Die Welt ist ein Aschenbecher

z.B. in Duisburg, Auf dem Westrich:

480 LITER

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Im Jahr 2021 errechneten Wissenschaftler, dass 5,6 Billionen Zigarettenstummel auf der Erde liegen. In Deutschland sind es 71 Milliarden Zigarettenstummel, deren tumbe Besitzer/Besitzerinnen keine Lust hatten, ihre giftigen Zigarettenreste in einem Mülleimer zu entsorgen.
Jeder Zigarettenstummel, der auf der Straße oder in der Natur liegen bleibt, verseucht ca. 40 Liter Grundwasser.
„Aber von Grundwasser haben wir ja genug und meine eine Zigarette macht ja wohl nichts aus, oder?“ Blöd, wenn alle so denken.

Mit der Straßenbahn von Duisburg nach Witten

Im Deutschlandfunk wurde im März 2022 über die längste Straßenbahnverbindung der Welt berichtet.

https://www.deutschlandfunk.de/per-strassenbahn-durchs-ruhrgebiet-dlf-665a3355-100.html

Zwei Freunde fuhren von Krefeld über Düsseldorf nach Duisburg und von dort bis nach Witten ausschließlich mit Straßenbahnen. Sehr reizvoll, wenn man ein 9 Euro Ticket besitzt…
Mein Mann suchte alle Verbindungen heraus:

und vorletzte Woche verließen wir schließlich an einem Morgen um 9 Uhr das Haus. Wir teilten uns diese Fahrt (ca. 102 km mit ca. 133 Haltestationen) auf und begannen sie auf der Karl-Jarres-Straße in Duisburg.

Erste Alltagseindrücke: Ein Autofahrer diskutierte mit zwei Polizisten, ein alter Mann führte seinen Hund auf einer zugemüllten Wiese Gassi, an einer Häuserwand tauchte das Bild des rosaroten Panthers auf. Noch müde E-Scooter, noch müde oder telefonierende Menschen in der Bahn.

Am König-Heinrich-Platz mussten wir zum ersten Mal umsteigen, um nach Mülheim zu kommen. Fotomotive der Bahnhöfe sollten mich den Tag über begleiten.


Schon auf der Fahrt nach Mülheim gab es erste Schmunzler beim Lesen von Werbetafeln.

Links oben-ein altes Tanzlokal, schon lange geschlossen.
Rechts daneben: Erst in die Disco, danach Hörgeräteshopping
Links unten: Bestattungsinstitut bietet viel Liebe
Rechts unten: Ein anderer Name eines Friseursalons: Paschas HAAR‘m, gesehen in Gelsenkirchen

In Mülheim war an der Haltstelle direkt ein Büdchen, praktisch, um für den kleinen Hunger vorzusorgen, wenn man die Butterbrotdose zuhause vergessen hat.

Hocken- die gesunde Haltung an Mülheimer Haltestellen

Auf dem Weg nach Essen gab es nicht so viele optische Spezialitäten, aber Fahrgästen zuzuhören, das war auch kurzweilig. Zwei Hundebesitzer unterhielten sich z.B. lautstark über die ultimativ besten Hundeleckerli, die man ganz schnell selber machen kann. Dumm war nur, dass der eine Hund das geschenkte Leckerli wieder ausspuckte und sein Hundebesitzer dann schnell versicherte, dass das normal sei…
Ab Essen HBF war eine kleine Straßenbahnstrecke wegen Gleisarbeiten gesperrt, ein Bus stand aber schon bereit. Jetzt merkte man den Unterschied zwischen leisem Gleiten über Schienen und dem Fahren über Huckelstraßen. Wir kamen an der Essener Synagoge vorbei und an der Zeche Zollverein.

Links: Zollverein- Bochumer Jahrhunderthalle- Synagoge
Rechts: Interessante Kirche in Witten

Dazu ein nettes Gespräch mit einer älteren Dame über die Vorteile des 9 Euro Tickets. Sie erzählte begeistert, dass sie schon 4 x zum Friedhof gefahren sei, sonst ginge das nur ein mal im Monat, da eine Fahrt normalerweise 13 Euro kosten würde. Ihr Sohn war aus Bochum mit der Straßenbahn auch schon nach Duisburg gefahren.
In Gelsenkirchen machten wir eine Pause. Der erste Eindruck, wenn man aussteigt: Prächtig!

Wir setzten uns in das türkische Schnellrestaurant „Borsa“. Man wird satt und es war das scheinbar einzige geöffnete Restaurant mit einer Toilette. Unseren Eindruck der Einkaufsstraße mussten wir auf dem Rückweg zum Bahnhof revidieren, aber machen Sie sich lieber selbst ein Bild.

Nächste Station: Bochum. Der Bochumer Bahnhof muss lobend erwähnt werden, denn hier ist die Beschilderung mit Abstand die beste. In Duisburg und besonders in Essen, waren wir zeitweise desorientiert, weil wir nicht wussten, welchen Weg wir zur nächsten Haltestelle nehmen mussten.
Von Bochum nach Witten wurde die Strecke immer grüner.

Kurz vor der Wittener Innenstadt ein Telefongespräch: „ Hey Alter, ich muss Rathaus. Warte da auf mich. Ich muss dort Friseur, nein nich im Rathaus, muss im Friseur!! Äj Alter, kapierst du nich? Muss Friseur!!“ Ein Junge, ca. 7. Klasse.

