Ein neuer Stern an meinem Krimihimmel

Als Einstimmung für einen Wienaufenthalt las ich drei Wienkrimis, zwei geschrieben von Heinrich Steinfest. (Siehe auch meine Besprechung seines Buches „Die Büglerin). Was soll ich sagen? Ich weiß jetzt, dass ich den nächsten Winter mit seinen Krimis verbringen werde und freue mich schon darauf. Angetan war ich schon vom ersten Buch.

Ein Mann wird auf der Dachterrasse eines Wiener Hochhauses in einem Swimmingpool tot aufgefunden. Das ist noch nicht so außergewöhnlich, aber die Todesursache verursacht der Wiener Mordkommission mit Chefinspektor Lukastik doch arge Kopfschmerzen. Der Mann wurde von einem Hai tot gebissen. Nicht von einem Nullachtfünfzehnhai, sondern von einer seltenen Spezies. Indizien sprechen dafür, dass die Tötung des Mannes im Swimmingpool oder in unmittelbarer Nähe stattgefunden haben muss. Der Wiener Zoo oder Transport vom Meer aufs Dach fallen deshalb weg.

Lukastik ist grantelnder Einzelgänger. Seine Kollegen lieben und hassen ihn. Lieben, weil er sehr erfolgreich ist, hassen, weil er sich nur mit ihnen abgibt, wenn es sein muss und dann nimmt er keine Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. So ist es auch bei diesem Fall. Wer für den Tod des Mannes verantwortlich ist, das findet Lukastik recht schnell alleine heraus, doch wie der Mörder es mit dem Hai gemacht hat, das bleibt das große Rätsel, da sich der Mörder erschießt. Aber Lukastik gibt nicht auf und gerät dabei in nasse Todesgefahr.

Ein Krimi mit „Typen“ und einer skurrilen Geschichte, eben wienerisch, so wie ich es mag.

Und dann bekam ich durch Zufall den neusten Steinfest Krimi in die Hände. Völlig anders, aber noch besser.

Markus Cheng ist ein Detektiv, dessen Eltern wegen des Wiener Walzers vor Jahren aus China ausgewandert sind. Seit über 50 Jahren lebt er nun in Wien und schlägt sich schon tapfer als Detektiv durch. Bei seinem neuen Auftrag soll er die Unschuld eines deutschen Synchronsprechers beweisen, der wegen Mordes an einem sehr bekannten englischen Schauspieler, dem er bisher immer seine deutsche Stimme geliehen hat, verurteilt wurde. Die Beweise sind erdrückend, doch Cheng findet zwei Ungereimtheiten und muss deshalb nach London, um das Hotelzimmer, in dem der Mord geschehen ist, zu untersuchen. Seine Anwesenheit beunruhigt mehrere Menschen und im Laufe der weiteren Ermittlungen reist Cheng noch nach Island, Schottland und Grönland. Am Ende steht fest, dass der Angeklagte in diesem Fall unschuldig ist, aber eine alte andere Schuld muss er begleichen.

Ich weiß, diese Inhaltsangabe ist ein bisschen larifari, aber die Geschichte ist komplex. Nur so viel: Beim Lesen kam mir plötzlich der Gedanke, dass dieser Krimi genial durchkomponiert ist. Ja er ist eine Komposition mit Zutaten wie z.B. eine tödliche chinesische Kampfsportart, die weiße Tulpe eines MI5-Agenten als Erkennungszeichen, ein Pilzkochbuch als Science Fiction Roman, eine Sekretärin, die den Detektivposten von Cheng übernimmt oder ein verstorbener Hund, der immer wieder als Geist auftaucht. Dazu Gedankenaperçus und die Erschaffung von Bildern, die einzigartig sind. Grandios!

Morgen komme ich nun konkret zur Stadt Wien, in der ich 2 Tage bummeln durfte.


Nasse Momente

Häufiges Regnen kombiniert mit Hallenbadbesuche und dem Lesen ergibt „Nasse Momente“. Nach dem gestrigen regnerischen Sonntag passen diese Momente heute ganz gut.

