Bretagne 5: Die Stadt Brest


Auf der Fahrt vom Norden der Bretagne in den Süden legten wir einen Zwischenstopp in Brest ein. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den 50er Jahren baute man schnell viele neue Wohnblocks. Die Kargheit dieser Nachkriegsbauten prägen heute noch das Stadtbild, Brest nennt sich freundlich „Die weiße Stadt“. Der erste Eindruck ist nicht sehr einladend, besonders bei Regen, den es in Brest öfter als in jeder anderen bretonischen Stadt gibt.

Oben: Das eine Ende der Einkaufsstraße mit dem Rathaus im Hintergrund. Unten: Ein ehemaliges Industriegebiet wird nach und nach umgestaltet- siehe unten!

In der Einkaufsstraße gibt es kaum die in Deutschland überall präsenten Ketten, keine Leerstände, stattdessen schöne Bekleidungsgeschäfte, die sich mit anderen Fachgeschäften, Cafés und Restaurants abwechselten. Die Straße verläuft zwischen dem Rathaus und der Hubbrücke, beides Wahrzeichen der Stadt.

Ein ebenso imposantes Gebäude ist die nahe gelegene Kirche St. Louis

Nachdem die ursprüngliche katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert im Zweiten Weltkrieg abgebrannt war, baute man von 1953 bis 1958 diese neue Kirche aus Beton, Granit und Stahl. Keine Ornamente mehr, die großartigen Fenster und wenige Holzfiguren sind der einzige Schmuck. Ich mag diesen Minimalismus sehr.

Möchte man sich mit der Geschichte der Stadt befassen, empfiehlt sich der Besuch des Schlosses. In ihm befindet sich auch das Maritimmuseum und man bekommt einen Eindruck, welche wichtige Rolle die Stadt seit der Römerzeit als strategischer Militärstützpunkt gespielt hat. Dies ist bis heute sichtbar, denn immer wieder trifft man auf Hinweisschilder, dass man vor einem militärischen Gelände steht, das nicht fotografiert werden darf.

Oben rechts eine Teilansicht des Schlosses, links daneben ein Ausbaggerschiff für den Fluss Penfeld. Links unten ein Ventilator für das Zwischendeck eines Schiffes, rechts daneben ein maritimer Kopfschmuck.

In der Innenstadt von Brest findet man nur wenige Grünanlagen. Etwas außerhalb liegt der Botanische Garten, dem wir auch einen kurzen Besuch abstatteten. Es werden hauptsächlich Pflanzen gezeigt, die im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt wurden, als im Hafen von Brest auch große Seeexpeditionen starteten.

Komme ich zum Abschluss auf den Höhepunkt unserer fünfstündigen Besichtigungstour zu sprechen. Brest ist durch den Fluss Penfeld geteilt und eine Seilbahn fährt von der Innenstadt direkt zu den „Ateliers des Capucines“, die laut Brest-Homepage die „größte überdachte öffentliche Platzfläche Europas“ ist.


Unten links die „Ateliers des Capucins“, ein ehemaliges Werft- und Industriegebäude der französischen Marine. Ursprünglich stand dort seit 1695 ein Kapuzinerkloster („Capucins“ = Kapuziner), das nach der Französischen Revolution von der Marine übernommen wurde. Im 19. Jahrhundert wurden daraus große Werkhallen für den Bau und die Reparatur von Kriegsschiffen.  

In den Reiseführern wird dieses Gebäude als Kulturzentrum beschrieben. Das ist richtig, aber es ist eher noch ein „Labor für den sozialen Wandel“. Man findet hier keine isolierten Ausstellungen, sondern offene Werkstätten, in denen man zusehen oder sogar mitmachen kann. Auf ca. 10.000 qm treffen sich Menschen, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen, Neues auszuprobieren, zu lernen oder sich inspirieren zu lassen.

Bibliothek, Theater, Konzertsaal, Geschäfte, Restaurants – gibt es hier alles. Aber beispielsweise auch ein Repaircafé (oben links), eine Boulderanlage oder Workshop-Räume- unten links findet gerade ein Bierbrauerkurs statt.
Rechts: Einfach mal was ausprobieren oder machen…

Bei einem erneuten Besuch von Brest würden wir mehr Zeit einplanen, denn wir waren noch nicht im Hafen oder in dem über die französischen Grenzen bekannten Meeresmuseum. Auch würde ich meinen Blick schulen, um die feinen Unterschiede der weißen Häuser zu entdecken und mehr wertzuschätzen.

Eine Collage mit Bildern von Gebäuden in Brest, erstellt von KI

Ein Fotonachmittag in Köln

Vorletzten Sonntag fuhren wir nachmittags nach Köln, um uns zum ersten Mal den Kölner Skulpturenpark anzusehen. Er liegt in der Nachbarschaft vom Zoo, fast direkt am Rhein (dort kann man sonntags kostenlos parken und hat direkt eine schöne Aussicht).

Jeden ersten Sonntag um 15 Uhr gibt es eine ca. einstündige Führung im Park, die wir allerdings verpassten. Eine Broschüre gab es am Eingang, bzw. Beschilderungen an den Kunstwerken mit QR-Codes oder Texten standen jedoch meistens mit Erklärungen bereit.

Der Park ist ca. 3 ha groß und zeigt seit den 90er Jahren im zweijährigen Wechsel Kunstwerke von deutschen und internationalen Künstlern. So findet noch bis Ende Juni die „KölnSkulptur Nr. 11“ statt. Danach werden ca. Zweidrittel der Kunstwerke abgebaut und 2027 durch neue ersetzt.
Der Park ist sehr gepflegt, sich neben den Skulpturen den sehr schönen Baumbestand anzusehen, war ebenso eine Freude. Diese begehbare Installation gefiel mir besonders gut:

Wir verbrachten ca. 1 1/2 Stunden im Park. Vom Park aus zugänglich ist das Restaurant Fux, das aber an unserem Sonntag geschlossen war. Wir fuhren deshalb vom Park direkt zu einem zweiten Park, dem Medien Park von Köln.