Und das ist die Endstation der längsten Straßenbahnverbindung der Welt:


Von hier aus gingen wir ein paar Schritte und fanden dann ein Café/Restaurant, wo es leckere Waffeln gab. Geschafft!
Mit der Pause in Gelsenkirchen brauchten wir 6 Stunden für die Strecke. (Laut Radiobericht soll man die komplette Strecke in einem halben Tag schaffen, das zweifeln wir aber sehr an). Zurück fuhren wir mit dem Bus zur Bochumer Uni und von dort nahmen wir einen Regionalzug nach Duisburg, danach dann noch einmal die Straßenbahn bis zu Karl-Jarres-Straße. Nach 8 Stunden waren wir glücklich und zufrieden wieder zuhause.
Am meisten hat uns auf dieser Fahrt die Freundlichkeit der Leute beeindruckt. Eine schöne Erfahrung.

Lust auf den zweiten Teil der Reise? Am Donnerstag geht es weiter.

Biotope in Duisburg

An den beiden letzten Samstagen nahm ich an zwei Spaziergängen statt, die von der Duisburger Volkshochschule angeboten wurden. Es ging um das Thema „Biotope in Duisburg“ und es wurde eine ehemalige Halde in Duisburg Neumühl an der Berliner Straße besucht und die Umgebung vom Duisburger Hauptbahnhof.

Den ersten Spaziergang leitete Herr Dr. Johannes Meßer. Die Halde wurde in den 90er Jahren als naturnaher Park angelegt. Das Hauptanliegen von Herrn Meßer war, den Teilnehmern ein Gefühl davon zu geben, welche Pflanzen für Insekten wertvoll sind und dass es auch eingeschleppte Arten gibt, die heimische Pflanzen verdrängen und keinerlei Wert für Insekten haben.
Bei dem Spaziergang entdeckte Herr Meßer eine Rarität, den bleitblättrigen Stendelwurz, eine wilde Orchideenart. (Pflanze in der Mitte).

Links oben: Gemeiner Pastinak, darunter Hexenkraut und Echtes Labkraut
Rechts oben: Gilbweiderich, darunter Zwergholunder und weißer Steinklee

Auf der Wiese oben rechts, die vielleicht etwas unscheinbar aussieht, konnten ca. 40 verschiedene Pflanzen bestimmt werden. Rechts unten eine Obstwiese. Die Bäume sind in keinem guten Zustand, da sie, bedingt wegen Geldmangels, schon lange nicht mehr beschnitten wurden. Kann die Stadt Duisburg da nicht versuchen, Bürger zu finden, die sich engagieren möchten und Obstwiesenpaten werden?
Am Ende des Spaziergangs bekamen wir auch noch einen Vortrag über das Renaturieren der Alten Emscher und welche Schwierigkeiten damit verbunden sind. Herrn Meßer zuzuhören machte Spaß, denn er erklärte verständlich und fundiert und das ab und zu mit einer Prise Humor garniert.

Frau Daniela Scharf , die Dozentin des zweiten Spaziergangs, hatte bei ihren Erklärungen der Wildwiesenflächen rund um den Duisburger Hausptbahnhof einen anderen Ansatz. Sie erklärte, was Pflanzen, die unter schweren Bedingungen (schlechte Böden wie z.B. Bauschutt und schnell aufheizenden Standorte) wachsen, für einen Nutzen für Menschen haben können. Duften die Pflanzen? Wie kann man sie zum Kochen oder als Heilmittel nutzen? Hier eine Auswahl der Blüten:

Links oben: Kronwicke, darunter kleine Resede und Hornklee
Mitte oben: Platterbse, darunter Graukresse
Rechts oben: Kanadisches Berufkraut, Johanniskraut und Weideröschen

Im Unterschied zu Herrn Meßer, der es vermied, Pflanzen zu beschädigen oder auf ihnen herumzulaufen, verteilte Frau Scharf großzügig Pflanzenteile oder riß ganze Pflanzen aus. Das fanden mehrere Zuhörer und Zuhörerinnen, mich eingeschlossen, irritierend. Auch konnte sie ihr botanisches Wissen nicht so überzeugend darbieten, so dass ich zukünftig auf Führungen mit Frau Scharf verzichten werde.

Wie beim ersten Spaziergang wurde auch auf dem zweiten Spaziergang der z.T. zweifelhafte Umgang der Stadt Duisburg mit der Natur diskutiert, darunter Themen wie z.B. eine geplante Abholzung von knapp 200 Jahren alten Bäumen im Duisburger Stadtpark, um ein Gewerbegebiet zu etablieren oder die fehlende Pflege bei Neupflanzungen von Bäumen, so dass diese in kurzer Zeit eingehen. Das sinnvolle Mähen von Wiesen scheint auch schwierig zu sein. Oft wird zu früh gemäht, Müll, der auf den abgemähten Wiesen verteilt ist, wird nicht direkt eingesammelt, sondern liegen gelassen, um Tiere, die durch das Mähen verletzt wurden, wird sich nicht gkümmert.

Die Spaziergänge werden noch bis Ende August vorgesetzt.