Von Liegehäuschen, Bügelbahn und Krautkocherei

Wenn man in unserer Region am Montag etwas besichtigen möchte, ist die Auswahl nicht allzu groß, denn viele Museen oder Ausflugsziele sind geschlossen. Nicht so das Openluchtmuseum in der Nähe von Arnheim. In diesem Freilichtmuseum kann man den ganzen Tag verbringen und staunen, lernen, flanieren oder sich verwöhnen lassen.

Auf dem großzügigen Gelände werden historische Häuser und Ausstellungsstücke zu verschiedenen Themen gezeigt. Der Clou: Man kann à la Hop-in/ Hop-off in eine fast 100 jährige Straßenbahn steigen und sich von Haltestelle zu Haltestelle fahren lassen. Der vielleicht schönste Teil der Anlage ist der eines alten Dorfangers.

Fotocollage: Auf dem Gelände sind verschiedene Windmühlen verteilt und man lernt einiges über ihre verschiedenen Funktionen. Oben rechts eine kleine Werft.

Fotocollage: Alte Bauernhäuser sind teilweise sehr schön eingerichtet.

Interessant war auch der Gartenbereich mit einem sehr großen Kräutergarten, farbenprächtig waren mehrere Plätze mit schönen Beeten.

Der Kräutergarten ist sehr umfangreich, zum ersten Mal sah ich eine Indigopflanze, aus der man früher blauen Farbstoff herstellte. Oben links: Die Kapuzinerkresse hatte „freie Bahn“.

Eingerichtete Arbeiterhäuser, eine Milchfabrik, Handwerksbetriebe oder eine Krankenstation vom Beginn der 20. Jahrhunderts boten viel Anschauliches und ich machte Bekanntschaft mit mir unbekannten Einrichtungen.

Kinder waren nicht nur von dem großen Spielplatz begeistert, denn es gab noch ein besonderes Kinderdorf mit Unterhaltungsmöglichkeiten und Workshopangebote.
Verhungern musste man nicht, an mehreren Plätzen fanden sich Imbisse oder Restaurants. Da das Freilichtmuseum auch eine eigene Brauerei besitzt, konnte man auch eine kleine Bierverkostung bestellen.

Wir beobachteten mehrere Gruppen, die speziell auf Fotopirsch waren oder Maler, die sich von den vielfältigen Motiven inspirieren ließen.

Trotz vollem Parkplatz und mehreren Reisegruppen hatte man nicht den Eindruck, dass es im Park überlaufen war.
Arnheim ist bekannt für seinen „Burger Zoo“, das Freilichtmuseum liegt ganz in der Nähe.

Jürgen Ploog- der Grandseigneur der deutschen Untergrundliteratur

Ich arbeitete Ende der 70er Jahre in der damals größten Buchhandlung Deutschlands, dem Stern Verlag in Düsseldorf. Die Bücher der berühmten amerikanischen Autoren der Beat Generation Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William S. Burroughs fand man dort nur vereinzelt im Regal, denn zu dieser Zeit hatten diese Schriftsteller hauptsächlich Leser und Leserinnen, denen das „Establishment“ suspekt war und die den Wunsch nach Freiheit und Veränderung hatten. Noch weniger präsent waren deutsche Autoren, die ähnliche Gedanken in ihren Büchern verfolgten. Peter Paul Zahl, Jörg Fauser oder Rolf Dieter Brinkmann wurden vom Feuilleton manchmal besprochen, aber die Autoren aus Verlagen wie z.B. Rotbuch, März oder Maro ignorierte man gerne. Die Inhalte waren „nicht lesbar“ oder entsprachen nicht dem bürgerlichen Weltbild der 60er bis 80er Jahre. Die Autoren mussten um ihren Lebensunterhalt kämpfen. Es gab allerdings eine Ausnahme…

Jürgen Ploog (1935 bis 2020) hatte schon in jungen Jahren beschlossen, sein Leben dem Schreiben zu widmen und herauszufinden, welche Welten sich mit der Sprache erschließen lassen. Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern entschied er sich, eine Ausbildung zum Piloten zu machen und flog danach 33 Jahre für die Lufthansa. Das machte ihn finanziell unabhängig und ihm war es egal, ob seine Bücher sich verkauften. Bedingt durch seine Arbeit, war er oft in New York und wurde ein guter Freund von William S. Burroughs. Damit war er am „Puls“ der amerikanischen Beatbewegung und lernte bei Burroughs eine Cut-up Technik kennen. (Techniken, bei der ein bestehender Text zerschnitten und zufällig neu zusammengesetzt wird, um einen neuen Text zu erschaffen). Das neue Zusammensetzen der Wörter spült Unbekanntes aus dem eigenen Innenleben an die Oberfläche und dies wurde für Jürgen Ploog für viele Jahre der Weg, seine Texte zu schreiben.
Kämpften deutsche Untergrundautoren mit den grauen Alltagserlebnissen und dem deutschen Politikmief, konnte Jürgen Ploog durch seinen Beruf auf Beobachtungen zurückgreifen, die er weltweit machte. Auf einem Markt in Bangkok, in einer Bar in Tokio, im Supermarkt in Chicago… Sein Unterbewusstsein speicherte jeden Eindruck und er floss in seine Texte mit ein.
Dies alles machte ihn zu einer charismatischen Gestalt in der alternativen Literaturszene. Dass Ploog gutaussehend, immer freundlich und höflich, also quasi ein Gentleman war, unterstützte noch seinen Ruf als „Grandseigneur“.

