Wer nicht neugierig bleibt, wird nur noch älter (Marianne Frauchiger)
Kategorie: Museumsbesuche
Eine Museumsreise „rund um die Welt“. Hier stelle ich aus vielen Museen Ausstellungsstücke vor, die ich faszinierend finde und gebe Tipps für Museumsbesuche.
Als wir vor zwei Wochen in Berlin waren, besuchten wir u.a. auch das „Rote Rathaus“ und das „Museum für Kommunikation“ nahe „Checkpoint Charlie“. Von außen sind beide Gebäude schon sehr eindrucksvoll und man könnte sich länger mit den Details der Fassaden beschäftigen. Doch war das Wetter sehr schlecht und so flüchteten wir schnell nach innen.
Im Roten Rathaus wurden wir von mehreren Wachmännern freundlich begrüßt, einer kostenlosen Besichtigung stand nichts im Wege. Schon der Aufgang zu den repräsentativen Räumen in der ersten Etage war beeindruckend.
Überrascht wurden wir zudem von einer Ausstellung, die seit dem 11. Dezember 2025 in den verschiedenen Räumen des Rathauses gezeigt wird. Hier ein Ausschnitt aus dem Flyer:
Noch ein paar Ansichten aus anderen Räumen:
Auch die anderen Räume waren sehenswert, die Gestaltung der Fenster ist abwechslungsreich (Foto links unten). Rechts oben eine Büste zu Ehren Margot Friedländers.
Unser Besuch fiel dementsprechend länger aus als geplant, zumal es dann auch noch diese Lego-Sehenswürdigkeit zu bestaunen gab.
Ca. 78000 Legosteine wurden in ca. 200 Stunden verbaut von René Hoffmeister, dem einzig zertifizierten Legobaumeister Deutschlands. Sah man genau hin, entdeckte man beispielsweise einen kleinen Superman, der am Turm entlang kraxelt, ein Pinguin ging auf der Straße spazieren oder auf dem Dach arbeitete ein Imker. Im Hintergrund des Fotos drei Vitrinen mit Gastgeschenken.
In dem Flyer wird von einer Wunderkammer gesprochen und das war nicht übertrieben. Eine zweite Wunderkammer bietet Berlin in dem „Museum für Kommunikation“. Betritt man dieses Gebäude ist man auch „very impressed“.
Das Museum hieß zuerst „Reichtspostmuseum“ und wurde 1872 eröffnet. In den 90er Jahren des 20. Jahrhundert wurde es restauriert und das Thema „Kommunikation“ kam dazu. Wir sahen uns erst die Schatzkammer im Keller des Museums an. Hier trifft man im Vorraum auf eine Wechselausstellung von alten größeren Gegenständen, die in irgendeiner Form mit der Post zu tun haben. Besonders schön fand ich dieses alte Schild einer Poststation von 1754.
In der abgedunkelten Schatzkammer haben Besucher die Möglichkeit, eine der auf der Welt seltenen „Blauen Mauritius“ Briefmarken zu sehen.
Fotocollage: Unter der Blauen Mauritius unten links: 1863 erfand der Deutsche Philipp Reis das Telefon. Doch konnte zu dieser Zeit niemand etwas mit seiner Erfindung anfangen, so dass erst 1876 A.G.Bell durch sein Telefongerät bekannt wurde. In der Mitte sieht man Briefe, die mit dem Luftschiff „Hindenburg“ transportiert wurden, rechts Teile der ersten Rohrpost in Deutschland.
Im Erdgeschoss und den beiden oberen Etagen gibt es in Vitrinen viele Gegenstände, die die lange Geschichte der Post erzählen, sei es, dass es um die Zeit 5000 v. Ch. geht, wie es während der Weltkriege war oder dass auch ein Blick in die Zukunft geworfen wird.
Unten links: Wann werden uns Pakete und Briefe per Drohne zugestellt? Rechts: Auch ins Weltall zur ISS wurden bereits Briefe und Pakete geschickt.
An den Wänden findet man diverse Sammlungen, die demonstrieren, wie sich das Erscheinungsbild der Post oder die Kommunikation verändert hat.
Fotocollage aus verschiedenen Plakaten, die für die Post geworben haben.
Schreib mal wieder und benutze Briefmarken anstatt langweilige PC-Frankieraufkleber:
Links unten ein Beispiel für einen Brief, dessen Briefmarkenstempel Werbung machen. Dies war besonders nach dem Zweiten Weltkrieg sehr beliebt.
Die zukünftigen Veränderungen in der Kommunikation wird man weiterhin in diesem Museum dokumentieren, ganz nach dem das Motto:
Zum Schluss noch ein Tipp: Post kann auch Kunst sein. Eine „Mailart“-Ausstellung findet gerade in Duisburg statt:
Wie in anderen Städten sind auch in Berlin montags viele Museen und andere Orte der Zerstreuung geschlossen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen und dazu gehört u.a. die Berlinerische Galerie:
Foto vom Treppenhaus des Museums. Hinter den Wänden im oberen Stock liegen noch diverse weitere Ausstellungsräume
Ich stellte Ihnen im letzten Herbst ein Buch über die Künstlerin Hannah Höch vor, deren Leben für sieben Jahre geprägt war durch die Liebesbeziehung zu Raoul Hausmann, er war in den zwanziger Jahren einer der führenden Kopf der Berliner Dadabewegung. Momentan zeigt die Galerie eine große Hausmann Ausstellung mit ca. 200 Exponaten und ich war natürlich gespannt, wie die Rolle Hannah Höchs dargestellt wurde.
Collage mit Fotos und Gemälden, die Hannah Höch und Raoul Hausmann zeigen.
Raoul Hausmann ist mir als Mensch nicht sehr sympathisch, aber seine für damalige Zeiten sehr innovativen Ideen zur Kunst, Sprache, Architektur oder Fotografie haben mich schon beeindruckt und letztendlich war ich am Ende der Ausstellung sehr zufrieden, sie besucht zu haben.
Ein paar Beispiele für Raoul Hausmanns Vielseitigkeit
Da ich gerade da war, sah ich mir auch die permanente Ausstellung „Kunst in Berlin. von 1880 bis 1980“ an. WOW!
