Falsche Nachrichten/ Gute Nachrichten: Einmal pro Tag „Mimikama“ und „Good News“ lesen

Vielleicht ist ja die Mimikama Homepage für Sie ein alter Hut, ich kannte sie nicht und bekam den Tipp von einer jungen Frau, die bei einer Firma arbeitet und mit der Fütterung von KI ihren Lebensunterhalt als Studentin verdient.

Mimikama ist der Name einer Internetseite, auf der fast täglich Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht werden. Diese Nachrichten tauchen frisch in den sozialen Medien oder in Printmedien auf. Dabei wird unterschieden, ob es sich um reine Fake-News handelt oder inwieweit eine Aussage stimmt, aber verfälscht wurde.

So sieht die Eingangsseite aus:


Klickt man auf die blauen „Mimikama“ Felder, öffnet sich eine neue Seite. Dazu ein Beispiel. Die Fotos 1-5 zeigen an, in welcher Reihenfolge die Informationen kommen, wenn man auf der Seite nach unten scrollt.

Diese Informationen stehen kostenlos zur Verfügung. Wenn man zusätzliches Hintergrundmaterial lesen möchte und Artikel, die zu diesem Thema passen, gibt es drei Versionen, bei denen man eine Gebühr bezahlt.

Wenn ich diese Berichte gelesen habe, brauche ich manchmal einen Ausgleich und lese “Good News“. Auch hier werden fast täglich neue Nachrichten verkündet. Diese verbessern die Laune und es ist toll zu sehen, welche Möglichkeiten Menschen haben und was sie schaffen können, wenn der Mut und der Wille zur Veränderung da ist.
So werden diese Nachrichten präsentiert:

Beide Seiten haben mir in den letzten Wochen bereits geholfen, bei Diskussionen neue Fakten und Ideen in die Runde zu werfen und das Interesse war geweckt.

Meine neue Motivation bei schlechten Nachrichten

Beim Versuch, mich politisch mehr zu engagieren, erwischen mich auch immer wieder Tage, wo meine Lust dazu rapide in den Keller geht. Dann erschöpfen mich schlechte Nachrichten und ich will nichts hören oder sehen.
Um die Zahl solcher Tage zu begrenzen, las ich zwei Bücher.

Das Buch „Moralische Ambitionen“ richtet sich in erster Linie an Menschen mit frischem Uniabschluss oder an hochqualifizierte Berufstätige, die mit ihrer Arbeit unzufrieden sind, weil diese schwachsinnig oder nutzlos ist.
Der Autor stellt verschiedene Personen vor, die in der Vergangenheit durch ihr Verhalten die Welt verändert haben, wie beispielsweise Thomas Clarkson, dem die Abschaffung der Sklaverei zu verdanken ist oder Rosa Parks, die Symbol für die Bewegung von Martin Luther King wurde.
Diese Geschichten sind sehr beeindruckend und toll zu lesen. Der Autor redet uns aber auch stark ins Gewissen. Es reicht nicht, Umweltschädliches zu vermeiden und sich beispielsweise mit einem E-Auto, veganem Essen oder Secondhand Kleidung ein gutes Gewissen zu verschaffen. Solange man seine persönlichen Fähigkeiten nicht zum Wohle der Gemeinschaft einsetzt, ist man nur idealistisch, aber nicht moralisch ambitioniert wie Parks oder Clarkson. Risiken eingehen, Mut beweisen, die Welt verändern, das sollte auf der Fahne eines jeden Bürgers stehen! Suche dir ein Thema, an das bisher noch niemand gedacht hat und das unser aller Leben verbessert und brenne für die Umsetzung dein Leben lang! Da kam mir dann doch der Gedanke: Darf es auch etwas weniger sein?
Eigentlich nur an einer Stelle geht Rutger Bregman ausführlicher darauf ein, wie wichtig alle Menschen sind, die solche Visionäre beim Verbreiten ihrer Ideen unterstützen. Diese Helfer und Helferinnen müssen u.U. akzeptieren, dass sie zu ihren Lebzeiten keinen großen Erfolg erleben, sondern nur an kleinen Schritten vorwärts teilnehmen. Trotzdem gilt: Nie deine moralische Ambition vergessen, damit du am Ende deines Lebens in den Spiegel schauen kannst.
Auf der Seite moralischeambition.de erfährt man teilweise in deutscher, teilweiser in englischer Sprache, noch mehr „The School for Moral Ambition“.

Die Lektüre des Buches war für mich bereichernd, doch für meine tägliche Motivation brauchte ich etwas Bescheideneres.

