Die Kastanienallee


Stellen Sie sich eine wunderschöne Kastanienallee vor, in deren Schatten über hundertjährige hochherrschaftliche Villen stehen, umgeben von atemberaubenden Gärten. Dazwischen schmiegen sich ein historisch wertvoller Tennisclub und eine teure Privatklinik. An der Ecke allerdings müssen Sie bei Ihrem Bild einen kleinen schmierigen Zeitschriften-und Zigarettenladen („Trafik“ in Österreich genannt) einbauen, in dem der Besitzer Hermann mit seiner Frau Heidi und Tochter Jessica aus einem Bildband von Manfred Deix entsprungen sein könnten:

Ja eigentlich kann man sich auch die Bewohner der Villen deixesque vorstellen, als da wären beispielsweise ein abgewrackte Psychiater, ein stets alkoholisierte Rechtsanwalt und Frauenheld oder der Marmeladenfabrikbesitzer, der gerne im Tennisclub sich bei den Umkleidekabinen der Frauen herumdrückt und „Trophäen“ von sich gerade duschenden jungen Mädchen einsammelt.
Natürlich gibt es auch die passenden Frauen zu diesen Kronen der Schöpfung, sie dulden, leiden, sind naiv oder lenken sich mit Shopping ab. Um es kurz zu machen: Hinter den Gardinen gibt es kaum weiße Westen und man sieht beflissen weg, wenn der Trafikant sich beispielsweise an den Antiquitäten eines reichen, geistig zurückgebliebenen Erben bereichert. Je weiter man liest, desto sumpfiger wird es. Doch dann tritt Herbert erstmalig auf, tätowierter Hüne im schwarzen Lederdress, Ex-Berufssoldat und Securityman, der Proust zitiert und einen Altwarenladen mit viel Geschick in ein heimeliges Geschäft der schönen Dinge umwandelt. Als dann noch die Frauen anfangen, aufzumuksen und eigene Pläne schmieden, gewinnt man den Glauben an die Menschheit wieder zurück.
Am Ende des Romans liegt einer der Ekelpakete tot in einer Höhle, doch was ist mit den anderen Gaunern und Mauschlern und wie geht es mit den Frauen weiter? Ich war etwas ratlos und freute mich dann sehr, als ich las, dass die Autorin (das Pseudonym einer bekannten österreichischen Autorin) bereits an einer Fortsetzung der Kastanienallee-Geschichte schreibt. So ein böser Blick auf die Welt der Schönen und Reichen macht einfach Spaß…

Glastage

Letzte Woche fand in der Duisburger Stadtbibliothek eine Lesung zu diesem Buch statt (Besprechung aus der RP siehe unten):

Angeregt von diesem Roman über die Gerresheimer Glashütte, waren wir vorgestern im Düsseldorfer Kunstpalast in der Glasabteilung. Hier gibt es noch bis zum 5.10. eine Sonderausstellung zum Thema Muranoglas.

Fotocollage aus Bildern, die verschiedene Anwendungsgebiete zeigen: Oben links Teilansicht eines Lüsters, rechts daneben eine mannshohe Skulptur, deren Herstellung eine besondere logistische Herausforderung darstellte. Links unten: Ein Glasstein zur Dekoration oder zur Einlassung in einer Wand, rechts daneben eine Vase, die in Murano als Sinnbild für den Aufbruch in der Glaskunst nach dem Zweiten Weltkrieg steht.

Diese Ausstellung befindet sich in zwei Räumen, uns blieb noch Zeit, die permanente Glasausstellung zu besuchen.
WOW- das Spiegelkabinett ! Eine Farb- und Formenexplosion, um jedes Ausstellungsstück zu würdigen, bräuchte es schon Stunden. Zur Zeit werden ca. 1500 Exponate der Öffentlichkeit gezeigt, die aus einem Bestand von 13000 Objekten ausgewählt wurden. Ich schätze, dass in diesem Spiegelkabinett ca. 1000 Teile zu sehen sind.

Rechts: Wo soll man zuerst hinsehen? Oben links: Alte Glasgefäße mit ihrer schillernden Oberfläche, daneben eine Flaschenauswahl. Unten links ein Beispiel für aktuelle Glaskunst, rechts daneben eine Sammlung von Briefbeschwerern.

Es gibt Glasschätze zu entdecken, die atemberaubend und/oder Überraschend sind, sei es wegen ihrer handwerklichen Kunst, der Ästhetik, ihres Alters oder des Titels.

Rechts: Ein Kleid aus Glas- mir fiel es schwer, es nicht zu berühren. Links: Der Lichteinfall in diesem abstrakten Werk strahlte etwas Geheimnisvolles aus, das vom Foto kaum wiedergegeben wird.
Links ein Kosmetikflakon, ca. 1300 bis 1500 Jahre alt, rechts eine „neue“ Ziege aus Glas.
Eine Alditüte aus Glasperlen als Huldigung der Plastiktüte- Ausführung toll, Idee naja. Craggs Idee gut, Ausführung naja.

In der Ausstellung werden viele Aspekte zu der ausgestellten Glaskunst angesprochen. Drei Beispiele: Auf welche Arten kann man Glas herstellen und wie haltbar sind diese verschiedenen Sorten, wie sind ihre Möglichkeiten der Verarbeitung? In den 70er Jahren wurde in den USA ein Miniofen erfunden, in dem man Glas brennen konnte. Das nahmen die Universitäten zum Anlass, das Glashandwerk als Lehrfach einzuführen und damit nahm u.a. die Verbreitung von Glasskulpturen einen rasanten Aufschwung. Auch bei Glaskunst gibt es die Provenienzforschung, die schwieriger ist als bei Bildern, da bei Gemälden öfter auf der Rückseite Anmerkungen oder Aufkleber zu finden sind.

