2019 erschien im Diogenes Verlag zum ersten Mal ein Musikkalender in Buchformat unter dem Titel „Ein Jahr voller Wunder“. Für jeden Tag des Jahres wählte die Autorin einen Komponist oder Komponistin aus, erzählte kurz die Lebensgeschichte und stellte ein Stück vor. Für 2024 gibt es erneut diesen Kalender:
Ich bekam vom Diogenes Verlag eine Leseprobe und diese machte mich neugierig. Der Schwerpunkt der 2024er Ausgabe liegt in der Präsentation von Komponistinnen. Hier ein Beispiel:
10. Januar 2024
Germaine Tailleferre (1892 – 1983) Violinsonate Nr. 2
1: Allegro non troppo
Heute gibt es eine frische, anmutige Violinsonate von einer der coolsten Frauen in der Musik des 20.Jahrhunderts. Geboren als Marcelle Germaine Taillefesse, änderte sie ihren Namen in einem bewussten Akt der Rebellion gegen den Vater. Dieser untersagte ihr nämlich – wie es wohl die meisten bürgerlichen Väter von Töchtern jener Zeit getan hätten –ihrer großen Leidenschaft nachzugehen: der Musik. Sie ließ sich nicht beirren, nahm weiterhin Klavierunterricht bei ihrer aufgeklärten Mutter (Hut ab, MadameT.!) und ergatterte schließlich einen Platz am renommierten Pariser Konservatorium. Dort studierte sie zusammen mit vielen der interessantesten Musiktalente der damaligen Zeit, darunterFrancis Poulenc (7.Januar) und Maurice Ravel (5.April), der sie besonders zum Komponieren ermunterte.Tailleferre lebte lange und war sehr produktiv und komponierte alles, von Balletten für Sergei Djagilew, den bad boyder Tanzmoderne,bis hin zu Filmmusiken, die kühn afrikanische Themen aufgriffen, und Konzertwerke für ungewöhnliche Instrumente wie Saxofone. Als einziges weibliches Mitglied der avantgardistischen Pariser Gruppe Les Six war sie natürlich stark mit den vorherrschenden Vorurteilen gegenüber Komponistinnen konfrontiert, doch allem Vernehmen nach hat sie sich davon nicht in ihrem Schaffen beirren lassen. Ganz besonders liebe ich,dass sie anscheinend bis kurz vor ihrem Tod, mit Anfang neunzig, immer noch am Klavier saß und komponierte. Ich habe für Sie einen Ausschnitte aus o.g. Werk ausgesucht:
Sollte sich in den nächsten Wochen oder Monaten ihr Aufenthalt auf einem Flughafen unerwartet in die Länge ziehen-aus welchen Gründen auch immer-habe ich für Sie die passende Musik. 1978 komponiert, 2004 noch einmal aufgefrischt. Als Beispiel das erste Stück der Schallplatte „Ambient 1: Music for Airports“ von Brian Eno.
Dazu ein Auszug aus Wikipedia: Hintergrund Brian Eno entwickelte die Idee für Ambient 1 während er 1977 zwangsweise einige Stunden auf dem Flughafen Köln/Bonn verbringen musste. Während er das Gebäude modern und großartig fand, ärgerte er sich über die gewöhnliche und in seinen Ohren unpassende Soundatmosphäre des Terminals. Noch während seines Aufenthalts begann er mit der Konzeption des Albums, das anders als gewöhnliche Hintergrundmusik, die entweder aufheitern oder atmosphärisch untermalen soll, „beruhigen und einen Platz zum Denken schaffen soll“. Beurteilung der Kritiker:
1979 beurteilte der Musikjournalist Michael Bloom in seiner Rezension für den Rolling Stone das Album als „ausschweifend und ziellos“. Eno habe zweifellos handwerklich gute Arbeit abgeliefert, es sei aber ein hartes Stück Arbeit sich auf die Musik zu konzentrieren. Während andere zeitgenössische Rezensionen ebenfalls eher gemischt ausfielen, würdigt die 2004er Rezension der US-Musikwebsite Popmatters Enos Ambient-Erstling als Meisterwerk, „dessen Wert man nur zu schätzen lerne, wenn man die Platte in verschiedenen Stimmungen und Umgebungen hört. Du merkst dann schlagartig, wie diese Musik deinem Verstand die Luft zum Atmen gibt.“
Ich entdeckte diese Musik bei der Lektüre des Buches „Atlas der ungewöhnlichen Klänge“. Dieses Buch stelle ich Ihnen am Mittwoch vor.