In dem Buch erinnern sich Wegbegleiter an Jürgen Ploog, Tagebucheinträge und E-Mail Verkehr sind zu lesen, auch findet man einige Textauszüge aus seinen Büchern. Auf die legendäre Literaturzeitung „Gasolin 23“, deren Mitherausgeber Ploog 14 Jahre lang war, wird eingegangen, Foto- und Bildmaterial (Jürgen Ploog malte auch) ergänzen die Texte.

Ob ich Jürgen Ploog einmal begegnet bin? In den ersten Jahren meines Lebens als Buchhändlerin besuchte ich neben der Frankfurter Buchmesse auch einmal die Mainzer Minipressen Messe, die zur selben Zeit stattfand. Hier präsentierten sich damals über 100 Verlage, die den Mainstream nicht bedienten. Als junge Frau hätte ich ihm nicht viele Fragen stellen können, zu unterschiedlich waren die Lebenswelten. Heute wäre das anders. Bei den abgedruckten E-Mails sind auch einige dabei, die Ploog in den letzte Jahren seines Lebens geschrieben hat. In ihnen nimmt er Stellung zu unserer heutigen Welt und schreibt Kluges.

Diese Buchbesprechung ist einfach gestrickt und entspricht nicht dem geistigen Level des Buches oder anderen bereits erschienen Buchbesprechungen. Aber vielleicht habe ich sie neugierig gemacht auf diesen Autoren oder auf die Zeit, in der es noch Untergrundliteratur gab.

Hier eine zweite Buchbesprechung: https://www.welt.de/kultur/article689eddd7cf5f0271ccd53954/Juergen-Ploog-Der-Pilot-der-die-Avantgarde-nach-Frankfurt-brachte.html

Leporellotag

Letzte Woche versuchte ich mich in der Herstellung eines kleinen Leporellobüchleins.

Eine Anleitung dazu fand ich auf dieser Seite:

Das Papierfalten und die Herstellung des Buchdeckels waren nicht sehr zeitaufwendig und so kam ich schon schnell zu dem Punkt, das Büchlein mit Inhalt zu füllen. Dazu nahm ich mal wieder die Briefmarkenalben meines Opas zur Hand und schon bald war ein Thema gefunden: Porträts berühmter Frauen!
Ich wollte aber nicht nur die Briefmarken einkleben, sondern zu jeder Frau auch etwas schreiben. So suchte ich mir Zitate heraus von den Frauen, die ich kannte, las den Lebenslauf auf Wikipedia nach, um herauszufinden, warum Frauen eine eigene Briefmarke bekamen oder verzierte die Seiten mit passenden Mustern.

Unten links: Louise Dumont war eine bekannte Schauspielerin und gründete gemeinsam mit Gustav Lindemann und anderen Gesellschaftern das Düsseldorfer Schauspielhaus. August Macke und Peter Behrens waren zwei von vielen Kunstschaffenden, mit denen sie zusammen arbeitete.
Unten rechts: Eine Briefmarke zum 150. Geburtstag der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach

Weitere Buchideen folgen!

