Alle stöhnen, aber viele denken nicht nach… Bei hohen Benzinpreisen

Heute muss ich mal Dampf ablassen…

Der Mann, der im Auto auf seine Frau wartet, die im Supermarkt einkauft, die Frau, die vor dem Bahnhof mit dem Auto ihren Freund abholen will, Menschen, die ihre Frühstücks-oder Mittagspause im Auto verbringen, Eltern, die auf ihr Kind im Auto warten, vor dem Kindergarten, an der Schule, bei der Sporthalle- alle lassen den Motor laufen und sehen dabei zumeist auf ihr Handy.
Über jede Benzinpreiserhöhung wird lamentiert und gleichzeitig wird gedankenlos und auch ohne schlechtes Gewissen Geld verbrannt.

Warum schalten Menschen ihren Motor nicht ab?

Ein Motor im Leerlauf verbraucht je nach Fahrzeugtyp zwischen 0,5 bis 2 Liter pro Stunde. Wer täglich insgesamt nur 10 Minuten den Motor laufen lässt, während er wartet, verbrennt im Jahr etwa bei Preisen von rund 1,80 bis 2,00 Euro zwischen 90 und 200 Euro. Für nichts. Für null Fortbewegung. Für pure Bequemlichkeit.

Doch das ist nicht das Schlimmste, der wahre Preis ist höher als jeder Literpreis. Motorabgase enthalten giftiges Stickstoffdioxid, Feinstaub und schädliches Kohlenmonoxid. Sie schaden jedem Erwachsenen, aber noch mehr jedem Kind!
Vor Schulen und Kindergärten, wo Eltern warten, während die Motoren laufen, atmen Kinder diese Schadstoffe direkt ein. Ihre Atemwege befinden sich noch in der Entwicklung und sie atmen im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Luft ein als Erwachsene, also doppelübel.

Gegenargumente der Wartenden, alle habe ich schon gehört:

Im Winter: „Ja, aber dann friere ich ja!“
Es gibt genügend Restwärme im Auto, man bekommt nicht sofort Frostbeulen.

Im Sommer: „Dann wird mir aber zu warm!“
Hauptsache, die eigene Komfortzone ist gesichert…Was kümmern mich Kinder, Enkel oder andere Leute?

“Die Batterie wird leer!“
Moderne Fahrzeuge haben leistungsstarke Batterien, die auch bei kurzen Fahrten genug laden. Ein paar Minuten Leerlauf ohne Motor entladen die Batterie kaum. Im Gegenteil: Ein laufender Motor im Stand kann die Lichtmaschine zusätzlich belasten.

„Das ist zu viel Aufwand!“
Ja, man muss den Schlüssel drehen oder den Startknopf drücken. Das ist wirklich viel verlangt.

“Das ist nicht mein Kind, ich hole es nur für die Nachbarin ab.“
Ohne Worte

„Das machen doch alle so!“
Das ist kein Argument, sondern eine Ausrede. Besser zu sein als der Durchschnitt, wäre das kein Ziel?


Die Rechnung für diese Bequemlichkeit zahlen die Kinder und Enkel. Ein Liter verbrannter Kraftstoff erzeugt etwa 2,3 kg CO₂. Auch wenn wir heute erst langsam spürbar betroffen sind durch extremes Wetter oder schlechtere Ernten – das sich ändernde Klima ist Realität.

Solaranlage, E-Auto, Wärmepumpe – all das kostet Geld und Planung. Den Motor abzuschalten kostet nichts, es dauert eine Sekunde. Und es spart sofort Geld schont die Luft und man tut etwas für die Zukunft.

Wer es philosophischer haben möchte:

Hans Jonas hat es treffend formuliert: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Der Leerlauf ist genau das Gegenteil: eine Handlung, deren Folgen andere tragen.

Im Brüssel sah ich letzte Woche an mehreren Stellen Verkehrsschilder, die einen laufenden Motor verbieten. Auch hierzulande schreibt § 30 der Straßenverkehrsordnung vor, dass bei längerem Stillstand der Motor abzustellen ist, doch gibt es eher selten Hinweisschilder, die daran erinnern.

Vielleicht sollte ich mal ein paar Aufkleber an prominenten Stellen anbringen?