Moerser Schlosstheater bietet Frischzellenkur fürs Gehirn

Unter dieser Überschrift stand am Samstag in der Rheinischen Post folgender Artikel:

Mit „21 Lovesongs“ streamt das Schlosstheater erstmals eine Premiere live aus dem Schloss in die Wohnzimmer der Zuschauer. Das Stück ist eine musikalische Antwort auf die Pandemie. Das Ensemble liefert eine großartige Leistung ab.VON ANJA KATZKE 

Mein Mann und ich waren neugierig geworden und da am Samstagabend eine Aufführung stattfand, lösten wir ein virtuelles Ticket. Uns stand eine außergewöhnliche Erfahrung bevor:
Nach einer Viertelstunde wollte ich aufgeben und meinem Mann vorschlagen, uns lieber einen Krimi im Fernsehen anzusehen. Was ich sah und hörte war schrill, laut und chaotisch. Ich war genervt. Da mein Mann aber anscheinend anders empfand oder größeres Stehvermögen hatte, sagte ich nichts und von Minute zu Minute fand ich Details im Bühnenbild, die mir gefielen, die Lieder wurden besser und den Leistungen der Schauspieler musste ich meinen Respekt zollen. Am Ende des Stücks hatte ich nach 100 Minuten den Eindruck, dass mein Gehirn eine Frischzellenkur hinter sich hatte und mir schwirrten zig Ideen für Fotos im Kopf herum. Wie gerne würde ich im Bühnenbild einmal fotografieren…Dieses Theaterstück ist eine pure Kunst-und Kulturerfahrung und anscheinend musste ich mich nach so langer Abstinenz in den ersten Minuten erst einmal wieder daran gewöhnen, mich mit Kunst und Kultur auseinanderzusetzen.

Worum geht es in dem Stück? Hier der Rest des Zeitungsartikels:

MOERS | In der Krise, sagt man, zeigt sich, was in den Menschen steckt. Das Ensemble des Moerser Schlosstheaters hat die Krise zu Höchstleistungen angespornt. Mit der neuen Inszenierung „21 Lovesongs“ legt das Theater eine zweifache Premiere hin: Regisseur Ulrich Greb und seine Schauspieler präsentieren nicht nur ein neu erarbeitetes Bühnenstück, den Lieblingsliederabend, sondern meistern bravourös erstmals den Livestream zum Publikum, in der Spitze sitzen am Premierenabend bis zu 120 Zuschauer vor dem heimischen PC und Laptop, eingeloggt auf der auf der Plattform „Dringeblieben“. „Moers-Landung“ kommentiert jemand im parallel zur Aufführung laufenden Chat in Anlehnung an die Mars-Landung von „Rover Perseverance“. Stimmt.

Auch das Schlosstheater erforscht das Leben – aber nicht auf einem fernen Planeten, sondern hier auf der Erde – das das Coronavirus fast zum Stillstand bringt. In der atmosphärisch verdichteten Inszenierung sezieren Ulrich Geb und die fünf Schauspieler das, was Isolation, Vereinsamung, Frust, Wut, aber auch die Sehnsucht nach Zusammensein und Liebe aus uns und unserer Gesellschaft machen. Die Bühne steht im Moerser Schloss. Bühnenbildnerin Birgit Angele hat das „Pest“-Zelt aus der Camus-Inszenierung in transparente Zellen umgebaut, damit die Schauspieler sich darin einrichten und ihre Charaktere entwickeln, so einsam wie Jona im Bauch des Wals. Da gibt es den Leser, der seine Enzyklopädien auf dem Boden neu ordnet, den Videospieler, der virtuell die Tour de France abstrampelt, oder die junge Frau, die nur beim Sex ihre Ängste vergisst. Gemeinsam arbeiten sie sich an ihrem Phobien ab, beklagen die dem Untergang geweihte Kohlmeise und sinnieren darüber, wie man den Bildschirm zu küssen lernt.

Dabei spielen Matthias Heße, Patrick Dollas, Roman Mucha, Emiliy Klinge und Elsia Reining auf der Klaviatur der Emotionen, phasenweise sehr melancholisch – und schaffen so ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, das viel weiter reicht als die Corona-Pandemie. Denn die Vereinzelung gab es schon vorher, und sie wird wohl auch danach bleiben.

