Der Frühling lässt sich in den nächsten Tagen blicken. Vielleicht die richtige Zeit, sich an der frischen Luft ein bisschen ehrenamtlich zu engagieren?
Blaue Windröschen
Vor einigen Wochen erzählte ich Ihnen über die Seite mitforschen.org, auf der verschiedene Institutionen die Mithilfe von Bürgern suchen. Unter dem Oberbegriff „Citizen Science“ helfen Bürger, Daten für Forschungszwecke zu sammeln. Ich mache bei einem Forschungsprojekt der Uni Luxemburg mit, bei der die Sprache im öffentlichen Raum anhand von Fotos erforscht wird. (Siehe unten der Link zu dem Beitrag).
Inzwischen habe ich noch zwei andere Aufgaben auf der Seite entdeckt, die mir auch gut gefallen. Studierende der Universität Bochum untersuchen die Biodiversität von Friedhöfen und brauchen Daten über Pflanzen und Tiere, die auf Friedhöfen zu finden sind. In Zeiten, in denen Friedhöfe immer häufiger aufgegeben und zu Bauland erklärt werden, will man dokumentieren, wie wichtig Friedhöfe als Naturinseln für Städte sind.
Tiersichtungen melde ich direkt auf der Seite der Universität. Mit Hilfe der App „Flora Incognita“ fotografiere ich Pflanzen auf dem Friedhof. Die App bestimmt die Pflanze und fügt den Standort hinzu. Ich ergänze das Foto noch mit dem Schlagwort „Friedhof“. So können die Studierenden auf die Daten zugreifen. Hier wird das Projekt beschrieben:
Wenn Sie einen Garten haben, können Sie die Leipziger Universität unterstützen. Hier untersucht man, welche Pflanzen in Privatgärten zu finden sind und wie sich die Auswahl verändert unter der Berücksichtigung, dass Gärten für die heimische Tierwelt immer wichtiger werden und dashalb Gartenbesitzer bewusst das Pflanzenangebot verändern. Auch hier kommt die App „Flora incognita“ zum Einsatz, nur gibt man anstatt „Friedhof“ das Wort „Garten“ ein. Nähere Informationen dazu gibt es hier:
Im letzten Beitrag erzählte ich Ihnen von der Internetseite mit:forschen. Hier werden Forschungsprojekte von Universitäten, Instituten oder Vereinen vorgestellt, bei denen die ehrenamtliche Hilfe von Bürgern gebraucht wird.
Seit zwei Wochen mache ich bei einem Projekt der Universität Luxemburg mit, das 2016 begonnen wurde. So wird es auf mit:forschen beschrieben:
“Im Projekt Lingscape erforschen wir die Vielfalt von Sprache im öffentlichen Raum. Ob Sticker, Straßenschild oder Graffiti, ob auf Deutsch oder mehrsprachig, ob in Deutschland oder auf der ganzen Welt – geh mit Lingscape auf Sprach-Safari und hilf uns dabei, Sprachlandschaften zu dokumentieren.“
Fotocollage mit Schildern zu den Themen Denkmalschutz, Nachbarschaft, Handball und Kulturfestival
Ich fotografiere gerne, mich interessieren Graffitis, öfter ärgere ich mich über Aufkleber, finde manche Schilder überflüssig- warum nicht mitmachen, um eine weitere Motivation zu haben, häufiger mal spazieren zu gehen?
Bei den letzten Spaziergängen kam ich mir ein bisschen wie auf einer Schnitzeljagd vor, was mir Spaß machte. Mein Jäger-und Sammlerinstinkt war geweckt. Ich lernte schon eine Menge über die Sprache im öffentlichen Raum. Ungefähr 60 Sprachäußerungen habe ich bisher gesammelt, es gibt so viele Unterscheidungskriterien…hier ein paar Beispiele:
Schilder: private und installiert von einer öffentlichen Stelle
Fotocollage mit drei Bildern von Verkehrsschild, Verbotshinweis und Namensschild eines Büdchen.
Sie vermitteln: Hinweise, Verbote, Namen, Werbung, Meinungen, Aufrufe, Erinnerungen
Gültigkeit: aus der Vergangenheit, zeitlich begrenzt, zukunftstauglich?
