Nachruf auf Twitter

Lust auf Nonsense, Sprachakrobatik, neue Struwwelpetergeschichten oder innovative Ideen für Theaterstücke?

Der Autor Clemens J.Setz veröffentlicht bis heute Texte auf Twitter, bzw. nunmehr auf„X“. Viele der Texte, die mit 140 Zeichen früher auf Twitter zu lesen waren, hat der neue Besitzer von Twitter, Elon Musk, löschen lassen und sie sind für immer verloren, sofern Autoren oder Fans wie Setz sie nicht abgespeichert haben. Das Anliegen von Setz ist es, noch einmal die verschieden Twittertextarten vorzustellen. Da gab es philosophische Fragen, skurrile Alltagsbeobachtungen, Minigeschichten und diverse sprachliche Neuschöpfungen, die Sprachgewohnheiten aushebelten. Setz zeigt an Hand von Beispielen, wie diese Wortmeldungen seine eigene Lyrik beeinflusst haben. Auf „X“, wo Musk die 140 Zeichen Beschränkung aufgehoben hat, veröffentlicht Setz neben Gedichten auch neue Struwwelpeterkapitel oder überraschende Ideen für Theaterstücke.
Was ist aus seinen Lieblingstextern wie beispielsweise @kurtproedel, @computerfan2001, @kochkunstRecook oder @susibumms geworden? Neue Texte findet man heute teilweise auf Instagram, Bluesky oder die Autoren schreiben Bücher oder Internettexte für Verlage.

Als ich noch meine Buchhandlung hatte, tummelte ich mich seit ca. 2008 auch auf Twitter, um auf Veranstaltungen hinzuweisen, über kleine Begebenheiten humorvoll zu schreiben oder Fragen zu stellen, wenn im Duisburger Alltag aus meiner Sicht etwas merkwürdig verlief.
2014 hörte ich auf, mich auf Twitter zu äußern und vergaß meinen Account. Letztes Jahr kam von „X“ die Aufforderung, mein Konto zu beleben, ansonsten würde es gelöscht. War mir in dem Moment egal, jetzt finde ich es doch schade, dass es keine Sicherung von diesem Minitagebuch gibt.

Ich habe versucht, mir ein paar neue Tweets auszudenken, um den „Geist“ des Buches und der alten Twitterplattform einzufangen:

Traum: Siri in Form einer Schwarzwalduhr mit Botoxlippen, die aus dem Häuschen kommen. Höre das Wort „Schnautze!“

Am Abend monatliche Studentenfutterfressattacke erfolgreich absolviert. Morgens letzte Rosine rein ins Müsli.

Heute deutschlandweiter Streik! Alle Heizkissen fordern die Auszahlung ihrer Überstunden vom letzten Juni.

Täglich um 9 Uhr am Handgelenk meine ganz persönliche Hausstaubstaumeldung.
Bin eben eine professionelle und zukunftsorientierte Putze.

Teilnehmerin des Gesellschaftsspiels „Fang den Hut“ trug eine Mütze. Regelkonformität wurde lautstark diskutiert.

Schwarzer, Hans und Schwarzer, Helga bekamen einen Sohn.
Schwarzer, Peter wurde berühmt.

Belustigungstatsache: Eine chinesische KI hat die Regentropfensprache auf Schrägdachfenstern entschlüsselt.

Als ich mir diese Tweets ausgedacht habe, fiel mir plötzlich wieder ein, dass ich zur Zeiten meiner Buchhandlung mal eine Reihe von Tweets geschrieben habe, die alle mit „Kleine Kläuschen“ anfingen. Hier modellierte ich auch manchmal einige Wörter um. Aus den Tiefen meiner Erinnerung strampelten sich dann so langsam folgende Sätze hoch:

Kleine Kläuschen klemmen Klobürsten kläglich
Kleine Kläuschen klauen Klosterklöße
Kleine Kläuschen klitzeln Klapperschlange
Kleine Kläuschen klimpern klavierklarinettenmäßig
Kleine Kläuschen klonen Klingelmännchen
Kleine Kläuschen klündern Klonten
Kleine Kläuschen klieben Klippenrandklettern
Kleine Kläuschen klimbimmen Klangschalen
Kleine Kläuschen klauben kläglich klobige Klugscheißer klusammen.


Autor: linda

Wohne in Duisburg.

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