenn man es liest.

Das Buch hat mein Bild von Hobos, das bisher durch eine alte Fernsehdokumentation geprägt war, doch sehr verändert. Dem unwiderstehlichen Duft der Freiheit steht mehr denn je der tägliche Überlebenskampf gegenüber, den diese Männer und ein paar wenige Frauen führen. Irritiert war ich darüber, wie sehr facebook & Co bei Hobos eine Rolle spielen. Sie möchten Shoestring einmal kennenlernen? Es gibt momentan 318 Videos über und von ihm auf YouTube.

https://www.youtube.com/user/TheHoboShoestring

Passt meiner Meinung nicht dazu, wenn man als Hobo von sich behauptet, um alles, was in der Gesellschaft üblich ist, einen großen Bogen zu machen. Ist dann das Hobosein nicht nur noch eine Rolle, die gespielt wird?

Postkartenliebe

In meinem Leben spielen Postkarten zeitweise eine besondere Rolle. Als Achtjährige gab ich z. B mein ganzes Taschengeld für 3D-Postkarten aus, die ganz neu auf dem Markt waren. Ich war ganz verrückt danach! In meiner Buchhandlung gab es dann über mehrere Jahre hinweg in jedem verkauften Buch monatlich eine andere Postkarte als Lesezeichen und 2013 startete ich das Projekt „1000 Postkartenunikate“.
Die Liebe zu Postkarten ließ mich im Laufe der Zeit auch einige Bücher zu diesem Thema kaufen und heute möchte ich Ihnen einen Titel vorstellen. Aber zuvor noch eine Einstimmung. Diese Postkarten habe ich in den letzten Wochen gestaltet:

Oben rechts „Treffen der Zauberfeen in Viersen“, darunter „Viele Pünktchen und vier Antons“
Oben links unterhalten sich Gertrude Stein und Marcel Duchamp über Rosen, darunter eine Auswahl an Jeanstaschen.

Rechts eine Winterszene vom Marktplatz in Roermond, Mitte Szene in einem Pariser Café, links Graffiti in Lissabon

Und um dieses Buch dreht es sich heute:

127 Postkarten hat der Autor Jurek Becker vom Sommer 1992 bis kurz vor seinem Tod im Frühjahr 1997 an seinen Sohn Jonathan, genannt Johnny, geschrieben. Johnny konnte in dieser Zeit noch nicht lesen und so war auch Mutter Christine als Vorleserin involviert.
Das Buch, es ist vielleicht eher ein Bildband, zeigt die einzelnen Postkarten mit ihren Vorder-und Rückseiten. Die Motive der Postkarten sind vielfältig. Barbarpapa und Batman sind Helden für Johnny, also bekommt er mehrere Karten mit Szenen aus Filmen. Der kleine Junge ist großer Traktor-und Lokomotivenfan, auch hier bedient sein Vater Johnnys Vorlieben. Es gibt aber auch ganz andere Postkarten, z.B. Kunstpostkarten von Miro, Picasso oder Kandinsky. Da Becker seinem Sohn aus der ganzen Welt kleine Grüße schickt (z.B. aus Indien, Peru, Irland, USA oder Polen) sind auch Fotokarten mit lustigen Szenen oder Karten mit z.T. ungewöhnlichen Abbildungen dabei.
Ich habe schon lange nicht mehr ein Buch gelesen, das so viel Herzenswärme ausstrahlt. Becker liebt seinen Sohn abgöttisch und vermisst ihn sehr auf seinen Reisen oder wenn er sich in das Haus in Siseby zurückgezogen hat, um an einem neuen Buch zu schreiben. Diese Liebe spürt man beim Lesen immer wieder. Doch die Texte der Postkarten zeigen auch, wie sehr Becker an dem Leben seines Sohnes teilnimmt und er als Vater aus der Ferne versucht, seinen Sohn positiv zu beeinflussen. Oft stellt er Johnny Fragen zu den Postkartenmotiven und möchten ihn zum Nachdenken anregen. Er erzählt seinem Sohn aber auch von Fehlern, die er selbst als Erwachsener gemacht hat und zeigt sich so als jemand, der keineswegs perfekt ist. Ja und dann ist da noch Beckers große Gabe, die Fantasie seines Sohnes anzuregen. Johnny liebt alles, was ein großer Quatsch ist und lacht für sein Leben gerne. Sein Vater gibt ihm deshalb konsequent sehr phantasievolle Kosenamen, wie z.b. Aprikosenei, Kugelblitz oder Mauseloch. Er erzählt auf den Karten kurze augenscheinlich abstruse Geschichten und Johnny ist entzückt. Allerdings versucht Becker auch in diesen Geschichten, seinem Sohn etwas zu vermitteln. So soll Johnny mehr Obst und Gemüse essen, auf den Karten tauchen dann z.B. Orangensaft oder Äpfel als Protagonisten der Geschichten auf.