Die Ausstellung ist für Hobbyfotografen sehr lohnenswert. Ich versuchte mich mal wieder in Schwarzweißaufnahmen:

Im Kunstpalast laufen derzeit noch weitere interessante Ausstellungen, u.a. mit dem Titel „Künstlerinnen“ https://www.kunstpalast.de/de/event/kuenstlerinnen/

und eine Retrospektive zu dem Werk des Düsseldorfer Künstlers Hans Peter Feldmann: https://www.kunstpalast.de/de/event/hans-peter-feldmann-kunstausstellung/

Ein Besuch des Museums lohnt sich also auf jeden Fall.

Und hier nun noch die Besprechung aus der RP vom 25.9.2025:

VON PETER KLUCKEN

Wie stellt man einen historischen Roman vor, bei dem eine erdachte Geschichte mit historischen Fakten verbunden sind? Dorothee Krings gelingt das vorbildlich, wie sie jetzt beim ersten Abend der neuen Saison im Duisburger Verein für Literatur bewies. Dort präsentierte die renommierte RP-Redakteurin ihren Debütroman „Tage aus Glas“ nicht nur mit einigen ausgewählten Vorlesepassagen; sie gab auch Einblicke in ihre mehrjährigen Recherchen, die das faktische Gerüst ihrer schriftstellerischen Arbeit bilden.

Es geht in „Tage aus Glas“ um den Streik der Glasmacher in der Gerresheimer Hütte im Jahr 1901. Ein Lokalhistoriker hatte Dorothee Krings vor Jahren klagend darauf hingewiesen, dass dieser Streik und die schließlich im Jahre 2005 geschlossene Gerresheimer Glashütte, deren Emblem noch heute auf vielen Gläsern zu finden ist, in Vergessenheit zu geraten droht.
Dabei war diese Glashütte einst die größte weltweit. 150 Millionen Flaschen wurden dort um das Jahr 1900 produziert, die in die ganze Welt exportiert wurden. 2000 Flaschenmacher pusteten sich ihre Lungen aus dem Leib, um bei einer Tagesschicht bis zu 230 Flaschen zu produzieren. Die Arbeit war mehr als herausfordernd. Die Hitze vor den Glasöfen war so groß, dass die Augenbrauen versengen konnten, wenn man nicht aufpasste.
Eindringlich und präzise schildert Dorothee Krings in ihrem Roman die Arbeitsvorgänge und Arbeitsbedingungen. Das Flaschenmachen kennt sie mittlerweile mindestens so gut wie Schiller das Glockengießen. Den Flaschenmachern in Gerresheim sei es vergleichsweise gut gegangen, berichtete Dorothee Krings. Ihre Informationen zum geschichtlich-industriellen Hintergrund, den sie fesselnd schilderte, illustrierte sie mit historischen Aufnahmen, die sie während ihrer aufwändigen Recherchearbeit in Archiven und Museen fand.
Flaschenmacher in Gerresheim durften in kleinen Werkshäusern wohnen, die alle kleine Gärten zur Selbstversorgung hatten. Der Lohn war für damalige Verhältnisse recht gut, es gab sogar einen Werksarzt und ein Invalidenheim für Arbeiter.
Vor diesem Hintergrund, so Dorothee Krings, habe es für die Gerresheimer Flaschenmacher, die auch „Püster“ (wegen der nötigen Puste beim Flaschenblasen) genannt wurden, eigentlich keinen Grund zum Streik gegeben. Zum Streik entschlossen sie sich dennoch aus einem ehrbaren Grund: Aus Solidarität mit Flaschenmachern in anderen deutschen Städten, denen es nicht so gut ging.
Es gab zwar auch 1901 eine Gewerkschaft und eine Streikkasse, aber kein Streikrecht wie heute. Wer sich in Gerresheim am Streik beteiligte, musste kündigen und verlor damit zugleich das Recht, in einem Werkshaus zu leben. Dennoch machten 1100 von den 2000 Flaschendrehern beim Gerresheimer Streik mit.
Was der Streik für die Arbeiter und ihre Familien bedeutet, habe sie in ihrem Roman darstellen wollen, sagte Dorothee Krings. Dabei interessierte sie besonders die Auswirkungen auf die Frauen, die zwar nicht als Püster gearbeitet hatten, die aber natürlich ebenfalls von den Auswirkungen des Streiks betroffen waren.
Zwei parallele Frauenschicksale stehen bei ihrem Roman im Mittelpunkt. Einmal Bille, Tochter eines einfachen Glasmachers, die davon träumt, mit ihrem Freund Adam nach Amerika auszuwandern. Und Leonie, Tochter des Werksarztes, für die der Vater Wege in ein großbürgerliches Leben ebnen möchte. Beide Frauen seien auf verschiedene Weise eingeengt, so die Autorin.
Dorothee Krings gelingt es, die Geschichte der Frauen lebensnah und spannend zu erzählen. Die Verbindung der historischen Fakten des letztlich vergeblichen Streiks der Glasmacher mit den „erfundenen“ Lebensgeschichten gelingt ihr wunderbar. Im Literaturverein las sie zu Beginn den Prolog vor, bei dem ein kleiner Junge, Sohn eines stolzen Glasmachers, auf einem Jahrmarkt beim Wettklettern nach einer Fleischwurst tödlich verunglückt. Die Schlagzeile in der Zeitung erscheint am selben Tag wie die Schlagzeile zum Streikbeginn der Glasmacher.
Das Lebensgefühl in den Gerresheimer Arbeiterfamilien ist fortan zerbrechlich; der Titel des Romans „Tage aus Glas“ spielt auf diese Zerbrechlichkeit an. Die Brücke vom Glasarbeiterstreik im Jahr 1901 in die Gegenwart kann geschlagen werden. Die streikenden Flaschenmacher hielten sich für unersetzlich, wussten noch nichts von der Maschine, die ein Mann namens Michael Joseph Owens in Amerika im Jahr 1903 erfinden würde, mit der so viele Flaschen produziert werden konnten wie 40 erfahrene Püster. Owens Automat von 1903 erinnere an die KI von heute, so Dorothee Krings.

Vom Schmuggelbulli im Container, der Zuckerklatsche und ISO 3103

Im Ruhrgebiet, genauer gesagt auf dem Gelände des Schiffshebewerks Henrichenburg, gibt es mal wieder eine lobenswerte Ausstellung. Das Thema: Container!

