Streichholzlektüre

Diese drei Bücher habe ich in den letzten Wochen zwischendurch gelesen. Ich schreibe bewusst „zwischendurch“, weil alle drei sich durch kurze Texte auszeichnen.

Angefangen habe ich mit dem linken Buch. Wie ich vor einiger Zeit schrieb, ist Walle Sayer z.Zt. mein Lieblingsautor und auch in diesem Buch versteht er es wieder, kleine Alltagsbeobachtungen in brillanter Sprache zu präsentieren.

Zum zweiten „Streichholzbuch“ kam ich eher durch Zufall. Ich hatte den Film „Paterson“ von Jim Jamusch gesehen und war hin und weg. Es geht in dem Film um den jungen Paterson, der in der Stadt „Paterson“ sich den Lebensunterhalt als Busfahrer verdient. Er führt zusammen mit seiner Freundin ein völlig unaufgeregtes Leben, manche würden dazu auch stinklangweiliges Leben sagen. Doch Paterson entdeckt in seinem Alltag immer wieder kleine Schönheiten oder Absurditäten und diese Entdeckungen hält er in Gedichten fest. Einige Gedichte werden im Hintergrund gesprochen, wenn er mit seinem Bus unterwegs ist und diese Gedichte sind z.T. in dem zweiten Streichholzbuch veröffentlicht. Hier die Verse, die zu dem Buchtitel führten:

Eine Geschichte im Gedicht: Die kleine blaue Streichholzschachtel aus einer Puppenstube lag seit Jahrzehnten bei mir in einem Karton, in dem ich Sachen aufbewahre, die mal in einem Minisetzkasten gelegen haben.(War mal in den 70er Jahren sehr modern). Als ich zum ersten Mal das Gedicht im Film hörte und später dann las, sagte mir der Name der Streichhölzer nichts. Beim Suchen im Karton nach einem anderen Gegenstand hielt ich dann plötzlich diese Streichholzbox in der Hand. Es gibt keine Zufälle…

Zurück zu den Büchern:

Zum Spaß sah ich nach, ob es noch andere Streichholzbücher gibt und entdeckte das rechte Buch von Nicholson Baker. „Eine Schachtel Streichhölzer“ ist ein Roman in 33 Kapiteln. Jedes Kapitel beginnt damit, dass der Familienvater Emmett gegen 4 Uhr morgens ein Streichholz anzündet, um den Kamin anzuzünden. Dann macht er sich einen Kaffee und setzt sich in einen Sessel. Während die anderen Familienmitglieder noch schlafen, hört und sieht er dem Kaminfeuer zu, entdeckt weitere Geräusche und schweift zu anderen Gedanken ab. Das können Erinnerungen an seine Kindheit sein, aber auch Betrachtungen zu seiner Küchenkreppsammlung, dem richtigen Ablageort der Seife in einer Duschkabine oder zu Alltagssituationen mit seiner Frau Claire und den beiden Kindern.

Emmett ist ein Verwandter im Geiste von Paterson. Auch für ihn ist sein Durchschnittsleben eine Wundertüte, die ihm so viel zum Staunen und Hinterfragen bietet, dass es ihm nie langweilig wird.

Dieser Roman hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Abgesehen von den komischen Passagen, wenn Emmett einem Problem auf den Grund geht, besticht das Buch wie die beiden anderen Bücher durch seine entschleunigte Stimmung. Nichts Bombastisches, nichts Dramatisches wird geboten, einfach „nur“ das Alltagsleben. Dessen kleine Wunder muss man nur sehen- gerade jetzt haben wir die Zeit, dies ein bisschen zu üben.

Morgen zeige ich Ihnen, wie ich den Buchtitel „Was in die Streichholzschachtel passte“ umgesetzt habe.

Autor: linda

Wohne in Duisburg.

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