Dieses Buch ist für mich auch eine „Ode an die Postkarte“. Man sollte Postkarten nicht nur im Urlaub verschicken, sondern viel häufiger auch mal zwischendurch. Sie sind in der heutigen Mail- und WhatsApp-Zeit ein kurzes „Ich denk an dich“, aber viel persönlicher und individueller.

Im Fernsehen sah ich vor ein paar Wochen, dass die Schauspielerin Caroline Peters (Mord mit Aussicht, im August die Buhlschaft im Jedermann in Salzburg) zusammen mit ihrem Mann einen Postkartenverlag ( „Art Postal“mit zeitweiligem Ladenlokalen) in Wien gegründet hat, weil sie damit auch zum Erhalt der Postkartentradition beitragen möchte. Sehr sympathisch.

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Ich hatte am Montag erwähnt, dass ich letzte Woche Urlaub in Ostfriesland gemacht habe. Dieses Mal folgen keine Reisetipps, da wir sehr faul waren, aber wer Lust hat, kann am Samstag überprüfen, wie gut er sich in Ostfriesland auskennt.

Die blaue Stunde in einem Garten

Ein Fisch wartete am Eingang.

„Willkommen mein Herr, schön, dass Sie uns beehren! Genießen Sie unseren Garten zur blauen Stunde! Der Eintritt ist frei. Sie können Äpfel pflücken, Beeren sammeln, an jeder Blume riechen und sich an ihrem Duft ergötzen, fotografieren, telefonieren, sich überall ausruhen, nur eins dürfen Sie nicht: Setzen Sie sich nicht auf den Zeitstuhl! Tun Sie es trotz meiner Warnung, kann ich Ihnen nicht versprechen, dass Sie Ihre Lieben wiedersehen!“
Der Mann nickte ohne ein Wort zu sagen.
“Unser Personal steht Ihnen jederzeit zur Verfügung. Wenn Sie Fragen haben, scheuen Sie nicht, es anzusprechen.“

Hortus gehörte mit zum Personal. Er wedelte freundlich mit dem Schwanz, sagte aber nichts.

Ich wünsche Ihnen nun einen verzauberten Aufenthalt, genießen Sie die Stille und das Licht. Fangen Sie Ihren Rundgang am besten gegen den Uhrzeigersinn an und gehen Sie dort durch das Tor. Die erste Station wird der See sein. Sollten Sie das Gefühl einer Berührung haben, fürchten Sie sich nicht. Es sind die verspielten Seefeechen, die sich einen kleinen Spaß erlauben.
Bitte entschuldigen Sie, dass ich soviel rede, aber es verirrt sich sehr selten jemand in unseren Garten und ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal jemand zur blauen Stunde bei uns war.“

Der Mann bedankte sich bei dem Fisch und ging, wie empfohlen, durch das Tor.

Nach ein paar Schritten sah er diesen Stein, doch er konnte die Inschrift nicht entziffern.

