Dirigentin gefunden

Hier nun mein letzter Parisbeitrag. Erstmalig besuchten wir die Pariser Philharmonie.

Ein weiteres architektonisches Prunkstück in Frankreichs Hauptstadt, das 2015 erst eröffnet wurde. Es liegt im „Musikerviertel“ direkt neben dem Parc du Villette im Nordosten von Paris. Früher eher eine Gegend, in der die Menschen arm waren, ist das Viertel heute dank der musischen Ausrichtung mit vielen Musikschulen und anderen Gebäuden prosperierend.

Der Besuch hielt zwei sehr positive Überraschungen für uns parat. Für mich war es das erste Konzert mit klassischer Musik, bei dem ich das Gefühl hatte, dass die Menschen wegen der Musik kamen und nicht um gesehen zu werden oder weil ein Besuch in den Kreisen „dazugehört“. Das konnte man an der Kleidung ausmachen, aber auch an den Einkaufstaschen, Rucksäcken oder Aktenkoffer, die in den Konzertsaal mitgebracht wurden. Die Eintrittspreise von 8 Euro bis 50 Euro ermöglichten einer viel größeren Zahl an Musikinteressierten, sich auch ein Ticket leisten zu können.

Wir hörten Musik von Sibelius und Schostakowich, dirigiert von Karina Canellakis, einer knapp vierzig jährigen Amerikanerin. Ihr gefühlvoller Stil des Dirigierens macht Musik sichtbar und noch besser erlebbar- nichts für Anhänger des minimalistischen Dirigierens. Möchten Sie einen Eindruck gewinnen?

Wer sie live erleben möchte, der hat vom 24.-26.Mai in der Kölner Philharmonie die Möglichkeit. Weil wir so begeistert waren, haben wir dann Karten für Sitze hinter dem Orchester, um ihr beim Dirigieren von vorne zusehen zu können.

Prag im Winter Teil 2- Geschenktipp Nr. 2

Weiter geht es mit Tipps für einen Aufenthalt in einem überfüllten Prag.

Tipp Nr.3: Wenn Sie zum ersten Mal in Prag sind und vielleicht gerne eine Rundfahrt mit einem Bus machen würden, so rate ich Ihnen davon ab, denn wenn Sie keinen Fensterplatz ergattern, sehen Sie nicht viel. Prag bietet eine stilvolle Alternative, die zwar etwas teurer ist, bei der Sie aber alleine durch die Stadt gefahren werden, Wünsche bei der Route ansprechen können und man auch extra Fotostopps vereinbaren kann. 

Dies sind zwei von diversen Möglichkeiten, mit einem Oldtimer Prag zu erkunden.

 

Tipp Nr.4 Eine schöne Beschäftigung am späten Nachmittag oder abends ist das Besuch eines Konzerts. Dank Karl IV hat Prag noch sehr viele Kirchen (es waren einmal 80…) und in einigen werden tägliche Konzerte mit Orgel, Streichquartetten, Gesang oder Gitarrenbegleitung angeboten. Man bekommt leicht Karten, denn klassische Musik ist nicht jedermanns Geschmack, selbst wenn die „Gassenhauer“ der Klassik gespielt werden. 

Wir besuchten dieses Konzert und es war sehr stimmungsvoll.

Was wir vorher nicht wussten: In dieser Kirche wurden Ausschnitte aus dem bekannten Mozartfilm „Amadeus“ gedreht, so dass die Kirche recht bekannt wurde und man heute zu ihrer Erhaltung wohl ein bisschen mehr tut als bei anderen Gotteshäusern. Wir suchten uns dieses Konzert wegen der Orgel aus, weil wir unbedingt ein Orgelkonzert in einer Kirche hören wollten. Und damit komme ich zu Geschenktipp Nr.2.

Im Sommer fuhren wir an einem Sonntagmorgen zu einer Orgelführung in der Essener Philharmonie. Der Orgelkustos Wolfgang Kläsener erklärte sein Instrument mit so viel Begeisterung und für Laien sehr verständlich, dass die 1 1/2 Stunden der Führung viel zu schnell vergingen. Das Besondere war auch dabei, dass wir ihm beim Spielen diverser Musikstücke quasi über die Schulter gucken konnten, da das Spielpult ein externes war und nicht oben an der Orgel stand, sondern direkt vor unserer Nase. Mit zwei Händen und zwei Füßen gleichzeitig spielen…Staunen erlaubt!