Eine Japanerin in Deutschland

Keiko ist eine lebensfrohe und reiselustige junge Frau, die in den 60er Jahren nach einer Europarundreise beschließt, von Japan nach Deutschland auszuwandern. Sie will nicht zwangsverheiratet werden, liebt die deutsche klassische Musik und ist von der Offenheit der Menschen beeindruckt.
Fleißig lernt sie die deutsche Sprache und bekommt schließlich die Chance, in Berlin in einem japanischen Restaurant zu arbeiten. Ihr Leben ist nicht einfach, doch als sie tatsächlich in einem Chor angenommen wird, ist ihr Glück ziemlich perfekt. Mit dem Chor sieht sie viel von der Welt und lernt auf einer Reise auch ihren zukünftigen Ehemann Karl kennen. Er heiratet Keiko gegen den Willen seiner Eltern, die sehr betucht sind und für die Keiko zu fremdartig, zu alt und nicht standesgemäß ist.
Aki und Kento sind die beiden Kinder des Paares, das nur ein paar Jahre glückliches zusammenlebt. Karl, schwer depressiv, verlässt die Familie und Keiko ist gezwungen, die beiden Kinder alleine aufzuziehen. Die Schwiegereltern unterstützen sie zwar finanziell, aber nur die beiden Enkel sind bei ihnen zuhause wirklich willkommen. Die lebenslustige Keiko vereinsamt, verliert ihre Kraft und Lebensfreude, während die Kinder groß werden. Ihr Sohn Kento unterstützt sie verlässlich, doch das Verhältnis zu ihrer Tochter Aki wird immer komplizierter. Die junge Aki ist rebellisch und kann Keikos aus ihrer Zeit in Japan stammenden Ansichten oftmals nicht nachvollziehen. Als Erwachsene leidet Aki an dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter. Sie liebt Keiko sehr, doch sie macht Aki auch aggressiv, besonders als Keiko im Alter dement wird und sich noch mehr zurückzieht. Da Keiko seit 50 Jahren nicht mehr in Japan war und der Kontakt zu der Familie in den letzten Jahren eingeschlafen ist, hat Aki schließlich die Idee, mit ihrer Mutter nach Japan zu reisen. In Japan lernt sie ihre Mutter auf verschiedene Weise neu kennen und verstehen.

In Momentaufnahmen wird diese besondere Familiengeschichte erzählt. Das Mutter-Tochter-Verhältnis steht zwar im Vordergrund, doch die Psychogramme der Nebenpersonen, die Beschreibung der kulturellen Unterschiede zwischen Japan und Deutschland und der ruhige Erzählton sind weitere Gründe, diesen Roman zu empfehlen.

Von Slipknot Binding zu Ukiyo und Shibui

Im März besuchte ich einen Workshop zum Thema Buchbinden. Seitdem habe ich viele Ideen gesammelt und es kribbelte mir schon länger in den Fingern, mich ohne Hilfe an ein kleines Buchprojekt zu wagen.
Das A und O bei der Buchherstellung ist die Bindung bzw. Klebung. Ich wollte nichts Aufwendiges machen und versuchte mich deshalb in der Slipknot Bindetechnik.

Dazu nahm ich Blankospielkarten. Im Gegensatz zum Video wollte ich erst einmal die Bindung ausprobieren, bevor ich gestaltete Karten mit der Bindung verhunzte.

Das Löchern mit einer Ahle ist nicht schwer. Im Video gefielen mir die großen Löcher nicht so gut für die kleinen Karten und ich musste einen Faden finden, der doppelt durch ein Loch gezogen werden konnte. Letztendlich nahm ich Zwirn. Sicherlich nicht optimal, da der etwas steife Faden durch die Aufwicklung sich krümmte. Aber es funktionierte.

Mit welchem Inhalt sollte ich nun das Büchlein füllen?
Ich entschied mich, in dem Büchlein japanische Wörter, zu denen es in deutscher Sprache keine Entsprechung gibt, zu illustrieren. Es gibt noch mehr Wörter, vielleicht mache ich demnächst noch einen zweiten Band.

Das ist ein kleiner Eindruck:

Der Stempel auf dem Deckblatt hat die Bedeutung „Man gewinnt immer etwas, wenn man ein Buch öffnet.“

Wer sich für die Wörter interessiert, hier eine Auflistung (Gefunden auf den Internetseiten ego.FM und familie.de):

Shouganai 

Der Begriff bedeutet so viel wie „es ist nun mal so“ oder „dagegen kann man nichts machen“ und soll daran erinnern, Dinge zu akzeptieren, auf die man keinen Einfluss hat. Das erspart unnötige Sorgen. 

Ukiyo

…heißt so viel wie „die fließende Welt“ und beschreibt das Konzept, im Hier und Jetzt zu leben und Augenblicke voll und ganz zu genießen, ohne an die Vergangenheit oder die Zukunft zu denken.

Komorebi

Komorebi beschreibt das Naturschauspiel von Licht und Schatten, wenn sich Sonnenstrahlen ihren Weg durch Baumkronen und Blätter suchen:

Boketto 

Boketto beschreibt ein ausdrucksloses in die Ferne Starren, zum Beispiel wenn man tagträumt oder sich in tiefen Gedanken verliert.

Kogarashi

Als Kogarashi wird der erste kalte Wind bezeichnet, der den Winter ankündigt und ein Zeichen dafür ist, dass die letzten warmen Herbsttage vorbei sind und spätestens jetzt die Mützen und Schals aus dem Keller geholt werden sollten.

Tsundoku 

…beschreibt den Vorgang, ein neu gekauftes Buch nicht zu lesen, sondern es einfach zu den anderen neuen Büchern auf einen Stapel zu legen, sodass sich immer mehr ungelesene Bücher ansammeln. Für dieses Phänomen gibt es viele Gründe, vielleicht fehlt einem die Zeit zum Lesen oder man hat sich nur vom schönen Cover blenden lassen oder man muss erst noch dieses eine Buch fertig lesen, dass man vor drei Jahren angefangen hat.

Mono-no-Aware

Der Ausdruck kann am besten mit dem Anblick von Kirschblüten umschrieben werden. Man weiß, dass das schöne Bild nur ein paar Tage hält, bevor die Blüten verblühen – doch gerade dieses Wissen macht die Blüten noch schöner. Genau dieses Gefühl der Wehmut über die Freude, aber gleichzeitig auch die Vergänglichkeit der Schönheit beschreibt Mono-no-

Shibui

Eigentlich bezeichnet Shibui den Geschmack „anregend bitter“, im übertragenen Sinne steht es aber für alte Dinge, die Erwachsene Menschen gut finden, weil sie Erinnerungen an ihre Jugend oder Kindheit wecken. Das können ganz verschiedene Sachen sein, zu der jüngere Menschen keinen Bezug mehr haben, zum Beispiels Musik, Spiele oder Kleidung.

Yoisho

Das Wort „yoisho“ sagt man, wenn man sich nach einem harten Arbeitstag auf einen Stuhl oder die Couch fallen lässt, ähnlich zu einem langen Seufzen oder einem tiefen Ausatmen, das signalisiert, dass jede Menge Last und Schwere – zumindest für den Moment – abfallen.

Ikigai

Die freie Übersetzung wäre „das, wofür es sich zu leben lohnt“ oder „das Gefühl, etwas zu haben, für das es sich lohnt, morgens aufzustehen“. Das eigene Ikigai zu finden, kann einen intensiven Selbstfindungsprozess benötigen, führt aber zu einer grundsätzlichen Zufriedenheit und Erfüllung im Leben.

Natsukashii

Natsukashii beschreibt das positive Gefühl, das einsetzte, wenn man etwas Schönes nach langer Zeit wieder erlebt, schmeckt, hört oder fühlt. Auch bei diesem Begriff wird die Verbundenheit der japanischen Kultur zu Vergangenem und Vergänglichkeit deutlich.

Otsukaresama“ soll Anerkennung und Dankbarkeit für die harte Arbeit ausdrücken, die sich jemand macht. 

Kuchisabishii ist eine Bezeichnung dafür, keinen Hunger zu haben, aber trotzdem zu naschen, weil der Mund sich „einsam“ fühlt.

Semishigure“ beschreibt das laute Singen der Zikaden im Sommer, das sich wie ein feiner Regenschauer anhört.

„Nekobanban“ beschreibt die vorbildliche Angewohnheit, auf das Autodach zu klopfen, bevor man einsteigt und losfährt. So werden Katzen vertrieben, die sich eventuell zwischen den Rädern verstecken und beim Losfahren verletzt werden können.

„Irusu“ = Vorgeben, nicht zu Hause zu sein und die Lichter nur versehentlich angelassen zu haben.“ 

Als „Hikikomori“ bezeichnet man eine Person, die sich der Gesellschaft vollständig entzieht. 

„Age-Otori“ bedeutet, nach einem neuen Haarschnitt (noch) schlimmer auszusehen als zuvor.

Vier Wochen mit Ssukgat (2)

Vor einem Monat besprach ich dieses Buch, in dem es u.a. um koreanische Ernährung und ihre Funktionen geht. (Besprechung siehe unten).

Mich beeindruckte die Philosophie der Selbstfürsorge und ich habe versucht, diese Anschauungen mit Lebensmitteln, die ich hier vor Ort bekomme, umzusetzen.
Nach vier Wochen kann ich sagen, dass mir diese Ernährungsweise sehr liegt. Wenn man experimentierfreudig ist und beim Essen viel Abwechslung kombiniert mit wenig Vorbereitung mag, kann man immer wieder neue Geschmackserlebnisse genießen und große Befriedigung durch das Essen erfahren.
Ich habe mir inzwischen einige „Basics“ gekauft, die ich gerne verwende.

Von links oben nach rechts unten: Das Umami Gewürz, das neben salzig, sauer, süß und bitter ein fünftes Geschmacksempfinden vermittelt.(Weitere Erklärung siehe am Ende des Beitrags). Furikake ist ein Topping, bestehend aus Aosa Algen, Sesam und Meersalz. Miso ist eine scharfe Sojapaste, daneben eine Mischung aus hellen und schwarzen Sesamstreuseln. Gerstengras dient zur Anreicherung mit Ballaststoffen und Eiweiß.
Rechts unten Wasabipaste, daneben eine scharfe koreanische Chillipaste und schließlich eine Packung Algenchipse. Die Norichipse stehen stellvertretend für Noriflocken, getrocknete Algen, die man einweicht und dann untermischen kann.