Am See kam der Mann an einem Boot vorbei, auf dem ein Buch lag. Der Umschlag war verwittert, die Seiten wellig, doch es sah so aus, als hätte gerade noch jemand in dem Buch gelesen.

Neben dem Boot stand eine Bank, auf die er sich setzte. Über den See flogen ein paar Libellen, merkwürdig vibrierte die Luft.

Anscheinend waren auch viele Seefeechen unterwegs. Erst kitzelte etwas an der Wange des Mannes, dann spürte er eine leichte Berührung auf seiner rechten Hand. Er lächelte.

Nach einer Weile stand er auf und ging weiter. Niemand war gekommen, um das Buch zu holen. Links am Weg ragte das Zepter des Königs Majutan II in den Himmel, ein kleines Schild am Boden machte darauf aufmerksam.

Eine Steinmöwe näherte sich diensteifrig und erzählte dem Mann mit krächzender Stimme:

„Der Garten war früher ein Teil eines Parks, der zum Schloss von König Majutan II gehörte. Hierhin zog sich der König zurück, wenn er müde vom Regieren war. Er las, hörte den Vögeln beim Singen zu oder ließ sich von der Hofechse unterhalten. Dann geschah ein Unglück. Eines Tages kehrte der König aus dem Park nicht in sein Schloss zurück und man hat ihn nie wiedergesehen. Da König Majutan II keine Nachkommen hatte, verfielen Schloss und Park und nur wir erinnern uns noch an den König. Sein Zepter konnten wir noch retten und diesen Baldachin des Sommerhauses.“

„Wenn Sie weitergehen, werden Sie bei Guaya und Genio vorbeikommen. Guaya weint immer noch um den König, Genio ist ein harmloser Baumgeist und brabbelt den ganzen Tag vor sich hin, kümmern Sie sich nicht um die beiden.“

Der Mann setzte seinen Weg fort. Blumen, die er noch nie zuvor gesehen hatte, verströmten einen betörenden Duft.

Dann hörte er das leise Weinen. Es war herzzerreißend.

Guaya sah nicht auf, der Mann ging an ihr vorbei. Es fiel ihm schwer, sie nicht anzusprechen.

Genio brabbelte tatsächlich ohne Pause

Unterwegs pflückte der Mann einen Apfel und biss hinein. Hatte er jemals einen so süßen und saftigen Apfel gegessen?

Der Rundweg durch den Garten war länger als der Mann erwartet hatte. Er merkte, dass er müde wurde, vielleicht sollte er noch einmal eine kleine Pause machen, dort stand ja ein Stuhl. Er war etwas verrostet und sah wackelig aus, aber er wollte sich ja auch nur kurz ausruhen.

„SETZEN SIE SICH NICHT HIN!“, warnte ihn die Hofechse.

„Entschuldigen Sie, ist mein Mann eventuell hier vorbeigekommen?“
Eine junge Frau sah den Fisch fragend an.
„ Wir verbringen hier in der Nähe unseren Urlaub und wohnen in dem kleinen roten Ferienhaus, vielleicht kennen Sie es ja. Mein Mann wollte sich ein bisschen die Füße vertreten und einen Spaziergang machen, aber ist immer noch nicht zurück. Jetzt ist es schon fast dunkel, ich mache mir Sorgen. Haben Sie ihn gesehen?“

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Dieser Garten gehörte zu unserem Ferienhaus in Ostfriesland. Jeden Tag, wenn ich in ihm umherlief, fiel mir eine andere Geschichte ein. Eine wollte ich wenigstens aufschreiben.

