Goethes merkwürdige Wörter: Kannegießern, düttig, schmeicheln oder dreist

Letzte Woche diskutierte ich mit einer Bekannten über des Wandel der deutschen Sprache. Sie ist keine Freundin des zunehmenden Gebrauchs von Wörtern, die aus der englischen Sprache kommen. Ich gebe zu, dass ich manchmal auch meine Schwierigkeiten habe, die Bedeutung zuzuordnen. ( z.B. Unhinged, yappen, Yassification, slayen- Auflösung am Ende des Textes).

Winkte mir das Schicksal zu, als ich einen Tag später zufällig in einem Bücherschrank dieses Buch fand?

Ungefähr 1000 Wörter werden aufgelistet, die Goethe in seinen Werken benutzt hat. Das Wort „merkwürdig“ im Titel ist dabei dreideutig, denn in diesem Buch kann man Wörter entdecken, die aus heutiger Sicht seltsam, da vergessen, sind oder es gibt Wörter, die man sich merken kann, überraschen diese doch dadurch, dass wir sie heute zwar noch benutzen, aber dies mit einer ganz anderen Bedeutung. Merkwürdig sind dann auch noch diese Wörter, die Goethe sich quasi ausgedacht hat und die wir heute noch anwenden.

Ich gebe Ihnen gerne ein paar Beispiele. Bei jedem Wort gibt es im Buch mindestens ein Textbeispiel aus seinen Werken oder Briefen.

Von Goethe ausgedachte Wörter:

Anmut, bedenklich, Behagen, betrübt, Diät, Fabrik, Hosenscheißer, Kapitalist, lallen, Vorsatz, schauderhaft, Schicht machen

Wörter, die heute eine andere Bedeutung haben:

„dreist“ war früher positiv besetzt und meinte mutig oder beherzt

“Durchschnitt“ = Durchquerung (Er machte einen Durchschnitt des Gartens)

“Elend“ = Fremde, Heimatlosigkeit. Zitat aus dem Theaterstück „Hermann und Dorothea“: Streifen nicht herrliche Männer von hoher Geburt nun im Elend?“

„Extremität“ = Notlage Zitat aus „Götz von Berlichingen“: „Achtest du meinen Mann so wenig, dass du in dieser Extremität seine Hilfe verschmähst?“

“feiern“ = Nichts tun, ausruhen

“kompromittieren“ = jemanden zum Schiedsrichter wählen

„Penetration“ = Scharfsinn, Einsicht

“schmeicheln“ = lindern, mildern

Untergegangene Wörter und Redewendungen:

abmüßigen- Mußezeit erübrigen — Für 2026 nahm er sich vor, mindestens drei Stunden am Tag für seine Lifebalance abzumüßigen.

Affabilität- Umgänglichkeit, Leutseligkeit — Die Affabilität des neuen Chefs entsprach nicht den Vorstellungen seiner Angestellten, er war ein Muffelkopp.

Blumist/in- Blumenliebhaber/in — Bei dem Speed-Dating erzählte sie ihm, dass sie eine Blumistin sei. Er kannte den Ausdruck nicht und war erst einmal impressed.

düttig- einfältig — Sie zeigte mir stolz ihre neue Duttfrisur und erzählte dann etwas düttig, dass die Hairstylistin gesagt hätte, dass die Duttfrisur sie zehn Jahre jünger mache.

kannegießern – ohne großen Sachverstand über Politik diskutieren

Lappsack – antriebsloser Mensch — Im November begegnet man öfter Lappsäcken, die nicht aus den Puschen kommen, weil die trübe Jahreszeit sie triggert.

Murmelchen – kleines Kind — Ein Gruppe von 25 Murmelchen kam ins Schwimmbad und die schwimmende Silvergeneration hatte den Eindruck, dass ein Sack Flöhe ins Schwimmbecken sprang.

propalieren – ausplaudern, unter die Leute bringen — Wenn er diese Neuigkeit auf Social Media propalieren würde, würden seine Followerzahl explodieren.

Rätzel – Der frühere Finanzminister Theo Waigel war ein Rätzel….Er hatte zusammengewachsene Augenbrauen!

vervitzen/turlupinieren – Ich hoffe, dass ich Sie mit diesen Wörtern und Beispielsätzen nicht zu sehr vervitzt oder turlupiniert habe! (vervitzen= verwirren, turlupinieren = foppen)

Auflösung:
Unhinged= völlig übertriebenes Verhalten
yappen= Übermäßig quatschen oder tratschen
Yassification= etwas übertrieben glamourös machen, loben, dramatisieren
slayen= etwas sehr gut machen

Leica-Goethe-Raucherkneipen-Streuobstwiesen

Mitte September verbrachten mein Mann und ich zusammen mit Freunden ein langes Wochenende an der Lahn. Glücklicherweise nicht zum Fahrradfahren, denn es wimmelte auf den Radwegen nur so von durchgestylten Hobby-Rennrad-Fahrern. Wir waren „einfach nur so“ da.