Auch diese Besichtigung war für uns eine Premiere. Nach dem Kaffeetrinken im großen Kino besuchten wir die Photographische Sammlung, die noch bis zum 12.7.26 die Ausstellung „Lebensräume- Zeitgenössische Perspektiven aus NRW“ zeigt. Zu sehen sind Fotos aus den Jahren 1990 bis 2024 von vierzehn verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern. Die Ausstellung lohnt sich!
(Eintritt 7,50 Euro)

Sehenswert sind auch die einzelnen Stockwerke des Gebäudes. (Könnte sein, dass der Hausmeister etwas grummelt, aber mit Freundlichkeit bekommt man das hin). Hier gibt es Fotomotive zu entdecken!

Das Treppenhaus
Blick nach außen
Blick nach innen
Spiegelung I
Spiegelung II

Wir machten zum Abschluss nur einen kurzen Spaziergang durch den Medienpark. Ich bin mir sicher, dass ich dort noch einmal mit dem Fotostativ und viel Zeit hinfahren werde, dieses Viertel ist sehr fotogen!
Noch ein Tipp: Unter dem Medien Park befindet sich eine Tiefgarage mit mehreren Parkebenen. Nehmen Sie PZ.

Hilden? Hilden!- Ein Ausflugstipp

Bisher verband ich mit der Stadt Hilden nur eine der schönsten Gärtnereien, die ich bisher besucht habe. Seit letzter Woche kenne ich nun auch die Innenstadt und sie ist ein Nachmittagsausflug wert.
Es gibt einen gute Rundwegbeschreibung, die man sich herunterladen kann:

https://click-rhein.lvr.de/detail/discovery/184

Lauschige Ecken, interessante Architektur, Kirchen, ein Park und dazu zahlreiche Cafés und Fachgeschäfte, man bekommt den Eindruck, dass man in Hilden gut leben kann. Hier ein paar Eindrücke:

Manches entdeckte man erst auf den zweiten Blick…
Unten links das ehemalige Rathaus
Wir kamen an zwei Kirchen vorbei und mehreren Plastiken. Oben rechts „Die eilige Einkäuferin“, darunter „Pandora“.

Nach dem Stadtrundgang besuchten wir noch das Wilhelm Fabry Museum.
Wer war Wilhelm Fabry?

In dem Museum läuft z.Zt die Ausstellung „Die Augen der Frida Kahlo“. Der Fotograf Bert Loewenherz hat Bilder von Frida Kahlo nachgestellt, bzw. sich Szenen ausgedacht, die der Welt der Frida Kahlo entspringen könnten.

Daneben werden Repliken von medizinischen Geräten und Heilmittel von Wilhelm Fabry gezeigt und erklärt, wie sie bei Frieda Kahlos Unfallverletzungen eingesetzt wurden.

Gegenüber des Museums befindet sich das Gebäude der alten Kornbrennerei Vogelsang. Auch sie kann man besichtigen.

Oben rechts: Hier wurde das Getreide gemahlen, Mitte Etiketten für diverse verschiedene Kornflaschen, unten links der „Geschmackschrank“, u.a mit Pfefferminze, Ysop ,Wacholder oder Bergamotte, unten Teilansicht der Destillerie

Am Ende des Ausflugs stärkten wir uns in einem Café auf dem schönen Marktplatz:

Ein gelungener Sonntagnachmittag!

Palermo bei Regen (Sizilien Nr. 4)

Was Sie bei Regen nicht tun sollten und besonders nicht an einem Sonntag:
Auf Platz 1 der touristischen Ziele in Palermo steht der Normannenpalast. Sehr groß und beeindruckend, aber am Sonntag nur bis mittags geöffnet. (Stand März 2026), so dass viele Touristen versuchen, mal eben eine Besichtigung in ihr Programm „reinzuschieben“. Lange Warteschlangen an einem Tickethäuschen mit einer Person an der Kasse, bzw. bei der Taschen-und Personendurchleuchtung. Gehen Sie lieber an einem Montagmorgen in den Palast, keine Wartezeiten und Ruhe.

Dieses Foto vom Normannenpalast ist nur eine Teilansicht.

Hat man es durch die Kontrolle geschafft, geht ma in einen Innenhof, von dem ein imposantes Treppenhaus abgeht. Mich erinnerte es sofort an Treppenbilder von MC Escher…Hier eine Fotomontage von mir:

Oben rechts: Im Palast ist das Regionalparlament Siziliens untergebracht. Links oben und rechts unten Teilansichten zwei repräsentativen Räume, links unten Goldmosaiken der „Capella Palatina“.

Wir fuhren am Sonntag stattdessen etwas Richtung Mondello. Auf dem Weg liegen die „Palazzina Cinese“ und das „Museo Etnografico Giuseppe Pitrè“. Der Palast war leider ausnahmsweise geschlossen, aber in dem Museum wurden wir freundlich empfangen. Liebevoll sind hier ca. 4000 Exponate zusammengetragen worden, die Einblicke in das vergangene Alltagsleben auf Sizilien geben.