Hier findet sich die Crème de la Crème deutscher Künstler wie beispielsweise Beckmann, Corinth, Kirchner oder Liebermann. Was mich aber richtig begeisterte, waren die Themen einiger Kunstwerke und die mir bisher unbekannten Künstler und Künstlerinnen. Auf der einen Seite gab es die Bilder aus den 20er Jahren
Das Bild heißt. „Berliner Straßenszene“, es wurde 1921 von Nikolaus Braun gemalt. Auf den ersten Blick scheint es die Großstadt naiv darzustellen, doch sieht man genau hin, zeigt sich auch Kritik. ( z.B. Vor der Metzgerei mit drei Schweinen im Fenster steht ein Bettler).
Das Museum besitzt viele Dokumente zu den Bauplänen Hitlers. Fotos, Zeichnungen und ein Modell zeugen in einem anderen Raum von dem Größenwahn Hitlers und Speers.
Man beachte auf dem Foto oben links das kleine Brandenburger Tor (links unten) im Verhältnis zu der geplanten großen Halle.
Oder stellen Sie sich Folgendes vor: Am 8. Mai 1945 endet der zweite Weltkrieg, Berlin ist zerbombt. Ein Mann namens Gerd Rosen eröffnet am 2. August 1945 auf dem Kurfürstendam eine Galerie und zeigt Bilder in der Art wie unten gezeigt:
Oben zwei Originalfotos vom zerbombten Berlin, darunter zwei Bilder von Heinz Trökes und Fritz Köthe als Beispiel für Gemälde, die zur Eröffnung gezeigt wurden. Solche Kunstwerke waren kurz zuvor von dem Naziregime noch als „entartet“ eingestuft worden und dementsprechend bewegte sich die Reaktion der Galeriebesucher zwischen Begeisterung und Irritation.
Was war Gerd Rosen für ein Mensch, der so etwas leisten konnte? Welchen unmittelbaren Einfluss hatte die Galerie auf die Entwicklung der Berliner Kunstszene nach dem Krieg? Wie war die Reaktion der Alliierten auf die Galerieeröffnung? Was ist aus der Galerie geworden? Wer mehr wissen möchte: Dieses Buch erschien 1995 und man findet es noch in Antiquariaten.
In dem Museum bekommt man schließlich auch Einblicke in die Kunstszene des Berlins der DDR und Westberlins und wie unterschiedlich diese Entwicklungen waren.
Meine „Kirsche auf dem Kuchen“ war ein Sonderausstellungsraum, den das Museum anläßlich seines 50jährigen Bestehens 2025 Hannah Höch widmet. Von diesem Raum wusste ich nichts- eine schöne Überraschung!
Das Thema „Dadaismus“ ist für mich noch nicht abgeschlossen. Ich finde, es passt sehr gut in die heutige Zeit, in der alte Gewissheiten sich auflösen und Menschen immer mehr ihren Halt verlieren.
Einen weiteren Regentag an der Mosel verbrachten wir in zwei außergewöhnlichen Museen. In Traben-Trabach eröffnete 2019 Peter Rogoz sein Museum, um die Geschichte des Schuhputzens zu dokumentieren und einen Teil seiner Sammlung historischer und besonderer Schuhe zu zeigen. Das „Schuh-Styling-Museum“ ist ein Teil der Räumlichkeiten seines Ladens „Rares für Bares“, in dem Menschen fündig werden, die auf der Suche nach ausgefallenen Objekten sind. Wir hatten Glück, dass Herr Rogoz Zeit für uns hatte, denn er gab uns eine ca. 45 Minuten dauernde Führung durch seine Sammlung – ich hätte ihm gerne noch viel länger zugehört! Das Kunsthandwerk des Schuhputzens – nach dieser Führung weiß ich, dass es wirklich ein edles Handwerk ist – gibt es seit ca. Mitte des 17. Jahrhundert. Bis dahin waren alle Schuhe matt und reiche Menschen versuchten, ihre Schuhe durch besonders kostbare Schnallen zu verschönern und drückten damit auch ihren Stand innerhalb der Gesellschaft aus.
Zwei sehr wertvolle Schuhschnallen aus dem 17. Jahrhundert
Als nun die Idee aufkam, die matten Schuhe zum Glänzen zu bringen, war die Begeisterung groß und gute Schuhputzer waren in den nächsten Jahrhunderten angesehen und wurden gut bezahlt.
Künstler nahmen Schuhputzer gerne als Motiv für ihre Werke
In mehreren Vitrinen wurden historische Schuhe gezeigt, um zu verdeutlichen, wie die Schuhmode sich verändert hat, bzw. welche „Schuhspezialitäten“ es gab.
Fotocollage oben links: Schuhe wurden gerne bestickt und es wurden die unterschiedlichsten Lederarten (Foto oben rechts) und andere Materialien benutzt. Foto unten rechts: Schuhe aus Silber, entworfen von Salvator Faragammo für Marlene Dietrich. Foto unten links: Hush Puppies, eine von vielen bekannten Schuhmarken.
Herr Rogoz war viele Jahre lang auch professioneller Schuhputzer und begegnete auf offiziellen Anlässen vielen berühmten Persönlichkeiten. Alle saßen auf diesem historischen Holzstuhl aus Salamanca. In diesem Moment waren sie Menschen wie du und ich (so Peter Rogoz), sahen geduldig zu und erfreuten sich an dem Können des Schuhputzmeisters.
Fotocollage:Fotos oben: „Wellness“- Zubehör für Schuhe Unten links: Achten Sie auf den Pinsel! Eine japanische Tradition: Der Pinsel wurde in Rosenwasser getränkt und damit wurde der Rand der Geta Holzschuhe bestrichen, um beim Gehen einen Rosenduft zu verstömen. Rechts unten: Sehen Sie den Damenschuh in der Mitte des Bildes und den vor dem Schild liegenden Schlüssel? Der Pfennigabsatz des Schuhs war in einem Kugellager verankert. So brach er nicht so schnell ab, die Trägerin musste nur manchmal das Kugellager mit dem Schlüssel nachziehen.