Salatgurke, Radieschen, Tomaten, frische Ananas, Birnen, Äpfel und Parmesankäse gehören ebenfalls zu meiner Grundausstattung.

Bevor ich anfange, etwas zu essen, trinke ich ein kleines Glas verdünnten Zitronensaft. Das ist gut für die Verdauung und die Gewichtszunahme wird abgefedert. Grüner Tee wird ebenfalls in dem Buch empfohlen.

Meine Favoriten waren in den letzten Wochen diese belegten Maiswaffeln:

Links oben: Birnenscheiben mit Sesamstreusel auf Quark
Links unten: Cocktailmohrrüben mit Leinsamstreusel auf salzigem Karamelbrotaufstrich
Rechts oben: Gurken mit Blumensalz auf Eiersalat
Rechts unten: Bananenscheiben mit Rosinen mit Zimt bestreut auf Quark
Links oben: Rote Beete Paste bestreut mit Sesam und Schnittlauch
Links unten: Bukokäse mit Misopaste verrührt, darauf Leinsamen
Rechts oben: Schwarze Oliven bestreut mit Gerstengras auf Eiersalat
Rechts unten: Erdbeeren mit Cashewkernen auf Quark
Oben links: Eingelegte süßsaure Zwiebeln mit geriebenem Parmesankäse
Links unten: Auf Bukokäse Gurken mit Wasabi und Sesamstreuseln
Rechts oben: Mit Umami bestreute Apfelscheiben auf Kimchi
Rechts unten: Ausnahmsweise mal eine Toastscheibe, darauf Bukokäse, zwei rechteckige Algenchipse mit Gurken und Tomaten bestreut mit Furikake

Das Rezept für mein erstes Kimchi fand ich hier:

https://www.einfachkochen.de/rezepte/kimchi-selber-machen-so-einfach-gehts

In zwei von diesen 1 Liter Gläsern passten die angegebenen Mengen aus dem Rezept. Oben sieht man ein Ventil, durch das Gase, die beim Fermentieren entstehen können, entweichen.

Zwei Fehler habe ich bei meinem ersten Kimchi gemacht:
Kimchi soll man erst einige Tage bei Raumtemperatur ziehen lassen, bevor es in den Kühlschrank gestellt wird. Ich erwischte zu warme Tage ( ca. 25-30 Grad) und nach drei Tagen hatten die Gase den Deckel hochgehoben und der Küchentisch war voller Kimchisaft. Ich sah, dass im Glas das Gemüse nicht mehr luftdicht vom Saft abgeschlossen und damit die Fermentation unterbrochen war. Was tun? Ich nahm Sonnenblumenöl und „versiegelte“ damit das Gemüse. Großer Fehler! Glücklicherweise erzählte ich das kurz danach einer Kimchifachfrau, die mir eindringlich erklärte, dass Öl Kimchi zerstört. Schnell das Öl wieder abgeschöpft und stattdessen mit Salzwasser das Glas aufgefüllt. Ich konnte das Kimchi noch retten. Besonders gut schmeckt mir Kimchi zu Pellkartoffeln und einem Quarkdip, zu herzhaften Pfannkuchen oder als Belag eines warmen Käsetoasts.

Wenn es draußen kälter wird, werde ich mich mit der Zubereitung von Ramensuppen beschäftigen. Vielleicht gibt es dann noch eine Fortsetzung dieses Beitrags.

Foto von Pixabay

Bemerkung zu Umami, gefunden auf der Seite der hkk Krankenkasse:

Umami: für die Grundbausteine des Lebens

In vielen Lehrbüchern wurde dieser „fünfte“ Geschmackssinn lange unterschlagen. Dabei ist er für das Leben außerordentlich wichtig. Denn ausgelöst wird er durch proteinreiche Nahrung. Und Proteine, also bestimmte Eiweißverbindungen, sind nichts anderes als die Grundbausteine aller uns bekannten Lebensformen.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass für umami zuständige Rezeptoren konkret auf die Aminosäuren Glutaminsäure und Asparaginsäure anspringen. Und genau diese Aminosäuren finden sich eben in erster Linie in eiweißreicher Kost wie Fleisch, Wurst, Käse und Pilzen. Aber auch in bestimmten Gemüsesorten stecken die Substanzen, zum Beispiel in Tomaten, Sellerie sowie in der bei uns immer beliebter werdenden Sojasauce.

Was ein unbändiger Wille erreichen kann

Arkadia Fink, auch Moll genannt, ist ein dreizehnjähriges Mädchen, deren Mutter vor einiger Zeit verschwunden ist. Während ihr Vater sehr darunter leidet und kaum noch als Schreiner arbeitet, hat Moll einen Plan, wie sie ihre Mutter zum Zurückkehren bewegen kann. Die Mutter ist Komponistin und hat ihre schöne Stimme ihrer Tochter vererbt. Moll setzt nun alles daran, Mitglied des berühmten Knabenchors in ihrer Nachbarschaft zu werden. Ein Mädchen in einem Knabenchor? Moll schafft das nicht Vorstellbare zusammen mit ihrer Lehrerin Eleonore, der Tochter des Chorleiters. Sie drillt Moll und das Mädchen lernt, dass es für einen Chor nicht reicht, nur eine schöne Stimme zu haben. Sie muss üben, üben, üben. Darüber hinaus erwartet man von Moll ein knabenähnliches Aussehen und absolute Unauffälligkeit. Bei einer Aufführung jedoch reißt Moll aus diesem Schema aus und singt fulminant die Arie der Königin der Nacht von Mozart. Das Publikum und der Chorleiter stehen Kopf und Moll darf mit nach Berlin zu einem Auftritt in der Philharmonie.



Moll ist sich sicher, dass ihre Mutter sie in Berlin sehen wird, schließlich hat sie ihrer Tochter zwischendurch immer wieder Kompositionen zugeschickt und verfolgt Molls Leben. Doch dann kehren ganz langsam Molls Erinnerungen zurück und am Ende ist die Mitgliedschaft im Knabenchor nur noch eine Episode in Molls Leben.

Dieses Buch hat gute Chancen, im Herbst als das Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen gewählt zu werden und einen Preis zu gewinnen. Es ist ein Hohelied auf die Musik und fasziniert durch die rotzfrechen Szenen, in denen sich Moll durchsetzt und bewegt in den traurigen Momenten, die Moll und ihr Vater durchleben.

Urlaub im Blauen Land

Bei unserem Besuch der Ausstellung mit japanischen Holzschnitten in München übernachteten wir nicht vor Ort, sondern suchten uns südlich von München eine Bleibe im Blauen Land, der größte Ort ist Murnau. Der Name der Voralpenregion geht auf den Künstler Franz Marc zurück, der sich für die bläulichen Lichtstimmungen in den Bergen rund um den Staffel- und Kochelsee begeisterte. Auch andere Künstler waren angetan und so kaufte Gabriele Münter in Murnau ein Haus und wohnte dort lange Zeit. Wassily Kandinsky lebt dort mit ihr eine Weile und weitere Künstlerfreunde verbrachten hier einen oder mehrere Sommer.

Wir sind eingeschworene Meerliebhaber, mussten aber nach vier Tagen zugeben, dass diese Ecke Deutschlands auch viele Reize hat. Hier ein paar Landschaftsimpressionen rund um Murnau.

Oben links das Murnauer Moor im Vordergrund, dahinter u.a. die Zugspitze. Rechts daneben ein Blick vom Balkon der Ferienwohnung. Links unten die Loisach, in der wir mehrere Fliegenfischer sahen. In der Mitte eine typische kleine Kirche, unten der Staffelsee.

Murnau bietet für Wanderer, Radfahrer, Angler und Naturbeobachter eine große Anzahl an Aktivitäten an, da das Städtchen neben den Bergen auch noch mit dem Murnauer Moor aufwartet. Die Innenstadt ist übersichtlich, verfügt aber über eine Reihe von ausgefallenen kleinen Geschäften, so dass sogar Münchener für „altmodische“ Beratung und ausgefallene Produkte gerne nach Murnau fahren.

Wir bummelten auch ein bisschen und sahen uns das Wohnhaus von Gabriele Münter sowie das Murnauer Schloss an.

Oben rechts das Haus von Gabriele Münter, daneben der Garten. Unten rechts die Esszimmerecke, links daneben ein typisches Hinterglasbild. Neben der Malerei wurde diese Kunstform von der Künstlerin sehr geschätzt.
Das Murnauer Schloss beherbergt eine schöne Kunstsammlung. Hier finden sich Werke von den o.g. Künstlern und ihren Freunden und auch hier hat die Hintergalsmalerei einen besonderen Stellenwert. Links unten ein Hinterglasbild von Gerhard Richter, das in einer Sonderausstellung zu sehen war. Ich fand die Leuchtkraft der Bilder faszinierend und werde dies auch mal ausprobieren.

An einem Tag fuhren wir mit der Seilbahn auf den Laber und genossen die Aussicht. Wunderschöne Blumenwiesen hatte ich nicht erwartet- ich war entzückt!

Nicht weit entfernt liegt Oberammergau. Es ist kein Festspieljahr, aber die „Lüftl“ Malerei an den Häusern

Die Fassaden vieler Oberammergauer Häuser sind mit religiösen oder bäuerlichen Szenen geschmückt.

und die vielen Geschäfte mit außergewöhnlichen Schnitzereien wollten wir uns ansehen. Erwartet hatten wir eine mit Bussen japanischer und amerikanischer Touristen überfüllte Stadt, aber rund um die Kirche St. Peter und Paul empfing uns völlige Ruhe, die fast schon unheimlich war. Keine Touristen, nur ganz wenige Menschen auf der Straße.

Die Kirche war geschlossen, aber auf dem Friedhof finden sich eine Reihe von kunsthandwerklich schönen Kreuzen.

Irgendwann hörten wir einen Lautsprecher und folgten der Stimme. Schließlich kamen wir am Marktplatz von Oberammergau an., dem eigentlichen Zentrum der Stadt. Für einen Hauptsaisonmonat war es moderat belebt. Zwischen diversen Geschäften, die Holzschnitzereien anboten (in einem bekam ich mit, wie ein amerikanisches Ehepaar großzügig Geld ausgab, die Fläche vor der Kasse war bereits von diversen Figuren bevölkert- endlich war mein Vorurteil bestätigt!) entdeckte ich ein Geschäft mit einem „Tim und Struppi“ Equipment- als großer Fan war das meine wahre Oberammergauüberraschung.

“Jetzt sind wir schon mal in dieser Gegend“….Mein Mann wollte einmal im Leben ein König Ludwig Schloss sehen. So fuhren wir zu Schloß Linderhof. Ah, hier waren die Busse, die ich in Oberammergau vermisst hatte. Als Kind besuchte ich mit meinen Großeltern zum ersten Mal das Schloss und damals konnte man sich alle Räume ohne Führung in Ruhe ansehen. Ich liebte es ! Sechzig Jahre später ist das Schloss teilweise gesperrt und man wird in einer großen geführten Gruppe ca. 20 Minuten durch einige Räume gejagt. Und weil das berühmte Kloster Ettal in der Nähe lag, legten wir dort noch eine Kaffeepause ein. Auch wuselig.

Links Teilansichten von Kloster Ettal außen und innen, rechts Linderhof mit Garten

Die Auswahl an interessanten Orten rund um Murnau ist groß und unser letztes Ziel war das Freilichtmuseum Glentleiten.
Hier ein Auszug von der Internetseite „Bezirk Oberbayern“:

Das Freilichtmuseum Glentleiten ermöglicht einen umfassenden Einblick in den ländlichen Alltag der Menschen Oberbayerns, in ihre Baukultur und Arbeitswelt vor 50, 100 und 200 Jahren. Fast 70 original erhaltene Gebäude samt ihrer Einrichtungen wurden von ihrem ursprünglichen Standort ins Freilichtmuseum versetzt. Sie sind eingebettet in eine weitläufige, nach historischen Vorbildern gepflegte Kulturlandschaft mit Gärten, Wälder und Weiden. Auf diesen grasen zum Teil vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen wie Murnau-Werdenfelser Rinder oder Brillen- und Steinschafe. Täglich wechselnde Handwerksvorführungen demonstrieren alte oft längst vergessene Techniken. So ist beispielsweise eine Wetzsteinmühle in Betrieb und eine Spinnerin verdrillt in einer Stube Wolle zu Fäden.

Oben: Zwei der geretteten alten Bauernhöfe, unten eine Wohn-und Schlafkammer, rechts ein Handwerksbetrieb. Wir verbrachten hier einen halben Tag, aber das hat nicht gereicht.

Zurück nach Duisburg fuhren wir anfangs auf Landstraßen durch den Pfaffenwinkel und das Allgäu. Kommen auf unsere Urlaubszielliste…

Drucken mit Backpapier (Monotypie)

In diesem Jahr gab es in meiner Rubrik „Aus meiner Werkstatt“ erst zwei Beiträge. Viel zu wenig für meinen Geschmack, doch kam meinen Ideen immer wieder etwas in die Quere oder mein Klavier zog mich magisch an. In meinem letzten Urlaub nahm ich mir fest vor, dass sich das ändern muss. Der Montag soll mein Kreativtag werden: Gedacht- getan!

