Warnung vor zwei Büchern

Einfach nur ärgerlich:

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2 von 5 Sternchen. Ein Sternchen für das Titelbild, ein wohlmeinendes Sternchen für die „Message“ des Buches. (Man soll aus seinem Leben das Beste machen und dabei auf sein Herz hören). 3 Sternchen Abzug für den Schreibstil. Eine Mischung aus „Erzählstil a la Märchentante“ und Weinerlichkeit gepaart mit Ausdrücken aus einem blutrünstigen Psychothriller. Nicht zu ende gelesen, da unerträglich.

Not Sorry WARNUNG !!! Lesen Sie das Buch nicht, wenn Sie Wert auf eine halbwegs normale Ausdrucksweise legen! Um zu zeigen, was stilistisch in diesem Buch geboten wird, passe ich mich kurz der Schreibweise der Autorin an:

Mir geht es zwar selten, aber manchmal beschissen, wenn ich bei Dingen, die mir eigentlich scheissegal sind, nicht „NEIN“ sage. So fing ich an, dieses Buch zu lesen, um herauszufinden, wie man auf alles scheissen und Arschlöchern die Stirn bieten kann.

Das reicht, oder? Leider habe ich mit diesem Buch Zeit vergeudet, denn selbst wenn die Kernaussagen zum Nachdenken anregen, kann ich so ein Buch nicht ernst nehmen und bin von der Sprache nur genervt. Dem Ullstein Verlag gebe ich für dieses Buch die rote Karte, denn konsequent wäre es gewesen, den Untertitel des Buches z.B. „Sch… Sie auf alles und es wird Ihnen gut gehen“ lauten zu lassen, dann wäre man vorgewarnt gewesen. Oder die Übersetzerin hätte die Erlaubnis haben sollen, die vielen Möglichkeiten der deutschen Sprache anzuwenden, um zumindest 50% der Sch…-Wörter zu eliminieren.

 

Benzingeruch und Fluglärm- das ist Urlaub!

Gestern habe ich mich im Garten eine Stunde in die Sonne gelegt, um ein kleines Experiment durchzuführen. Ich habe in der Vergangenheit die Ferien oft am Meer verbracht und wollte jetzt wissen, ob mich sonnen und das Hören von Meeresrauschen über Kopfhörer wieder in Urlaubsstimmung versetzt. Hier der Ablauf des „Experiments“:

1. Sonnen + Meeresrauschen hören- war entspannend
2. Gesicht mit Sonnenmilch eingecremt- der Duft war eine gute Idee
3. Flugzeuge flogen über mich hinweg- Film ab: Ich liege an Stränden, an denen Flugzeuge vorbei fliegen. Entweder kamen „Frischlinge“ an oder Urlauber flogen nach Hause…Und ich durfte noch bleiben! Ein seliges Lächeln macht sich auf meinem Gesicht breit.
4. Irgendwo wird in der Nachbarschaft gekocht- es riecht nach Fisch- das passt.
5. Kurz hintereinander fahren zwei Mofas am Garten vorbei, ein Benzingeruch weht mir in die Nase. Film ab: Ich bin auf Sizilien, ich liege am Strand, es riecht nach Fisch und dann knattern zwei Vespas vorbei und stinken genauso.

URLAUB! ✌✌✌
Dann noch ein bisschen ? und ein ?- bin mit dem Versuchsergebnis nicht unzufrieden.

 

Bonjour madame, bonjour monsieur!

Letzte Woche hatte ich angekündigt über eine Stadt zu schreiben, bei der ich glänzende Augen bekomme. Diese Stadt ist Lüttich. 1 1/2 Stunden Autofahrt, Auto parken, in eine Espressobar gehen, Kaffee trinken, Augen schließen, zuhören und schon bin ich in Frankreich, in Paris. Die meisten Deutschen kennen Lüttich, wenn überhaupt, vom Sonntagsflohmarkt. Das ist wohl der größte Europas, aber es ist ein großer Fehler, Lüttich darauf zu reduzieren. Man darf nicht sonntags dort hin fahren, sondern am besten freitags. Dann hat man Flohmarkt + eine sehr lebendige Stadt mit geöffneten kleinen Fachgeschäften, Straßencafes und Märkten.