Oben das Museum, ehemalig ein Nebengebäude des Palastes (unten Mitte). Beide Gebäude sind von einem schönen Park umgeben.
Altes Kasperletheater, einer von vielen schönen Holzwagen, Töpfereien in einer alten Küche oder ein alter Wagen, der zum jährlichen Umzug zu Ehren der heiligen Rosalie, Schutzheilige von Palermo, genommen wurde
Handarbeiten hatte auf Sizilien einen großen Stellenwert

Eine andere Möglichkeit, dem Regen zu entfliehen, ist die Besichtigung des „Teatro Massimo“. Es gibt Führungen in deutscher Sprache und man darf z.B. in der Königsloge Platz nehmen, wo schon viele berühmte Menschen saßen (und, wie ich fand, keine dolle Sicht auf die Bühne hatten) und u.a. Räume besichtigen, in denen Szenen der Pate-Triologie gedreht wurden.

Sie möchten es moderner? Im Museum der Illusionen kann man in Palermo viel Spaß haben:

Unten rechts: Man kann mich nicht hypnotisieren, das dachte ich zumindest bisher. Aber bei diesem sich bewegenden Muster kamen mir erste Zweifel.
Links: Man geht von A nach B über diese Brücke-kein Problem! Wenn allerdings die Wand anfängt, gegen den Uhrzeiger zu rotieren, dann schlägt das Gehirn Alarm. Der Körper presst sich vehement an die das rechte Gitter und nur mit sehr viel Konzentration kann man wieder langsam nach vorne gehen.

Was fallen Ihnen noch für Ziele für Regentage ein? Richtig- Kirchen! Dem Thema Religion in und bei Palermo möchte ich aber einen eigenen Beitrag widmen. Nächste Woche sehen wir uns wieder!

„Duft Challenge“ für ein Jahr

Am vorletzten Sonntag besuchten meine Freundin und ich im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“. Wir waren und sind von dieser Ausstellung, die wir uns 2 1/2 Stunden ansahen, derart begeistert, dass ich Ihnen einen Besuch sehr ans Herz legen möchte.
Man kann sie noch bis zum 22. März 25 besuchen. Sie ist in ihrer Konzeption auf der Welt wohl ziemlich einzigartig, das erfährt man in dem kurzen Einführungsvideo auf der Kunstpalastseite im Internet. In dem Video erklärt der Ausstellungskurator Robert Müller-Grünow, wie vielfältig das Thema Duft ist, welche Quellen er hinzugezogen hat und gibt einen Ausblick, wie der Einsatz von bestimmten Düften zukünftig immer mehr ein Thema in der Medizin sein wird.
Hier wird die Ausstellung beschrieben und das Video gezeigt:

https://www.kunstpalast.de/de/event/duefte

Ich hatte mich auf die Ausstellung nicht vorbereitet und erwartete eher eine nüchterne wissenschaftliche Darstellung über die Geschichte und die Erzeugung von Düften. So war ich überrascht, diese Ausstellung als integrierten Teil der permanenten Ausstellung des Kunstpalastes vorzufinden. In ca. 30 Räumen wurden verschiedene Aspekte von Düften dargestellt und die Kunstwerke korrespondierten mit diesen Aspekten. Dazu gab es jeweils verschiedene Duftstationen, wo Besucher Düfte „nasennah“ erfahren konnten. So toll!

Bekannte natürliche und chemische Düfte (z.B. der Duft des Waldes, 4711 versus Farina) wurden neben neu komponierten Düften präsentiert. Bei den Kompositionen waren einige alte Düfte dabei, die man anhand von historischen Quellen erstmals riechbar gemacht hat.

Hier ein paar Eindrücke zur Ausstellung:

Oben rechts: Zwei von ca. 20 berühmten Parfüms, die es heute noch gibt.
Der Duft Benzoin erinnerte mich an meine Kindheit.
Unten drei sogenannte Pomander, an denen man riechen konnte.
Wie hat sich der Duft von „Persil“ seit 1959 verändert? 1959 roch es ziemlich chemisch, 1986 eher blumig, 2000 angenehm neutral, 2025 „frisch“.

Mich lässt das Thema „Duft“ seitdem nicht mehr los, denn ich wurde durch die Ausstellung mal wieder daran erinnert, wie sehr Düfte das Leben bereichern können. Deshalb habe ich mit einer 365 Tage – Duft – Challenge angefangen: Jeden Tag einen anderen Duft bewusst wahrnehmen und notieren. Ich weiß nicht, ob ich das ein ganzes Jahr schaffe, aber wenn es drei oder sechs Monate sind, ist es auch gut, denn dann habe ich meine Nase trainiert.
Beim Riechen ist mir jetzt schon klar geworden, dass das Notieren auch etwas wie ein Tagebuch ist, denn durch Tätigkeiten tauchen plötzlich Düfte auf. Hier die Düfte der letzten achte Tage:

1.3.25: Hibiskusteeduft
2.3.25: Modriger Duft (Gartenteich entschlammt)
3.3.25: Duft einer ausgepustete Kerze (wir waren auf einer Geburtstagsfeier)
4.3.25: Duft von Pizza Funghi
5.3.25: Frische Bärlauchblätter
6.3.25: Der Duft im Innenraum eines Fahrstuhls
7.3.25: Der Duft von „Rotbäckchen“ (Ein Getränk aus meiner Kindheit)
8.3.25: Wick Vaporub

Außen und innen „Hui!“ in Berlin

Als wir vor zwei Wochen in Berlin waren, besuchten wir u.a. auch das „Rote Rathaus“ und das „Museum für Kommunikation“ nahe „Checkpoint Charlie“. Von außen sind beide Gebäude schon sehr eindrucksvoll und man könnte sich länger mit den Details der Fassaden beschäftigen. Doch war das Wetter sehr schlecht und so flüchteten wir schnell nach innen.

Im Roten Rathaus wurden wir von mehreren Wachmännern freundlich begrüßt, einer kostenlosen Besichtigung stand nichts im Wege. Schon der Aufgang zu den repräsentativen Räumen in der ersten Etage war beeindruckend.