Ca. 200 Exponate geben einen Einblick in die Kultur des Schuhputzens. Ein Exponat fehlte mir allerdings (oder habe ich es übersehen?). Eine Vitrine widmet sich der Werbung rund um dieses Thema. Mecki habe ich gesehen, aber mir fehlte Lurchi, der Salamander von den Kinder- Salamander-Schuhen…Ihn und seine Abenteuergeschichten habe ich als kleines Mädchen geliebt. Vielleicht sieht Herr Rogoz noch einmal in seinem Privatbestand nach ( es besitzt ca. 1000 potentielle Ausstellungsstücke) und findet für Lurchi noch ein Plätzchen im Museum?😉
Das zweite Museum war das Zylinderhaus in Bernkastel-Kues, eröffnet 2017.
Das Gebäude ist neu, erinnert aber an Fabrikhallen aus der Gründerzeit.
Wir haben uns schon öfter Oldtimer angesehen, doch in diesem Museum werden die ca. 300 alte Autos und Zweiräder umrahmt von passenden Geschäften aus der selben Zeit. Das gab einen „Atmosphärenkick“ und war abwechslungsreicher als ein Besuch in reinen Automuseen.
„Weißt du noch?“ Diese Frage hörte man häufig.
Bei den Fahrzeugen gab es Schönheiten und Raritäten wie diese beiden Beispiele zeigen:
Aber es wurden auch Autos in ihrem „Habitat“ gezeigt:
Campingglück auf kleinstem Raum/ Nachbildung eines berühmten Autoschrottplatzes in der Schweiz. Wer mehr darüber wissen möchte:
Um die Herbstfarben in der Natur auszukosten, fuhren wir für ein paar Tage an die Mosel. Wir übernachteten in Beilstein, einem kleinen Ort in der Nähe von Cochem. Das war eine gute Wahl, denn abends, wenn die vielen Tagestouristen wieder weg waren, hatten wir den Ort fast für uns alleine.
Romantisches Beilstein, in der Mitte die Fähre, rechts oben Beilstein am Abend.
Am erste Tag durften wir direkt „in Farben baden“.
Die Weinberge legen sich ins Zeug…Unten rechts der heilige Castor von Karden.
Wir machten eine kleine Landpartie und schlenderten durch Bruttig, besuchten das Kloster Maria Engelport und aßen in Treis-Karden zu Mittag.
Bruttig hat lauschige Ecken und ist ein Ort für Menschen, die die Ruhe bevorzugen.
Oben links der Klostergarten, rechts daneben das 800 Jahre alte Kloster Maria Engelport. Unten: In Karden kann man die eindrucksvolle Kirche St. Castor besichtigen (habe schlichtweg vergessen, ein Foto zu machen). Aber wenn man in Karden mit wachem Auge durch die Straßen streift, kann man an Häusern oder in Ladenlokalen auch kleine Besonderheiten entdecken. Auch scheinen die Menschen „entschleunigt“.
Service der Deutschen Bundesbahn
Am Nachmittag sahen wir uns die Weinberge von der Mosel aus an, eine Bootsfahrt von Beilstein nach Cochem dauert ca. 50 Minuten.
Das Wahrzeichen von Cochem, die Reichsburg.
Kleiner Stadtspaziergang in Cochem
Hier merkte man, dass die Herbstferien in NRW begonnen hatten. Viele Familien waren unterwegs, an den Ufern lagen mehrere Flusskreuzfahrtschiffe.
„Souvenirs“ eines abgefahrenen Kreuzfahrtschiffes…
Manche Kneipen würden auch gut zum Ballermann-Abschnitt auf Mallorca passen, wir fanden glücklicherweise eine Weinbar, die nicht so überlaufen war und probierten ein paar Moselweine.
Tag 2 und 3 waren dann leider Nebel- und Regentage. Wir waren vorbereitet und besuchten in Cochem den Bundesbank Bunker, der gebaut wurde, um eine Ersatzwährung für die D-Mark zu lagern. Klingt wie ein Agententhriller? Hier die Geschichte: In der Vergangenheit war versucht worden, die Wirtschaft von Großbritannien und Portugal durch sogenannte Falschgeldteppiche zu destabilisieren. Die BRD hatte in den 50er Jahren Befürchtungen, dass der Ostblock dies auch bei uns versuchen würde und so wuchs der Plan, eine Ersatzwährung zu erschaffen, die im Notfall eingesetzt werden könnte. Zu einem Tag X wäre die alte D-Mark für ungültig erklärt worden und die neue Währung hätte man in Umlauf gebracht.
Links die Ersatzwährung, rechts die damals gültigen D-Mark Scheine
So der Plan. Aber wohin mit den Scheinen im Wert von 15 Milliarden? In Cochem, strategisch gut in einem Tal gelegen, nahe bei Bonn und mit Schienen und Möglichkeiten des Schiffsverkehrs ausgestattet, fand man ein ideales Gelände inmitten eines Wohngebietes. Offiziell wurde ein Schulungsgebäude bzw. Urlaubsunterkunft für Angestellte der Bundesbank eingerichtet. Dass man bei dem Bau über zwei Jahre so viele Sprengungen im Fels vornehmen musste erklärte man den Anwohnern damit, dass ein Bunker Vorschrift bei offiziellen Gebäuden sei und sie im Notfall auch im Bunker Schutz finden würden. Als die Anlage fertig war, wurde das Geld in Kleintransportern angeliefert und ab 1964 arbeiteten nur drei Menschen an dem Ort mit dem großen Geheimnis. Sie waren hauptsächlich dafür zuständig, dass die Haustechnik funktionierte und die Geldscheine damit geschützt waren, sei es vor Zugriff von außen oder klimatischen Einflüssen. Bei einer Besichtigung begeht man fast alle Räume und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.
Oben links: Im Bunker auf dem Weg zu den Lagerungsstätten (oben rechts). Unten links: Die Anlieferung der Geldscheinpakete, rechts ein Beispiel für ein Paket.
Die Ersatzwährung kam nie zum Einsatz und in den 80er Jahren wurde den Verantwortlichen nach und nach klar, dass diese Idee gar nicht durchführbar war. 15 Milliarden waren inzwischen viel zu wenig, dank wachsender Bevölkerung und Inflation. Auch war die Logistik des Verteilens nicht bis zu Ende durchdacht worden. So wurde der Bunker 1988 geschlossen und die Ersatzwährung vernichtet. 1994 eröffnete die Volksbank einen Tresorraum für ihre Kunden. Ein Misserfolg, sodass schließlich ein privater Busunternehmer die Anlage kaufte und ein Museum mit einer kleinen Theaterbühne daraus machte.
