Im Jahr 2025 beschäftigte ich mich etwas intensiver mit der Duisburger Kommunalpolitik. Leider musste ich recht schnell lernen, dass man sehr viel Geduld braucht und Erwartungen herunterschrauben muss, will man sich nicht permanent aufregen. Manche Tage fand ich sehr belastend und um meinen Frust abzubauen, begann ich ein „Brainstorming-Tagebuch“. Das machte Spaß und federte meine Verärgerung ab.
Eigentlich wollte ich dieses Projekt Silvester beenden, doch im Januar wurden die finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Duisburger Versorgungs-und Verkehrsgesellschaft bekannt. Mehrere Zeitungsartikel befassten sich mit diesem Thema und die Leser erfuhren, dass es bereits zwei Rücktritte in der Chefetage gegeben hat und nun u.a. ermittelt wird, inwieweit der Aufsichtsrat seine Überprüfungspflichten vernachlässigte. Also führe ich das Tagebuch 2026 weiter:
Hier eine von mehreren Seiten zum Jahr 2025:
Ich weiß, dass in anderen Städten vieles auch nicht rund läuft oder gar nicht passiert. Doch habe ich den Eindruck, dass andere Stadtverwaltungen mehr motiviert sind, ihren Bürgern die Gründe für Missstände nachvollziehbar zu erklären, bzw. sie Verbesserungsvorschläge von Bürgern eher ernst nehmen und auch umsetzten. In Duisburg wird entweder gar nicht kommuniziert oder man speist Bürger oft mit nebulösen Erklärungen ab. Gerne gaukelt man Bürgern vor, dass man sich für ihre Probleme interessiert. Politiker präsentieren sich z. B. auf Spaziergängen, in Fragestunden oder Kneipentreffen oder man bietet Bürgern Workshops oder Internetbefragungen an, bei denen Vorschläge gemacht werden dürfen. Was wird aus den Vorschlägen? Sie verlaufen gerne im Sande, es sei denn, der öffentliche Druck ist so groß, dass die Verwaltung den Vorschlag nicht mehr ignorieren kann. Schlechte Kommunikation zwischen Politikern, Stadtverwaltung und Bürgern- dieses Thema nimmt den meisten Platz in meinem Brainstorming-Tagebuch ein. Zwei Beispiele:
Aber ich will mich nicht unterkriegen lassen und hoffe weiterhin auf:
Dieses Buch erschien 2017 und nimmt als Ausgangspunkt das Pariser Klimaabkommen von 2015.
Dem Handeln der Kommunen in Sachen Klimaschutz fällt eine entscheidende Rolle zu, wenn Deutschland bis 2030 seine gesteckten Klimaziele erreichen will. 14 Themen werden dazu von verschiedenen Autoren aus mehreren Umweltinstitute aufgegriffen. Ein Themenschwerpunkt ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen Stadt und Einwohner, um die Zustimmung von Klimaschutzmaßnahmen und Suffizienzpolitik (Erläuterung siehe unten) in der Bevölkerung zu erhöhen. Es werden Projekte einzelner Städte vorgestellt, die unmittelbar nach dem Abkommen an den Start gingen. Zu den aktiven Städten mit bereits messbaren Erfolgen gehören beispielsweise Bottrop, Essen, Heidelberg, Schweinfurt oder Rostock. In vielen Städten liegt der Fokus bei der Kommunikation zur Bevölkerung noch auf der Darstellung technischer und finanzieller Komponenten. Politiker, die „weiche“ Vorteile kommunizieren, wie z.B. eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Stadt der Zukunft und darüber hinaus die Bevölkerung aktiv und transparent in Planungen zum Klimaschutz mit einbinden, erreichen bei den Einwohnern eher eine Akzeptanz der politischen Entscheidungen zum Klimaschutz.
Bemerkenswert sind die Abschnitte, in denen es darum geht, wie man Jugendliche und Bevölkerungsschichten, deren Alltagsleben von finanziellen Nöten geprägt ist, für ein Engagement zum Klimaschutz begeistern kann.
Zwei Kapitel zur urbanen Energiewende stellen das Mieterstrommodell, sowie die Idee des Energiespar-Contractings vor, Kapitel zur Bodenentsiegelung und Gebäudebepflanzung sind zwei weitere Eckpfeiler im Maßnahmenkatalog zum Klimaschutz.
Besonders interessant fand ich die Ausführungen, wie sich die Hierarchien innerhalb einer Stadtverwaltung ändern müssen, um diese Mammutaufgabe zu bewältigen. Für kleinliches Konkurrenzdenken oder Animositäten gegenüber der Person, die für das Klimaschutzmanagement eingesetzt wird, darf kein Platz mehr sein, gefragt ist gemeinsames und abgestimmtes Handeln.
Seit Erscheinen des Buches sind acht Jahre vergangen. Es eignet sich deshalb hervorragend dazu, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Was wurde in meiner Stadt bisher erreicht, was auf den Weg gebracht oder welche Umsetzungen warten auf den Start? Gibt es in diesem Buch Ideen, auf die meine Stadt bisher vielleicht noch nicht gekommen ist?
Und was sage ich bei diesem Thema zu meiner Heimatstadt Duisburg? In Duisburg hat man leider erst mit einiger Verspätung angefangen, die Klimaziele zu erarbeiten und umzusetzen. Die Kommunikation der Stadt empfinde ich als schlecht. Drei Beispiele: Wissen Sie, liebe Duisburger, was „KLIAS“ bedeutet oder was die Duisburger „Klima-Roadmap“ ist? Ein weiteres Beispiel zur Kommunikation: https://www.duisburg.de/microsites/klimaschutz/klimaschutzideenportal/index.php
Abgesehen davon, dass ein Teil der Seite schon mehrere Monate lang nicht richtig funktioniert, habe ich nirgendwo ein Feedback gefunden, wie die Ämter mit den Klimaschutzideen aus den Reihen der Bevölkerung umgehen.
Eine Kernaussage des Buches ist, dass, wenn der Wille zum Klimaschutz bei Politikern ernsthaft vorhanden ist, die verfügbaren Finanzen dann auch für diese Zukunftssicherung eingesetzt werden müssen. Viel Geld ausgeben für teure Prestigeobjekte, deren zukünftige Erfolge kaum zuverlässig kalkulierbar sind, ist in der heutigen Zeit unverantwortlich. Ich wünsche mir für das Buch viele Leser und Leserinnen in der Stadtverwaltung und würde mich freuen, wenn private Personen das Buch als Grundlage für öffentliche Diskussionen hinzuziehen.
Zum Schluss ein Zeitungsartikel aus der RP vom Samstag, der zeigt, wie aktuell das Buch noch ist:
Screenshot
Begriffserläuterung:
Suffizienzpolitik ist ein Ansatz, der darauf abzielt, den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung zu reduzieren, indem die Bedürfnisse der Menschen auf eine nachhaltige Weise gedeckt werden. Der Fokus liegt weniger auf Wachstum und mehr auf der Reduzierung des Konsums sowie der Förderung von Lebensstilen, die weniger Ressourcen verbrauchen.
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