Sommertage mit Martha

Mein Sommer war nicht nur heiß, sondern auch recht musikalisch. U.a. hatte ich das große Vergnügen, Martha Argerich einmal live zu erleben. Da das Programm ihres Abends erst kurz vorher bekannt gegeben wurde, konnte ich mich darauf nicht vorbereiten und ging somit nur mit dem „Wissen“, das ich über ihre Person hatte, in das Konzert. Mein Wissen bestand aus „Beste Pianistin“ und „Sehr schwierige Person“. Der Konzertabend war der Auftritt einer Königin der Musikwelt. Das Spielen der 78jährige Pianistin war nicht immer souverän, aber sie war dabei von der Musik durchdrungen, ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. Ein Erlebnis.

Ein paar Tage später bekam ich dieses Buch (links) von meinem Mann geschenkt:

Es ist eine gut zu lesende Biografie, wenngleich sie auch manchmal etwas unsortiert ist, was die zeitlichen Abläufe angeht. Aber sie spiegelt damit auch das z.T. sehr chaotische Leben der Argerich wieder. Mit drei Jahren wird ihr musikalisches Talent entdeckt und fortan kümmert sich die ehrgeizige Mutter um die Karriere der Tochter. Das ist Segen und Fluch zugleich. Martha lernt bei den besten Klavierlehrern, hat früh Kontakte zu den besten Pianisten in den 50er Jahren. Gut für ihre Karriere. Allerdings versucht Martha dann in ihrer Jugend, sich gegen die Mutter aufzulehnen und dieses Auflehnen prägt ihre Persönlichkeit. Sie hat beispielsweise immer großes Lampenfieber und von ihrem Können selbst keine hohe Meinung, also sagt sie häufiger Konzertauftritte ab und gibt drei Jahre lang gar keine Konzerte. Sie braucht lange, bis sie zu jemandem Zutrauen fasst. Ihre drei Ehemänner sind alles Kollegen aus der Musikbranche, die sie vorher schon lange gekannt hat. Von ihnen hat sie drei Töchter, deren Aufwachsen sie aber nur partiell mitbekommt, da sie auch noch als erwachsene Frau immer wieder von ihrer Mutter angetrieben wird. Sie versucht erneut, sich von ihrer Mutter zu lösen, zieht in andere Städte, schart viele Freunde und Leute, die sich dafür ausgeben, um sich. Sie ist großzügig, hilft vielen Menschen, bis die Mutter sie wieder an die Kandarre nimmt. Erst mit deren Tod kann Martha ein selbstbestimmtes Leben führen.

Der Untertitel des Buches ist „Die Löwin am Klavier“. Natürlich berichtet das Buch auch über die legendären Auftritte und Einspielungen der Künstlerin und die Bezeichnung als Löwin bekommt dabei einen Sinn. Schade ist, dass es im Buch kein Personen-, Orts- und Sachverzeichnis gibt. Viele berühmte Namen tauchen im Laufe des Buches auf und ich würde bei anderen Gelegenheiten gerne diese Passagen noch einmal lesen. Da muss ich jetzt im Buch suchen. Schön hingegen sind die Auflistungen ihrer Einspielungen, der Konzerte und DVDs sowie ein tabellarischer Lebenslauf.

Ein kleines Beispiel für ihre Kunst aus dem Jahr 2016:

Und warum liegt neben dem Argerich-Buch das Buch über Leonard Bernstein? Darüber schreibe ich übermorgen!

Autor: linda

Wohne in Duisburg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.