Leben und arbeiten in einem Auto-zu zweit

Der Autor Fredy Gareis ist freier Journalist und hat für eine Reportage drei Monate mit den Hobos in den USA gelebt. Seitdem geht ihm sein Wunsch nach mehr Unabhängigkeit nicht mehr aus dem Kopf. Auch seine Freundin Patrizia will aus Hamburg weg: Arbeiten, nur um die teure Miete zahlen zu können? Wie Gareis kann sie als Radioreporterin ebenfalls überall arbeiten und ist ungebunden. So geben beide ihre zwei Wohnungen im späten Frühjahr auf, verstauen das Wichtigste in zwölf Bananenkartons und stapeln diese in ihr 21 Jahre altes Auto „Aubergine“. Auf die Kartons kommt eine Matratze zum Schlafen, als Luxus kaufen Sie eine Kühltasche umd eine portable Toilette. Fertig.
Sie fahren quer durch Deutschland, mal um Familie und Freunde zu besuchen, um beruflichen Verpflichtungen nachzugehen oder einfach, um Deutschland besser kennenzulernen- wie z.B. den Duisburger Landschaftspark. Beim Reisen ist die Hauptaufgabe, jeden Tag einen Platz zu finden, wo sie übernachten können, möglichst sicher und in freier Natur. Sie lernen viele Leute kennen, außergewöhnliche Menschen, die entweder aus finanziellem Zwang oder aus Überzeugung nur noch im Auto leben. ( Es gibt in Deutschland die Bewegung, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie heißt „Vanlife“, bei Interesse einfach mal googeln).
Das Leben auf so engem Raum ist für beide manchmal nicht leicht und es kracht ab un zu ordentlich zwischen den beiden. Aber sie möchten ihre Ungebundenheit nicht mehr missen, denn bei ihren Besuchen bekommen sie immer wieder vorgeführt, wie der konventionelle Alltag aussieht: Oft vollgestopft mit Dingen, die man nicht braucht, kaum noch Platz für Spontanität. So entscheiden sie sich, im Herbst in die USA zu reisen und dort in einem Van zu überwintern.
Das Buch ist unterhaltend geschrieben. Wer schon einmal mit ähnlichen Gedanken gespielt hat, bekommt einige konkrete Tipps, wie das Leben im Auto besser gelingt. Aber Gareis beschönigt auch nicht. Er gibt zu, dass sie eine Unfreiheit gegen eine andere eingetauscht haben, denn dieses Leben bedeutet große Einschränkungen und auch häufiger Furcht vor Unbekanntem und Sorge vor Unvorhersehbarem.

Musik spielt im Leben der beiden eine wichtige Rolle. So gibt es am Ende des Buches eine Titelliste von Musikstücken, die die Reise begleiteten. Die Liste findet man auf Spotify unter

https://sptfy.com/9brV

Hier noch ein kleiner Film zu dem Buch:


David Bowie machte den Anfang

Vor ein paar Tagen las ich in einer Zeitung ein Zitat von David Bowie über das Altern. Der Satz gefiel mir sehr gut und ich wollte ihn ausschneiden. Doch das vergaß ich (altersgerecht) und warf die Zeitung weg. Dass die Zeitung nicht mehr da war, merkte ich gestern. Kurz geärgert, dann bin ich im Internet auf die Suche nach dem Satz gegangen und rief diverse Seiten mit Zitaten auf. Das Thema Alter kommt in den Sammlungen nicht zu kurz und ich fand noch ein paar andere Sätze, die mir gefielen. Hier sind sie:

Das Alter, das man haben möchte, verdirbt das Alter, das man hat.
(Paul von Heyse 1830-1914), deutscher Romanist, Novellist)

Das Alter ist kein Kerker, sondern ein Balkon, von dem man zugleich weiter und genauer sieht.
Marie Luise Kaschnitz 1901-1974, deutsche Schriftstellerin)

Alter ist eine herrliche Sache, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heisst.
(Martin Buber 1878-1965, österreichisch-jüdischer Religionsphilosoph)

Und zum Schluss der Satz von David Bowie:

Altern ist ein besonderer Prozess, bei dem du der Mensch wirst, der du immer schon hättest sein sollen. (Das Wort „wollen“ hätte ich auch gut gefunden).