Links sieht man noch einen Teil der Schließfächer der Vereinsbank.
In einer Woche folgt ein zweiter Moselbeitrag, in dem ich Ihnen von zwei weiteren sehenswerten Museen erzähle.
Letzte Woche fand in der Duisburger Stadtbibliothek eine Lesung zu diesem Buch statt (Besprechung aus der RP siehe unten):
Angeregt von diesem Roman über die Gerresheimer Glashütte, waren wir vorgestern im Düsseldorfer Kunstpalast in der Glasabteilung. Hier gibt es noch bis zum 5.10. eine Sonderausstellung zum Thema Muranoglas.
Fotocollage aus Bildern, die verschiedene Anwendungsgebiete zeigen: Oben links Teilansicht eines Lüsters, rechts daneben eine mannshohe Skulptur, deren Herstellung eine besondere logistische Herausforderung darstellte. Links unten: Ein Glasstein zur Dekoration oder zur Einlassung in einer Wand, rechts daneben eine Vase, die in Murano als Sinnbild für den Aufbruch in der Glaskunst nach dem Zweiten Weltkrieg steht.
Diese Ausstellung befindet sich in zwei Räumen, uns blieb noch Zeit, die permanente Glasausstellung zu besuchen. WOW- das Spiegelkabinett ! Eine Farb- und Formenexplosion, um jedes Ausstellungsstück zu würdigen, bräuchte es schon Stunden. Zur Zeit werden ca. 1500 Exponate der Öffentlichkeit gezeigt, die aus einem Bestand von 13000 Objekten ausgewählt wurden. Ich schätze, dass in diesem Spiegelkabinett ca. 1000 Teile zu sehen sind.
Rechts: Wo soll man zuerst hinsehen? Oben links: Alte Glasgefäße mit ihrer schillernden Oberfläche, daneben eine Flaschenauswahl. Unten links ein Beispiel für aktuelle Glaskunst, rechts daneben eine Sammlung von Briefbeschwerern.
Es gibt Glasschätze zu entdecken, die atemberaubend und/oder Überraschend sind, sei es wegen ihrer handwerklichen Kunst, der Ästhetik, ihres Alters oder des Titels.
Rechts: Ein Kleid aus Glas- mir fiel es schwer, es nicht zu berühren. Links: Der Lichteinfall in diesem abstrakten Werk strahlte etwas Geheimnisvolles aus, das vom Foto kaum wiedergegeben wird.
Links ein Kosmetikflakon, ca. 1300 bis 1500 Jahre alt, rechts eine „neue“ Ziege aus Glas.
Eine Alditüte aus Glasperlen als Huldigung der Plastiktüte- Ausführung toll, Idee naja. Craggs Idee gut, Ausführung naja.
In der Ausstellung werden viele Aspekte zu der ausgestellten Glaskunst angesprochen. Drei Beispiele: Auf welche Arten kann man Glas herstellen und wie haltbar sind diese verschiedenen Sorten, wie sind ihre Möglichkeiten der Verarbeitung? In den 70er Jahren wurde in den USA ein Miniofen erfunden, in dem man Glas brennen konnte. Das nahmen die Universitäten zum Anlass, das Glashandwerk als Lehrfach einzuführen und damit nahm u.a. die Verbreitung von Glasskulpturen einen rasanten Aufschwung. Auch bei Glaskunst gibt es die Provenienzforschung, die schwieriger ist als bei Bildern, da bei Gemälden öfter auf der Rückseite Anmerkungen oder Aufkleber zu finden sind.
Die Ausstellung ist für Hobbyfotografen sehr lohnenswert. Ich versuchte mich mal wieder in Schwarzweißaufnahmen:
Ein Besuch des Museums lohnt sich also auf jeden Fall.
Und hier nun noch die Besprechung aus der RP vom 25.9.2025:
VON PETER KLUCKEN
Wie stellt man einen historischen Roman vor, bei dem eine erdachte Geschichte mit historischen Fakten verbunden sind? Dorothee Krings gelingt das vorbildlich, wie sie jetzt beim ersten Abend der neuen Saison im Duisburger Verein für Literatur bewies. Dort präsentierte die renommierte RP-Redakteurin ihren Debütroman „Tage aus Glas“ nicht nur mit einigen ausgewählten Vorlesepassagen; sie gab auch Einblicke in ihre mehrjährigen Recherchen, die das faktische Gerüst ihrer schriftstellerischen Arbeit bilden.
Es geht in „Tage aus Glas“ um den Streik der Glasmacher in der Gerresheimer Hütte im Jahr 1901. Ein Lokalhistoriker hatte Dorothee Krings vor Jahren klagend darauf hingewiesen, dass dieser Streik und die schließlich im Jahre 2005 geschlossene Gerresheimer Glashütte, deren Emblem noch heute auf vielen Gläsern zu finden ist, in Vergessenheit zu geraten droht. Dabei war diese Glashütte einst die größte weltweit. 150 Millionen Flaschen wurden dort um das Jahr 1900 produziert, die in die ganze Welt exportiert wurden. 2000 Flaschenmacher pusteten sich ihre Lungen aus dem Leib, um bei einer Tagesschicht bis zu 230 Flaschen zu produzieren. Die Arbeit war mehr als herausfordernd. Die Hitze vor den Glasöfen war so groß, dass die Augenbrauen versengen konnten, wenn man nicht aufpasste. Eindringlich und präzise schildert Dorothee Krings in ihrem Roman die Arbeitsvorgänge und Arbeitsbedingungen. Das Flaschenmachen kennt sie mittlerweile mindestens so gut wie Schiller das Glockengießen. Den Flaschenmachern in Gerresheim sei es vergleichsweise gut gegangen, berichtete Dorothee Krings. Ihre Informationen zum geschichtlich-industriellen Hintergrund, den sie fesselnd schilderte, illustrierte sie mit historischen Aufnahmen, die sie während ihrer aufwändigen Recherchearbeit in Archiven und Museen fand. Flaschenmacher in Gerresheim durften in kleinen Werkshäusern wohnen, die alle kleine Gärten zur Selbstversorgung hatten. Der Lohn war für damalige Verhältnisse recht gut, es gab sogar einen Werksarzt und ein Invalidenheim für Arbeiter. Vor diesem Hintergrund, so Dorothee Krings, habe es für die Gerresheimer Flaschenmacher, die auch „Püster“ (wegen der nötigen Puste beim Flaschenblasen) genannt wurden, eigentlich keinen Grund zum Streik gegeben. Zum Streik entschlossen sie sich dennoch aus einem ehrbaren Grund: Aus Solidarität mit Flaschenmachern in anderen deutschen Städten, denen es nicht so gut ging. Es gab zwar auch 1901 eine Gewerkschaft und eine Streikkasse, aber kein Streikrecht wie heute. Wer sich in Gerresheim am Streik beteiligte, musste kündigen und verlor damit zugleich das Recht, in einem Werkshaus zu leben. Dennoch machten 1100 von den 2000 Flaschendrehern beim Gerresheimer Streik mit. Was der Streik für die Arbeiter und ihre Familien bedeutet, habe sie in ihrem Roman darstellen wollen, sagte Dorothee Krings. Dabei interessierte sie besonders die Auswirkungen auf die Frauen, die zwar nicht als Püster gearbeitet hatten, die aber natürlich ebenfalls von den Auswirkungen des Streiks betroffen waren. Zwei parallele Frauenschicksale stehen bei ihrem Roman im Mittelpunkt. Einmal Bille, Tochter eines einfachen Glasmachers, die davon träumt, mit ihrem Freund Adam nach Amerika auszuwandern. Und Leonie, Tochter des Werksarztes, für die der Vater Wege in ein großbürgerliches Leben ebnen möchte. Beide Frauen seien auf verschiedene Weise eingeengt, so die Autorin. Dorothee Krings gelingt es, die Geschichte der Frauen lebensnah und spannend zu erzählen. Die Verbindung der historischen Fakten des letztlich vergeblichen Streiks der Glasmacher mit den „erfundenen“ Lebensgeschichten gelingt ihr wunderbar. Im Literaturverein las sie zu Beginn den Prolog vor, bei dem ein kleiner Junge, Sohn eines stolzen Glasmachers, auf einem Jahrmarkt beim Wettklettern nach einer Fleischwurst tödlich verunglückt. Die Schlagzeile in der Zeitung erscheint am selben Tag wie die Schlagzeile zum Streikbeginn der Glasmacher. Das Lebensgefühl in den Gerresheimer Arbeiterfamilien ist fortan zerbrechlich; der Titel des Romans „Tage aus Glas“ spielt auf diese Zerbrechlichkeit an. Die Brücke vom Glasarbeiterstreik im Jahr 1901 in die Gegenwart kann geschlagen werden. Die streikenden Flaschenmacher hielten sich für unersetzlich, wussten noch nichts von der Maschine, die ein Mann namens Michael Joseph Owens in Amerika im Jahr 1903 erfinden würde, mit der so viele Flaschen produziert werden konnten wie 40 erfahrene Püster. Owens Automat von 1903 erinnere an die KI von heute, so Dorothee Krings.
Im Ruhrgebiet, genauer gesagt auf dem Gelände des Schiffshebewerks Henrichenburg, gibt es mal wieder eine lobenswerte Ausstellung. Das Thema: Container!
In diesem temporären Museum wurden Container im Kontext Kunst, Design und Film gezeigt.
Sie glauben, dass ist langweilig? Das dachten meine Begleitpersonen anfangs heimlich wohl auch, aber am Ende waren wir alle rundherum zufrieden mit diesem Museumsnachmittag.
Lohnt sich alleine schon die Fahrt nach Waltrop, um sich das Schiffshebewerk anzusehen, in einem Gebäude über seine Geschichte zu lesen und einen schönen Spaziergang am Kanal zu machen, vorbei an einigen historischen Schiffen, ließen wir das alles dieses Mal links liegen, um uns auf die globalen Boxen zu konzentrieren. Was kann man über Container schreiben? Ein paar Beispiele: Wie ging es in den Häfen zu, bevor es Container gab? Wer hatte die Idee dazu? Wie kommt es, dass alle Container gleich groß sind? Wie wird ein Container beladen? Wie sähe unser Leben aus, gäbe es keine Container? Was kann man sonst noch mit Containern machen? Haben Container eine Zukunft? Hier zu den Fragen einige passende Fotos zum Verdeutlichen und Lust machen auf die Ausstellung:
Wie war früher die Arbeit im Hafen? Chaotisch, wie man oben auf dem Bild sehen kann. Links unten Werkzeug der Hafenarbeiter, u.a. auch eine Zuckerklatsche, rechts alte Holzkisten, die heutzutage gerne noch als Dekorationsstücke hingestellt werden.
Auch hier gilt einmal mehr: Nur ein Mensch kann die ganze Welt verändern…Unten links ist der Brief ausgestellt, in dem der Erfinder Malcom McLean sich einverstanden erklärt, dass Container, auf deren Erfindung er das Patent besaß, eine einheitliche Größe bekommen. Die Verhandlungen zwischen Amerikanern und Europäern über die Größe hatten zuvor vier Jahre gedauert. So einigte man sich schließlich auch auf das Maß: Container haben Fußmaße und keine Metermaße.
Auf dem Bild rechts sind die Fußmaße umgerechnet worden, links die größten Containerfirmen der Welt. zu diesem Bild passt auch die ISO 3103.
ISO-Normen sind nicht nur für die Beschaffenheit eines Produkts zuständig, sondern auch für die Größe und erleichtern innerhalb eines Containers somit das Stapeln von Waren, und wenn es sich dabei auch „nur“ um Teebeutel handelt.
Oben sehen Sie zwei Schiffsmodelle: Das kleine stammt aus den 80er Jahren und konnte noch durch den Panamakanal (Foto rechts unten unter der Ansicht vom Suezkanal) fahren. Das große Schiffsmodell zeigt ein aktuelles Schiff, das nicht mehr durch den heutigen Panamakanal passt. Das Schiff ist über 400 Meter lang und über 60 Meter hoch. Links die Hauptrouten der Schiffscontainer.Oben rechts: 2014 wurde die neue Seidenstraße zwischen China und Duisburg gefeiert. Darunter: Container bringen uns neue Tierarten, was selten ein Vorteil ist. Unten: Container als schwimmende Lagerräume. Links: Container in der Bekleidungsindustrie- ein ganz spezielles Thema.