1931 fand in Paris eine große Veranstaltung zum Thema Kolonialisierung statt. Das Museum „Palais de la Porte Dorée“ wurde zu diesem Anlass gebaut und beherbergt bis heute ein tropisches Aquarium und Räume, in denen früher Kunst aus Afrika und Ozeanien gezeigt wurde und seit 2002 die Geschichte der Immigration und Auswanderung in Frankreich aufgearbeitet wird.
Das Gebäude ist im Art-Déco Stil gebaut und die beeindruckende Relief-Fassade zeigt Szenen aus den französischen Kolonien.
Auch innen ist das Museum durch große Wandgemälde und künstlerische Details „ ein Hingucker“.
Die Museumsbesucher können im Museum eine Zeitreise unternehmen, denn das Thema Immigration und Auswanderung wird exemplarisch an Hand von Geschehnissen bestimmter Jahre beleuchtet. Ein paar Beispiele: Es beginnt mit 1685. Protestantische Franzosen fliehen vor den Repressalien der Katholiken in Regionen, die mehrheitlich protestantisch sind. So kamen auch ca. 150000 Hugenotten in deutsche Gebiete und prägten mit die deutsche Geschichte. Im selben Jahrhundert wurden von Franzosen ca. eine Million Afrikaner versklavt und nach Amerika und den Antillen verschleppt. Einer der Auswirkungen der Revolution von 1848 war die höhere Akzeptanz von Ausländern, die sich zunehmend auch in Politik und Kultur engagierten, so dass 1889 erstmalig ein Gesetz zur Einbürgerung von Ausländern verabschiedet wurde. Nachdem 1917 viele Männer aus den Kolonien nach Frankreich geholt wurden, damit diese im ersten Weltkrieg für Frankreich kämpften, lebten nach dem Krieg in dem Land ca. 2,7 Millionen Ausländer. Das waren 7 % der Gesamtbevölkerung. Die Weltwirtschaftskrise löste danach in Frankreich u.a. auch rassistische Übergriffe aus und 1931 wurden Ausländer ohne Arbeit gezwungen, Frankreich zu verlassen. 1962 steht exemplarisch für die Jahre, in denen nach der Auflösung der französischen Kolonien allein aus Algerien über eine Million Menschen nach Frankreich zurückkamen. Sie fühlten sich als Franzosen, wurden im Mutterland aber als Einwanderer behandelt- der Nährboden für viele Probleme, deren Auswirkungen bis heute die französische Gesellschaft beschäftigt.
Das Museum arbeitet dieses Thema auf ganz unterschiedliche Weise auf und ist dabei tagesaktuell- die Auswirkungen des Ukrainekrieges werden bereits dargestellt. Es gibt z.B. Schautafeln, Videoinstallationen, Exponate aus der jeweiligen Zeit, aktuelle Kunstausstellungen. Besonders gefiel mir auch das Musikstudio, in dem Musik von bekannten französischen Sängern und Sängerinnen gespielt wird. Alle hatten und haben ausländische Wurzeln.
Oben links: Kinder und Jugendliche wurden interviewt. Sie sollten u.a. über ihre Träume, Ängste und Zukunftspläne sprechen. Dieses Mädchen ist meine Heldin. Sie hatte keine Angst, sondern sprach Tacheles, was sie bei rassistischem Verhalten von anderen aufregt. Beim Thema Zukunftsplanung orientierten sich andere Befragte an ihrem Elternhaus, sie handelte das mit zwei Sätzen ab: Damit hätten ihre Eltern nichts zu tun, sie sei Herrin ihrer eigenen Entscheidungen!