Die Inszenierung von Ulrich Greb schafft es, das Publikum vergessen zu machen, dass es nicht im Theater sitzt. Das liegt an der wohldurchdachten und klugen Kameraführung: Der Kameramann geht nah an die Schauspieler heran, um dann alle gleichzeitig wie in einer Zoom-Konferenz auf den Bildschirm zu bringen. Dazu filmen sich Dollas, Heße und Co. live mit ihren Smartphones und blicken ihre Zuschauer unvermittelt und direkt an, winken ihnen sogar manchmal zu. Dass der Stream einmal wegen einer technischen Störung offline geht, nimmt das Publikum dem Theater nicht krumm. Den Mehrwert des Abends bietet sowieso die Musik, die vielen Lieblingslieder. Mit Unterstützung von Jan Lammert (Piano), der die musikalische Leitung innehat, und Jens Lammert (Gitarre und Bass) rocken, röhren, headbangen, singen und chansonnieren sich die Schauspieler querbeet durch die Musikgenres, die immer die passgenaue Stimmung vermitteln.

Sie lassen mit „Ton, Steine Scherben“ den Turm einstürzen, singen Miley Cyrus’ „Bad Karma“, träumen mit Rio Reiser. Songs von Billie Eilish, Hans Eisler, Richard Strauss, Max Raabe, Savages, Georg Kreisler und Bell Book & Candle komplettieren das Arrangement.

Das Publikum ist hellauf begeistert von den fünf Gesangstalenten und kommentiert virtuell mit zahllosen roten Herzen, fliegenden Hüten und klatschenden Händen. Das Schlosstheater hat den Stoff zu bieten, der zwar nicht vor Corona schützt, aber anderthalb Stunden lang Trost spendet: „21 Lovesongs“ als musikalische Antwort auf die Pandemie. „Danke für das wunderbare Stück Kultur in diesen kulturlosen Zeiten“, schreibt ein anderer Zuschauer im Chat. Es ist der Dank für einen großartigen Theaterabend.

Matthias Heße im Bühnenbild der neuen Schlosstheater-Premiere. Wegen der Corona-Pandemie findet sie zurzeit nur im Livestream statt. Das Foto stammt von Jakob Studnar.

Weitere Aufführungen: Das Schlosstheater überträgt die Inszenierung im Livestream am 27. Februar, jeweils 19.30 Uhr, am 7. März, 18 Uhr, sowie am 13., 21. und 27. März, jeweils 19.30 Uhr.

Tickets Eintrittskarten ab fünf Euro gibt es über die Streamingplattform „dringeblieben.de“.

Link https://dringeblieben.de/schlosstheater-moers/videos

www.schlosstheater-moers.de

Sich impfen lassen?