Container anders genutzt: Links als Material für ein Kunstwerk, rechts oben in London umgebaut als Appartement, darunter als Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko.
Und zum Schluss die Auflösung zu dem Schmuggelbulli:
Wie sieht die Zukunft von Containern aus? Besonders europäische Länder versuchen seit ein paar Jahren, wieder mehr vor Ort zu produzieren, um von Importen unabhängiger zu werden. Auch das Verhältnis zu asiatischer Billigware ändert sich. Zwar sehr langsam, aber das Bewusstsein der Bevölkerung für die problematischen Herstellungsmethoden scheint sich zu verbessern. Container gehören zu unserem Alltag, doch in der Zukunft vielleicht etwas weniger als bisher.
Die Ausstellung kann man noch bis zum 12.April 2026 besuchen.
Wir besuchten das Spitzenmuseum in Calais, in dem es u.a. eine Sonderausstellung gab.
Yiqing Yin ist eine chinesische Modedesignerin. Sie zog 1989 als Vierjährige mit ihren Eltern von Peking nach Paris. Hier studierte sie Modedesign und gewann schon bald mehrere Preise. 2015 wurde sie dann als erste chinesische Designerin in den kleinen Kreis der „Haute Couture“ Modedesigner aufgenommen. Sie arbeitete bereits für mehrere Modehäuser, für die Biennale in Venedig oder den Filmfestspielen in Cannes.
Yiqing Yin schöpft ihre Inspiration aus tierischen, pflanzlichen oder mineralischen Formen. Jedes Kleid hat einen Namen, oftmals aus mythologischen Erzählungen entnommen. Manche kleine Stickereien sahen wie Korallenstücke aus.
Die Materialien – Seide, Tüll, venezianischer Samt, mikroverkapselter Organza – werden nur von Hand verarbeitet, Yiqing Yin ist eine „Stoffbildhauerin“. Wir waren zu viert in der Ausstellung und konnten uns alle nicht sattsehen an der Schönheit und der handwerklichen hohen Kunst, die die Kleider ausstrahlten. Hier einige Beispiele.
Farben ohne Grenzen- Ein Kleid wie eine Landschaft
Weißes Kleid mit dem Titel „Minimal Naturalia“, das so fragil aussah, dass mein Beschützerinstinkt wach wurde.
Einige Fotos habe ich noch weiterverarbeitet. Hier ein „Traumbild“
Wie sähe es aus, wenn diese Stoffskulpturen plötzlich in Duisburg auftauchen würden?
Als wir die Tour de France besuchten, nutzten wir die Gelegenheit, kurze Stippvisiten in einige an der Opalküste liegenden Städte zu unternehmen.
Karte der Opalküste
Die Altstadt von Boulogne-sur-Mer liegt auf einem Hügel und ist, dank ihrer mächtigen Stadtmauer, nicht zu übersehen. Sie ist die touristische Hauptattraktion der Stadt, die ansonsten in ihrem Auftreten eher an eine gebeutelte arme Hafenstadt erinnert. In der Altstadt gibt es Museen, diverse Restaurants, kleine Geschäfte und Grünflächen.
Oben links: Man kann auf der Stadtmauer die Altstadt einmal umrunden, rechts daneben: Hinter der Stadtmauer zeigt sich der Turm der Basilika Notre Dame. Links unten: Im Garten „Ephémère“ wurde eine „Landart“ Ausstellung gezeigt. Rechts unten: Boulogne war bei der 2. Etappe der Tour de France der Ort der Zieleinfahrt.
Fotocollage mit Ansichten von der Stadtmauer aus.
Die Krypta von Notre Dame ist die größte Frankreichs und kommt auf ihren 1400 qm wie ein Labyrinth daher.
Nicht weit von Boulogne-Sur Mer liegt der „Strand der Pariser“ mit dem Namen „Le Touquet“. Im Hinterland stapeln sich teure Villen in üppigen Gärten, ein Ansammlung von normannischen Häusern soll ein bisschen Dorfcharakter erzeugen. Ein Blick auf den Strand ist allerdings dank grauer Hochhauskästen nur an wenigen Stellen möglich. Ein Besuch lohnt sich nicht, die schönen Strände findet man außerhalb des Ortes.
Dünkirchen überraschte mich mit einer schönen Hafengegend.
Fotocollage oben links: Mehrere Zwei-und Dreimaster lagen im Hafen, rechts daneben der alte Hafenwachturm aus dem 15. Jahrhundert „La tour du Leughenaer“. Links unten das Rathaus, daneben der Belfried von Dünkirchen, ein Kriegsmahnmal und Aussichtsturm..
Dünkirchen wurde im 2. Weltkrieg 1940 durch deutsche Luftangriffe erheblich zerstört. Es gibt nur noch wenige alte Gebäude, in der Innenstadt stößt man auf einige moderne Bausünden. Aber Cafés und Begrünung werten die Einkaufsstraßen auf. Besonders positiv fiel uns das kostenlose Busfahren auf, die Busse kamen im 5 Minuten- Takt und waren immer gut besetzt.
Zwischen Dünkirchen und Calais liegen schöne Strände und die Sonne „kitzelte“ etwas Opalfarben heraus.
Rechts oben: Der Strand von Dünkirchen, leider bei Regen. Die anderen Fotos sind nördlich und südlich von Calais aufgenommen.
Unter Kunstliebhabern ist Calais berühmt wegen der Skulptur „Die Bürger von Calais“ von Rodin.
Während des Hundertjährigen Krieges im Jahr 1346 ist die Englische Besatzung in Frankreich angekommen und im September 1347 sind sie an der nordfranzösischen Küste Calais eingetroffen. Elf Monate lang waren die Bürger von Calais Grausamkeiten der Engländer ausgesetzt und viele Menschen verhungerten. Die Situation der Stadt Calais war aussichtslos, als die Bürger einen Kompromiss mit dem englischen König eingingen. Sechs Bürger von Calais sollten hingerichtet werden, zur Vergeltung für die Verluste seiner Belagerungstruppe. Sechs wohlhabenden Bürger durften mit nichts anderem als mit einem zerrissenem Hemd und einer Schlinge um den Hals vor den König treten und überreichten ihm den Stadtschlüssel. Die Szene war so Mitleid erregend, dass die Königin von England, Philippa von Hennegaudie, die Gnade des Königs für die Bürger von Calais erflehte. (Textauszug von der Internetseite „Explore France“). Auguste Rodin erschuf dieses Bronzedenkmal zwischen 1884 und 1886, von den zwölf Güssen ist dieses das berühmteste.
