Verrückt oder bewundernswert (Lyonwoche Nr. 7)

Heute möchte ich Ihnen vom Postboten Cheval erzählen. Es ist keine Weihnachtsgeschichte, aber eine, die trotzdem ein bisschen zu Herzen gehen kann. Cheval hat in 33 Jahren seinen Traum verwirklicht und diesen Traum kann man von Lyon aus besuchen. Erst einmal ein paar Bilder:

Cheval hatte schon einige Schicksalsschläge erlitten, als er mit 43 Jahren anfing, in seinem Gemüsegarten diesen Palast eigenhändig zu bauen. Dazu brauchte er 33 Jahre, also ca. 10000 Tage, bzw 93000 Stunden. Um alle Briefe auszutragen, lief er jeden Tag über 40 km und sammelte dabei Steine auf und entwickelte in seinem Kopf  die Baupläne. 

Der Palastschmuck behandelt verschiedene Themen, wie z.B. das Paradies, die Weltreligionen oder Verehrung von Cäsar, Archimedes oder Vercingetorix. Die Baustile erinnern an arabische Moscheen, hinduistische Tempel oder mittelalterliche Schlösser. 

1904 beendete er sein Werk. Er wurde in den Jahren oft für verrückt erklärt oder zumindest als Spinner tituliert. Sein Palast wurde als Kitsch bezeichnet und doch zog er immer mehr junge Künstler an. Cheval hatte sich nie an irgendwelche künstlerischen Regeln gehalten und das bewunderten z.B. Picasso, Max Ernst oder Niki de Saint Phalle, nur um einige Künstler zu nennen.

Ich gehöre zu Chevals Bewunderinnen. Nicht wegen des Palastes an sich, sondern wegen der Tatsache, dass er 33 Jahre lang, bei Wind und Wetter, seiner Idee konsequent gefolgt ist ohne sich um das Gespött und der versuchten Einflussnahme seiner Mitmenschen zu scheren.

Autor: linda

Wohne in Duisburg.

2 Gedanken zu „Verrückt oder bewundernswert (Lyonwoche Nr. 7)“

  1. Liebe Frau Broszeit,
    ich möchte mich bei Ihnen für Ihre interessanten und anregenden Artikel im Jahr 2017 bedanken. Freue mich jeden Tag darauf, sie zu lesen! Am besten gefallen mir Ihre Musikbeiträge, denn da bekommt man oft etwas zu hören, was nicht immer im Radio gespielt wird. Mir gefällt nicht alles, aber mal lernt Neues kennen. Meine zweite Lieblingskategorie sind Ihre Haikus, ich habe inzwischen schon selbst versucht, ein paar zu dichten!
    Für 2018 wünsche ich Ihnen alles Gute und viele neue Ideen und Geschichten (wie diese vom Postboten), die Sie an Ihre Leser und Leserinnen weitergeben können.
    Herzlichst

    Mila Rohde

    1. Das ist aber nett- vielen Dank! Ich wünsche Ihnen ein gesundes und schön abwechslungsreiches 2018!

      P.S. Schicken Sie mir doch einmal Ihre Haikus, ich würde sie gerne lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert