Handy aufladen und dabei abnehmen

Im Bahnhof von Metz entdeckte ich mehrere Tische, an denen junge Männer saßen und sich unterhielten oder auf ihre Handys starten. Irgendwie bewegten sie sich komisch dabei und ich sah genauer hin. Ihre Füße standen auf Pedalen…sie führen Rad und…haben damit ihre Handys wieder aufgeladen.

Wie wäre das für den Duisburger Bahnhof, um sich sinnvoll die Wartezeiten zu vertreiben? Oder solche Tische in Schulen installieren– Fettleibigkeit von Kindern und Jugendlichen, da war doch was? 

135 x eine Geschichte neu erzählt

Dieses Buch erschien in Frankreich zum ersten Mal 1947, in den 70er Jahren dann in Deutschland. Jetzt wurde es erneut übersetzt und die beiden Autoren wurden dafür mit dem Straelener Übersetzerpreis 2017 ausgezeichnet. Das ist verdient!

Worum geht es? Die Geschichte ist kurz erzählt. Die erzählende Person, man weiß nicht ob Mann oder Frau, sitzt in Paris in einem Bus und beobachtet zwei Männer, die eine Auseinandersetzung haben. Ein jüngerer Mann mit einem auffälligen Hut beschuldigt einen anderen Mann, ihn immer anzurempeln, sobald andere Fahrgäste ein- oder aussteigen. Bevor der Streit eskaliert findet der junge Mann allerdings einen Sitzplatz und Ruhe kehrt ein. Witzigerweise sieht die Erzählperson den jungen Mann zwei Stunden später wieder, als er mit einem Freund zusammensteht, der ihn darauf aufmerksam macht, dass ein Knopf an seinem Überzieher fehlt.

Das ist die ganze Geschichte. Und diese wird vom Autor Queneau auf 135 verschiedene Arten erzählt. Als Schauerroman, in Form einer Wahrscheinlichkeitsrechnung, als Ballade, auf bayrisch, unter olfaktorische Aspekten- suchen Sie sich etwas aus!

Das Buch genießt man am besten häppchenweise. 5 – 10 Varianten am Tag. Wem beim Lesen generell auch die Sprache wichtig ist, der hat mit diesem Buch eine Schatzkiste, die viel Spaß macht.

 

Perlen als Vase

Eine Bekannte von mir erinnerte mich an eine Idee, die bei mir im Kopf irgendwann auch schon mal herumwaberte, dann aber wieder verschütt gegangen war: Meine Papierperlen auch für meine Briefkartengestaltung zu verwenden. Dies sind die ersten Versuche, noch ziemlich brave, aber die wilderen Ideen müssen sich erst noch entwickeln:

PS 1: Von einer meiner Ketten aus Papier, die ich als Auftragsarbeit angefertigt hatte, habe ich übrigens letzte Woche eine Rückmeldung bekommen: Die Kundin hatte vergessen, sie unter der Dusche abzunehmen…Na und? Nichts passiert. Perlen sind Perlen geblieben, das Blattgold ist nicht mit dem Wasser weggespült worden.

PS 2: Ich habe auf Instagram unter libroart-deutschland eine kleine Fotogalerie angefangen mit anderen Kartenmotiven, momentan hauptsächlich zu Weihnachten. http://instagram.com/libroart_deutschland

 

Das Museum mit den größten Bildern? (Lyonwoche Nr 4 )

Das Museum heißt „Musée urbain Tony Garnier“ und ist Kunst am sozialen Wohnungsbau. Die Hochhäuser wurden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Lyonner Architekten Tony Garnier erbaut. Er hatte für diese Siedlung und für weitere Viertel futuristische Visionen und in einem Gebäude kann man sich eine Modellwohnung und seine Pläne ansehen. Das ganz Besondere an diesen Hochhäusern sind allerdings die Wandbemalungen, die in den 70er Jahren von der Künstlergruppe Cité de la Création angebracht wurden. So wandelt man durch die Hochhausanlage, immer wieder ein neues tolles Bild entdeckend. (Es ist übrigens keins durch Graffiti verschandelt!) Die Themen der Bilder sind „ Das Leben in anderen Ländern“, z.B. Elfenbeinküste oder Indien, das Leben im Viertel oder die Visionen des Tony Garniers.

Inzwischen besuchen im Jahr ca. 30000 Menschen dieses besondere Museum, das wohl auf der Welt einmalig ist.

Die „Lyon-Woche“ wird nächste Woche fortgesetzt. 

Film ab…in Lyon (Lyonwoche Nr.3)

In dieser Woche erzähle ich Ihnen von besonderen Männern aus Lyon.

Da sind zuerst die Gebrüder Louis und Antoine Lumière. Sie drehten den, im heutigen Sinne, ersten Film auf der Welt, eine Szene, wie Arbeiter nach Arbeitsschluss das Fabrikgelände verlassen. Beide Brüder waren technisch sehr begabt und geschäftstüchtig und schon bald schickten sie Männer hinaus in die Welt, damit diese Filme drehten, die dann in Frankreich gezeigt wurden. Jetzt gibt es ein Museum im ehemaligen prächtigen Wohnhaus ihres Vaters Antoine. Hier kann man sich die Entwicklung der Kameras für Filme und Fotos ansehen, nachverfolgen, wie die Brüder geschäftlich immer erfolgreicher wurden und natürlich werden auch alte Kurzfilme gezeigt. Draußen gibt es als Pendant zum Walk of Fame in Hollywood eine Wall of Fame, auf der Namen vieler berühmte Regisseure verewigt sind.

Szene aus dem ersten kolorierten Film, eine Kamera hatte auch das Aussehen eines Gewehrs, das Haus, Chemikalien für Farbfotos

Ein weiterer bekannter „Filmmann“ ist Dan Ohlmann. In den 80er Jahren fing er an, Miniaturenszenen zu bauen und wurde mit ihnen schnell bekannt. Er eröffnete daraufhin 1989 sein erstes kleines Museum in Lyon. Da er auch Filmfan war, ging er auf den Vorschlag eines begüterten Schweizer Filmenthusiasten ein, in einem baufälligen Palast aus dem 16. Jahrhundert das Miniatur-und Filmmuseum zu eröffnen. Er konnte im Laufe der Jahre viele originale Filmrequisiten ergattern (es gibt ca. 450 Exponate) und diese sich einmal ganz nah ansehen zu können, ist etwas Besonderes. (Wie z.B. auch die Räume aus dem Film „Das Parfüm“ aus meinem letzten Wochenendrätsel). Hier noch ein paar andere Schätze:

In manchen Museumsräumen ging es gruselig zu- Originalkostüm aus dem Film „Die 3 Musketiere“, Original Filmscript, die Maske aus der Filmkomödie „Mrs. Doubtfire“ (falls Sie diesen Film nicht kennen-ausleihen und sich zwei Stunden amüsieren.)

Was mich persönlich aber noch mehr beeindruckt hat, das sind seine Miniaturmodelle von verschiedenen Räumen. Er macht alles alleine und man kann ihm bei der Arbeit zusehen. Hier wird man beim Betrachten wieder zum Kind= große staunende Augen:

Das Scherenschnittbild war nur so groß wie mein kleiner Finger, die Schuhe hatten die Länge eines Daumennagels. Bibliothek und Künstleratelier würden in einen Schuhkarton passen…

Das Museum liegt in der Altstadt von Lyon. Von außen macht es leider einen etwas schreierischen Eindruck und hätten wir nicht eine Empfehlung bekommen, wären wir in diese Sammlung nicht gegangen. Also sollten Sie einmal in Lyon sein, lassen Sie sich von Äußerem nicht abschrecken.

Morgen stelle ich Ihnen ein Hauswandmuseum in Lyon vor. Versprochen, dass Sie auch hier staunen werden.

Wenn Frauen alt werden…

…kann noch sehr viel passieren!

Dieses Buch schildert die Lebensläufe von  16 bekannten Künstlerinnen ab ihrer dritten Lebensphase:

So unterschiedlich die Frauen auch sind, sie haben auch viele Gemeinsamkeiten. Die Kräfte schwinden zwar, aber die „Arbeit an und mit der Kunst“ ist das Lebenselixier aller Künstlerinnen, das sie sehr alt werden lässt. Die Frauen sind befreit von familiären oder gesellschaftlichen Zwängen, sie müssen sich nichts mehr beweisen. Ihre eigene Theorie über Kunst hat sich herauschristallisiert und sie können diesem Weg jetzt unbeirrt folgen. Oder stoßen alles um und werden z.B. zu Entdeckerinnen ihrer eigenen Kindheitsgeschichte, die sie dann in ihrer Kunst verarbeiten. 

Der Text jedes einzelnen Kapitels wird von Bildern unterstützt, die für die verschiedenen Schaffensperioden der Künstlerin von großer Bedeutung sind. Beim Lesen kann man die Veränderungen, die „Häutungen“ der Künstlerinnen deshalb gut nachvollziehen.

Die Künstlerinnen haben mit 80, 90 Jahren noch große Erfolge gefeiert. Ein „Es ist nie zu spät“ darf hier wahrlich gesagt werden. Und deshalb ist dieses Buch auch nicht nur ein Buch über Kunst, über Frauen, über das Alter, sondern es beschenkt Leserinnen auch mit kluger Lebensphilosophie und Inspiration.

 

Steampunk-Briefkarten

Beim Gestalten meiner Kartenunikate verwendete ich letztens zum ersten Mal Teile, die ich auf einem Steampunk-Festival gekauft habe (siehe auch meinen Beitrag „Historischer Jahrmarkt). Diese werden eigentlich dafür genommen, Kostümteile zu verschönern, aber meine Variante kam bei einigen meiner Kartenabnehmerinnen auch schon gut an. Gibt es das bei mir evtl. exklusiv?

documenta 14- an diesem Wochenende geht sie zu ende

Ich war am letzten Samstag zum ersten Mal in meinem Leben auf der documenta in Kassel. Es ist schon sehr viel über sie geschrieben worden, über die Ziele, die Kunstwerke und die Organisation dieser Ausstellung. Kurz: Ich fand sie ohne Abstriche toll! So toll, dass ich mich jetzt seit einer Woche mit dem Gesehenen beschäftige, im Internet „wühle“ und auch schon mit 2 meiner Blogleserinnen über die documenta mündlich diskutiert habe. (Gerne auch via Kommentar oder Mail). Einen Aspekt, den ich bisher in keinem Statement gefunden habe, sind die Besucher. Ich habe an diesem Tag mal wieder gelernt, dass ich voller Vorurteile stecke. Es gab die Besucher, die sich rechtens zur Kunstszene zählten oder meinten, dazuzugehören. Leute, bei denen es zum guten Ton gehört, die documenta zu besuchen, sehr viele junge Menschen, Neugierige wie mich und Besucher, denen ich es vom Ansehen nie zugetraut hätte, dass sie Geld für ein documenta-Ticket ausgeben. Asche über mein Haupt!  

Sie hatten ein Rätsel erwartet? Kommt natürlich! Passend zur documenta präsentiere ich Ihnen neun Fotos. Drei Bilder zeigen keine documenta-Kunstwerke- welche sind es?

Morgen kommt die Auflösung!