Bei unserem letzten Museumsbesuch, bei dem wir uns japanische Holzschnitte angesehen haben, wurde u.a. auch darauf eingegangen, welche Möglichkeiten des Druckens es gibt. Das weckte bei mir wohl die Lust, sich diesem Thema erneut zu widmen. Ich stöberte etwas in YouTube Videos und fand dieses:

Das schien mir wenig aufwendig und unkompliziert, genau richtig für den Einstieg. Um keine Ausrede zu haben, nicht damit anzufangen, legte ich mir am Sonntagabend schon alles zurecht und machte mir ein paar Gedanken, welche Motive ich „drucken“ wollte.
Das Video erklärt alle Schritte und gibt diverse Anregungen. Ich möchte es durch meine Erfahrungen ergänzen:
Das Backpapier hat eine glatte und eine raue Seite, die Farbe muss auf der glatten Seite aufgetragen werden. Ich habe verschiedene Papiere und Kartons ausprobiert, je geringer die Saugfähigkeit war, desto besser gelang der Farbauftrag. Im Video wird Gouachefarbe benutzt, ich habe Acrylfarben genommen.
Bei den ersten Versuchen habe ich Gesichter aus Zeitungen abgemalt. Dabei merkte ich, dass der im Video gezeigte Farbauftrag besser ist, als wenn man auf dem ganzen Papier einzelne Kleckse verteilt. Waren die Kleckse zu dick, habe ich sie mit einem Stück Haushaltsschwamm aufgesaugt.

Der spannendste Moment ist, wenn mal das Backpapier von dem untergelegten Papier vorsichtig abzieht. Da das Backpapier sich rollt und wegen der Feuchtigkeit Falten zieht, weiß man vorher nie, welche Flächen Farbe abbekommen haben.
Bei einigen Gesichtern fand ich die Resultate nach dem Drucken gut, bei anderen entschied ich mich, weiße Flächen mit Aquarellfarbe oder Wachsmalstiften zu beleben. Ein paar Beispiele:



Was ich lernen musste: Ein Bild nicht sofort ändern, sondern erst einmal ein bisschen auf sich wirken lassen. Mit der Zeit erkennt man Details und das Bild wirkt anders.
Nach den Gesichtern versuchte ich mich in kleinen abstrakten Bildern und arbeitete wie im Video mit einem Passepartout. Mit dem Abstrakten klappte es nicht immer, oft sah ich plötzlich etwas…

Spielplatz
Ura, der freundliche Sumofisch
Sherlock Holmes und Frau Dr. Watson

Bei dem nächsten Bild habe ich das bemalte Backpapier vor dem Zeichen auf das weiße Papier angedrückt. So kommen die hellen Striche zustande.

Hochgeschossener Piepmatz

Nach vier Stunden gingen mir die Ideen aus und ich hörte auf. Allerdings „spielte“ ich noch ein bisschen mit dem fotografierten Backpapier.

Links das gegen das Licht fotografierte Backpapier, rechts ein zweites Foto hinterlegt.
Fotografiertes Backpapier mit anschließender Kolorierung am PC

Mir haben diese „Backpapierstunden“ viel Spaß gemacht und wenn neue Ideen gesammelt sind, geht es in die zweite Runde!

Skulpturen aus Stoff von Yiqing Yin

Wir besuchten das Spitzenmuseum in Calais, in dem es u.a. eine Sonderausstellung gab.

Yiqing Yin ist eine chinesische Modedesignerin. Sie zog 1989 als Vierjährige mit ihren Eltern von Peking nach Paris. Hier studierte sie Modedesign und gewann schon bald mehrere Preise. 2015 wurde sie dann als erste chinesische Designerin in den kleinen Kreis der „Haute Couture“ Modedesigner aufgenommen. Sie arbeitete bereits für mehrere Modehäuser, für die Biennale in Venedig oder den Filmfestspielen in Cannes.

Yiqing Yin schöpft ihre Inspiration aus tierischen, pflanzlichen oder mineralischen Formen. Jedes Kleid hat einen Namen, oftmals aus mythologischen Erzählungen entnommen.
Manche kleine Stickereien sahen wie Korallenstücke aus.

Die Materialien – Seide, Tüll, venezianischer Samt, mikroverkapselter Organza – werden nur von Hand verarbeitet, Yiqing Yin ist eine „Stoffbildhauerin“.
Wir waren zu viert in der Ausstellung und konnten uns alle nicht sattsehen an der Schönheit und der handwerklichen hohen Kunst, die die Kleider ausstrahlten. Hier einige Beispiele.

Farben ohne Grenzen- Ein Kleid wie eine Landschaft
Weißes Kleid mit dem Titel „Minimal Naturalia“, das so fragil aussah, dass mein Beschützerinstinkt wach wurde.

Einige Fotos habe ich noch weiterverarbeitet. Hier ein „Traumbild“

Wie sähe es aus, wenn diese Stoffskulpturen plötzlich in Duisburg auftauchen würden?