Pffft, pffft-machen wir es den Franzosen nach!

Vor einer Woche schrieb ich über die Sendung „Karambolage“ und stellte Ihnen u.a. zwei kleine Filme vor, die in früheren Karambolage-Sendungen schon gezeigt wurden. Einer dieser beiden Filme beschäftigte sich mit dem „Brumisateur d‘eau“, einer kleinen Flasche mit Wasser, die wohl in jeder Handtasche einer Französin und in jedem Handschuhfach eines Franzosen zu finden ist. An heißen Sommertagen schwören unsere Nachbarn auf die Erfrischung durch das Besprühen des Gesichts mit Wasser.
In dem Film kam die Verwunderung zum Ausdruck, dass diese Methode der Abkühlung in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Das wollte ich so nicht auf mir sitzen lassen und schnell war ein geeignetes Gerät gefunden, um mein Gesicht zu umnebeln: Der Wasserbestäuber für meine Zimmerpflanzen. So besprühte ich mich und der Kühleffekt war eindeutig zu spüren, noch besser war es, das Gesicht danach in den Wind eines Ventilators zu halten.

Ich schaffte mir drei von diesen kleinen Flaschen à 100ml an und deponierte sie in der Tasche, im Auto und ….in der Nähe meiner Katze. Sie erinnert mich jetzt mehrmals am Tag vehement an ihre Wasserportion auf dem Rücken.
Das Wasser meiner beiden Flaschen „veredelte“ ich noch mit ein paar Tropfen Lavendel-und Orangenöl….Urlaub!
Gut, wenn man mal über den Tellerrand guckt.

Wie sieht Ihr Verhältnis zur Zeit aus?

Mit diesem Buch habe ich mich seit einigen Monaten beschäftigt. Es fiel mir in die Hände, als das öffentliche und private Leben plötzlich stillstand und die Coronazeitrechnung begann.
Das Buch versucht in zehn Kapiteln auf 270 Seiten, den Begriff der Zeit allumfassend zu beschreiben und zu deuten. Der Untertitel des Buches „Was sie mit uns macht und was wir aus ihr machen“ gibt den wichtigsten Aspekt des Buches wieder, aber es gibt darüberhinaus auch Texte zum Thema „Weltraumzeit“, „Ewigkeit“ oder „Weltzeit“. Manche Textstellen lesen sich nicht ganz einfach und ich brauchte immer wieder Pausen, um über verschiedene Sätze nachzudenken.
Ich habe mehrere Anläufe genommen, eine Inhaltsangabe zu schreiben, doch dies überforderte mich. Da ich das Buch wichtig finde, stand ich vor der Wahl, einen Link zu einer fremden Inhaltsangabe zu setzen oder mir etwas anderes einfallen zu lassen. So biete ich ihnen jetzt einige, wirklich nur wenige, Textstellen an, die Ihnen einen ersten Eindruck vermitteln. Vielleicht wird dadurch Ihr Interesse an dem Buch geweckt, es würde mich freuen.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der Langeweile. Da ist einmal die Langeweile, die der Mensch sich in seinem Inneren selbst erschafft, aber es gibt auch die Langeweile von außen:

Ein anderes Kapitel widmet sich der „Vergesellschaftung der Zeit“. Welches Verhältnis hatten die Menschen früher zum Begriff „Zeit“? Wie hat sich dieses Verhältnis in den letzten 100, 50, 20 und 10 Jahren verändert durch technologische Neuerungen und andere „moderne Anpassungen“ wie z.B. beim Umgang mit Geld. Was machen die Neuerungen aus den Menschen und ihrer Zeit?

Versuchen, die Welt zu verstehen…da kommt keine Langeweile auf.

