RAF / Musikszene / Minnesota / Eigenschaftsloses Männchen

Für mich, die die RAF Zeit als Jugendliche miterlebt hat, war es ein sehr interessantes Buch, denn Erinnerungen kamen zurück, bzw. hatte ich auch einige Momente, durch die ich mehr Verständnis bekam ob der Organisation der RAF und den Machtstrukturen innerhalb der Gruppe. Auch die Frage, wie die Autorin durch ihre familiären Situation geprägt wurde, trieb mich um.
Noch interessanter und manchmal bewegend fand ich allerdings die Passagen, in denen die Autorin über ihr zweites Leben geschrieben hat.
Silke Maier-Witt ist glaubhaft fassungslos wegen ihrer früheren Teilnahme an den RAF Anschlägen. Das Buch sollte nicht vergessen werden, es ist für alle Generationen lesenswert, dann man kann Bezüge zu heutigen Strömungen herstellen.

Ich interessiere mich sehr für Musik, doch war ich teilweise bei diesem Buch ob der Flut von Namen etwas überfordert. Nichtsdestotrotz empfehle ich es gerne weiter, denn die ersten Kapitel über Kindheit und Jugend von Chris Blackwell sind amüsant zu lesen. Ich bekam diverse Anregungen, um neue Gruppen oder Sänger zu entdecken. „Mäuschen zu spielen“ und mal hinter die Kulissen der Plattenindustrie sehen zu dürfen, ist ein weiterer Bonus dieses Buches. Darüber hinaus werden auch berührende Geschichten erzählt, ich denke da nur an Nick Drave, der seine Musik zur falschen Zeit machte.

Es ist mein erstes Buch, das ich von Jo Nesbo gelesen habe. Ausgewählt hatte ich es wegen der großen Begeisterung über die Aktualität des Buches bezüglich der Vorgänge in den USA.
Die Geschichte ist gut und spanend, dass ich nun zukünftig beim dem Thema „Tierpräparation“ mitreden kann, kam überraschend.
Ich hatte allerdings bei dem vielen Lob doch noch etwas mehr Reflexion über den Alltag in den USA erwartet.

Das Männchen ohne Eigenschaften ist mir ans Herz gewachsen. Thomas Vogel, der sich hinter @kriegundfreitag versteckt, fängt Alltagsmomente ein, die wir alle schon erlebt haben. Es geht um Missverständnisse, menschliche Schwächen, Verhalten, das politisch nicht korrekt ist oder mit Sprachwitz eingefangene Befindlichkeiten, die manchmal auch einen philosophischen Touch haben: „Wenn nicht so viel Zeit für Unsinn draufginge, könnte ich mehr Quatsch machen!“ Das Männchen ist nicht alleine, auch Tiere, besonders gerne Vögel (…) stellen sich den Abgründen des Lebens. Investieren Sie 8 Euro und begeben Sie sich auf die Reise in das Universum des Männchens ohne Eigenschaften! Nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Eine Kindheit zwischen Bauern und Bohemians

So ein kleiner Junge hat es wirklich nicht leicht! Jan Peter Bremer lebt in den 70er Jahren mit seinen Eltern im ländlichen Kreis Lüchow-Dannenberg. Zuerst auf einem Bauernhof in einem Dorf, in dem es nur einen Lehrer für alle Schüler gibt und die Kinder der ersten Klasse von einem Schüler aus der dritten Klasse im Schreiben und Lesen unterrichtet werden. Kein guter Start für die schulische Laufbahn von Jan Peter und er tut sich in den folgenden Jahren sehr schwer, zumal er auch ungelenk ist, mit seinem Wuschelkopf komisch aussieht und manchmal seltsam spricht. Das aber eigentlich Schlimmste für ihn als Schüler ist die Tatsache, dass seine Eltern nicht in das bäuerliche Weltbild der erwachsenen Dorfbewohner und deren Kinder passen. Die Familie kommt ursprünglich aus Berlin und sein Vater Uwe Bremer gehört zu den fünf Gründungsmitgliedern der berühmten Rixdorfer Druckwerkstatt der Dichter. In dem Schlösschen, das im Nachbardorf der zweite Wohnsitz der Familie wird, findet ein ständiges Kommen und Gehen bekannter Künstler, Schriftsteller und Journalisten statt. In Zeiten von RAF und der „Atomkraft- nein danke“-Bewegung sind für die Dorfbewohner alle Besucher entweder Gammler oder potenzielle Terroristen. Während die Eltern fast in einer Blase auf ihrem Schlösschengrundstück leben und kaum etwas von der Ablehnung mitbekommen, muss Jan Peter jeden Tag in der Schule die Verachtung und den Hass auf seine Familie aushalten. Er sagt nie etwas, das hat man damals nicht getan.
Die Jahre vergehen. Jan Peter ist in der 7. Klasse und darf auf das Gymnasium wechseln. Langsam ändert sich dort seine Situation, als er entdeckt, wie gut es ihm geht, wenn er liest und eigene kleine Geschichten verfasst. Diese sind wirklich gut und er wird erstmalig gelobt. Sein Selbstwertgefühl steigt und damit scheint die Chance zu bestehen, endlich Freunde zu finden.
Der Autor schreibt liebe-und humorvoll über seine Eltern und deren Freunde. Wie er als Junge versucht, trotz seiner vielen Schwierigkeiten kleine Freuden im Leben zu entdecken, das ist rührend zu lesen. Ein leises Buch, dessen Lektüre ich mit einem Lächeln beendete.

Wer mehr über das Leben des Künstlers Uwe Bremer und dessen Freunde erfahren möchte, dem empfehle ich diesen Bildband. Ein Augen- und Leseschmaus!