Wie sieht es mit der Zukunft dieser Schilder aus? Sterben „Winterdienste“ in unseren Breitengraden in ein paar Jahren aus? Auch „Fuck Jäger“ könnte an Aktualität verlieren, wenn diese Felder zum Naturschutzgebiet erklärt werden. „Alle zusammen gegen Faschismus“- diese Aufforderung verliert nicht an Bedeutung.
Materialien: Blech, Papier, Mauer, Plastik, Holz, Metall, Stoff, Glas
Fotocollage aus Schildern aus verschiedenen Materialien
Sprachen (bisher): Deutsch, englisch, türkisch
Gestaltung: nüchtern, künstlerisch, handgemalt
Ich bekam schon ein kleines Gefühl von Sprachlandschaften, denn die Aufkleber in den Duisburger Stadtteilen Rumeln-Kaldenhausen, Rheinhausen und Duisburg-Mitte unterschieden sich. Nach R-K „schwappten“ schon Aufkleber von Vereinen aus dem benachbarten Krefeld, in R. fand ich die meisten türkischen Aufkleber, in Mitte stieß ich auf eine Reihe politischer Aussagen oder auf Aufkleber aus anderen Städten.
Fotocollage
Gemeinsam hatten alle Stadtteile MSV Fußball-Aufkleber, die es in diversen Ausführungen gibt und die mir leider immer wieder negativ auffielen, weil sie andere Schilder überklebten. Muss das sein?
Fotocollage mit MSV Aufklebern
In dem Projekt wurden bisher weltweit gut 140000 Fotos eingepflegt. Auf einer interaktiven Karte kann man sehen, wo wie viele Schilder bisher dokumentiert sind und nach weiteren Klicks werden diese abgebildet. Oder man gibt auf einer Seite von Lingscape ( https://lingscape.app/de/ ) als Suchbegriff eine Stadt oder ein Land ein, um sich die Schilder anzeigen zu lassen. So sieht dies z.Zt. für Duisburg aus:
Möchte man sich beispielsweise als Schule, Verein o.a. eine eigene Datenbank für Schilder aufbauen, muss man einmalig einen Nutzernamen eintragen, nach dem man auch suchen kann. Im Urlaub Schilder sammeln- eine neue Art von Souvenirs?
Diese Schilder sind nicht nur Sprachgeschichte, sondern auch ein Stück Alltagsgeschichte und zeigen, wie die Welt heute ist. Mir gefällt der Gedanke, ein bisschen dazu beizutragen, dass diese Geschichten in der Zukunft gezeigt werden können und nicht in Vergessenheit geraten.
Schil mit einem Hinweis, dass an dieser Stelle am 14.10.1779 nichts passiert ist
Dieser Hinweis stand unter einem Artikel in der Zeitung „Chrismon“. In dem Artikel ging es um Porträts von Bürgern, die ehrenamtlich Universitäten, Vereine oder Interessengruppen bei ihren Forschungen unterstützen. Meine Neugierde war geweckt und ich besuchte die Homepage :
Das hatte ich nicht erwartet! Es gibt hier zig Angebote, bei denen man mitmachen kann, bzw. es werden auch abgeschlossenen Projekte angezeigt, um einen Eindruck zu bekommen, wo Bürger in der Vergangenheit mitgeholfen haben.
Man kann die Angebote nach folgenden Themen filtern:
Screenshot
Die Projekte werden genau beschrieben, d.h. wer Hilfe bei seinen Forschungen braucht, welche Ziele verfolgt werden und ob das Mitmachen auch für Kinder geeignet ist. Bei manchen Projekten bleibt man zuhause und hilft am PC mit, bei anderen geht man raus und zählt, beobachtet oder fotografiert. Ein paar Beispiele:
Dokumentation des Verhaltens und der Persönlichkeit des eigenen Hundes: https://www.wau-app.com/
Ich habe mir nicht jedes Angebot angesehen, doch gewann ich den Eindruck, dass man sein ehrenamtliches Engagement sehr individuell einrichten kann bezüglich Verpflichtung und Zeitaufwand. Während der Feiertage habe ich angefangen, mich an einem Projekt zu beteiligen, das mich ein bisschen an eine Schnitzeljagd erinnert. Ich gehe seitdem regelmäßiger spazieren, mein Handy zum Fotografieren immer parat. Mehr verrate ich Ihnen in meinem nächsten Beitrag.
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