Die Autorin des Buches „Wie wir die Welt sehen“ ist Journalistin, hat u.a. zwei Jahre in Kabul gearbeitet und schreibt jetzt für verschiedene Zeitungen, dreht Filme und hält Vorträge zu den Themen ihrer Bücher.
Gleich am Anfang des Buches erzählt sie, wie sie hier in Deutschland immer häufiger bewusst keine Nachrichten sieht oder liest, da sie merkt, dass die Meldungen sie körperlich und auch psychisch negativ beeinflussen. Woran liegt das? Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es hier in Deutschland in den meisten Zeitungen und auf den Nachrichtenplattformen selten einen konstruktiven Journalismus, der alles Negative berichtet, aber auch Lösungswege aufzeigt, wie ein Problem behoben werden könnte. Diese Art des Schreibens ist für Lesende viel bekömmlicher und belastet weniger. Solche Artikel zu verfassen ist allerdings anspruchsvoller und leider gilt in Deutschland bei Verlegern meistens immer noch die Meinung: „Bad News are Good News“, wenn es um die erzielte Aufmerksamkeit geht.
Die Autorin hat in ihrer Zeit in Afghanistan gelernt, neben Negativem auch über Positives zu berichten und versucht, dies nunmehr auch in ihren Artikeln über Deutschland umzusetzen. Sie schreibt nicht nur von Missständen, sondern auch vom positiven gesellschaftlichen Wandel und „dass sich überall … Menschen dafür ins Zeug legen, damit wir freier, sicherer und selbstbestimmter leben können.“ Geschichten von Helden, so wie die von Rutger Bregman in seinem Buch, mag sie nicht, sie hält es für wichtiger, dass täglich auch positive Geschichten über Leute wie du und ich erzählt werden, die handeln und sich nicht ohnmächtig fühlen. Dabei nennt sie schlechte Nachrichten übrigens Fehlerberichte- Fehler können behoben werden! Ein schöner Gedanke.
Ronja von Wurmb-Seibel erwartet von uns keine Großtaten. Kein Schritt ist für sie zu klein. Ein Anfang könnte sein, wenn man im Privatleben eher Positives berichtet und seltener auf Negativem herumhackt und dort, wo man eine öffentliche Meinung kundtun kann, der Negativschleife neue gute Geschichten entgegen setzt. Dazu recherchiert man beispielsweise, ob es in anderen Ländern vielleicht schon Lösungswege gibt.
Möchte man mehr tun, sollte es etwas sein, dass man gerne macht oder kann. Alleine oder noch besser in einer Gruppe, darin ist sie sich mit Rutger Bregman einig. Rückschläge wird es immer wieder geben, aber langsam wird bis dahin Unvorstellbares sichtbar.

Dieses Bild hängt bei der Autorin als Mahnung im Wohnzimmer. Was sehen Sie?

Einen kleinen schwarzen Punkt? Oder eine große weiße Fläche?
Der schwarze Punkt ist das, was uns von der ganzen Welt in den Medien berichtet wird, das Weiße steht für alles, was auf der Welt positiv ist.

Ich blättere in diesem Buch und würde Ihnen noch gerne mehrere Textpassagen vorstellen. Alle sind erhellend und ermutigend. Stattdessen beende ich diesen Beitrag mit einer Rezension von Joachim Dittmer, veröffentlicht am 16. März 2022 auf einer Bücherplattform:

Jetzt erst recht! Dieses Buch hilft. Es ist für mich ein Mutmacher, aus der Komfortzone der Couch ins Handeln zu kommen. Die momentanen Berichterstattungen über den Ukraine-Krieg Russlands könnten einen verschreckt zurücklassen. Der Ansatz zeigt Wege auf, Initiative zu werden, damit die Welt besser wird.

Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen!

Im Januar las ich dieses Buch und habe z.Zt. ein Déjà-vu-Erlebnis.

In dem Buch geht es um den Zustand der Welt und wie die Menschen diesen Zustand beurteilen. Eine Inhaltsangabe zu dem Buch zu schreiben, ist schwer, denn die Zahl der positiven Denkanstöße ist dafür zu groß. Deshalb gebe ich nur ein paar Eindrücke wieder.

Bill Gates meinte, dass dieses Buch für ihn eins der wichtigsten Bücher ist, die er je gelesen hat. So steht es auf dem Klappentext. Linda Broszeit sagt das auch und damit sind wir schon zu zweit. Nach der Lektüre hatte ich ein bisschen Seelenfrieden zurückgewonnen und empfand eine gewisse Ruhe, die bis heute noch anhält. Bei Diskussionen, in denen gewarnt, schlecht geredet oder beklagt wird, habe ich jetzt Argumente, die andere aufhorchen lassen. Oder einmal etwas krasser ausgedrückt: Öfter kann man Permanentnörgeler schneller zum Schweigen bringen.

Nein, es ist auf der Welt bei Weitem nicht alles rosig und gut, aber der Autor, der Professor für Medizin ist und u.a. für die Weltgesundheitsorganisation WHO arbeitet, zeigt anhand vieler nicht wegzudiskutierender Zahlen, dass es besser ist als vermutet. Ich gebe Ihnen drei Beispiele und bitte Sie, die Fragen spontan zu beantworten.

A-In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung:

Nahezu verdoppelt oder unwesentlich verändert oder deutlich mehr als halbiert?