Einen Märchengarten direkt daneben und vor dem Rathaus zu installieren, fand ich eine schöne Idee, nimmt er diesem Platz doch ein bisschen die Ausstrahlung von Schrecken und Macht.
Wir besuchten noch das Spitzenmuseum von Calais. Mit schönen Ausstellungsstücken wird die Geschichte der Spitze illustriert und es gibt Vorführungen zum Thema Spitzenklöppeln
oder es wird gezeigt, wie mit alten Maschinen Spitze gewebt wurde.
Fotocollage oben links: In den alten Musterbüchern hätte ich gerne einmal geblättert. Oben rechts: Das Lochkartenprinzip war lange die Basis für die Spitzenherstellung. Unten links: Die einzelnen Schritte bis zu einer fertigen Spitze, rechts ein Webstuhl aus dem 20. Jahrhundert.
Ein Teil des Museums ist Sonderausstellungen vorbehalten und hier hatten wir großes Glück, eine Ausstellung zu sehen, die wirklich atemberaubend war. Vorgestellt wurde die chinesische Modedesignerin Yiqing Yin. Ihr widme ich den nächsten Beitrag.
2023 kaufte die Bayerische Staatsbibliothek in München für über eine Million Euro ein Blatt von diesem berühmten Farbholzschnitt:
Im Rahmen der Ausstellung „ Farben Japans“ wurde dieses ikonische Bild zusammen mit über 130 anderen alten Farbholzschnitten, Tuschemalereien und alten Büchern jetzt der Öffentlichkeit präsentiert. Unser Besuch dieser Ausstellung war der Auftakt eines langen Wochenendes in Oberbayern. Meinen Lesern aus diesem Raum möchte ich die Ausstellung ans Herz legen, sie läuft nur noch bis zum Wochenende!
Einmal ein Original der großen Welle zu sehen, ist ein besonderer Moment, kennt man das Motiv doch schon auf Badevorhängen, Socken oder als Mousepaddekoration. (Meine Meinung dazu: Gruselig!) Das Bild gehört zu einer Sammlung, die der Künstler Katsushika Hokusai (1760 – 1849) ursprünglich unter dem Titel „Unter der Welle im Meer vor Kanagawa“ in seiner berühmten Holzschnittserie „36 Ansichten des Berges Fuji“ 1830/32 geschaffen hat. In der Ausstellung waren noch weitere Ansichten zu sehen:
Wenn man bedenkt, dass die gezeigten Holzschnitte bis auf einige Ausnahmen alle aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, dann finde ich die intensiven Farben der Bilder atemberaubend.
Fotocollage mit vier Farbholzschnitten. Ich möchte betonen, dass ich die Fotos nicht nachbearbeitet habe! Oben links: Spaziergängerin im Winter von Utagawa Hiroshige, daneben ein Farbholzschnitt mit Pflaumenblüten von Kawase Hasui. Links eine Szene aus einem Sumokampf, rechts unten ein siegreicher Krieger.
Besonders gut gefielen mir aber auch die zarten Tuschebilder, die mit wenigen Pinselstrichen so ausdrucksstark waren.
Schließlich schwelgte ich auch in den detailreichen Stoffmustern der Kleidung und den Alltagsdarstellungen von Frauen.
Die Originale werden in drei kleinen abgedunkelten Räumen gezeigt, im Treppenaufgang zu diesen drei Schatzkammern hat man einige Bilder vergrößert und als durchsichtige Stoffbahnen vor die Fenster gehängt. Auch das war beeindruckend.
Was passiert mit den Kunstwerken, wenn die Ausstellung vorbei ist? Sie werden wieder im Archiv weggeschlossen, denn sie gehören zu der Japan-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek, die aus 90000 gedruckten Bänden, 100 alten Handschriften und 1000 Einblattdrucken besteht. Ich finde es sehr bedauerlich, dass diese Schätze nicht permanent einem kunstinteressierten Publikum zugänglich gemacht werden. Oder stellen Sie sich einmal vor, diese Ausstellung käme nach Düsseldorf, wo die größte japanische Gemeinschaft in Europa lebt…Aber ob die Bayerische Staatsbibliothek überhaupt daran interessiert ist?
Nach dem Besuch der Bibliothek aßen wir in dem nahen persischen Restaurant „.Hafez“ auf der Schönfeldstr. 15 A. Das Restaurant hat einen Biergarten, in dem man z.B. diese Köstlichkeiten bestellen kann:
Der Inhaber war sehr freundlich und hatte sichtlich Spaß daran, wie sehr ich das Essen genossen habe.
Wir besuchten die Bindestrich-Stadt an einem verregneten Tag. Bindestrich-Stadt deshalb, weil es Situationen gibt, in denen es unklug ist, den offiziellen Namen der Stadt zu nennen und man dann besser Bindestrich-Stadt sagt. Gemeint ist die Stadt „Derry-Londonderry“ (der katholische/irische Name – der offizielle evangelische/englische Name). In dieser Stadt waren die Kämpfe in den 70er Jahren besonders schlimm. Hier zur Erinnerung:
Ich hatte gelesen, dass es in Derry (ja, ich ergreife jetzt Partei für eine Seite) ein Museum gibt, in dem die Darstellung der irischen Geschichte von beiden Seiten akzeptiert wird, also anscheinend die größte Neutralität bot. Dieses Museum besuchten wir zuerst und je weiter ich in die Geschichte eintauchte, desto mehr machte sich bei mir das Gefühl einer gewissen Hoffnungslosigkeit breit.
Danach ging es über die Jahrhunderte weiter mit Auseinandersetzungen und Kämpfen. Wer Interesse hat: Ich habe am Ende des Artikels eine kurze Zusammenfassung aus einem Beitrag im Deutschlandfunk angehängt.
Das Museum liegt oben auf dem Berg und gehört zu der komplett erhaltenen Ringmauer um die Altstadt. Auf der Stadtmauer machten wir anschließend einen Spaziergang und erkundeten ein bisschen den alten Teil der Stadt, die sich durch z.T. prachtvolle Bauten auszeichnet, die ab dem 17. Jahrhundert vorwiegend den Protestanten gehörten.
