Wie in anderen Städten sind auch in Berlin montags viele Museen und andere Orte der Zerstreuung geschlossen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen und dazu gehört u.a. die Berlinerische Galerie:

Ich stellte Ihnen im letzten Herbst ein Buch über die Künstlerin Hannah Höch vor, deren Leben für sieben Jahre geprägt war durch die Liebesbeziehung zu Raoul Hausmann, er war in den zwanziger Jahren einer der führenden Kopf der Berliner Dadabewegung. Momentan zeigt die Galerie eine große Hausmann Ausstellung mit ca. 200 Exponaten und ich war natürlich gespannt, wie die Rolle Hannah Höchs dargestellt wurde.

Raoul Hausmann ist mir als Mensch nicht sehr sympathisch, aber seine für damalige Zeiten sehr innovativen Ideen zur Kunst, Sprache, Architektur oder Fotografie haben mich schon beeindruckt und letztendlich war ich am Ende der Ausstellung sehr zufrieden, sie besucht zu haben.

Da ich gerade da war, sah ich mir auch die permanente Ausstellung „Kunst in Berlin. von 1880 bis 1980“ an. WOW!
Hier findet sich die Crème de la Crème deutscher Künstler wie beispielsweise Beckmann, Corinth, Kirchner oder Liebermann. Was mich aber richtig begeisterte, waren die Themen einiger Kunstwerke und die mir bisher unbekannten Künstler und Künstlerinnen.
Auf der einen Seite gab es die Bilder aus den 20er Jahren

Das Museum besitzt viele Dokumente zu den Bauplänen Hitlers. Fotos, Zeichnungen und ein Modell zeugen in einem anderen Raum von dem Größenwahn Hitlers und Speers.

Oder stellen Sie sich Folgendes vor: Am 8. Mai 1945 endet der zweite Weltkrieg, Berlin ist zerbombt. Ein Mann namens Gerd Rosen eröffnet am 2. August 1945 auf dem Kurfürstendam eine Galerie und zeigt Bilder in der Art wie unten gezeigt:

Was war Gerd Rosen für ein Mensch, der so etwas leisten konnte? Welchen unmittelbaren Einfluss hatte die Galerie auf die Entwicklung der Berliner Kunstszene nach dem Krieg? Wie war die Reaktion der Alliierten auf die Galerieeröffnung? Was ist aus der Galerie geworden? Wer mehr wissen möchte: Dieses Buch erschien 1995 und man findet es noch in Antiquariaten.

In dem Museum bekommt man schließlich auch Einblicke in die Kunstszene des Berlins der DDR und Westberlins und wie unterschiedlich diese Entwicklungen waren.

Oben rechts: Helga Paris-„Berliner Jugendlicher“, 1982, unten rechts: Cornelia Schleime-„Mädchenkopf“ 1985- beide Ostberlin
Meine „Kirsche auf dem Kuchen“ war ein Sonderausstellungsraum, den das Museum anläßlich seines 50jährigen Bestehens 2025 Hannah Höch widmet. Von diesem Raum wusste ich nichts- eine schöne Überraschung!


Das Thema „Dadaismus“ ist für mich noch nicht abgeschlossen. Ich finde, es passt sehr gut in die heutige Zeit, in der alte Gewissheiten sich auflösen und Menschen immer mehr ihren Halt verlieren.