In diesem temporären Museum wurden Container im Kontext Kunst, Design und Film gezeigt.

Sie glauben, dass ist langweilig? Das dachten meine Begleitpersonen anfangs heimlich wohl auch, aber am Ende waren wir alle rundherum zufrieden mit diesem Museumsnachmittag.


Lohnt sich alleine schon die Fahrt nach Waltrop, um sich das Schiffshebewerk anzusehen, in einem Gebäude über seine Geschichte zu lesen und einen schönen Spaziergang am Kanal zu machen, vorbei an einigen historischen Schiffen, ließen wir das alles dieses Mal links liegen, um uns auf die globalen Boxen zu konzentrieren.
Was kann man über Container schreiben? Ein paar Beispiele: Wie ging es in den Häfen zu, bevor es Container gab? Wer hatte die Idee dazu? Wie kommt es, dass alle Container gleich groß sind? Wie wird ein Container beladen? Wie sähe unser Leben aus, gäbe es keine Container? Was kann man sonst noch mit Containern machen? Haben Container eine Zukunft?
Hier zu den Fragen einige passende Fotos zum Verdeutlichen und Lust machen auf die Ausstellung:

Wie war früher die Arbeit im Hafen? Chaotisch, wie man oben auf dem Bild sehen kann. Links unten Werkzeug der Hafenarbeiter, u.a. auch eine Zuckerklatsche, rechts alte Holzkisten, die heutzutage gerne noch als Dekorationsstücke hingestellt werden.
Auch hier gilt einmal mehr: Nur ein Mensch kann die ganze Welt verändern…Unten links ist der Brief ausgestellt, in dem der Erfinder Malcom McLean sich einverstanden erklärt, dass Container, auf deren Erfindung er das Patent besaß, eine einheitliche Größe bekommen. Die Verhandlungen zwischen Amerikanern und Europäern über die Größe hatten zuvor vier Jahre gedauert. So einigte man sich schließlich auch auf das Maß: Container haben Fußmaße und keine Metermaße.
Auf dem Bild rechts sind die Fußmaße umgerechnet worden, links die größten Containerfirmen der Welt. zu diesem Bild passt auch die ISO 3103.
ISO-Normen sind nicht nur für die Beschaffenheit eines Produkts zuständig, sondern auch für die Größe und erleichtern innerhalb eines Containers somit das Stapeln von Waren, und wenn es sich dabei auch „nur“ um Teebeutel handelt.
Oben sehen Sie zwei Schiffsmodelle: Das kleine stammt aus den 80er Jahren und konnte noch durch den Panamakanal (Foto rechts unten unter der Ansicht vom Suezkanal) fahren. Das große Schiffsmodell zeigt ein aktuelles Schiff, das nicht mehr durch den heutigen Panamakanal passt. Das Schiff ist über 400 Meter lang und über 60 Meter hoch.
Links die Hauptrouten der Schiffscontainer.
Oben rechts: 2014 wurde die neue Seidenstraße zwischen China und Duisburg gefeiert. Darunter: Container bringen uns neue Tierarten, was selten ein Vorteil ist. Unten: Container als schwimmende Lagerräume. Links: Container in der Bekleidungsindustrie- ein ganz spezielles Thema.
Container anders genutzt: Links als Material für ein Kunstwerk, rechts oben in London umgebaut als Appartement, darunter als Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko.

Und zum Schluss die Auflösung zu dem Schmuggelbulli:

Wie sieht die Zukunft von Containern aus? Besonders europäische Länder versuchen seit ein paar Jahren, wieder mehr vor Ort zu produzieren, um von Importen unabhängiger zu werden. Auch das Verhältnis zu asiatischer Billigware ändert sich. Zwar sehr langsam, aber das Bewusstsein der Bevölkerung für die problematischen Herstellungsmethoden scheint sich zu verbessern. Container gehören zu unserem Alltag, doch in der Zukunft vielleicht etwas weniger als bisher.

Die Ausstellung kann man noch bis zum 12.April 2026 besuchen.

Wolfgang Trepper sagt nur mal eben Danke

Heute erscheint im Kösel Verlag das neue Buch des Duisburger Kabarettisten Wolfgang Trepper.

Ich las dieses Buch aus Neugier, denn Wolfgang Trepper ist in Rheinhausen aufgewachsen und besuchte immer mal wieder meine Buchhandlung. Dort lernte ich ihn als sehr höflichen, fast schüchternen jungen Mann kennen. Irgendwann kam er nicht mehr, er war weggezogen und ich verlor ihn aus den Augen. Einige Jahre später sah ich ihn dann bei einer seiner Vorstellungen wieder und ich konnte kaum glauben, dass das Wolfgang Trepper war. Sein „harsches“ Auftreten war für mich sehr überraschend und ich erhoffte mir, in dem Buch ein paar Erklärungen zu finden, wie es zu dem Sinneswandel gekommen war.
Um es vorweg zu nehmen: Ich habe mit dem Buch aus verschiedenen Gründen herzerwärmende Lesestunden verbracht und empfehle es ohne wenn und aber.
Warum? Da geht es, wie man schon im Untertitel lesen kann, um Tante Henny. Ihr hat Wolfgang Trepper viel zu verdanken. Sie wurde zur Ersatzmutter, als die eigene Mutter immer häufiger ins Krankenhaus musste und der berufstätige Vater mit der Erziehung seiner beiden Söhne überfordert war. Tante Henny- ich habe sie auch sofort lieben gelernt. Sie war bodenständig, sagte, was sie dachte und das war fast immer sehr vernünftig und obwohl sie und ihr Mann, der Oheim, nicht viel Geld hatten, machten sie aus dem Leben ein Fest und freuten sich an kleinen Dingen wie Bolle. Eine bessere Lebenslehrmeisterin konnte Wolfgang Trepper nicht haben und das weiß er bis heute.
Seinen Lebenslauf beschreibend, taucht man in dem Buch zuerst in Duisburger Welten in den 80er und 90er Jahren ein. Trepper arbeitete bei Krupp, sehr ungern, so dass er sich immer mehr für den Rheinhauser Handball Verein OSC engagierte und dabei war, als der OSC in die Bundesliga aufstieg. War er schon zum OSC eher durch Zufall gekommen, sollten noch weitere Zufälle in seinem Leben folgen, die Trepper immer, nach Beratung mit Tante Henny, genutzt hat, um sich weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Das lobe ich mir.
Er kam zu Radio DU und das war seine wahre „Arbeitsheimat“. Der Programmdirektor war offen für die ausgefallenen Programmideen und Kommentare von Trepper, ja, stachelte ihn sogar an, noch „ durchgeknallter“ zu werden. Irre Jahre, denn beim Radio war Spontanität das A und O.
Aber ganz langsam suchte sich nach einigen Jahren eine andere Passion ihren Weg in Treppers Kopf: Der Auftritt auf der Bühne! Und wieder war Kollege Zufall vor Ort, denn Corny Littmann, Inhaber des legendären Schmidt Theaters in Hamburg, wurde auf Trepper aufmerksam und nahm ihn unter seine Fittiche. Es ging immer steiler aufwärts mit seiner Karriere als Kabarettist, so dass er beim Radio kündigte, nach Hamburg zog und dort seitdem mit Frau und Tochter lebt. ( Aber noch eine kleine Wohnung in Duisburg hat, weil hier eben seine Heimat ist).
Ja und da ist er nun, der Wolfgang Trepper mit seinen 64 Jahren. Hat alles erreicht, kann stolz auf sich sein, auch auf seine Projekte in Afrika, für die er nach jedem Auftritt sammelt. In dem Buch lernt man einen Mann kennen, der kritisch über sich und sein Leben nachdenkt und man erfährt, dass er privat immer noch ein ruhige Mensch ist, der sich um Harmonie bemüht.

