Wie man Erinnerungsschätze hebt

Mein Langzeitgedächtnis ist nicht gut und ich habe diverse weiße Flecken, was z.B. Erlebnisse in früheren Urlauben angeht. Manchmal ist das erfreulich, denn so vergesse ich auch schneller Nichtschönes, aber manchmal finde ich es auch schade und beneide alle Freunde, bei denen viele Details aus der Vergangenheit vorhanden sind und staune immer, was sie mir erzählen.

Ich machte in den letzten drei Wochen deshalb den Versuch, Erinnerungen zurückzuholen und zwar mit Hilfe dieses Buches:

Doris Dörrie ist nicht nur Filmregisseurin und Autorin, sondern sie gibt in München immer wieder Schreibkurse. In diesem Buch zeigt sie, wie man mit regelmäßigem Schreiben automatisch eigene Erinnerungsschätze hebt. Sie gibt diverse Themen vor, über die man schreiben kann und quasi als Beispiel erzählt sie in jedem Kapitel auch von Begebenheiten in ihrem eigenen Leben. Dabei spielt die Arbeit kaum eine Rolle, für sie wichtige Personen sind die Dreh-und Angelpunkte.

Einfach mit dem Schreiben anfangen – sich vorher kein bestimmtes Thema überlegen-und 10 Minuten dranbleiben. Möglichst täglich. Dörrie verspricht, dass plötzlich Erinnerungen hochkommen, die jahrelang oder sogar jahrzehntelang verschütt waren. Nicht unterkriegen lassen darf man sich dabei von Gedanken wie „Dazu bin ich zu blöd!“, „Das ist nicht originell oder „Ich kann nicht schreiben, das ist peinlich!“ Man schreibt für sich zuerst einmal ganz alleine, da kann nichts peinlich sein. Wenn man später vielleicht Lust verspürt, etwas Geschriebenes vorzulesen, dann kommt die Überzeugung, dass das Geschriebene interessant ist, von ganz alleine.

Ich war sehr skeptisch, was die Wiederbelebung von Erinnerungen angeht, aber ich machte den Versuch und stellte mir den Wecker auf 10 Minuten später. 10 Minuten kamen mir sehr lang vor, aber gut. Ich guckte nach draußen und fing an, über den Regen zu schreiben.

Auf den Blättern links und rechts sehen Sie 4 x 10 Minuten Geschriebenes. Auf dem rechten Blatt habe ich links vom Text Kreuze gemacht. Sie markieren die Erinnerungen, die aus heiterem Himmel sich nach langer Zeit wieder zurückmeldeten. Es funktioniert tatsächlich und es ist ein tolles Gefühl.

Auf dem mittleren Blatt habe ich Themen notiert, über die ich schreiben könnte. Gut die Hälfte dieser Punkte werden auch von Frau Dörrie vorgeschlagen, die anderen Ideen waren plötzlich da.

Ich habe in drei Wochen es zwölfmal geschafft, 10 Minuten zu schreiben. Bisher kam mindestens eine Erinnerung pro Aufzeichnung zurück, meistens sind es mehrere. Wenn ich mich zum Schreiben an den Tisch setze, stellt sich immer ein besonderes Gefühl ein. Ein bisschen ist es zu vergleichen mit dem Moment, bevor man beim Tauchen in die Tiefe hinab gleitet- in eine unbekannte Welt.

Morgen gebe ich Ihnen ein Beispiel von mir, wie ich beim Schreiben von „Höcksken auf Stöcksken“ gekommen bin und 10 Minuten gar nicht ausreichten.

Autor: linda

Wohne in Duisburg.

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