Der Sänger Jarvis Cocker (Jahrgang 1963) der britischen Musikgruppe „Pulp“ beschließt, den übervollen Dachboden seines Elternhauses auszumisten. Was er auf dem Dachboden findet, nennt Cocker „Selbstausgrabung“, denn Erinnerungen an seine Musikerkarriere und die Ära von Margret Thatcher werden freigelegt. Jarvis Cocker hat über diese Dachbodenfunde ein Buch geschrieben:
Schon mit Anfang der Pubertät weiß Cocker, dass er eine Band gründen und berühmt werden will und erstellt ganz professionell einen „Masterplan“. Dazu gehören die einzelnen Schritte wie beispielsweise einen besonderen Kleidungsstil ( nicht zu punkig, aber auch nicht zu brav) entwerfen, Bandmitglieder finden, Songs schreiben (am besten ein Mix aus Punk und Barry White), Bühnen-, Radio-,und Fernsehauftritte organisieren, die Gründung eines eigenen Labels, um unabhängig von den kapitalistischen Großlabels zu werden. Ja, Jarvis ist ein Linker, der in Sheffield lebt, in der Stadt, die von den Maßnahmen Margret Thatchers in den 80er Jahren am schlimmsten betroffen ist. Der Masterplan erfüllt sich Schritt für Schritt, aber alles ist sehr mühsam und dauert lange, es gibt immer wieder Rückschläge und nach der Schule muss Cocker von Arbeitslosenhilfe leben. Er gibt seinen Traum nicht auf, bis er kurz vor einem sehr wichtigen Konzert aus einem Fenster fällt und schwer verletzt wird. Mehrere Monate verbringt er in Krankenhäusern und es wird ihm klar, dass er aus Sheffield raus muss und sich dem tatsächlichen Leben stellen muss. Er beginnt 1988 ein Kunst & Design Studium in London und hier endet das Buch. Was dann in den 90er Jahren mit Pulp geschah, das ist eine andere Geschichte.
Leider habe ich es nicht geschafft, in meiner Buchbesprechung den Witz und die Selbstironie von Jarvis Cocker mit einzubauen. So möchte ich jetzt explizit darauf hinweisen. Cockers Zeitreise mit seinen Gedanken zu Popmusik und dem Erwachsenwerden sind sehr vergnüglich zu lesen. Und ich muss noch ein Video zeigen, in dem ich in dem Buch blättere. Die Dachbodenfunde werden nämlich dokumentiert und dazu gibt es noch Erinnerungsfotos und Popkunst.
Und es gibt auch noch eine Playlist zum Buch https://ffm.to/goodpopbadpop Welche Lieder haben Jarvis Cocker geprägt, welche waren die ersten Songs von Pulp? Über 3 Sunden Musik zum Entdecken.
Momentan findet wieder das Klavier-Festival Ruhr statt. Hier geben sich die Stars der Pianistenszene ein Stelldichein und füllen große Säale. Dazu gehören dieses Jahr beispielsweise Argerich, Levit, Sokolov. Warum gehört Marc-André Hamelin bei den Besuchern des Festivals nicht dazu?
Wir besuchten sein Konzert in der überschaubaren Herner Kulturhalle, die nicht ausverkauft war. Hamelin spielte im ersten Teil des Konzerts die Sonate in es-Moll von Paul Dukas (1865-1935). Besonders der vierte Teil der Sonate gilt als unspielbar und ist bisher kaum live aufgeführt worden. Für Hamelin kein Problem, unmittelbar nach dem letzten Ton applaudierten die Zuhörer frenetisch. Nach der Pause widmete Hamelin sich zuerst entspannten Barcarolles und Nocturnes von Gabriel Fauré, danach stellte er seine eigene Komposition „Suite à l‘ancienne“ vor, bei der sein Können erneut zu begeistertem Applaus führte. Im Anschluss des Konzerts wurde Hamelin mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Was das bedeutet, versinnbildlicht diese Broschüre.
Ca. 160 Musikjournalisten stellen monatlich eine Bestenliste der neu erschienenen CDs zusammen, 2022 wurden so 112 Veröffentlichungen aus allen Sparten (nicht nur musikalischen, Hörbücher sind auch dabei) aufgelistet. Es wird ein Monatspreis vergeben und schließlich der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Auf Marc-André Hamelin zurückzukommen: Er war mehrmals Monats- und Jahrespreisträger, insgesamt schon zwanzig Mal! Dieses Jahr erhielt er den Preis für seine Einspielung der kompletten Ragtimekompositionen von William Bolcom. Hamelin beschäftigt sich seit Beginn seiner Karriere in den 80er Jahren immer wieder mit Werken von eher unbekannteren Komponisten und hat über 40 CDs veröffentlicht. So macht er diese Musik einem größeren Publikum zugänglich und das bringt ihn schon viel Sympathien bei den Juroren ein. Aber er hat auch Klassiker wie Stücke von Beethoven oder Liszt eingespielt und hier überzeugte er die Kritiker mit seiner Virtuosität. Als ich Hamelin beim Spielen zusah, konnte ich es kaum glauben, wie federleicht er die Tasten berührt und dabei ein so kontrastreiche Musik präsentiert. Er knüpfte wunderbare Klangteppiche.