Wie werden Bäume von einer Stadtverwaltung geschützt- als Beispiel in Duisburg

Letzte Woche besuchte ich in der Duisburger VHS einen Vortrag zu diesem Thema.

Ich schreibe meinen Beitrag anhand von einigen Notizen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Wortbeiträge von Referenten und Zuhörern haben. Mir ist es wichtig zu zeigen, wie vielfältig das Thema Baumschutz ist.

Dr. Randolph Kricke und Bassila Boshalt von der Unteren Naturschutzbehörde in Duisburg erklärten den Naturdenkmal- und Alleenschutz und darüber hinaus die Aufgaben dieser Behörde, als da wären beispielsweise der Arten- und Lebensraumschutz, Bestimmung und Pflege von Schutzgebieten, Genehmigungen für Vorhaben in Landschaftsschutzgebieten, Projekte für Naturschutz, Erhalt der Biodiversität oder Maßnahmen zur Begrünung von Gebäuden.
So wurde u.a. auch ausführlich auf die Behandlung der Landschaft in der Nähe von Strommasten eingegangen oder auf die Pflege der Hecken-und Baumbegrenzungen an Feldrändern. Natürlich hätte es sich an diesem Abend auch angeboten, den Fall „Rahmerbuschfeld“ zu behandeln, doch sprengten auch so schon viele allgemeinere Fragen der Zuhörer den Zeitrahmen von 90 Minuten.
Bei Bäumen muss bei den Aufgaben u.a. unterschieden werden zwischen dem Schutz im Außenbereich, Ernennung von Naturdenkmälern, Stellungnahmen bei Bebauungsplänen, dem Straßenbaum- und Alleenschutz. Mehrmals wurde es deutlich, dass die Untere Naturschutzbehörde bei neuen Bebauungsplänen kaum Möglichkeiten hat, auf privaten Grundstücken einzugreifen. Dies gilt ebenso bei Fällungen auf privaten Grundstücken (vielleicht besonders nach dem Wegfall der Baumschutzsatzung 2016?). Die Stadt setzt bei den Besitzern optimistisch auf deren Einsicht, ihre Bäume so wertzuschätzen, dass sie von einer Fällung absehen. Ein Zweifel an dieser Einstellung zum Naturschutz war bei den Teilnehmern nicht zu überhören.
Um Bäume zu schützen, wurde in der Vergangenheit von Duisburger Bürgern deshalb immer wieder versucht, Bäume kurzfristig als Naturdenkmal ausweisen zu lassen und diese Idee wurde auch an dem Abend sehr begrüßt. Allerdings gibt es Vorgaben, wann ein Baum unter Denkmalschutz gestellt werden kann und dazu gehört u.a. das Gesundsein des Baumes, eine gewisse Einzigartigkeit der Art, das Alter, der Wuchs und die freie Zugänglichkeit!

Foto von einer alten großen Blut-Buche

Damit fallen Bäume auf Privatgrundstücken meistens weg. Und dann ist da noch der Verwaltungsakt. Soll ein Baum Naturdenkmal werden, entscheidet dies letztendlich der Rat der Stadt. Bis es zu diesem Punkt kommt, das kann ein paar Wochen dauern oder auch mehrere Jahre.
Ich habe vorgeschlagen, einen Wettbewerb zu starten à la „Die schönste Hausfassade von Duisburg“. Wo stehen die schönsten Bäume in Duisburg? Jährlich einige Bäume auswählen und mit einer Plakette, Urkunde oder was auch immer auszeichnen. Diese Aktion würde meiner Meinung nach das Nachdenken und die Wertschätzung für Bäume in Duisburg erhöhen.

Warum müssen einzelne Bäume gefällt werden oder warum verabschiedet man sich von ganzen Alleen? Einige Gründe:
Krankheiten: Besonders schnell zu erkennen, wenn am Baum sichtbar Pilze wachsen, da dann der Baum von innen wohl schon zu sehr vom Pilzbefall betroffen ist und instabil wird.
Alter und Größe der Bäume: In Duisburg wurden ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und nach dem Krieg viele Platanen gepflanzt. Diese haben inzwischen ein Alter erreicht, in dem sie schwächer werden, sei es, dass ihre Wurzeln keinen Platz mehr finden und den Halt verlieren (Bürgersteige, die durch Anhebung der Wurzeln nicht mehr begehbar sind) oder ihnen Wasser und Luft fehlen, sei es durch mangelnden Regen oder dem Zuparken von Autos über den Wurzeln. (Fassen wir uns da alle an die Nase, wer hat das mit seinem Auto noch nie gemacht?)