Überrascht wurden wir zudem von einer Ausstellung, die seit dem 11. Dezember 2025 in den verschiedenen Räumen des Rathauses gezeigt wird. Hier ein Ausschnitt aus dem Flyer:

Noch ein paar Ansichten aus anderen Räumen:

Auch die anderen Räume waren sehenswert, die Gestaltung der Fenster ist abwechslungsreich (Foto links unten). Rechts oben eine Büste zu Ehren Margot Friedländers.

Unser Besuch fiel dementsprechend länger aus als geplant, zumal es dann auch noch diese Lego-Sehenswürdigkeit zu bestaunen gab.

Ca. 78000 Legosteine wurden in ca. 200 Stunden verbaut von René Hoffmeister, dem einzig zertifizierten Legobaumeister Deutschlands. Sah man genau hin, entdeckte man beispielsweise einen kleinen Superman, der am Turm entlang kraxelt, ein Pinguin ging auf der Straße spazieren oder auf dem Dach arbeitete ein Imker. Im Hintergrund des Fotos drei Vitrinen mit Gastgeschenken.

In dem Flyer wird von einer Wunderkammer gesprochen und das war nicht übertrieben.
Eine zweite Wunderkammer bietet Berlin in dem „Museum für Kommunikation“. Betritt man dieses Gebäude ist man auch „very impressed“.

Das Museum hieß zuerst „Reichtspostmuseum“ und wurde 1872 eröffnet. In den 90er Jahren des 20. Jahrhundert wurde es restauriert und das Thema „Kommunikation“ kam dazu.
Wir sahen uns erst die Schatzkammer im Keller des Museums an. Hier trifft man im Vorraum auf eine Wechselausstellung von alten größeren Gegenständen, die in irgendeiner Form mit der Post zu tun haben. Besonders schön fand ich dieses alte Schild einer Poststation von 1754.

In der abgedunkelten Schatzkammer haben Besucher die Möglichkeit, eine der auf der Welt seltenen „Blauen Mauritius“ Briefmarken zu sehen.

Fotocollage: Unter der Blauen Mauritius unten links: 1863 erfand der Deutsche Philipp Reis das Telefon. Doch konnte zu dieser Zeit niemand etwas mit seiner Erfindung anfangen, so dass erst 1876 A.G.Bell durch sein Telefongerät bekannt wurde. In der Mitte sieht man Briefe, die mit dem Luftschiff „Hindenburg“ transportiert wurden, rechts Teile der ersten Rohrpost in Deutschland.

Im Erdgeschoss und den beiden oberen Etagen gibt es in Vitrinen viele Gegenstände, die die lange Geschichte der Post erzählen, sei es, dass es um die Zeit 5000 v. Ch. geht, wie es während der Weltkriege war oder dass auch ein Blick in die Zukunft geworfen wird.

Unten links: Wann werden uns Pakete und Briefe per Drohne zugestellt? Rechts: Auch ins Weltall zur ISS wurden bereits Briefe und Pakete geschickt.

An den Wänden findet man diverse Sammlungen, die demonstrieren, wie sich das Erscheinungsbild der Post oder die Kommunikation verändert hat.

Fotocollage aus verschiedenen Plakaten, die für die Post geworben haben.

Schreib mal wieder und benutze Briefmarken anstatt langweilige PC-Frankieraufkleber:

Links unten ein Beispiel für einen Brief, dessen Briefmarkenstempel Werbung machen. Dies war besonders nach dem Zweiten Weltkrieg sehr beliebt.

Die zukünftigen Veränderungen in der Kommunikation wird man weiterhin in diesem Museum dokumentieren, ganz nach dem das Motto:

Zum Schluss noch ein Tipp: Post kann auch Kunst sein. Eine „Mailart“-Ausstellung findet gerade in Duisburg statt:

Screenshot

Berliner Geschichte in Kunstwerken

Wie in anderen Städten sind auch in Berlin montags viele Museen und andere Orte der Zerstreuung geschlossen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen und dazu gehört u.a. die Berlinerische Galerie:

Foto vom Treppenhaus des Museums. Hinter den Wänden im oberen Stock liegen noch diverse weitere Ausstellungsräume

https://berlinischegalerie.de

Ich stellte Ihnen im letzten Herbst ein Buch über die Künstlerin Hannah Höch vor, deren Leben für sieben Jahre geprägt war durch die Liebesbeziehung zu Raoul Hausmann, er war in den zwanziger Jahren einer der führenden Kopf der Berliner Dadabewegung. Momentan zeigt die Galerie eine große Hausmann Ausstellung mit ca. 200 Exponaten und ich war natürlich gespannt, wie die Rolle Hannah Höchs dargestellt wurde.

Collage mit Fotos und Gemälden, die Hannah Höch und Raoul Hausmann zeigen.

Raoul Hausmann ist mir als Mensch nicht sehr sympathisch, aber seine für damalige Zeiten sehr innovativen Ideen zur Kunst, Sprache, Architektur oder Fotografie haben mich schon beeindruckt und letztendlich war ich am Ende der Ausstellung sehr zufrieden, sie besucht zu haben.

Ein paar Beispiele für Raoul Hausmanns Vielseitigkeit


Da ich gerade da war, sah ich mir auch die permanente Ausstellung „Kunst in Berlin. von 1880 bis 1980“ an. WOW!

Hier findet sich die Crème de la Crème deutscher Künstler wie beispielsweise Beckmann, Corinth, Kirchner oder Liebermann. Was mich aber richtig begeisterte, waren die Themen einiger Kunstwerke und die mir bisher unbekannten Künstler und Künstlerinnen.
Auf der einen Seite gab es die Bilder aus den 20er Jahren

Das Bild heißt. „Berliner Straßenszene“, es wurde 1921 von Nikolaus Braun gemalt. Auf den ersten Blick scheint es die Großstadt naiv darzustellen, doch sieht man genau hin, zeigt sich auch Kritik. ( z.B. Vor der Metzgerei mit drei Schweinen im Fenster steht ein Bettler).