Nach der Führung aßen wir noch in dem nahe gelegenen türkischen Restaurant „Tablo“ auf der Huyssenallee sehr gut zu Mittag, so dass dieser Sonntagmorgen zu einer runden Sache wurde. Vielleicht verschenken Sie einen Gutschein zu Weihnachten?

An diesen Terminen finden die nächsten Führungen in der Essener Philharmonie statt.

Sa, 19.01.2019, 16:00 Uhr » mehr
Sa, 02.03.2019, 16:00 Uhr » mehr
So, 26.05.2019, 11:00 Uhr » mehr
So, 16.06.2019, 11:00 Uhr » mehr

Morgen kommt ein dritter Prag- Tipp-Tag.

Ein Radiotipp

Mein Mann und ich hatten im Juni das Glück, dieses Konzert in der Essener Philharmonie live mitzuerleben.

An dem Abend wurde das Konzert auch live aufgezeichnet und wird jetzt am Mittwoch auf WDR 3 ab 20.04 Uhr gesendet. Falls Sie Zeit und Lust auf klassische Musik haben…

Wir werden uns das Konzert voraussichtlich auch noch einmal anhören. Unsere Plätze waren für diese Art von Konzert nicht die besten (saßen im Chor direkt über den Trommeln und Bläsern und da nahm man manchmal das Klavierspiel kaum noch wahr). Deshalb ist es interessant, die Musikstücke quasi von einer anderen Warte aus noch einmal zu hören.

Morgen mache ich grüne Geschenke!

Mein Koffer in Berlin

Vor einigen Tagen erwähnte ich, dass ich momentan nicht viel zum Schreiben käme, da ich z.Zt. quasi noch einen Koffer in Berlin hätte. Heute verrate ich Ihnen, was dahinter steckt.

Ich bekam ein 4 Wochen Abonnement für die “Digital Concert Hall” der Berliner Philharmoniker geschenkt. Dieses Abo löse ich gerade ein. So bin ich zwar nicht körperlich in Berlin, aber meine Gedanken schon.

Was ist das für eine Konzerthalle? In meiner Buchbesprechung zu Peter Brems Autobiografie “Ein Leben lang erste Geige” erwähnte ich sie vor einigen Monaten schon einmal. Als Abonnent der “DCH” kann ich live an Konzerten der Philharmoniker teilnehmen. So sahen mein Mann und ich z.B. Konzerte mit Sir Simon Rattle und Gustavo Dudamel. Natürlich kann man dies nicht mit einem Besuch in der Berliner Philharmonie  vergleichen, jedoch hat das Zusehen und Zuhören am Bildschirm auch Vorteile. Die Kameraeinstellungen sind sehr gut und so bekommt man viel besser das Können einzelner Orchestermitglieder mit, bzw. man hört intensiver auf die Musik und die Struktur der Stücke werden noch klarer. Das war Punkt 1.

Punkt 2: Als Abonnent hat man Zugriff auf alle früheren Konzert des Orchesters, dies umfasst auch Auftritte in der Berliner Waldbühne oder z.B. in Baden-Baden. Man kan im Archiv nach Dirigenten suchen und sich legendäre Konzerte noch einmal ansehen oder auch Konzerte, deren Veröffentlichungen auf CD Auszeichnungen nachzogen. Sie suchen ein bestimmtes Werk, welches Sie sich gerne anhören möchten?- Kein Problem, auch hier lässt die Suchfunktion Sie nicht im Stich. Man bekommt wirklichen Hörgenuss, was ja bei YouTube Aufzeichnungen nicht immer der Fall ist.

Punkt 3: Wenn Sie einen Dirigenten, einen berühmten Musiker, einen Komponist oder auch ein Mitglied des Orchesters kennen lernen möchten, so können Sie das mit Hilfe vieler aufgezeichneten Interviews. (z.B. ein herzerwärmendes Interview mit Kirill Petrenko, der 2018 der Nachfolger von Sir Simon Rattle sein wird).

