Straßenmomente

Nach längerer Zeit mal wieder eine kleine Sammlung von Momenten, in denen ich innehielt, stutzte oder lächelte.

Der erste Moment trägt auch gleich zur Lösung des Samstagrätsels bei. Das Fotomotiv, eine Papiercollage, fand ich auf dieser Litfaßsäule auf der Lindenallee in Rheinhausen.

Ein Opfer von Sabine. Die einzelnen Plakatschichten erzählen Geschichten!

Wenn ich Richtung Moers fahre, muss ich oft an einer roten Ampel warten, in deren Nähe der Bus hält. Dieser wird hauptsächlich von Schülern benutzt oder von Anwohnern/Besuchern eines Altenheims. Vor ein paar Tagen sah ich an dieser Bushaltestelle eine ältere Dame. Sie betete mit verkreuzten Händen ganz in sich versunken. Wie stark muss ihr Glaube sein, wie stark der Grund, dass sie an einem solchen Ort zu Gott spricht.

An einem anderen Tag stand dort ein Mann, ein Hüne von einem Mann. Er hatte in einer Hand (ich könnte auch Pranke schreiben), ein Töpfchen mit roten Röschen und sah ganz unglücklich aus…

Und dann wartete bei dieser Ampel vor mir ein völlig verdreckter kleiner Lieferwagen. Seine Werbeaufschrift konnte man kaum lesen „Gebäudereinigung“ war ein Wort davon.

Als Fußgängerin wollte ich an einer Fußgängerampel eine viel befahrene Straße überqueren. Die Ampel war rot. Auf der Straße war weit und breit kein Auto zu sehen, neben mir und auch auf der anderen Seite standen keine Kinder, es wartete nur noch ein junger Mann. Wir sahen uns in die Augen, drückten nicht die Ampel, gingen bei rot über die Straße und als wir auf gleicher Höhe waren, lächelten wir uns an. Zwei Verschworene mit kleinem schlechten Gewissen für einen kurzen Moment.

Um Erinnerungen geht es auch im nächsten Beitrag.

Danke Otto!

Als ich ein Kind war, bekamen wir zweimal im Jahr die dicken Neckermann-und Quellekataloge zugeschickt. Das waren besondere Tage, denn meine Mutter setzte sich dann immer mit einer Tasse Kaffee und einem Schokoladenriegel an den Esszimmertisch und blätterte die Kataloge in aller Ruhe durch. So war ich dann auch einen Moment lang ein bisschen melancholisch, als ich vor Weihnachten las, dass Otto beschlossen hätte, den letzten Katalog auszusenden. 

Meine Überraschung war deshalb umso größer, als vorletzte Woche ein Otto-Katalog bei uns im Briefkastenschlitz steckte.(Er war nur halb so dick, wie die Kindheitskataloge, aber immerhin). Wir hatten noch nie etwas bei Otto bestellt, warum bekamen wir den Katalog?

 

Bei einer Tasse Kaffe und…2 Plätzchen guckte ich mir den Katalog mit dem Motto“Ich bin dann mal App“ an. Schon auf Seite 1 verblüffte mich ein Gewinnspiel, das nur bis zum 31.12.2018 ging.  Waren wir eine Ottokatalogresteverwertungsadresse, weil wir zu den Jahrgängen gehörten, die man noch als katalogafin bezeichnen konnte?

Ich blätterte weiter…Junge Frauen zwischen 20 und 35 Jahren stellen Otto-Mode vor. Ich war wieder verwirrt. Alle Frauen sind dünn oder aber zumindestens schlank. Es gibt aber die meisten Modelle auch in 48,50,52,54. Für wen? Für nichtabgebildete ältere Frauen und Männer? Viele Schnitte der Kleidungsstücke sollten in diesen Größen erst gar nicht angeboten werden, man sieht wie eine herumlaufende Pelle aus. Schmeichelnde Hosen und Röcke, kaschierende Blusen-kaum im Angebot. Die Anmutung der Sachen? Da driftet es wieder auseinander. Wirklich pfiffig ist kaum etwas, eher konservativ, um nicht zu sagen hausbacken, was dann eher wieder für ältere Käuferinnen spricht.

Um es auf den Punkt zu bringen: Danke Otto, dass der Katalog einstellt wird. Mit dieser Larifari-Kundenansprache ist er Papierverschwendung. Dann lieber eine App für junge Frauen, die nichts Pfiffiges suchen und für mich einen Nähkurs, in dem ich mir das anfertigen kann, was man in den jugendorientierten oder Silvergenerationabteilungen nicht bekommt. 

Sie ahnen schon etwas? Ja, ab und zu werde ich Sie ab jetzt auch mal mit dem Thema Nähen konfrontieren. Vielleicht kommen Sie ja auch auf den Geschmack, wenn Sie ihn nicht schon haben.

Ab morgen erzähle ich ein bisschen darüber, wie man in Nizza ein paar Januartage verbringen kann.

 

 

Ich fand das total interessant

Vor ein paar Tagen hatte ich in Rheinhausen einen Termin, war aber zu früh dran. So setzte ich mich in ein kleines Café, um noch eine Tasse Kaffee zu trinken und ein bisschen zu lesen. Aus dem Lesen wurde nichts, denn zwei Tische weiter saßen drei junge Frauen (Ca. Anfang 20) und unterhielten sich recht lautstark- man musste einfach zuhören. Hier ein paar Gesprächsbrocken, die mir in Erinnerung geblieben sind, die Wortwahl ist dabei sehr wahrheitsgetreu:

“Die kocht total lecker, isst aber selber nur Pommes und Pizza. Wie kann die dann so total gut kochen? Und dann ist die auch noch total dünn! Ich finde das total gemein!“

“Der Lehrer….ist total gaga. Bei dem verstehe ich nichts. Gucke mir dann auf YouTube immer die Videos an, da wird das total gut erklärt.“ (Es handelte sich dabei um Lernstoff für die Buchhaltung).

„ Ich will ein total harmonisches Leben führen, wenn ich den Abschluss habe. Aber nicht in so einer 40qm Wohnung und nicht mit so einem sch….Polo vor der Tür.“

Das ist für mich ein Paralleluniversum…

Im Bann von Herrn Zett

HerrZett

Was macht Herr Zett auf einer Parkbank? Das beschreibt Hans Magnus Enzensberger in seinem Buch „Herr Zetts Betrachtungen, oder Brosamen, die er fallen liess, aufgelesen von seinen Zuhörern“.  Herr Zett ist ein Mann mittleren Alters mit braunem Bowler auf dem Kopf, der eines Tages plötzlich auf einer Parkbank auftaucht und seine Meinungen zu Gott (manchmal) und die Welt (sehr oft) verlauten lässt. Er zieht damit sehr unterschiedlichen Zuhörer an, die sich oftmals an Zetts Ansichten reiben oder sich sogar fürchterlich ärgern und Diskussionen anfangen. Aber genau das beabsichtigt Zett. Mal ist er bei den Schlagabtäuschen nett, mal ein Grantler, mal schlichtweg unausstehlich. Das alles erfahren wir von einem der Zuhörer, der 259 Betrachtungen von Zett in dem Büchlein zusammengefasst hat.

Das Büchlein hat 226 Seiten und ist sympathisch klein, so dass es wirklich in jede Tasche passt und man es mitnehmen kann, wenn man mal zwischendurch etwas Intelligentes lesen möchte. Es kostet 8 Euro.