Das Museum besitzt viele Dokumente zu den Bauplänen Hitlers. Fotos, Zeichnungen und ein Modell zeugen in einem anderen Raum von dem Größenwahn Hitlers und Speers.

Man beachte auf dem Foto oben links das kleine Brandenburger Tor (links unten) im Verhältnis zu der geplanten großen Halle.

Oder stellen Sie sich Folgendes vor: Am 8. Mai 1945 endet der zweite Weltkrieg, Berlin ist zerbombt. Ein Mann namens Gerd Rosen eröffnet am 2. August 1945 auf dem Kurfürstendam eine Galerie und zeigt Bilder in der Art wie unten gezeigt:

Oben zwei Originalfotos vom zerbombten Berlin, darunter zwei Bilder von Heinz Trökes und Fritz Köthe als Beispiel für Gemälde, die zur Eröffnung gezeigt wurden. Solche Kunstwerke waren kurz zuvor von dem Naziregime noch als „entartet“ eingestuft worden und dementsprechend bewegte sich die Reaktion der Galeriebesucher zwischen Begeisterung und Irritation.

Was war Gerd Rosen für ein Mensch, der so etwas leisten konnte? Welchen unmittelbaren Einfluss hatte die Galerie auf die Entwicklung der Berliner Kunstszene nach dem Krieg? Wie war die Reaktion der Alliierten auf die Galerieeröffnung? Was ist aus der Galerie geworden? Wer mehr wissen möchte: Dieses Buch erschien 1995 und man findet es noch in Antiquariaten.

In dem Museum bekommt man schließlich auch Einblicke in die Kunstszene des Berlins der DDR und Westberlins und wie unterschiedlich diese Entwicklungen waren.

Oben links: Göta Tellesch-„Ohne Titel“, 1978, unten links: Reiner Fetting-„Gelbe Mauer“, 1977- beide Westberlin
Oben rechts: Helga Paris-„Berliner Jugendlicher“, 1982, unten rechts: Cornelia Schleime-„Mädchenkopf“ 1985- beide Ostberlin

Meine „Kirsche auf dem Kuchen“ war ein Sonderausstellungsraum, den das Museum anläßlich seines 50jährigen Bestehens 2025 Hannah Höch widmet. Von diesem Raum wusste ich nichts- eine schöne Überraschung!

Das Thema „Dadaismus“ ist für mich noch nicht abgeschlossen. Ich finde, es passt sehr gut in die heutige Zeit, in der alte Gewissheiten sich auflösen und Menschen immer mehr ihren Halt verlieren.

Zeigt her eure Schuhe und Autos (Mosel 2)

Einen weiteren Regentag an der Mosel verbrachten wir in zwei außergewöhnlichen Museen.
In Traben-Trabach eröffnete 2019 Peter Rogoz sein Museum, um die Geschichte des Schuhputzens zu dokumentieren und einen Teil seiner Sammlung historischer und besonderer Schuhe zu zeigen.
Das „Schuh-Styling-Museum“ ist ein Teil der Räumlichkeiten seines Ladens „Rares für Bares“, in dem Menschen fündig werden, die auf der Suche nach ausgefallenen Objekten sind.
Wir hatten Glück, dass Herr Rogoz Zeit für uns hatte, denn er gab uns eine ca. 45 Minuten dauernde Führung durch seine Sammlung – ich hätte ihm gerne noch viel länger zugehört!
Das Kunsthandwerk des Schuhputzens – nach dieser Führung weiß ich, dass es wirklich ein edles Handwerk ist – gibt es seit ca. Mitte des 17. Jahrhundert. Bis dahin waren alle Schuhe matt und reiche Menschen versuchten, ihre Schuhe durch besonders kostbare Schnallen zu verschönern und drückten damit auch ihren Stand innerhalb der Gesellschaft aus.

Zwei sehr wertvolle Schuhschnallen aus dem 17. Jahrhundert

Als nun die Idee aufkam, die matten Schuhe zum Glänzen zu bringen, war die Begeisterung groß und gute Schuhputzer waren in den nächsten Jahrhunderten angesehen und wurden gut bezahlt.

Künstler nahmen Schuhputzer gerne als Motiv für ihre Werke

In mehreren Vitrinen wurden historische Schuhe gezeigt, um zu verdeutlichen, wie die Schuhmode sich verändert hat, bzw. welche „Schuhspezialitäten“ es gab.

Fotocollage oben links: Schuhe wurden gerne bestickt und es wurden die unterschiedlichsten Lederarten (Foto oben rechts) und andere Materialien benutzt. Foto unten rechts: Schuhe aus Silber, entworfen von Salvator Faragammo für Marlene Dietrich. Foto unten links: Hush Puppies, eine von vielen bekannten Schuhmarken.

Herr Rogoz war viele Jahre lang auch professioneller Schuhputzer und begegnete auf offiziellen Anlässen vielen berühmten Persönlichkeiten. Alle saßen auf diesem historischen Holzstuhl aus Salamanca. In diesem Moment waren sie Menschen wie du und ich (so Peter Rogoz), sahen geduldig zu und erfreuten sich an dem Können des Schuhputzmeisters.

Fotocollage:Fotos oben: „Wellness“- Zubehör für Schuhe
Unten links: Achten Sie auf den Pinsel! Eine japanische Tradition: Der Pinsel wurde in Rosenwasser getränkt und damit wurde der Rand der Geta Holzschuhe bestrichen, um beim Gehen einen Rosenduft zu verstömen.
Rechts unten: Sehen Sie den Damenschuh in der Mitte des Bildes und den vor dem Schild liegenden Schlüssel? Der Pfennigabsatz des Schuhs war in einem Kugellager verankert. So brach er nicht so schnell ab, die Trägerin musste nur manchmal das Kugellager mit dem Schlüssel nachziehen.