B- Wie viele einjährige Kinder auf der Welt sind gegen irgendwelche Krankheiten geimpft?

20, 50 oder 80 Prozent?

C- Wie viele Mädchen absolvieren heute eine fünfjährige Grundschulbildung in den Ländern mit niedrigem Einkommen?

20, 40 oder 60 Prozent?

Haben Sie sich bei allen drei Fragen jeweils für die dritte Antwort entschieden?

Hans Rosling räumt in seinem Buch mit vielem falschen Wissen auf. Er hat Zugang zu zuverlässigen Statistiken, Bildmaterial und Zahlen und zeigt die positiven Entwicklungen der letzten 100, 50 oder 20 Jahre auf. So gibt es für ihn z.B. auch keine Entwicklungsländer mehr, sondern er spricht von Ländern der 4 Stufen.

Was das Buch aber so wichtig macht, das sind seine Erklärungen, warum wir ein so falsches Weltbild haben. Dafür gibt es diverse Gründe, die er mit folgenden Kapitelüberschriften beschreibt:

Auch hier möchte ich nur ein paar Beispiele geben. Er beschreibt, wie wir die Vergangenheit zumeist mit einer rosaroten Brille sehen und schier vergessen, dass frühere Zeiten vielleicht nicht dieselben Probleme hatten, aber dafür andere. Wir haben das Gefühl, dass alles schlechter wird, einmal länger über alles in Ruhe nachdenken, das kommt eher selten vor. Unsere Gehirne sind seit Urzeiten darauf gepolt, auf das Angstgefühl zu achten, um gefährlichen Situationen rechtzeitig begegnen zu können. Diesen Instinkt der Angst bedienen die Medien, wissen sie doch, dass damit die höchste Aufmerksamkeit erreicht werden kann. (Das soll kein Vorwurf sein, denn die Redakteure ticken ja genauso wie die Leser).

Und da ist dann auch mein Déjà-vu-Erlebnis. Erinnern Sie sich noch an die Schweinegrippe im Jahr 2009? Anfänglich starben viele Menschen, doch dann nahm die Zahl nicht mehr zu, sondern blieb erst noch konstant und nahm dann ab. Was nicht abnahm, das war die Hysterie. Hans Rosing und sein Team zählten daraufhin die Artikel zum Thema Schweinepest, die bei Google in 2 Wochen erschienen waren. Es waren weltweit 253442 . Zu jedem der 31 Todesopfer in diesen zwei Wochen, wurden also ca. 8176 Artikel geschrieben. In genau den beiden Wochen starben weltweit auch ca. 63000 Menschen an Tuberkulose. Jeder dieser Toten erfuhr eine mediale Aufmerksamkeit von 0,1 Artikel.

Dieser Beitrag mag vielleicht etwas schwere Kost sein (das Buch ist dafür umso leichter geschrieben), aber ich kann nur noch einmal wiederholen: Wenn Sie ein Buch in diesem Jahr lesen wollen, dann lesen Sie dieses.

Abrechnung eines Gutmenschen mit sich selbst

Weltverbesserer

Der Autor Klaus Unger ist ein Gutmensch und er hat das dringende Bedürfnis, wenigstens ein bisschen die Welt zu verbessern. Doch blöd ist, dass Gutmenschen in letzter Zeit nicht so beliebt sind, denn sie können ganz schön mit ihrem Missionseifer nerven und ob ihre Aktionen alle so wirklich Sinn machen, ist auch fraglich. So nimmt sich Unger selbstkritisch mit einer Portion Sarkasmus unter die Lupe und hält damit den Lesern mehr oder minder einen Spiegel vors Gesicht. Seine Aktivitäten sind vielfältig: Er unterschreibt z.B. Internetpetitionen, egal, wie unsinnig die Aufrufe sind, verfasst einen Blog über Probleme in Afrika, hat für sein gutes Gewissen mit einem Obdachlosen eine Geschäftsbeziehung aufgebaut, ist beim Crowdfunding dabei und gibt sein Bestes, gerecht und nicht rassistisch, bzw. politisch korrekt zu sein. Das ist alles sehr anstrengend und am Ende des Buches bittet Unger, dass ein anderer den Staffelstab des Helfens übernimmt, er kann und will einfach nicht mehr und die anderen großen Weltverbesserer (Gandhi, Rudolf Steiner, Jesus von Nazareth, um einige zu nennen) gehen ihm inzwischen auch auf den Geist.

Warum, fragt sich Unger, gibt es in Deutschland anscheinend besonders viele Weltverbesserer, die immer etwas Sinnvolles machen müssen oder sich permanent schämen, nicht geholfen zu haben? Wir können uns bei Herrn Luther bedanken, der mit seinen protestantischen „Leitlinien“ das Fundament zu dieser Lebenseinstellung gelegt hat. 

Dieses Buch zu Weihnachten verschenken? Auf jeden Fall wunderbar als Wink mit dem Zaunpfahl geeignet.