Foto von einer Baumreihe (Platanen), die sich schräg zu einer Häuserreihe neigt

Die Größe eines Baumes kann ein Grund dafür sein, dass er keinen sicheren Stand mehr hat und auf ein Gebäude fallen kann. Das Argument, dass Bäume Gebäuden Licht wegnehmen und deshalb gefällt werden müssen, fand ich nicht überzeugend, da das immer wichtiger werdende Thema Schatten spenden nicht angesprochen wurde.
Duisburg hat 360 Alleen, die in 553 Abschnitte eingeteilt sind. 2018 wurde für Duisburg beschlossen, ein Alleenkonzept zu erstellen. Hier zwei Links zu dem Konzept. Zuerst die „einfachen“ Erklärungen auf der duisburg.de Seite

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php

dann eine ausführliche Version von Mai 2022.

https://duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/baeume/alleenkonzept.php.media/255552/Alleenkonzept_Stadt-Duisburg.pdf

Werden in Alleen einzelne Bäume gefällt, muss untersucht werden, ob eine Neupflanzung sinnvoll ist. Einen Frischling unter eine großen alten Baum zu setzen ist wenig erfolgversprechend, denn hier ist die Beschattung für das Wachstum des jungen Baumes nicht gut. Also bleibt u. U. eine Lücke in der Allee.

Foto von einer Baumallee im Nebel, in der ein Baum abgesägt und nicht neu nachgepflanzt wurde.

Wir erfreuen uns an den Blätterdächern im Sommer, doch gibt es inzwischen Untersuchungen, dass die Luftqualität darunter u.U. schlecht sein kann, wenn es keine Zirkulation nach oben gibt. Stehen rechts und links Wohngebäude muss man auch dies im Auge behalten.

Foto von einer Platanenallee, die ein Baumdach bildet

Wenn nun eine ganze Allee gefällt wird, ist dies für uns alle ein Schock und wir reagieren mit Unverständnis, Wut und auch Frustration, weil wir zumeist nicht alle Hintergründe kennen oder unbefriedigende oder gar keine Erklärungen bekommen. Was nützen uns persönlich danach diese unscheinbaren Neupflanzungen? Gar nichts. Aber unseren Kindern und Enkeln in der Zukunft! Sie werden mit gesunden Bäume leben, die uns selbst auch in einem Teil unseres Lebens begleitet haben.

Wer meinen Blog kennt, der weiß, wie sehr mir der Erhalt von Bäumen am Herzen liegt und ich diesbezüglich ein ziemlich großes Misstrauen gegenüber der Stadt Duisburg pflege. Das hat sich nach dem Vortrag etwas geändert.
Ich glaube daran, dass die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde das Selbstverpflichtungsprogramm zum Schutz von Bäumen nach ihren Möglichkeiten einhalten. (Für die operative Arbeit sind die Duisburger Wirtschaftsbetriebe zuständig- das ist dann noch einmal ein ganz anderes Thema!)
Dass die Baumschutzsatzung nicht wieder in Kraft tritt (es könnte ja auch eine angepasste sein), für diese politische Entscheidung habe ich immer noch kein Verständnis.
Wer in Duisburg etwas für die Natur tun will, der sollte sich mit „Mehr Grün“ vertraut machen, einem Förderprogrammen der Stadt:

https://www.duisburg.de/microsites/umwelt-natur-klima/natur/landschaftspflege/foerderprogramm-fuer-mehr-gruen.php

Es gibt in Duisburg mehrere Gruppen, die sich für Natur und Klimaschutz einsetzen oder man macht sich mit Hilfe von Vorträgen schlau. (In der Duisburger VHS gibt es in den nächsten Wochen dazu noch weitere Vorträge).

Alternative Bustour durch Duisburg

Die Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales bietet zweimal im Jahr eine alternative Bustour durch Duisburg an, einmal in den Norden, einmal in den Süden.
Am Samstag starteten wir um 14 Uhr vom Duisburger Fernbusbahnhof in den Norden. Reiner Leuchter, Landschaftsarchitekt und bei der Stadt Duisburg Mitglied im Beirat für Stadtgestaltung, war unser Reiseleiter. In den nächsten drei Stunden sollten wir ( ca. 30 Neugierige) von den 50 Stadtteilen, die Duisburg hat, ca. die Hälfte durchfahren.
Der Norden fing im Westen an, denn wir fuhren zuerst nach Homberg. Schon hier wurde klar, welche Schwerpunkte Leuchter bei seinen Erklärungen haben würde. Kritisches Hinterfragen baulicher Maßnahmen aus der Vergangenheit und Gegenwart, Vergleiche zwischen guter und minderwertiger Architektur, das Nebeneinander von Industrie- und Wohnanlagen.
In Homberg kam es zu dem Vergleich zwischen dem Wohnen in den Rheinpreußen- und Johannenhof-Siedlungen und dem Leben in den Weißen Riesen, von denen hier der letzte zu sehen ist, nachdem die anderen gesprengt wurden.

Danach fuhren wir auf die rechte Rheinseite zurück, vorbei an dem alten Trajektturm.https://de.wikipedia.org/wiki/Trajekt_Ruhrort–Homberg

Links der Hebeturm, davor das Schulschiff RHEIN.

Beim Überqueren auf der Friedrich-Ebert-Brücke bezog Leuchter Stellung zu der neuen, sehr umstrittenen Halle auf der Mercatorinsel.

Obwohl er Verständnis für die Bedenken von Naturschützern und Anwohnern von Ruhrort hatte, hielt er den Bau für die Halle für folgerichtig, denn schließlich gehört die Insel zum Duisburger Hafen, der solche Infrastruktur benötigt.