Ca. 200 Exponate geben einen Einblick in die Kultur des Schuhputzens. Ein Exponat fehlte mir allerdings (oder habe ich es übersehen?). Eine Vitrine widmet sich der Werbung rund um dieses Thema. Mecki habe ich gesehen, aber mir fehlte Lurchi, der Salamander von den Kinder- Salamander-Schuhen…Ihn und seine Abenteuergeschichten habe ich als kleines Mädchen geliebt. Vielleicht sieht Herr Rogoz noch einmal in seinem Privatbestand nach ( es besitzt ca. 1000 potentielle Ausstellungsstücke) und findet für Lurchi noch ein Plätzchen im Museum?😉

https://de.wikipedia.org/wiki/Lurchi

Ein Nachdruck einer Geschichte in der Pixi-Reihe

Das zweite Museum war das Zylinderhaus in Bernkastel-Kues, eröffnet 2017.

Das Gebäude ist neu, erinnert aber an Fabrikhallen aus der Gründerzeit.

Wir haben uns schon öfter Oldtimer angesehen, doch in diesem Museum werden die ca. 300 alte Autos und Zweiräder umrahmt von passenden Geschäften aus der selben Zeit. Das gab einen „Atmosphärenkick“ und war abwechslungsreicher als ein Besuch in reinen Automuseen.

„Weißt du noch?“ Diese Frage hörte man häufig.

Bei den Fahrzeugen gab es Schönheiten und Raritäten wie diese beiden Beispiele zeigen:

Aber es wurden auch Autos in ihrem „Habitat“ gezeigt:

Campingglück auf kleinstem Raum/ Nachbildung eines berühmten Autoschrottplatzes in der Schweiz. Wer mehr darüber wissen möchte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Historischer_Autofriedhof_Gürbetal

Und schließlich gab es viele Motive, mit denen man im Fotoprogramm herumspielen kann:

Roboter oder Mopedmotoren?
Rundes als Fotomotiv, angereichert mit einem Hauch Halloween

In einem der nächsten Beiträge bespreche ich den Roman „Mr. Saitos reisendes Kino“, in denen Schuhe eine nicht unwichtige Rolle spielen.

Herbstglück an der Mosel mit Farbrausch und einem Geheimschatz der BRD

Um die Herbstfarben in der Natur auszukosten, fuhren wir für ein paar Tage an die Mosel. Wir übernachteten in Beilstein, einem kleinen Ort in der Nähe von Cochem. Das war eine gute Wahl, denn abends, wenn die vielen Tagestouristen wieder weg waren, hatten wir den Ort fast für uns alleine.

Romantisches Beilstein, in der Mitte die Fähre, rechts oben Beilstein am Abend.

Am erste Tag durften wir direkt „in Farben baden“.

Die Weinberge legen sich ins Zeug…Unten rechts der heilige Castor von Karden.

Wir machten eine kleine Landpartie und schlenderten durch Bruttig, besuchten das Kloster Maria Engelport und aßen in Treis-Karden zu Mittag.

Bruttig hat lauschige Ecken und ist ein Ort für Menschen, die die Ruhe bevorzugen.
Oben links der Klostergarten, rechts daneben das 800 Jahre alte Kloster Maria Engelport.
Unten: In Karden kann man die eindrucksvolle Kirche St. Castor besichtigen (habe schlichtweg vergessen, ein Foto zu machen). Aber wenn man in Karden mit wachem Auge durch die Straßen streift, kann man an Häusern oder in Ladenlokalen auch kleine Besonderheiten entdecken. Auch scheinen die Menschen „entschleunigt“.
Service der Deutschen Bundesbahn

Am Nachmittag sahen wir uns die Weinberge von der Mosel aus an, eine Bootsfahrt von Beilstein nach Cochem dauert ca. 50 Minuten.

Das Wahrzeichen von Cochem, die Reichsburg.
Kleiner Stadtspaziergang in Cochem

Hier merkte man, dass die Herbstferien in NRW begonnen hatten. Viele Familien waren unterwegs, an den Ufern lagen mehrere Flusskreuzfahrtschiffe.

„Souvenirs“ eines abgefahrenen Kreuzfahrtschiffes…

Manche Kneipen würden auch gut zum Ballermann-Abschnitt auf Mallorca passen, wir fanden glücklicherweise eine Weinbar, die nicht so überlaufen war und probierten ein paar Moselweine.

Tag 2 und 3 waren dann leider Nebel- und Regentage. Wir waren vorbereitet und besuchten in Cochem den Bundesbank Bunker, der gebaut wurde, um eine Ersatzwährung für die D-Mark zu lagern. Klingt wie ein Agententhriller? Hier die Geschichte:
In der Vergangenheit war versucht worden, die Wirtschaft von Großbritannien und Portugal durch sogenannte Falschgeldteppiche zu destabilisieren. Die BRD hatte in den 50er Jahren Befürchtungen, dass der Ostblock dies auch bei uns versuchen würde und so wuchs der Plan, eine Ersatzwährung zu erschaffen, die im Notfall eingesetzt werden könnte. Zu einem Tag X wäre die alte D-Mark für ungültig erklärt worden und die neue Währung hätte man in Umlauf gebracht.