Links oben die „St. Columb Church, , darunter Sicht auf die Mauer mit einem Tower, in dem das Museum untergebracht ist. Rechts unten: Blick in das „Arts and Craft“ Village innerhalb der Altstadt.
Das zweite Ziel war das Viertel Bogside, das unten am Fuß der Altstadt liegt. Auch hier gibt es wie in Belfast sogenannte Murals, Gedenkstätten und ein weiteres Museum, dass sich das „Derry-Museum“ nennt.
Würde ich in diesem Viertel, das sichtlich arm ist, leben und jeden Tag würden mich die Murals an den Verlust erinnern und und ich müsste hoch zur Altstadt der Reichen sehen, wie lange wäre ich eine friedliebende Mitbürgerin? Würde nicht nur ein Funke reichen, um wieder auf die Straße zu gehen?
Der Blick auf die reiche Altstadt, unten Ansicht im Bogside Viertel.
Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf, das 27 Jahre alte Friedensabkommen scheint mir immer noch fragil.
Ich recherchierte etwas im Internet, wie andere Menschen diese Situation einschätzen und fand mehrere Texte von Irland-Korrespondenten oder Geschichtsprofessoren, die ähnlich skeptisch sind. Die Hoffnung, dass die junge Generation diesen Konflikt hinter sich lassen kann, scheint gering. Es gibt immer noch radikale Gruppierungen, von denen sich besonders Jugendliche angesprochen fühlen und die dann zu gewalttätigen Aktionen angestiftet werden. Menschen sterben auch noch heute, wie beispielsweise eine Journalistin, die über den Konflikt berichten wollte und unbequeme Fragen stellte oder ein Mann, der öffentlich gekreuzigt wurde. Auch der Brexit trägt zu der instabilen Lage bei. Offiziell gehört Nordirland nicht mehr zur EU, aber an den Grenzen zum EU Mitglied Irland gibt es keine Kontrollen, was immer wieder zu Kontroversen zwischen Irland und Großbritannien führt. Und schließlich engagiert sich die irisch- republikanische Partei Sinn Féin sehr in Nordirland und gewann beispielsweise in Bogside 40% der Stimmen.
Die Bindestrich-Stadt gilt laut des Geo Reisemagazins zu Unrecht als „Aschenputtel“-Reiseziel und da stimme ich zu. Ich hatte mir im Reiseführer noch einige andere interessante Plätze angekreuzt. Es gibt beispielsweise mehrere Parks und auch das Foyle-Flussufer ist teilweise schön gestaltet. Doch das Wetter machte unseren weiteren Erkundungsdrang an diesem Tag zunichte.
Demnächst geht es weiter mit viel Landschaft. Wir sind bei schönem Wetter an der Küste entlang gefahren und kraxelten u.a. auf dem Giant’s Causeway und gingen unter den „Dark Hedges“ spazieren.
Anhang (Text: Deutschlandfunk):
Wie ging es mit dem Konflikt in der Geschichte weiter?
Immer wieder regten sich Widerstände, immer wieder wurden sie blutig niedergeschlagen. Mitte des 19. Jahrhunderts dann die große Hungersnot. Gescheiterte Kartoffelernten, Typhus-, Ruhr- und Choleraepidemien. Eineinhalb Millionen Iren starben, eine Million wanderte aus. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Bevölkerung von ehemals neun Millionen auf dreieinhalb Millionen geschrumpft.
Und dann der Erste Weltkrieg. Tausende von Iren starben für England. Aber irische Widerständler glaubten, dies sei der ideale Zeitpunkt, um das geschwächte Großbritannien anzugreifen, und versuchten, die Bevölkerung für ihren Freiheitskampf zu mobilisieren. Am 24. April 1916 – einem Ostermontag – besetzten über 1.000 Nationalisten mehrere strategisch wichtige Gebäude in Dublin. Padraig Pearse, einer der Anführer, rief die Republik Irland aus.
„Iren und Irinnen! Im Namen Gottes und der toten Generationen, aus deren Hand Irland seine alte nationale Tradition empfangen hat, rufen wir unsere Kinder auf, sich unter der irischen Fahne zu vereinen und für die Freiheit zu kämpfen!“
Es folgten fünf Tage voller Chaos und Blutvergießen und schließlich unausweichlich die Niederlage. Rund 500 – zumeist Unbeteiligte – starben. Die Widerständler waren schlecht bewaffnet, schlecht organisiert, unter sich zerstritten und blieben eine winzige Minderheit – etwa 1.500 Menschen. Die Mehrheit der Iren wollte eine unblutige Lösung. Sie setzte auf die sogenannte Home Rule, die ihr von der Londoner Regierung in Aussicht gestellt worden war: einen autonomen Status innerhalb des Britischen Empire.
Ein Land war allerdings bereit, die irischen Kämpfer mit Waffen zu unterstützen: Deutschland lag daran, den britischen Kriegsgegner zu schwächen. Und so trafen die Vorschläge von Sir Roger Casement, einem ehemaligen britischen Beamten irischer Abstammung, auf offene Ohren, erzählt der britische Historiker John Röhl:
„Sein Plan war, dass er mit einem deutschen U-Boot dann in Irland abgesetzt werden sollte, und er sollte da den Aufstand leiten. Im April 1916 ist er dann an der Westküste Irlands abgesetzt worden. Die Engländer wussten aber schon, dass er kam. Sie haben ja die Kabel zwischen Deutschland und Amerika abhören können. Er ist im Tower of London inhaftiert worden, und im August 1916 ist er gehenkt worden.“
Auch die Rebellen in Dublin erwartete eine harte Strafe. 15 Anführer wurden im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und erschossen. Das brutale Vorgehen der britischen Soldaten löste bei der irischen Bevölkerung Hass und Empörung aus. Die Rebellen wurden zu Märtyrern erhoben, der Osteraufstand nachträglich mit tiefer Symbolkraft ausgestattet, das führte zu weiteren Konflikten. 1921 wurde Irland zum Freistaat erklärt – der vorwiegend protestantische Nordteil der Insel blieb auf eigenen Wunsch bei England. Aber auch diese Lösung brachte keinen Frieden.
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