Nicht weit entfernt befindet sich das alte Hermann Wenzel Kraftwerk, das 1955 eingeweiht wurde. Es verarbeitet bis heute das Gas der Thyssenkrupp Hochöfen, das durch riesige oberirdische Gasrohre transportiert wird.

Sie sind so groß, dass man durch sie durchlaufen könnte. Das Gas ist hochgiftig, aber diese Tatsache spielte damals beim Bau und wohl auch heute keine Rolle. Auch dass die Rohre und die damit verbundene Infrastruktur Stadtteile zerschnitt, wurde früher hingenommen. So kam es beispielsweise in Laar zu einem Niedergang des Einzelhandels, noch gefördert von der Ansiedlung großer Supermärkte außerhalb des Stadtteilzentrums.

Der „Laarer Dom“ erinnert noch von eine bessere Vergangenheit, rechts oben ein Beispiel für den Niedergang des Einzelhandels und unten ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Dieses Zerschneiden von Stadtteilen kann man auch noch in anderen Stadtteilen erkennen, besonders in Hamborn oder Marxloh. Für die Industrie wurde Platz gemacht, egal wie die Gemeinde gewachsen war. ( Man denke z.B. an die Trassen der Autobahnen A 42 und A 59).
Wir kamen immer wieder an Hochöfen vorbei

und Reiner Leuchter versorgte uns mit Zahlen, was und wie viel man in welcher Zeit produziert und wie teuer die geplante Direktreduktionsanlage von Thyssenkrupp werden soll: 1,9 Milliarden Euro (davon 60% staatliche Fördergelder).



Die Weseler Straße in Marxloh war unser nächstes Ziel. Hier waren viele Menschen unterwegs, hauptsächlich Paare, die vor einer großen Entscheidung standen:

Was ziehe ich auf meiner Hochzeit an? Marxloh ist einer der europäischen Einkaufszentren, wenn es um das Einkleiden von Hochzeitspaaren geht.

Weiter ging es durch die Stadtteile Fahrn und Röttgersbach, die sich glücklich schätzen können, Straßen mit qualitätsvoller Architektur aus den 20er Jahren zu besitzen. Nach einem Abstecher zur Merkez Moschee,

nahm unser Reiseleiter Hamborn genauer unter die Lupe. Dieser Stadtteil war früher eine selbständige Stadt, was imposante Gebäude wie ein eigenes Rathaus, ein Gericht oder auch ein Gefängnis bis heute bezeugen, nicht zu vergessen das BauhausKarree, ebenfalls aus den 20er Jahren.

Rechts eine kleine Ansicht vom BauhausKarree, links der bekrönte Treppengiebel eines Backsteinhauses, in dem sich heute die Hamborner Polizei befindet.

Hamborn hat darüber hinaus einen eigenen Stadtpark und einen botanischen Garten. Auch der Marktplatz beeindruckte durch seine Größe, hier wird in der Verwaltung gerade zusammen mit den Anwohnern eine Umgestaltung geplant: Parkplätze sollen weichen, der Platz soll mehr ein Freizeitraum für die Bevölkerung werden.
Wir kamen bei unserer Rundfahrt an zwei Schulneubauten vorbei und zwei alten renovierten Schulen. Was dieses Thema angeht, ist Duisburg gut aufgestellt und tut etwas für die Zukunft.
In Neumühl gibt es direkt zwei Beispiele, die zeigen, wie schwierig Stadtplanung sein kann.
Das 2013 aufgegebene St. Barbara Krankenhaus ist heute ein Lost Place. Wie es dazu gekommen ist und was in den letzten 12 Jahren an diesem Ort passiert ist, können Sie hier nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/St._Barbara-Hospital_(Duisburg)

Durch die Felix-Dahn Straße fuhren wir, weil sie in Duisburg laut Reiner Leuchter exemplarisch für die z.T. sinnlose Abholzung von altem Baumbestand ist. Ca. 100 Jahre alte Bäume wurden wegen Kabelverlegungen gefällt und durch Jungbäume ersetzt. Bis diese allerdings denselben Nutzen für die Umwelt haben, braucht es mindestens zwei Generationen.

Den Landschaftspark steuerten wir nicht an, da er wohl vielen Duisburgern schon bekannt ist. Was ich nicht wusste: Das gesamte Areal des Landschaftsparks beträgt 200 ha, also ist er ca. 280 Fußballfelder groß. Hätte ich nicht gedacht.
Wurde aus dem Areal des Landschaftsparks etwas Neues gemacht, gibt es an anderen Stellen Gelände, wo früher Gebäude standen, die sinnlos abgerissen wurden, da danach Neubaupläne nicht weiter verfolgt wurden. So finden sich immer wieder solche Orte in Duisburg:

In Meiderich trafen wir einmal mehr auf Häuser der GEBAG, genauer gesagt in der Ratingsee-Siedlung.

Auch hier lohnt es sich, den Wikipedia-Eintrag zu lesen, nicht nur wegen der Architekturgeschichte, sondern auch wegen der Tatsache, dass sich an diesem Ort ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald befand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ratingsee-Siedlung

Das Tourende war Gewässern gewidmet. Über den Rhein waren wir ja schon gefahren, aber wir passierten nun zum zweiten Mal die alte Emscher, dann den Rhein-Herne-Kanal und schließlich die Ruhr.

Oben links der Rhein bei Homberg, darunter der Rhein-Herne-Kanal, oben rechts die renaturierte alte Emscher und rechts unten die Ruhrlandschaft.

Wenn auch die Wasserqualität erst in den letzten Jahren so gut geworden ist, dass man im Kanal und in der Ruhr wieder schwimmen könnte, so gehörten diese Teile Duisburgs immer schon zu Orten, an denen die Bevölkerung gerne ihre Freizeit verbrachte. Ein aktueller Beweis: Der gut ausgebaute Radweg der Fern-Radwanderroute „Ruhrradweg“.

Nach der Bustour fuhren wir in den Innenhafen, um etwas zu essen. Hier bekamen wir noch eine Extraportion Duisburg, dank mehrerer Wandbilder, die unter der A59 für Duisburg werben.