Hier ein paar Vorschläge für innovativen Regenschutz (gesehen auf „Pinterest“):

 

 

Im Hallenbad sah ich eine Frau, die vier verschiedene Dusch-und Haarshampoo-Flaschen mit unter die Dusche nahm. Eine Flasche hatte den Titel „stressfrei“…

Innerlich verteile ich jetzt immer rot-gelbe Karten, wenn Frauen beim Verlassen des Duschraums ihre Dusche einfach weiterlaufen lassen, weil diese ja irgendwann mal selbst ausgeht. Selbst wenn es draußen aus Eimern schüttet, kann man trotzdem ein bisschen Wasser einsparen- tut nicht weh.

Das Highlight des Monats im Schwimmbad: Nachbarkabine, Mutter mit kleiner Tochter (zwischen 4 bis 8 Jahre, da um 15 Uhr der Mini-Schwimmkurs anfängt). Es gab schon einiges Genörgel, da das Töchterchen eigentlich gar keine Lust zum Schwimmen hat. Mutter sprach ein Machtwort, dann war Stille. Plötzlich die Tochter:“ Mama, findest Du nicht, das Schwimmen total überbewertet wird?“ Wieder Stille….

Zum Schluss noch ein literarischer Beitrag. Diese Nieselregen-Passage aus dem Buch „Die Stadt-Entdeckungen im Inneren von Wien von Gerhard Roth gefällt mir sehr gut:

Morgen ist Maurice Ravel das Thema meines Blogs.

In einer lauen Sommernacht…

…las ich diesen Krimi und es wurde sehr spät…

Wallisch, genannt „Lemming“, ist suspensierter Polizist und arbeitet jetzt für ein Wiener Detektivbüro. Er soll den pensionierten Lateinlehrer Grinzinger überwachen, dessen Ehefrau an heimliche Treffen mit einer Geliebten glaubt. Schon bald hat Lemming den Eindruck, dass Grinziger merkt,  dass er beschattet wird und Lemming an der Nase herumführt. Lemming muss sein Bestes geben, was allerdings nicht reicht, denn er bekommt nicht mit, dass Grinzinger ermordet wird. Sich kurz danach über die Leiche beugend, wird er von der Polizei als Tatverdächtiger verhaftet. Dies macht Bezirksinspektor Krotznig, der ein rassistisches und korruptes Ekelpaket ist, besonderen Spaß, denn er ist auch der Grund, warum Lemming nicht mehr Polizist ist. Krotznig muss Lemming laufen lassen und befiehlt kurz danach dem Inhaber des Detektivbüros und auch Lemming, den Mordfall zu vergessen. Lemming kündigt daraufhin und stellt eigene Nachforschungen an. Einmal Krotznig besiegen…Dies macht auf dem Polizeirevier schnell die Runde und es werden Wetten abgeschlossen. Wer wird den Fall lösen, Krotznig oder Lemming?

Zum Fall schreibe ich nur soviel: Wer in seiner eigenen Schulzeit einen Lehrer hatte, von dem man schikaniert wurde, der bekommt mit diesem Buch nicht nur einen Krimi, sondern auch eine Geschichte, in denen Jugenderinnerungen wachwerden.

Wie schon beim ersten Buch des Autors, das ich vor gut 2 Jahren bereits besprach, zeichnet sich dieser Krimi durch seinen punktuellen fetten Wiener Schmäh aus, gepaart mit Situationskomik und intelligenten Gedankengängen. Auch Band Nummer 3 werde ich irgendwann zur Hand nehmen.

Morgen gibt es zum Wochenende nur ein kleines Spaßrätsel, aber zuvor schreibe ich noch etwas über eine Telefonnummer, die jeder parat haben sollte.

Training zur Erweiterung der Frusttoleranz

Ich hatte so richtig Lust, im Urlaub mal wieder schöne Krimis zu lesen und nahm zwei mit, deren Inhaltsangaben vielversprechend klangen.