Am letzten Samstag, dem 2.1.2021, wurde ich im Rahmen meiner Tätigkeit in einem Seniorenzentrum gegen Covid 19 geimpft.
Als vor Weihnachten davon die Rede war, dass ab Januar die Impfungen beginnen, motivierte mich die Aussicht, u.U. zu den ersten Impfpatienten zu gehören, nicht übermäßig und ich fragte mich, warum das so ist. Der Gedanke, dass man nichts über mögliche Spätfolgen der Impfung weiß, erzeugte bei mir ein mulmiges Gefühl. Da ich allerdings immer versuche, gegen mulmige Gefühle anzugehen, fing ich an, mich mit dem Thema noch mehr zu befassen. Dabei las ich u.a. ein Interview mit den beiden Besitzern des Impfstoff-Firma Biontech, ein paar Tage später sah ich noch ein Interview mit ihnen im Fernsehen. Ich bekam dabei den Eindruck, dass hier ein Mann und eine Frau etwas nach bestem Wissen und Gewissen tun und ihre Aussagen glaubwürdig sind. Das gab mir schon ein etwas besseres Gefühl. Ausschlaggebend, dass ich mich dann habe impfen lassen, war aber ein Interview im Radio. Eine 47jährige Frau, die an Corona erkrankt war und jetzt als genesen gilt, erzählte, wie die Krankheit bei ihr verlaufen ist. Das wohl Schrecklichste war für sie die Tatsache, keine oder nur noch schwer Luft zu bekommen und künstlich beatmet werden zu müssen. Da ich selbst Asthma habe, konnte ich mich sehr gut in ihre Ängste hineinversetzen.Darüberhinaus schilderte sie ihren jetzigen Alltag. Sie hat weiterhin noch Herzprobleme und kann noch nicht wieder voll arbeiten, da sie sich immer wieder schlapp fühlt.
Sich impfen lassen? Auf der einen Seite eine nicht bestätigte Gefahr, irgendwann einmal an irgendeiner Spätfolge zu leiden, auf der anderen Seite aktuell die konkrete Möglichkeit, schwer zu erkranken, das war von mir abzuwägen und das fiel mir jetzt nicht mehr schwer.
Das Impfen dauerte nicht lange. Zuerst musste ich einen Schnelltest machen und das ging wirklich schnell, denn nach ca. 10 Minuten konnte ich schon in die Impfkabine. Linker Arm, Pikser, fertig.
Wie ich mich danach fühlte? Gut! Die Atmosphäre im Seniorenzentrum war positiv aufgeladen ( habe lange nach den Wörtern gesucht). Es schien so, als wären alle Anwesenden froh und erleichtert, dass ein langes Unwetter endlich vorbei und man selbst heil davongekommen ist. Diese Stimmung übertrug sich auf mich und mein silberner Horizontstreifen ist jetzt um Einiges dicker.
Abgesehen von dem Eindruck, im Arm ein bisschen Muskelkater zu haben, hatte ich keine Nebenwirkungen.

Am 23.1. ist meine zweite Impfung und ich freue mich jetzt schon auf baldige Drückerchen, den ersten Konzertbesuch, ein Essen in einem Restaurant und auf eine neue Reise.

Angesteckt? Erstdiagnose per Handy und Videochat

Heute wieder einen Artikel aus der gestrigen WAZ, den ich für wichtig halte:

Menschen scheuen den Weg in die womöglich überfüllte Arztpraxis – aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Der Telekommunikationskonzern Vodafone bringt deshalb eine Smartphone-Technik auf den Markt, die dem Arzt eine Erstdiagnose aus der Ferne erleichtern soll.

„Emergency Eye“ (Notfallauge) heißt das System, das Vodafone mit dem Start-up Corevas weiterentwickelt hat. Damit können Ärzte und Helfer während eines Anrufs direkt einen Videoanruf zum Patienten aufbauen – ohne App und unabhängig vom Typ des Smartphones, das der Anrufer nutzt. „Emergency Eye entlastet Ärzte, Helfer und Pfleger und hilft Infektionsketten zu unterbrechen“, sagte Hannes Ametsreiter, Deutschlandchef von Vodafone, unserer Redaktion.

Praxen, Krankenhäuser und Corona-Teststellen sollen das Notfallauge bereits in dieser Woche nutzen können. Vodafone betont, der Service sei während der Pandemie kostenlos. Bislang kam Emergency Eye vorrangig in Rettungsleitstellen zum Einsatz. Nun sollen es auch Menschen nutzen können, die mutmaßlich an Covid-19 erkrankt sind und Hilfe bei Ärzten, Kliniken oder Sichtungsstellen suchen.Visuelle Eindrücke wichtig

„Ein Bild sagt auf Anhieb mehr als tausend Worte“, erklärt Thomas Dilbens, Leiter der Rettungsleitstelle Rhein Kreis Neuss. Bei der Ersteinschätzung aus der Ferne seien visuelle Eindrücke besonders wichtig. Anhand der Bilder, aber auch des Gesprächs sollen Mediziner entscheiden können, ob eine Behandlung in der Praxis oder im Krankenhaus nötig ist und ob ein Corona-Test angezeigt ist. Sollten nach Einschätzung der Mediziner keine weiteren Untersuchungen notwendig sein, können Ärzte und Helfer Maßnahmen aus der Ferne einleiten und überfüllte Wartezimmer und unnötige Verlängerungen der Infektionsketten verhindern.

„Mit Emergency Eye erhalten Menschen in einer Notlage schnell die richtige Hilfe – und die Mediziner können in Notfällen sofort auf bestmögliche Informationen zugreifen“, meint Guenter Huhle, Gründer des Start-up Corevas, das die Technik entwickelt hat.