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Lüttich bietet diverse Museen, Kirchen, Altstadtviertel, Shopping en gros, Parks, Flanieren an der Maas, sehr leckeres Essen und dazu die berühmten belgischen Biere. Wir besuchten zuerst die Kathedrale, von der wir uns gar nicht losreißen konnten. Die Kirchenfenster alter und junger Künstler( u.a. aus Südkorea) sind sehr eindrucksvoll und bei Sonnenschein besonders magisch. Es gibt eine Schatzkammer und einen Klostergang.

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Unser zweites Ziel war das Museum für moderne + alte Kunst „La Boverie“, untergebracht in dem Gebäude der Weltausstellung von 1905.

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Komplett restauriert und durch einen Glasanbau erweitert, bietet das Museum Sonderausstellungen und mehrere permanente Ausstellungen ( z. B. Bilder von der Gruppe Zero oder eine Ausstellung unter dem Motto“ Die schwarze Galerie“mit sehr lichtempfindlichen Kunstwerken). Ein Museum, das in den nächsten Jahren international sicher noch mehr Beachtung erfahren wird. ( Eine enge Zusammenarbeit mit dem Pariser Louvre ist erst einmal auf 3 Jahre vereinbart).

Wir schlenderten an der Maas zurück nach Outremeuse, wohl das Szeneviertel von Lüttich. Auch hier viele alte Häuser, die z.T. sehr kleine individuelle Restaurants beherbergen.

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Auf dem Weg zurück zu unserem Auto kamen wir noch an mehreren Skulpturen vorbei.

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Hier hat man auch ein bisschen Berliner Karl-Marx-Allee

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Im Herbst kommt ein Buch heraus mit dem Titel „111 Orte, die man in Lüttich gesehen haben muss“. Dies werde ich mir zulegen, dann ist die Vorfreude auf den Besuch im nächsten Jahr (siehe Meinen Kalender) noch größer. Straßen mit Jugendstilhäusern, die Zitadelle, das Marionettenmuseum oder das Curtius Museum, alles noch nicht gesehen…

Gold für…

Wer mal eine Pause vom Olympiagucken im Fernsehen machen, aber trotzdem beim Thema bleiben möchte, dem empfehle ich diesen Roman:

Gold

Kate und Zoe, beide Anfang 30, sind Radrennsportlerinnen und stehen vor ihrer letzten Qualifikation für die Olympiade. Während Kate Ehefrau und Mutter ist, die neben dem Training sich zusammen mit ihrem Mann um ihre leukämiekranke Tochter kümmern muss, lebt Zoe vereinsamt in ihrem Luxusapartment und leidet unter Dämonen aus ihrer Kindheit. Nur eine kann bei der Olympiade teilnehmen, wer wird es sein? Dabei sind die Frauen nicht nur Rivalinnen, sie verbindet privat auch eine ganz besondere Freundschaft, denn sie teilen ein Geheimnis, dass niemals in die Öffentlichkeit geraten darf. Doch wird ihre Freundschaft dieses Mal die sportliche Rivalität aushalten?

Kampf um Gold, Kampf um die Gesundheit eines Kindes, Kampf um Liebe, „Kampf“ als Thema eines Romans, der beste Unterhaltung bietet.

