Schockverliebt in Elli

Vorletzte Woche fuhren wir Richtung Hattingen. Das Buch über das Eselchen Narcisse, das ich vor Kurzem besprochen habe (siehe unter „Narcisse bleibt stehen“) hatte bei uns Wirkung gezeigt. Wir wollten einmal selbst erfahren, wie es ist, mit einem Esel zu wandern, bzw. in diesem Fall zwei Stunden spazieren zu gehen. Sabrina, der Inhaberin von „Ruhresel“, empfing uns herzlich und dann wurden wir auch von Isabella, Mathilde, Lotte und Elli begrüßt.

Nachdem wir und ein weiteres Paar die Esel ein bisschen gebürstet und gestreichelt hatten, machten wir uns auf den Weg. Da es ein sehr warmer Tag war, wählte Sabrina eine schattige Strecke durch den nahegelegenen Wald. Schon bald merkten wir, dass jede Eselin eine eigene Persönlichkeit hatte. Mathilde lief gerne vorne, Isabella, ihre Freundin, folgte. Lotte und Elli liebten es ein bisschen gemütlicher. So waren sie auch etwas „cooler“, wenn beispielsweise Spaziergänger mit Hunden vorbei gingen. Die Mädels hatten aber eine Gemeinsamkeit: Die Liebe zu frischen Gräschen! Da musste man sich als Begleitperson dann öfter einmal durchsetzen, um ein Grasen zu vermeiden. Farne oder Ilex waren beispielsweise verboten, da sie für Esel gefährlich sind, Brombeeren und Buchenblättchen hingegen in den Futterpausen sehr willkommen.

Elli und ich verstanden uns blendend und ich bekam ein Gefühl dafür, wie schön es sein muss, mit einem Esel eine längere Wanderung zu unternehmen. Man ist mit sich und der Welt im reinen und Sorgen bleiben außen vor.

Nach dem Spaziergang durften wir unsere Wegbegleiter noch belohnen, das war noch leckerer!

Mir fiel der Abschied von Elli sehr schwer. Sabrina hatte uns während des Spaziergangs viel Wissenswertes über Esel erzählt. Das wollte ich vertiefen und las dieses Buch:

Wenn man zu mir zukünftig sagt, dass ich dumm wie ein Esel sei, so werde ich mich für diese Aussage bedanken, denn Esel sind kluge Tiere mit eigenem Kopf- das gefällt mir!

Wer noch mehr über Sabrina und ihre Ruhresel wissen möchte, hier geht es zu ihrer Homepage: https://www.ruhresel.de/

Narcisse bleibt stehen…

…und will nicht mehr weiter. Da sind Butterblümchen, die man genüsslich abzupfen kann, die Sonne scheint und außerdem ist es Zeit, mal wieder ein bisschen zu träumen. Da hat der Mensch fast keine Chance.

Robert Stevenson, der Autor der „Schatzinsel“ ist im Jahr 1878 mit seinem Esel Modestine durch die Cevennen gewandert. Seine Route kann man heute auf einem beschilderten Weg nachgehen und das war der Traum von Erik Kormann, der Autor dieses Buches, das 2020 erschienen ist. Er leiht sich im späten Frühling bei einer Eselstation „Narcisse“ aus, der Kormanns Gepäck von Unterkunft zu Unterkunft tragen soll. Seine zwölf Tage mit Esel Narcisse, mit dem er über 230 Kilometer zusammen gelaufen ist, beschreibt er voller Humor und mit Liebe zu seinem tierischen Begleiter. Am Anfang mussten sich beide aneinander gewöhnen, denn jeder hatte seine Eigenheiten, aber von Tag zu Tag werden sie mehr ein eingespieltes Team, wie es einige Fotos im Buch belegen.
Bei anderen Wanderern ohne Esel sind Kormann, bzw. Narcisse die Fotostars und sie lernen viele nette Leute kennen. Mehr liebt der Autor allerdings die Stille, unvergleichlich sind die Pausen auf den Wanderungen: Esel futternd, Mensch, der die einsame schöne Landschaft genießt und dabei alle Probleme vergisst.
Sehr wichtig ist es für Kormann, über die richtige Behandlung des Esels während der Tour zu schreiben, so ist das Buch auch ein gutes Kompendium für alle, die mit einer längeren Eselwanderung liebäugeln. Hinweis vom Autor: Üben Sie erst einmal für ein paar Stunden und für ein Wochenende und finden Sie heraus, ob Sie Chef eines Esels werden können! Auf den letzten Seiten des Buches stehen diverse Adressen, wo es in Deutschland Eselstationen gibt.

Als ich das Buch nach dem Urlaub las, bekam ich noch einmal einen ganz anderen Blick auf die Region östlich von Mende und mein Fernweh meldete sich. Aber auch ohne diesen „Backround“ unserer Reise empfehle ich dieses Buch gerne. Es strahlt viel Wärme aus und das glaubwürdig. Ein paar Jahre später hat Erik Kormann Narcisse der Eselstation abgekauft und die beiden leben nun glücklich in der Uckermark.

Ein Nachmittag mit Pawlowa

Das ist Pawlowa, als es ihr wieder besser ging.

Hinter sich hat sie eine lange Reise und diese beschreibt Brian Sewell in seinem Roman:

Mr. B., Brite, verheiratet, fünfzig Jahre alt, ist Filmregisseur und dreht eine historische Dokumentation in Pakistan. Die Stimmung im Fernsehteam ist schlecht, abgesehen von einem Mitglied mögen alle anderen Mister B. nicht besonders. Er ist zu ernst und zu korrekt. Allerdings ist er auch sehr tierlieb und als er kurz vor Drehschluss in Peschawar eine sehr junge Eselin sieht, die unter ihrem Lastenpaket fast zusammenbricht und deren Fell ganz blutig ist, lässt Mr. B. wider jeglicher Vernunft alles stehen und liegen, um die kleine Eselin zu retten. Er peppelt Pawlowa, (benannt nach einer berühmten Balletttänzerin, deren Beine an die der kleinen Eselin erinnern) auf und beschließt, mit ihr zusammen zurück nach England zu reisen- zu Fuß. In den nächsten Wochen trifft Mr. B. viele sehr hilfsbereite und gastfreundliche Menschen. Pawlowa erholt sich zunehmend und wächst auf dem „Roadtrip“ zu einer gesunden Eselin heran.

Kommen die beiden in England an? Ja, es gibt ein Happy End und deshalb empfehle ich Ihnen diesen so liebevollen schmalen Roman für einen Lesenachmittag. Dieses Buch tut gut.