Eine rüstige 90jährige Duisburgerin machte die Rundfahrt mit und war voll des Lobes am Ende der Tour. Sie hätte viel Neues zu ihrer Heimatstadt erfahren und es gäbe viel Stoff zum Nachdenken. Diesem Urteil schließe ich mich gerne an. Der Duisburger Süden wird übrigens am 12.10. erkundet.

Ich hatte zuvor noch nie von der Duisburger Stiftung gehört. Eine gute Sache, wie ich finde. Hier ein Ausschnitt aus ihrem Flyer,

Zur Homepage geht es: http://www.stiftung-duisburg.de

Anmerkung: Einige der Fotos habe ich nicht am Samstag gemacht, sondern auf früheren Radtouren. (Falls es Ihnen aufgefallen ist, dass die Jahreszeiten nicht immer kompatibel sind).

Kennen Sie „Lost Sheroes“?

Seit Anfang der Woche kann ich gar nicht genug bekommen von den „Lost Sheroes“. Eine Kollegin gab mir den Tipp und ich meldete mich in der ARD Audiothek an, um Podcastfolgen mit diesem Titel zu hören. „Lost Sheros“, das sind Frauen, die in Geschichtsbüchern gar nicht oder nur unter ferner liefen auftauchen. Oder haben Sie schon einmal von En-hedu-ana, Hoelun, Sophie Bosede Oluwole oder Delia Derbyshire gehört? Um Sie auch auf den Geschmack zu bringen: En-hedu-ana lebte vor ca. 4200 Jahren, war Hohepriesterin und gilt als erste namentlich bekannte Autorin (oder Autor) der Menschheitsgeschichte. Hoelun (ca. 1140–1221) war die Mutter des mongolischen Fürstens Dschingis Khan und seine engste Beraterin. Ohne sie hätte der Fürst nie seine Macht erlangt. Sophie Bosede Oluwole (1935-2018) war eine nigerianische Philosophin, die sich für eine neue Philosophiegeschichte einsetzte, in der nicht nur Lehren von weißen Männern vorkommen. Oluwole bewies u.a., dass der Gedanke der Demokratie nicht in Griechenland geboren wurde, sondern das afrikanische Volk der Yoruba Demokratie bereits praktizierte und die Idee der Demokratie erst über Ägypten nach Griechenland kam. Ja und dann ist da noch Delia Derbyshire (1937 – 2001). Sie komponierte 1963 die berühmte Dr. Who Fernsehserienmusik (ohne damals genannt zu werden). Dieses Stück gilt als Geburtsstunde der Technomusik und beeinflusste nachweißlich Musiker wie die Gruppe Kraftwerk oder auch Kate Bush.

Diese vier Beispiele zeigen die große Bandbreite der Lebensläufe, von denen in dem Podcast erzählt wird. Seit 2022 erscheint alle vierzehn Tage eine neue Folge . Die Schauspielerin Milena Straube moderiert die Sendungen und wählt mit ihrem Team die Lebensläufe aus den vielen Vorschlägen der Hörerschaft aus. Neben Straube gibt es in jedem Beitrag eine zweite Person aus einem fachspezifischen Bereich, die zu der Shero Fundiertes erzählt.
Warnung: Beim Hören kann man manchmal wütend werden, wenn es darum geht, was den Frauen angetan wurde, damit sie nicht „den Glanz der Männer“ stehlen. Aber man lernt auch sehr viel und ich freue mich, dass generell immer häufiger „Sheroes“ im Scheinwerferlicht stehen. Und schließlich finde ich es bei manchen Lebensläufen auch faszinierend, wie ein kleiner Zufallstritt Frauen zu große Taten brachten.

Wochenenden mit Tee, Duft und dem Wissen von koptischen Mönchen

Vorletzten Sonntag besuchte mich meine Freundin, um meiner Kollegin und mir eine Buchbindung zu zeigen, die von koptischen Mönchen in Ägypten (ca. 300 n. Chr.) erstmals angewandt wurde.
Bei dieser Buchbindung werden sogenannte „Signaturen“ (mehrere gefaltete Blätter, die ineinander gelegt werden) mit einer Art Kettenstich zusammengenäht. Wir brauchten ca. 3 Stunden, um unsere ersten beiden koptischen Bücher fertig zu stellen.

Fotocollage: Unten ein paar Schritte während der Herstellung: Links: Mit einer Ahle und einem Lochlineal werden Löcher mit gleichmäßigem Abstand in die Signaturen gestochen. Mitte: Der Buchdeckel wird für das Lochstanzen vorbereitet. Rechts: Die genähten Signaturen mit dem Buchdeckel zu verbinden ist der kniffligste Teil.

Es gibt diverse Möglichkeiten, ein Buch mit einer koptischen Bindung zu versehen. Dieses Video erklärt es fast genauso, wie wir es am Sonntag gelernt haben.

Stolz, auf den Spuren der Mönche gewandelt zu sein und nun zwei koptische Bücher zu besitzen, machte ich mir dann Gedanken, was ich mit den Büchern anfange.
Das Buch mit dem braunen Deckel wurde gestern mein Teebilderbuch.


Kleine handgeschöpfte Papierquadrate beträufle ich mit schwarzem Tee, lasse diesen dann zerfließen oder bespritze mit einer in Tee eingetauchten Zahnbürste das Papier. Daraus ergeben sich zufällige Teeflecken, die mich nach längerer Betrachtung zu Bildern inspirieren. Die Teeflecken ergänze ich mit Aquarellfarben und feinem Filzstift.

Das zweite Buch hat als Deckel ein gefaltetes Aquarellpapier, wie oben links zu sehen ist.

Ein Duftbuch sollte es werden!
Zuerst bemalte ich das Aquarellpapier und ließ es trocknen. Dann stach ich vorne und hinten jeweils kleine Löcher in die Deckelseiten. (Oben rechts sieht man die Rückseite des Buches). Dritter Schritt: Ich verteilte zwischen den beiden Seiten vorne und hinten getrocknete Blätter einer Zitronenverbene (Fotos unten). Jetzt musste der Deckel nur noch zugenäht werden.