Gewohnt haben wir in Wetzlar, das an der Lahn recht mittig liegt, um auch gut in andere Lahnstädte zu kommen. Für uns war Wetzlar ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, nur vor Jahren hatten wir mal eine Dokumentation über die Firma Leica gesehen und wussten, dass diese in Wetzlar ihr Hauptwerk hat. Und so ist Leica mit den Firmengebäuden im Stadtbild auch fast omnipräsent.

Nur in den engen Gässchen der hübschen Altstadt sieht man nichts, aber auch hier wird auf Wetzlars Tradition zur Optikforschung hingewiesen. (Die Firma Zeiss ist übrigens auch ansässig).

Es gibt neben einem Leica-Museum in Wetzlar einen Optiklehrpfad mit vielen Stationen, an denen man viel Überraschendes lernen oder beispielsweise aber auch seine Augensehkraft testen kann.

Pfade sind in Wetzlar beliebt. Man kann auf einem Bergwerkspfad spazieren gehen (Hier wurde in früherer Zeit Eisen abgebaut) oder auf dem Goethepfad lustwandeln. Letzteres haben wir getan. Goethe lebte eine Zeit lang in Wetzlar und wurde hier zu seinem „Die Leiden des jungen Werther“ angeregt. Man sieht Goethes Wohnhaus, das Haus Lottes (Figur aus Werther) und der Lieblingswanderweg des Meisters ist ausgeschildert. Sehr schön, auch bei nicht so tollem Wetter. Man hat weite Aussichten und kommt an diversen Streuobstwiesen vorbei. Äpfel, viele verschiedene Sorten, noch und nöcher. Und als neuzeitliche Zugabe gibt es sehr moderne Architektur neben Scheunen und 50er Jahre Häuschen.

Man kann in Wetzlar sehr gut essen ( u.a. auch hessische Spezialitäten), und an der Lahn fanden wir schnell unseren ersten Lieblingsplatz. Ein reines Weinlokal mit einem sehr guten Weinangebot.

Würden mein Mann und unsere Freunde in Wetzlar wohnen, wäre dies ihr zweiter Lieblingsplatz.

Wir sahen in Wetzlar vier Raucherkneipen und dieser Treff war einer davon. Wie uns die Wirtin erzählte, konnten sich vor zwei Jahren die Kneipen entscheiden, ob sie auf warme Küche verzichten und reine Raucherkneipen werden wollten. Sie entschied sich für die Raucher und hat seitdem gut zu tun. Ein alter Wurlitzer steht in der Ecke, es wird Skat gespielt, das Bier schmeckt, man kennt sich. Selbst als Nichtraucherin fühlte ich mich wohl.

Pause!

Morgen erzähle ich von einer schönen Wanderung und mache Stippvisiten in Städte der Umgebung.

Es gibt Momente…

Heute beginne ich mal mit einem Spruch von Goethe:

„Ich habe gefunden, daß alle wirklich klugen Menschen darauf kommen und bestehen, daß der Moment alles ist.“

Hier vier kleine Beispiele:

Man freut sich, wenn man einen Glückscent auf der Straße findet

Wenn eine Zimmerpflanze, die jahrelang „nur grün“ war, plötzlich blüht

Zimmerpflanze

 

Es tut gut, wenn man abends nach der Arbeit die neuen Schuhe ausziehen darf…

Schuhecollage

 

Man nach Jahren plötzlich bei einem Waldspaziergang wieder einen Kuckuck rufen hört.

Von meiner Leserin Mila Rohde:

Ein besonderer Moment ist es, wenn im Winter zum ersten Mal die Sonne das Gesicht wieder wärmt
Die Nase juckt und man endlich nießen kann
Der Hefeteig für einen Kuchen schön aufgeht

Von meiner Leserin Chantal Görkens:

Wenn ein Schmetterling auf meiner Hand landet
Ich nach Jahren mal wieder ein Lied höre, das in einen früheren Urlaub sehr angesagt war
Kaffeeduft am Morgen
Mich jemand an der Kasse im Supermarkt vorlässt, weil ich nur ein Teil bezahlen muss