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Der erste, „Infarkt“, hatte die Zutaten Kunstraub, Mossad, Fußball, Medizinforschung. Klasse, besonders geeignet für Männer, dachte ich nach den ersten Seiten, denn Fussball war das Hauptthema. (Ich hatte das Buch wegen der Zutat Kunstraub mitgenommen, war aber ein Seitenthema). Ich las weiter, nicht uninteressant, wie es hinter den Kulissen eines Fussballvereins so zugeht. Doch mit jeder Seite wurde meine Abneigung gegen die beiden Ermittler größer: Eine Kardiologin, die Ermittlungen anstellte, weil sie alles immer genau wissen muss. Das ist nicht schlecht, aber sie zickte auch viel herum und war nicht sehr sympathisch. Ihren „Assistenten“, ebenfalls Mediziner, hätte ich gerne öfter geschüttelt. Familienvater mit sechs Kindern, reichlich überfordert und sehr unentschlossen. Die Geschichte hätte ein guter Männerkrimi werden können, aber wenn mir Sara Zuckermann schon auf den Wecker geht, werden männliche Leser höchstwahrscheinlich noch genervter sein. Schade!

Die „Prinzessin von Aboro“ heißt Elisabetta Zorzi, kommt aus Italien und führt in Wien ein Nobelrestaurant. Sie ist Anfang dreißig, klein, beschützenswert und eine perfekte Schönheit („Dank“ ihres ersten Mannes). Männerherzen fliegen ihr zu und auch Frauen wären mit ihr gerne befreundet. Zorzi, wie man sie liebevoll nennt, hat allerdings ein Problem: Sie wählt die falschen Männer aus, mit denen sie ihr Leben verbringen möchte. Und so bleibt ihr nichts anderes übrig, als sie zu ermorden. Beim vierten Mann kommt man ihr auf die Spur, und sie wird verurteilt. So weit, so gut. Ich bin bei der Hälfte des Buches. Die zweite Hälfte beschreibt Zorzis Zeit im Gefängnis, wie sie und ein Psychologe sich ineinander verlieben. Zorzi gelingt die Flucht aus dem Gefängnis, doch widererwartend taucht sie bei ihrem Liebhaber auch nach Monaten nicht auf. Schluss der Geschichte…Dieser Krimi war für mich wie ein Luftballon: Während der ersten Hälfte noch prall gefüllt, doch dann hat jemand mit der Nadel in den Luftballon gestochen und zum Schluss blieb ein Häuflein Gummi übrig. So etwas nennt man Training zur Erweiterung der Frusttoleranz…

Polivka hat einen Traum-Lust auf einen Krimi?

Wiener Krimi

Der Wiener Bezirksinspektor Polivka muss sich um einen ermordeten Fahrgast in einem Zug kümmern, doch wird ihm sehr schnell von seinem Chef befohlen, den Mord als Unfall zu behandeln. Polivka beschließt daraufhin, übers Wochenende privat nach Paris zu fahren, denn dort kommt der tote Geigenbauer Jacques Guillemain her. In der Wohnung trifft er auf Guillemains Exfrau Sophie. Beide werden dort kurz danach wegen einer Speicherkarte überfallen, die Guillemain in einer Geige versteckt hat. Es stellt sich bei weiteren Ermittlungen von Polivka und Sophie heraus, dass einer der einflussreichsten Männer Österreichs, nämlich der „Fürst“ in ungeheure Machenschaften verstrickt ist und dieser über Leichen geht, um nicht in Verdacht zu geraten. Kommen Polivka und Sophie da lebend wieder raus?

Ein genialer Krimi! Die Mischung aus Wiener Schmäh, französischen Charme und indischen Weisheiten(vom indischen Kollegen Polivkas) ist schon etwas Besonderes. Dazu kommen aber noch Witz und Spannung und dann ist am Ende noch eine ordentliche Portion Zynismus, die ihres gleichen sucht.

Der Autor Stefa Slupetzky ist bereits 2005 mit dem Glauser Krimipreis ausgezeichnet worden. Er ist für mich eine Neuentdeckung und ich freue mich auf weitere Krimis von ihm.