Links die Ersatzwährung, rechts die damals gültigen D-Mark Scheine

So der Plan. Aber wohin mit den Scheinen im Wert von 15 Milliarden?
In Cochem, strategisch gut in einem Tal gelegen, nahe bei Bonn und mit Schienen und Möglichkeiten des Schiffsverkehrs ausgestattet, fand man ein ideales Gelände inmitten eines Wohngebietes. Offiziell wurde ein Schulungsgebäude bzw. Urlaubsunterkunft für Angestellte der Bundesbank eingerichtet. Dass man bei dem Bau über zwei Jahre so viele Sprengungen im Fels vornehmen musste erklärte man den Anwohnern damit, dass ein Bunker Vorschrift bei offiziellen Gebäuden sei und sie im Notfall auch im Bunker Schutz finden würden.
Als die Anlage fertig war, wurde das Geld in Kleintransportern angeliefert und ab 1964 arbeiteten nur drei Menschen an dem Ort mit dem großen Geheimnis. Sie waren hauptsächlich dafür zuständig, dass die Haustechnik funktionierte und die Geldscheine damit geschützt waren, sei es vor Zugriff von außen oder klimatischen Einflüssen.
Bei einer Besichtigung begeht man fast alle Räume und kann seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Oben links: Im Bunker auf dem Weg zu den Lagerungsstätten (oben rechts). Unten links: Die Anlieferung der Geldscheinpakete, rechts ein Beispiel für ein Paket.

Die Ersatzwährung kam nie zum Einsatz und in den 80er Jahren wurde den Verantwortlichen nach und nach klar, dass diese Idee gar nicht durchführbar war. 15 Milliarden waren inzwischen viel zu wenig, dank wachsender Bevölkerung und Inflation. Auch war die Logistik des Verteilens nicht bis zu Ende durchdacht worden. So wurde der Bunker 1988 geschlossen und die Ersatzwährung vernichtet. 1994 eröffnete die Volksbank einen Tresorraum für ihre Kunden. Ein Misserfolg, sodass schließlich ein privater Busunternehmer die Anlage kaufte und ein Museum mit einer kleinen Theaterbühne daraus machte.

Links sieht man noch einen Teil der Schließfächer der Vereinsbank.

In einer Woche folgt ein zweiter Moselbeitrag, in dem ich Ihnen von zwei weiteren sehenswerten Museen erzähle.

Glastage

Letzte Woche fand in der Duisburger Stadtbibliothek eine Lesung zu diesem Buch statt (Besprechung aus der RP siehe unten):

Angeregt von diesem Roman über die Gerresheimer Glashütte, waren wir vorgestern im Düsseldorfer Kunstpalast in der Glasabteilung. Hier gibt es noch bis zum 5.10. eine Sonderausstellung zum Thema Muranoglas.

Fotocollage aus Bildern, die verschiedene Anwendungsgebiete zeigen: Oben links Teilansicht eines Lüsters, rechts daneben eine mannshohe Skulptur, deren Herstellung eine besondere logistische Herausforderung darstellte. Links unten: Ein Glasstein zur Dekoration oder zur Einlassung in einer Wand, rechts daneben eine Vase, die in Murano als Sinnbild für den Aufbruch in der Glaskunst nach dem Zweiten Weltkrieg steht.

Diese Ausstellung befindet sich in zwei Räumen, uns blieb noch Zeit, die permanente Glasausstellung zu besuchen.
WOW- das Spiegelkabinett ! Eine Farb- und Formenexplosion, um jedes Ausstellungsstück zu würdigen, bräuchte es schon Stunden. Zur Zeit werden ca. 1500 Exponate der Öffentlichkeit gezeigt, die aus einem Bestand von 13000 Objekten ausgewählt wurden. Ich schätze, dass in diesem Spiegelkabinett ca. 1000 Teile zu sehen sind.

Rechts: Wo soll man zuerst hinsehen? Oben links: Alte Glasgefäße mit ihrer schillernden Oberfläche, daneben eine Flaschenauswahl. Unten links ein Beispiel für aktuelle Glaskunst, rechts daneben eine Sammlung von Briefbeschwerern.

Es gibt Glasschätze zu entdecken, die atemberaubend und/oder Überraschend sind, sei es wegen ihrer handwerklichen Kunst, der Ästhetik, ihres Alters oder des Titels.

Rechts: Ein Kleid aus Glas- mir fiel es schwer, es nicht zu berühren. Links: Der Lichteinfall in diesem abstrakten Werk strahlte etwas Geheimnisvolles aus, das vom Foto kaum wiedergegeben wird.
Links ein Kosmetikflakon, ca. 1300 bis 1500 Jahre alt, rechts eine „neue“ Ziege aus Glas.
Eine Alditüte aus Glasperlen als Huldigung der Plastiktüte- Ausführung toll, Idee naja. Craggs Idee gut, Ausführung naja.

In der Ausstellung werden viele Aspekte zu der ausgestellten Glaskunst angesprochen. Drei Beispiele: Auf welche Arten kann man Glas herstellen und wie haltbar sind diese verschiedenen Sorten, wie sind ihre Möglichkeiten der Verarbeitung? In den 70er Jahren wurde in den USA ein Miniofen erfunden, in dem man Glas brennen konnte. Das nahmen die Universitäten zum Anlass, das Glashandwerk als Lehrfach einzuführen und damit nahm u.a. die Verbreitung von Glasskulpturen einen rasanten Aufschwung. Auch bei Glaskunst gibt es die Provenienzforschung, die schwieriger ist als bei Bildern, da bei Gemälden öfter auf der Rückseite Anmerkungen oder Aufkleber zu finden sind.

Die Ausstellung ist für Hobbyfotografen sehr lohnenswert. Ich versuchte mich mal wieder in Schwarzweißaufnahmen:

Im Kunstpalast laufen derzeit noch weitere interessante Ausstellungen, u.a. mit dem Titel „Künstlerinnen“ https://www.kunstpalast.de/de/event/kuenstlerinnen/

und eine Retrospektive zu dem Werk des Düsseldorfer Künstlers Hans Peter Feldmann: https://www.kunstpalast.de/de/event/hans-peter-feldmann-kunstausstellung/

Ein Besuch des Museums lohnt sich also auf jeden Fall.