Auge in Auge mit drei Haifischen

Plötzlich sah ich drei Haifischflossen,
sie kamen von rechts nach links angeschossen!
Mein Herz fing heftig an zu pochen,
nein, kein Zweifel, es waren Haie und keine Rochen.
Ganz langsam trat ich den Rückzug an,
mit den Augen immer an den Haien dran.
Ich wollte nicht ihr Abendessen werden
sie sollten mir mein Leben nicht verderben!
Bitte nicht als Gehacktes enden-
wo war die Chance, mein Schicksal zu wenden?
„Hallo Linda, träumst du gerade vor dich hin?“
Ich verstand zuerst nicht der Worte Sinn.
“Sollen wir dort drüben in das Museumscafé gehn,
nach dem Spaziergang wäre das doch ganz schön.“
Mein Mann lächelte mich an
und da wurde mir klar,
dass ich nicht,
oh es war so wunderbar,
in einem Meer um mein Leben schwamm,
sondern auf einer Wiese stand
und unter meinen Füßen war ganz viel Land…

In Porto, Januar 2017

Karambolage (Französischstunde Nr.26)

Wenn Sie die Sendung „Karambolage“ auf ARTE kennen, wenn Sie wie ich Fan dieser Sendung sind und dazu noch in Duisburg und Umgebung wohnen, dann interessiert Sie vielleicht folgende Veranstaltung der Duisburger VHS:

Für alle, die die Sendung „Karambolage“ nicht kennen, hier die Kurzdefinition aus Wikipedia:
Karambolage ist eine Fernsehsendung auf Arte, konzipiert von der französischen Filmemacherin Claire Doutriaux, in der wöchentlich deutsch-französische Eigenheiten und Kuriositäten auf künstlerische, humorvolle und experimentelle Art und Weise vorgestellt und erklärt werden. Seit September 2018 wird die Sendung in Deutschland sonntags um 18.55 Uhr auf Arte im Mehrkanalton (deutsch/französisch) ausgestrahlt, in Frankreich um 20.35 Uhr. Sie dauert ungefähr 11 Minuten. 

Für alle, die Karambolage kennen und der französischen Sprache zugeneigt sind, hier ein Hinweis: Es gibt über 300 der kurzen Erklärungsfilme auf YouTube auch in französischer Sprache. Sehr schön, um Französisch zu üben. Ein Beispiel, passend zu den heißen Tagen:

Für alle, die wissen wollen, woher ich das weiß, dass man sich diese Filme auf YouTube ansehen kann:

Ich habe im Newsletter von

darüber gelesen. Jedes Mal ist es eine Freude, den Newsletter von der deutsch-französischen Gesellschaft zu lesen. Die Artikel sind mal in deutscher, mal in französischer Sprache geschrieben und bieten Informationen für alle „Frankophile oder Frankophone.

Alors, nous nous voyons chez Madame Doutriaux?

Spaziergang früh morgens um 4.30 Uhr

Noch Stille bei den Vögeln,
ein paar Sterne blinken mich an.
In einer Siedlung legen die Bewegungsmelder
eine Extraschicht für mich ein.
Hinter einem hellen Fenster sitzt ein Mann
an einem Küchentisch
und starrt auf den Bildschirm seines Laptops.
Ihm scheint warm zu sein,
in meiner Augenhöhe hat er nichts an.
Eine Amsel meldet sich,
aber sie erhält noch keine Antwort.
Auf der Hauptstraße knattert eine Vespa vorbei
und hinterlässt ihren typischen Benzingeruch.
Ciao Napoli!
Auf dem Rückweg kommt mir eine Frau entgegen.
Meinen Morgengruß erwidert sie nicht,
aber ihr dreibeiniger Hund schaut mich herzig an.
Leere Busse haben es eilig und verzichten auf Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Fast wieder zuhause, kreuzt ein Jogger meinen Weg.
Er telefoniert. Um 10 Uhr wird er sich mit Uwe im Konferenzraum treffen.
Der Tag hat begonnen.

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