Die Farben der Perlen des Lesezeichens stehen für mich für verschiedene Duftquellen wie z.B. bei blau für Meer, weiß für Maiglöckchen oder grün für Pfefferminztee.


Das Büchlein duftet herrlich und ist wie gemacht für das Sammeln von Urlaubs- oder Sommereindrücken oder als Buch, in dem ich „Duft“ Erinnerungen notiere.

Kommunalpolitische Werkstatt

Seit dieser Woche besuche ich in der Duisburger Volkshochschule eine Gesprächsrunde, die sich mit der Kommunalpolitik befasst. Ich habe ca. 20 Mitstreitende, Frauen und Männer sind anzahlmäßig gleich vertreten, der Altersdurchschnitt liegt bei knapp 60 Jahren, drei junge Frauen sorgen dafür, dass er nicht noch höher liegt. Was das Thema berufliche Erfahrungen angeht, ist die Runde sehr gemischt und spannend. Eine ehemalige Pastorin, ein Professor für vergleichende Politikwissenschaften, eine Studentin, die als Nebenjob KI füttert, eine OB Kandidatin, ein Vorstand aus einem Bürgerverein, da werden in den nächsten Wochen viele unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen.
Am Anfang der Stunde verteilte einer der beiden Kursleiter diese Bücher:

Diese Bücher kann sich jeder gegen eine Schutzgebühr von 15 Euro bei der Landeszentrale für politische Bildung NRW bestellen.

https://www.politische-bildung.nrw

Da diese Gesprächsrunde schon seit 3 1/2 Jahren besteht und über die Hälfte der Kursbesucher „Wiederholungstäter“ sind, besteht für die Frischlinge wie mich die Möglichkeit, neben der Lektüre der Bücher in der VHS Cloud Material herunterzuladen, um die Abläufe in der Kommunalpolitik kennenzulernen.
Was passiert in den nächste Wochen? Wir werden über kommunale Probleme und Entscheidungen sprechen, es werden Gäste eingeladen, die zu bestimmten Themen Vorträge halten und alle Teilnehmer haben stets die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Ich besuche diesen Kurs, weil ich nicht länger nur auf die Stadt Duisburg schimpfen will. Wie sind welche Abläufe geregelt, an welche Gesetze muss sich die Verwaltung halten, welche Möglichkeiten hat sie, mehr zu tun, als es z.Zt. passiert? Wo ist das Nichtdürfen und wo ist das Nichtwollen? Wie kann ich als Bürgerin Einfluss nehmen?

Warum schreibe ich das heute? Als ich nach 1 1/2 Stunden nach Hause fuhr, machte sich bei mir eine Dankbarkeit breit, in einem demokratischen Staat zu leben, der solche Angebote ermöglicht und seine Bürger unterstützt, wenn sie es denn wollen.

Bilderbuchwochenende

Am Wochenende habe ich mir einen Stapel neuer Bilderbücher mit nach Hause genommen. Diese drei Titel gefielen mir besonders gut:

Das kleine Igelmädchen Tilly und ihre Oma sind ein unschlagbares Team. Von ihrer lieben Oma hat Tilly beispielsweise die beste Kuscheldecke der Welt geschenkt bekommen. Tilly liebt sie heiß und innig, doch dann geschieht ein Unglück und Tilly muss die Decke als Halstuch tragen. Bei der Gartenarbeit würde sie ihrer Oma gerne helfen, doch steht Tilly gerne auch mal im Weg und dann ist die Oma ein bisschen grummelig. Auch mit Tillys Launen hat es die Oma manchmal nicht leicht, aber am Ende des Tages ist alles wieder gut und wenn die liebe Oma noch eine Gutenachtgeschichte vorliest, schläft Tilly ganz schnell ein…und die Oma auch!

Die Zukunft muss nicht so schlimm werden, wie manche befürchten, denn es gibt heute schon atemberaubende Zukunftsvisionen, die zuversichtlich machen. Höchste Zeit also, ein Buch für Kinder herauszubringen. Sie sind die Betroffenen und gleichzeitig auch „Influencer“ in der heutigen Erwachsenenwelt.
In Format eines Wimmelbilderbuches werden verschiedene Themenbereiche unter die Lupe genommen. Ein Zuhause unter Wasser mit einer Küche, in der Gestankssensoren anzeigen, ob Lebensmittel noch gut sind und in der es eine Insektenfarm gibt für den täglichen Proteinsnack zwischendurch? Ein Zauberspiegel im Badezimmer, der Krankheiten erkennt oder Schneckenklebstoff anstatt Pflaster?
Wie werden die Schulen aussehen, der Urlaub am Strand oder ein Spaziergang in einem Park?


Auch als Erwachsene hatte ich Spaß an den farbenfrohen Illustrationen und Erklärtexten und staunte über zahlreiche Erfindungen, die uns heutzutage teilweise noch arg befremdlich sind. Aber wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass wir mit Minicomputern in der Hosentasche herumlaufen und Schüler streiken, damit Erwachsene sich mehr um Klimafragen kümmern?
Am Ende des Buches werden Vorschläge gemacht, was jedes Kind / Jugendlicher/ Erwachsene heute schon tun kann, um die Zukunft einzuläuten. Abgerundet wird das Buch schließlich von einem Glossar, in dem schwierige Wörter erklärt werden.

Wenn das jeder macht…dann…? 
Ja, was passiert, wenn jeder sein Zimmer nicht aufräumen würde, alle Menschen mit einem Miesepetergesicht herumlaufen oder alle sich gegenseitig anrempeln würden? Jeweils auf einer Doppelseite werden verschiedene Situationen zu einzelnen Themen gezeigt und man kann zusammen mit seinen Kindern wunderbar über die Szenen sprechen und auch viel lachen, denn die Bilder stecken voller witziger Ideen. 


Wenn das jeder macht, also z.B. auch öfter mal zuhören, ein Lob verteilen oder ein Stück seiner guten Laune abgeben, würde die Welt dann nicht ein Stück besser? Auch dazu gibt die Autorin Beispiele.