Und hier nun noch die Besprechung aus der RP vom 25.9.2025:

VON PETER KLUCKEN

Wie stellt man einen historischen Roman vor, bei dem eine erdachte Geschichte mit historischen Fakten verbunden sind? Dorothee Krings gelingt das vorbildlich, wie sie jetzt beim ersten Abend der neuen Saison im Duisburger Verein für Literatur bewies. Dort präsentierte die renommierte RP-Redakteurin ihren Debütroman „Tage aus Glas“ nicht nur mit einigen ausgewählten Vorlesepassagen; sie gab auch Einblicke in ihre mehrjährigen Recherchen, die das faktische Gerüst ihrer schriftstellerischen Arbeit bilden.

Es geht in „Tage aus Glas“ um den Streik der Glasmacher in der Gerresheimer Hütte im Jahr 1901. Ein Lokalhistoriker hatte Dorothee Krings vor Jahren klagend darauf hingewiesen, dass dieser Streik und die schließlich im Jahre 2005 geschlossene Gerresheimer Glashütte, deren Emblem noch heute auf vielen Gläsern zu finden ist, in Vergessenheit zu geraten droht.
Dabei war diese Glashütte einst die größte weltweit. 150 Millionen Flaschen wurden dort um das Jahr 1900 produziert, die in die ganze Welt exportiert wurden. 2000 Flaschenmacher pusteten sich ihre Lungen aus dem Leib, um bei einer Tagesschicht bis zu 230 Flaschen zu produzieren. Die Arbeit war mehr als herausfordernd. Die Hitze vor den Glasöfen war so groß, dass die Augenbrauen versengen konnten, wenn man nicht aufpasste.
Eindringlich und präzise schildert Dorothee Krings in ihrem Roman die Arbeitsvorgänge und Arbeitsbedingungen. Das Flaschenmachen kennt sie mittlerweile mindestens so gut wie Schiller das Glockengießen. Den Flaschenmachern in Gerresheim sei es vergleichsweise gut gegangen, berichtete Dorothee Krings. Ihre Informationen zum geschichtlich-industriellen Hintergrund, den sie fesselnd schilderte, illustrierte sie mit historischen Aufnahmen, die sie während ihrer aufwändigen Recherchearbeit in Archiven und Museen fand.
Flaschenmacher in Gerresheim durften in kleinen Werkshäusern wohnen, die alle kleine Gärten zur Selbstversorgung hatten. Der Lohn war für damalige Verhältnisse recht gut, es gab sogar einen Werksarzt und ein Invalidenheim für Arbeiter.
Vor diesem Hintergrund, so Dorothee Krings, habe es für die Gerresheimer Flaschenmacher, die auch „Püster“ (wegen der nötigen Puste beim Flaschenblasen) genannt wurden, eigentlich keinen Grund zum Streik gegeben. Zum Streik entschlossen sie sich dennoch aus einem ehrbaren Grund: Aus Solidarität mit Flaschenmachern in anderen deutschen Städten, denen es nicht so gut ging.
Es gab zwar auch 1901 eine Gewerkschaft und eine Streikkasse, aber kein Streikrecht wie heute. Wer sich in Gerresheim am Streik beteiligte, musste kündigen und verlor damit zugleich das Recht, in einem Werkshaus zu leben. Dennoch machten 1100 von den 2000 Flaschendrehern beim Gerresheimer Streik mit.
Was der Streik für die Arbeiter und ihre Familien bedeutet, habe sie in ihrem Roman darstellen wollen, sagte Dorothee Krings. Dabei interessierte sie besonders die Auswirkungen auf die Frauen, die zwar nicht als Püster gearbeitet hatten, die aber natürlich ebenfalls von den Auswirkungen des Streiks betroffen waren.
Zwei parallele Frauenschicksale stehen bei ihrem Roman im Mittelpunkt. Einmal Bille, Tochter eines einfachen Glasmachers, die davon träumt, mit ihrem Freund Adam nach Amerika auszuwandern. Und Leonie, Tochter des Werksarztes, für die der Vater Wege in ein großbürgerliches Leben ebnen möchte. Beide Frauen seien auf verschiedene Weise eingeengt, so die Autorin.
Dorothee Krings gelingt es, die Geschichte der Frauen lebensnah und spannend zu erzählen. Die Verbindung der historischen Fakten des letztlich vergeblichen Streiks der Glasmacher mit den „erfundenen“ Lebensgeschichten gelingt ihr wunderbar. Im Literaturverein las sie zu Beginn den Prolog vor, bei dem ein kleiner Junge, Sohn eines stolzen Glasmachers, auf einem Jahrmarkt beim Wettklettern nach einer Fleischwurst tödlich verunglückt. Die Schlagzeile in der Zeitung erscheint am selben Tag wie die Schlagzeile zum Streikbeginn der Glasmacher.
Das Lebensgefühl in den Gerresheimer Arbeiterfamilien ist fortan zerbrechlich; der Titel des Romans „Tage aus Glas“ spielt auf diese Zerbrechlichkeit an. Die Brücke vom Glasarbeiterstreik im Jahr 1901 in die Gegenwart kann geschlagen werden. Die streikenden Flaschenmacher hielten sich für unersetzlich, wussten noch nichts von der Maschine, die ein Mann namens Michael Joseph Owens in Amerika im Jahr 1903 erfinden würde, mit der so viele Flaschen produziert werden konnten wie 40 erfahrene Püster. Owens Automat von 1903 erinnere an die KI von heute, so Dorothee Krings.