Meine heutige Buchbesprechung fängt mit einem Lied an, welches für ein Buch den Titel zur Verfügung stellte und bestens auf den Buchinhalt einstimmt:
2022 erschien dieses Buch von Judith Holofernes, laut einer Zwei-Sätze-Buchbesprechung in einer Zeitung eine „gnadenlose Abrechnung mit dem heutigen Musikgeschäft“. Mal hinter die Kulissen von Konzerten, Spotify und Sony zu gucken, fand ich reizvoll.
Vielleicht schütteln jetzt manche Leser und Leserinnen ungläubig den Kopf, aber ich wusste von Judith Holofernes nur, dass sie Sängerin ist. Wann, wie, warum- keine Ahnung. Sie als Frontsängerin von „Wir Sind Helden“- keine Ahnung. Hits von „Wir Sind Helden“-keine Ahnung. Also las ich das Buch völlig unvoreingenommen und das war vielleicht gar nicht so schlecht. 2012 löst sich die Gruppe „Wir Sind Helden“ auf, u.a. auch wegen der Tatsache, dass Judith, sie ist verheiratet mit Pola, dem Schlagzeuger der Gruppe und beide haben zwei Kinder, das Familienleben auf Konzert-und Promotouren nicht mehr aufrecht erhalten kann, ohne dauernde gesundheitliche Schäden davonzutragen. Nach dem Ende fällt der Druck endlich von ihr ab, endlich kann sie wieder durchatmen, endlich Zeit, ihr „eigenes Ding“ zu machen, sprich, eine CD mit ihren aufmüpfigen Liedern herauszubringen. Ohne Stress mit Garageband! Dann macht sie den Fehler, Berater aus der Heldenzeit mit einzubeziehen und schnell ist sie wieder in der alten Maschinerie des Musikgeschäfts gefangen. Ihre Solokarriere beginnt holprig, denn ihre Lieder handeln vom Muttersein und anderen Themen einer Frau von 38 Jahren, nicht unbedingt kompatibel mit den Ansprüchen der Musikbeschallungssender. Hier ein Beispiel:
Erneut ist ihre seit der Kindheit labile Gesundheit ausschlaggebend, dass sie aus dem Musikzirkus aussteigen muss. 2015 bringt sie einen Band mit Tiergedichten heraus, 2017 erscheint „Ich bin das Chaos“, die zweite Solo CD. Sie hat aus den Fehlern früherer Jahre gelernt, lässt sich nicht durch Verträge einengen, hat keine zu großen Erwartungen an den Erfolg. Trotzdem verlangt ihr diese CD auf andere Weise viel ab. Sie ist eine Frau über 40, deren Jungmädchenstimme nicht mehr zu ihr passt, wie sie selbst spürt.
Der Versuch, ihre Stimme zu verändern, scheitert, denn die Stimme verweigert den Dienst und beendet vorerst das Leben als Musikerin. Aber sie seitdem hat andere Träume wahr gemacht. Sie bringt u.a. einen Podcast heraus, hat dieses Buch geschrieben und ist nun Hundebesitzerin- es scheint ihr gut zu gehen, Ende des Buches. Judith Holofernes bekommt dieses Jahr den Fred Jay Preis für ihre Liedtexte verliehen. „Mit ihrem breiten Themenspektrum beweist sie, dass sich politisches Engagement, Verletzlichkeit, Sprachwitz und populäre deutsche Musik nicht ausschließen“, betonte die Jury. Der Sprachwitz war auch für mich das größte Plus beim Lesen ihres Buches. Holofernes schreibt sehr ehrlich über sich, ihre Familie, Freunde und das Musikgeschäft, was ich ihr hoch anrechne. Sie irrlichtert durch ihr Leben, manchmal hätte das Selbstmitleid vielleicht etwas kleiner sein dürfen. In den Texten kommen immer wieder Buchtitel vor, von denen sie begeistert schreibt oder sie erwähnt Musikgruppen oder besondere Lieder. Da musste ein Notizzettel her, um das alles nachzuarbeiten- sehr anregend!
Letzte Woche entdeckte ich zufällig diesen Pianisten auf YouTube. Seitdem läuft bei mir seine CD „Letter“ rauf und runter. Sofiane Pamart war bis 2018 in der französischen Rapszene verankert. Dann erschien seine erste Solo-CD als Pianist und seitdem scheint er schon sehr berühmt geworden zu sein- nur ich hatte keine Ahnung. Sie vielleicht auch nicht?