Chris Cleave: Gold dtv Verlag 14,90

Highlight im Garten

Manchen Gartenbesitzern ist es sicherlich egal, wer da so seinen Garten besucht, bei manchen Gartenbesitzern gehört so ein Besuch zum Alltag und ist nichts Besonderes mehr, ich lasse bei so einem seltenen Besuch möglichst alles stehen und liegen, setze mich in den Garten, beobachte und vergesse die Zeit-Glücksmoment. Und dann nehme ich mir für das nächste Jahr vor, noch mehr insektenfreundliche Pflanzen in den Garten zu holen…

Schmetterlingsbesuch

 

 

1979 gab es noch keine Blogs…

…aber ich finde, dass dieses Gedicht etwas mit dem Schreiben eines Blogs zu tun hat. Gefunden habe ich den Text in dem Gedichtband „Schlimmstenfalls wird alles gut“- Gedichte der Gelassenheit, erschienen im Insel Verlag

Bekanntmachung

Ich hänge mich
ans schwarze Brett
des Lebens
und jeder
der daran vorübergeht
kann mich lesen
wenn er will
kann stehenbleiben
wenn er will
kann mich abreißen
wenn er will
kann mich hängenlassen

von Elisabeth Alexander 1979

Die Studentenstadt mit den wenigsten Fahrrädern

Ich weiß nicht, ob die Behauptung stimmt, aber als wir im Juli in Siegen waren, haben wir kaum Radfahrer gesehen. Was nicht verwundert, denn wenn man in Siegen unterwegs ist, dann muss man gut zu Fuß und „gut zu Luft“ sein oder anders ausgedrückt (so las ich es in einem anderen Blog), am besten zieht man sich Wanderschuhe an und nimmt Pickel mit- die Stadt z.T. sehr, sehr hügelig.

Siegen     Siegenstadt

Was kann nun einen dazu bringen, an einem Sonntag nach Siegen zu fahren? Der Auslöser war das „Museum für Gegenwartskunst Siegen“, das die ehrenvolle Auszeichnung „Museum des Jahres 2011“ vom Internationalen Kunstkritikerverband AICA inne hat. In diesem Museum läuft z.Zt. eine Sonderausstellung mit Fotos des Künstlers Hans Hartung und diese Bilder interessierten mich sehr.

Siegenmuseum  Die Zahl der Berühmtheiten, die in diesem Museum vertreten sind, ist schon beeindruckend, jedoch konnte mich die Dauerausstellung trotzdem nicht richtig begeistern. Auch beim Gebäude selbst sprang der Funke nicht über. Die Fotoausstellung war teilweise sehr inspirierend und rettet letztendlich diesen Teil des Ausfluges.

Da wir nun aber schon einmal in Siegen waren, wollten wir noch ein bisschen mehr sehen, denn Siegen kann neugierig machen. Hier wurde z.B. Rubens geboren, es gibt das kleinste Beatlesmuseum der Welt, die Stadt bietet zwei Schlösser, das Unter- und das Oberschloss. Wir bummelten in der Oberstadt, die Unterstadt ist nicht sehr attraktiv, da sie im Krieg zerbombt wurde und sich übliche Bausünden mit Shopping Centern abwechseln. So kamen wir noch an diversen Sehenswürdigkeiten vorbei und netten kleinen Geschäften unter Arkaden.

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Die Cafe-Szene ist allerdings ausbaufähig. Das Wetter war schön und warm, und die zwei Cafes, die wir entdeckt haben, waren völlig überlaufen. Vielleicht gibt es aber auch noch mehr Einkehrmöglichkeiten, doch dazu fehlte uns dann die Puste…

Der Sonntagsausflug war insgesamt gelungen, fällt unter die Kategorie „nett“. Über eine andere Stadt, die auch nicht weit von uns entfernt ist, schreibe ich nächste Woche. Kategorie „Hier fangen meine Augen zu glänzen an“.