Das Abonnement kostet 14,90 Euro für 4 Wochen. Ich finde dies einfach genial, denn man kann zur Tages- und Nachtzeit seiner Lust an klassischer Musik fröhnen und das auf hohem Niveau. Besonders dafür eingenommen hat mich auch die Tatsache, dass man auch mal Unbekanntes “in Angriff” nehmen kann, sei es Schönbergs 12-Tonmusik oder sich einfach auf etwas Neues einlässt. 

 

Tewinkel- Barenboim- Wang- Teil 2

Heute nun die angekündigte Besprechung zweier Klavierkonzerte.

Die alte Stadthalle von Wuppertal ist aus dem Jahr 1900 und wurde Ende des letzten Jahrhunderts restauriert.

Wir saßen in der 14. Reihe, also ziemlich mittig, die Sicht war gut. Barenboim sollte an diesem Abend Werke von Schubert spielen, leider war vorher nicht bekannt gegeben worden, um welche Stücke es sich handelte. So waren mein Mann und ich unvorbereitet “ganz Ohr”, als Herr Barenboim sich an seinen Flügel setzte.

Schon nach wenigen Tönen war ich sehr irritiert, denn ich hatte den Eindruck, die Sonate Nr. 4 durch Watte zu hören. Gedämpft, schleppend vorgetragen, ermüdend, auch meinte ich, ein paar Misstöne gehört zu haben. Auch bei der zweiten Sonate wurde es nicht besser und sehr ernüchtert mit einer Portion Selbstzweifel ging ich in die Pause. Wie konnte mir ein Konzert mit einem so bekannten Pianisten so wenig gefallen? Es tröstete mich einen Moment lang, dass es meinem Mann genau so ergangen war und er sich ebenfalls ratlos fühlte. Hatte die Tatsache, dass es beides Moll-Sonaten waren, damit zu tun? Lag es am Flügel von Herrn Barenboim, eine Sonderanfertigung, die, so stand es im Programmheft, die Vorteile eines historischen Klaviers und eines modernen Flügels vereinigt? Hatte Herr Barenboim einen schlechten Tag? In beiden Stücken gibt es langsame und schnelle Passagen, aber Herr Barenboim spielte ohne großen Enthusiasmus und setze wenig Akzente. Vielleicht kann man das nach so vielen Jahren Bühnenerfahrung auch nicht mehr? Oder lag es an der Akustik der Halle? 

Die Sonate nach der Pause war eine Dur-Sonate und sie gefiel uns beiden besser. Also hatte das Moll bestimmt etwas mit unserem Unbehagen zu tun. Aber das konnte nicht die einzige Erklärung sein und mich beschäftigte dieses Konzert in den nächsten Tagen sehr.

Die “Erlösung” kam dann letzte Woche beim Besuch des Konzerts mit Yuja Wang in der Kölner Philharmonie (24. Reihe, aber das macht bei dieser Halle gar nichts). Sie spielte u.a. Stücke von Chopin, Brahms, Prokofiev und riss uns schon bei den Präludien von Chopin aus den Sitzen. Man hat das Gefühl, dass Wang es wirklich liebt, Klavier zu spielen und sie es genießt. Sie ist voller Tatendrang, hat viel Spaß und verändert auch mal schelmisch ein paar Passagen. Als dritte von fünf Zugaben (Klavier zu spielen scheint sie auch nicht anzustrengen, denn danach gab sie noch eine Signierstunde) widmete sie sich dann der Sonate Nr. 4 von Schubert…

Was soll ich schreiben? Auch bei Frau Wang gefiel mir dieses Stück nicht besonders. So fand ich meinen Frieden mit dem Wuppertaler Konzert. Es lag ein bisschen am Moll in Kombination mit der Sonderanfertigung des Flügels und an der Tatsache, dass ich anscheindend die Sonaten von Herrn Schubert mir nicht so zu Herzen gehen, sondern mich eher an musikalische Denksportaufgaben erinnern. Punkt. 

Um auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen, von wegen Langeweile und Konzert. Ich möchte diese Erfahrungen nicht missen, von Langeweile keine Spur, und ich stürze mich mit Vorfreude in neue Konzerte!