Ebenfalls rauf und runter probierte ich am Wochenende die kostenlose Fotobearbeitungsapp „Photoshop Camera-Fotoeffekte“ aus. Ca. 80 Filter werden z.Zt. angeboten. Ich fand einige Effekte, die ich bis dahin von anderen Programmen nicht kannte. Hier ein paar Beispiele:
Ein Schwarzweissfoto habe ich als Negativ umgewandelt, danach mit dem Filter „Pop-Art“ bearbeitet.
Ebenfalls ein Schwarzweissfoto, das ich mit „Medienmix“ einfärbte.
Im letzten Beitrag erzählte ich Ihnen von meinem Besuch der Ausstellung „On Air“, in der es hauptsächlich um Toninstallationen ging. Auf meinem Handy habe ich vor einiger Zeit die App „Koala“ installiert, mit der man Töne und Geräusche aufnehmen und weiterverarbeiten kann. Während der Ausstellung nutzte ich die App mehrmals, weil ich mit den Tönen ein Lied komponieren wollte. Das Ausgangsbild von Koala sieht so aus:
Wenn man einen Ton, eine Tonfolge oder auch Gesprochenes oder Gesungenes aufnehmen möchte, drückt man eine der roten Tasten und hält die Taste gedrückt. Lässt man los, wird die Taste blau und die Töne sind erkennbar.
Diese Töne kann man unter „Sequence“ ( oben Mitte) zusammenführen und ein Beat entsteht.
Hat man einen Beat, kann dieser noch unter „Perform“ auf 16 verschiedene Weisen verändert werden. Ist man mit dem Resultat zufrieden, lässt sich diese Sequenz leicht abspeichern oder in Garageband und andere Musikprogramme exportieren.
Das tat ich und spielte zu den Tönen, die ich alle in dem Museum aufgenommen hatte, noch ein bisschen Klavier (In Garageband „Classic Electric Piano“ und „Old-Time Recording Keys“). Herausgekommen sind 3 Minuten im brasilianischen Regenwald.
Bitte Pfeil links antippen.
Als Titel des Liedes würde vielleicht „Short Requiem for the Brazilian Rain Forest“ gut passen.
Noch bis zum 26.3.23 läuft auf der 2. Etage des Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum diese Ausstellung:
Wenn Sie alleine und/ oder mit Ihren Kindern oder Enkeln Spaß haben wollen, sollten Sie nach Krefeld fahren.
Der erste Raum sieht so aus:
Die Installation ist von David Tudor & Company und heißt „Rainforest V (Version 2). An jedem Objekt ist ein Lautsprecher angebracht und geht man mit dem Ohr nah genug heran, hört man einen Ton oder ein Geräusch. Berührt man die Objekte (ist ausdrücklich erlaubt), ändern sich teilweise die Töne. Ich nahm teilweise die Töne mit der App „Koala“ auf, denn ich hatte da so eine Idee. (Darauf komme ich im nächsten Beitrag zurück). In weiteren Räumen stehen u.a. Installationen von den bekannten Künstlern Jean Tinguely und Günther Uecker , die z.T. ganz schön laut waren. Auch diese durfte man ausprobieren. Mir gefielen am besten die dezenten Laut-Kunstwerke, wie z.B. von Takis mit dem Titel „Musical Hannover 6“.
oder von Yaacov Agam das Bild „ Tableau Tactile Sonore“, mit dem ich gerne längere Zeit verbracht hätte, um alle Tonvarianten auszuprobieren.
Jedes runde Blech erzeugt bei Berührung einen anderen Ton
In Vitrinen sind Dokumente ausgestellt, die das Wirken verschiedener Tonkünstler verdeutlichen. Hier kann man Witziges entdecken:
Schließlich gibt es noch eine Art „Tonstudio“, in denen Töne sichtbar geacht werden:
Wenn Sie nach diesem Rundgang noch Lust auf mehr Kunst haben, wartet auf Sie noch die erste Etage. Das Kaiser Wilhelm Museum hat einen großen Präsenzbestand und wechselt einmal pro Jahr die Ausstellungsstücke aus. Wir waren von der Vielfältigkeit beeindruckt und lernten beispielsweise heimische Künstler wie Heinrich Campendonk oder Wilhelm Georg Cassel näher kennen.
Pierrot mit Schlange von H. Campendonk
Künstler der Düsseldorfer Malschule oder der Popart sind vertreten, besonders erwähnen möchte ich auch das „Blaue Schlafzimmer“. Der Künstler Helmuth Macke, Cousin von August Macke, hat die Möbel eines Schlafzimmer mit Tier- und Aktbildern expressionistisch bemalt.
Möchten Sie sich nach diesem Museumsbesuch stärken? Das Museumscafé wird z.Z. nicht bewirtschaftet, aber gegenüber vom Museum gibt es das empfehlenswerte Café „Geschwisterherzen“. Hier findet man eine Auswahl an herzhaften kleinen Gerichten und gelungenen Kuchen.
Keine bezahlte Werbung!
Nachtrag vom 28.März 2023: Zeitungsartikel aus der Rheinischen Post:
Krefeld hat das Museum des Jahres
Ein Kunstkritikerverband zeichnet die Häuser für ihre „Mehrstimmigkeit“ aus.
VON PETRA DIEDERICHS
KREFELD | Der Dreiklang von Kunst, Design und Architektur hat die Jury überzeugt: Die Kunstmuseen Krefeld sind als Museum des Jahres ausgezeichnet worden. Die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbands AICA hat den Titel für die geglückte Verbindung in den drei Häusern – Kaiser-Wilhelm-Museum, Haus Esters und Haus Lange – vergeben. Die rund 220 Autoren, Kritiker, Journalisten und Publizisten, die in der deutschen Sektion zusammengeschlossen sind, vergeben jedes Jahr drei undotierte Preise an Museen und für einzelne Ausstellungen.
Die Kunstmuseen sind laut der AICA-Jury „ein bedeutender Pionier in der aktuell wieder diskutierten spartenübergreifenden ‚Mehrstimmigkeit‘ künstlerischer Disziplinen“ und außerdem ein „wichtiger Ort der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunstavantgarde“.
Krefeld habe 2021 den „wohl wichtigsten Ausstellungsbeitrag zum Beuys-Gedenkjahr“ geliefert mit der weltweit ersten Ausstellung, die Gemeinsamkeiten und Gegensätzlichkeiten der beiden Kunstpioniere Marcel Duchamp und Joseph Beuys in Dialog gesetzt hatte, eine „gelungene und intelligente Herausforderung für die Ausstellungsbesucher“, wie die AICA befand.
Die Avantgarde ist mit dem damaligen Museumsdirektor Paul Wember wie ein Donnerhall nach dem Zweiten Weltkrieg in die Krefelder Museumshäuser eingezogen: Arman füllte Glaskästen mit Abfällen, Yves Klein hatte seine erste Einzelausstellung mit seinen Monochromen und hinterließ eine in Spezial-Weiß getünchte Kammer, den „Leeren Raum“, und von Beuys gibt es in der oberen Etage des Kaiser-Wilhelm-Museums unter anderem die Installation „Barraque D’Dull Odde“ und einen Edelstahlbrunnen – eine Installation, die er selbst in den 1980er-Jahren eingerichtet hat. Weltweit sind nur noch zwei Installationen authentisch erhalten, bei deren Aufbau der Künstler selbst Hand angelegt hat. Was heute ein Aushängeschild ist, hat die bürgerliche Gesellschaft damals verwirrt oder gar entsetzt.
Katia Baudin, die seit 2016 die Kunstmuseen leitet, hat mit ihrem Konzept die Anfänge der Museen in den Fokus genommen. Das Kaiser-Wilhelm-Museum ist im Ursprung ein Bürgermuseum – 1897 eröffnet und auf Initiative und mit dem Geld der Krefelder Gesellschaft erbaut worden. Der „gute Geschmack“ sollte hier kultiviert werden. In den von Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe geplanten Museumsvillen spielt die Auseinandersetzung der Künstler mit den Räumen eine wesentliche Rolle. Diese Fäden spinnen Baudin und ihr Team weiter. „Den Besuchern wird auf diese Weise eine differenzierte Möglichkeit gegeben, unterschiedlichsten ästhetischen Formen und Darstellungsweisen zu begegnen“, urteilen die Kunstkritiker.
Die Auszeichnung kommt passend: Krefeld feiert 650-jähriges Bestehen als Stadt, und die Museen zeigen in der Ausstellung „Produktive Räume“ zeitgenössische Kunst und Design von Künstlern der Region.
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