 

 

Spannende Zeitreise in die Fünfziger

Bühlerhöhe

Bundeskanzler Adenauer macht seit Jahren im Schwarzwald im Hotel Bühlerhöhe Urlaub. Auch 1952 soll es wieder so sein, doch besteht in diesem Jahr eine besonders große Gefahr, dass ein Anschlag auf ihn verübt wird. Er setzt sich dafür ein, dass Deutschland Ausgleichszahlungen an Israel zahlen soll, und das ist für deutsche und israelische Extremisten inakzeptabel. So hat Adenauer deutsche Bewacher, aber auch Rosa Silbermann vom Mossad. Allerdings ist Rosa mit der Aufgabe anfänglich überfordert, denn ihr zugeteilter Partner Ari taucht zuerst nicht auf und die Hausdame vom Hotel, Sophie Reisacher, wird zu ihrer Gegenspielerin. Sophie merkt, dass mit Rosa etwas nicht stimmt und sie glaubt darüber hinaus, dass Rosa ihr den Mann ausspannen will, den sie sich für eine bessere Zukunft ausgeguckt hat. Doch Rosa wächst mit ihren Aufgaben, dann taucht Ari auch endlich auf und es scheint, dass der Bundeskanzler nicht in Gefahr gerät. Es scheint….

Der geschichtliche Hintergrund dieses Romans ist sehr interessant, man bekommt mit, wie sehr alte Naziseilschaften damals noch in Deutschland verankert waren und beim Lesen spürt man regelrecht die Miefigkeit der damaligen Zeit. Und dann ist da noch das außergewöhnliche Duell zwischen Rosa und Sophie.

Ein „runder“ Gesellschaftsroman, der spannend zu lesen ist.

Brigitte Glaser „Bühlerhöhe“ List Verlag 20 Euro.

Georges Brassens- ein vergessener Chansonnier

Dieses Chanson ist aus meiner Schulzeit, wir nahmen es im Französischunterricht durch. Ich finde, das Lied hat eine zeitlose Aktualität…

Lied an den guten Menschen
(dt. D. Kaiser 2002, alias Didier Caesar,
möglichst nahe am Original,
gleichsilbig und gereimt)

Es ist für dich, dies neue Lied,
du guter Mensch, der ohn’ Unterschied
mir vier Scheite Holz gegeben hast,
als die Kälte mir war große Last.

Du hast mir Feuer gegeben, als
Die Gerechten mit starrem Hals,
alle Wohlmeinenden, die zu fett,
die Türe mir haben verwehrt.

Ein wenig Feuer war’s und nicht mehr,
aber gewärmt hat es mich doch.
In meiner Seel’ brennt’s immer noch,
als ob es ein Freudenfeuer wär.

Guter Mensch, wenn dir die Stunde schlägt,
wenn dich Freund Hein von dannen trägt,
trag er dich durch den Himmel gleich
in das Gottesreich.

Es ist für dich, dies schöne Lied,
Wirtin, die du ohne Unterschied,
mir vier Scheiben Brot gegeben hast,
als der Hunger war bei mir zu Gast.

Du hast deinen Knappsack geöffnet, als
Die Gerechten mit starrem Hals,
alle Wohlmeinenden, die zu fett,
sich freuten ob meiner Diät.

Ein wenig Brot war’s und nicht mehr
aber gewärmt hat es mich doch.
In meiner Seel’ brennt’s immer noch,
als ob es ein Festessen wär.

Wirtin, wenn dir die Stunde schlägt,
wenn dich Freund Hein von dannen trägt,
trag er dich durch den Himmel gleich
in das Gottesreich.

Es ist für dich, dies schöne Lied,
Fremder, der du ohne Unterschied,
Mir unglücklich zugelächelt hast,
als Gendarmen mich brachten zum Knast.

Beifall geklatscht hast du auch nicht, als
Die Gerechten mit starrem Hals,
alle Wohlmeinenden, die zu fett,
dazu lachten noch, so gut wie’s geht.

Ein wenig Met war’s und nicht mehr,
aber gewärmt hat es mich doch.
In meiner Seel’ brennt’s immer noch,
als ob es ein Sonnenstrahl wär.

Fremder, wenn dir die Stunde schlägt,
wenn dich Freund Hein von dannen trägt,
trag er dich durch den Himmel gleich
in das Gottesreich.