
Die berühmte Schauspielerin Holly zog sich unerwartet vor sechs Jahren auf eine einsame Insel vor Helsinki zurück und hat seitdem keine Interviews gegeben. Eines Tages schreibt sie der Chefredakteurin der Zeitung „Mensch in der Natur“ einen Brief, in dem sie anregt, sie auf der Insel zu besuchen, da sie den eigentlich in Nordafrika beheimateten Blauwangenspint dort gesehen hat.

Die Redakteurin ist begeistert, denn sie kann ihre Tochter Eva zu Holly schicken. Eva ist Vogelkennerin und könnte durch das von den Fans lang erwartete Interview mehr Anerkennung bekommen.
Nur einmal pro Woche hält die Fähre an der Insel und Eva graut es anfangs vor den nächsten 8 Tagen, als sie von Holly empfangen wird. Die Schauspielerin, Anfang fünfzig, ist ein blonder Vamp, der permanent spricht und eigene Regeln für ihr Leben aufgestellt hat. Eva hingegen, Anfang dreißig mit dunklem strengen Pagenkopf, liebt die Stille und hört am liebsten Menschen zu. Beim Sitzen versteckt sie dabei gerne ihre Hände unter den Oberschenkeln.
In den ersten Tagen erzählt Holly oft von ihrem durch einen Bootsunfall verstorbenen Ehemann Franz und zwingt Eva mehrmals dazu, Dinge zu tun, die sie bisher noch nie gemacht hat. Eva muss im kalten Meer schwimmen, soll rauchen, einen Kopfstand zu machen oder mehr als ein Glas Wein zu trinken. Dieser Druck macht Eva wütend auf Holly, doch sie tut alles, muss sie doch noch das Interview führen. In ihrem Notizbuch notiert sie dazu gewissenhaft alle Fragen, die sie Holly stellen möchte. Doch es kommt nicht dazu. Ganz langsam strampelt sich eine andere Eva frei, die Herausforderungen mag und eigene Pläne verfolgt.
Nach dem Aufenthalt wird es einen Zeitungsartikel über Holly geben, allerdings wird es kein Interview sein.
Die Autorin Maisku Myllymäki ist in Finnland ein Star. „Holly“ ist das erste Buch, das von ihr in Deutschland jetzt erschienen ist. Finnischer Humor gilt als teilweise skurril und einige Passagen des Buches entsprechen dieser Ansicht. Eva vergleicht sich, Holly und andere Menschen stetig mit dem Aussehen und Wesen von Vögeln. Das ist manchmal amüsant uncharmant.
In dem Buch baut sich ganz langsam eine Spannung auf. In Nebensätzen hat das Mauerblümchen Eva beispielsweise plötzlich das Lächeln einer Hyäne oder man erfährt nebenbei, dass sie schwanger ist. Dann ist da der nicht koschere Bootsunfall von Hollys Ehemann oder Hollys Gelegenheitsliebhaber Roberto erscheint plötzlich auf der Bildfläche. Hollys Wesen ändert sich daraufhin um 180 Grad und Eva kann froh sein, dass sie noch lebt, als Roberto wieder verschwindet.
Nicht alles ist im Buch logisch zu Ende gedacht, aber das störte mich nicht weiter. Die Atmosphäre der Geschichte ist eine besondere und das gefiel mir gut.