La Rochelle/ Île de Ré (Bretagne 10)

Heute beende ich meinen Bericht über unseren Urlaub in der Bretagne und nehme Sie noch mit nach La Rochelle und die Île de Ré.
Die Einwohner von La Rochelle fühlen sich als Bretonen, wenngleich die Stadt eigentlich schon zur Region Nouvelle-Aquitaine zu. gehört.

Man trifft in der Stadt immer wieder auf die bretonischen Trachten.

Wir wohnten in der Nähe der Altstadt und diese begeisterte uns sofort mit ihrer Lage am Wasser. (Tipp: Wenn Sie zwischen 8 und 9 Uhr ins Café. gehen, können Sie direkt am Wasser Ihr Frühstück in Ruhe genießen, siehe oben rechts auf dem Bild.)

Links oben: Die Hafenpromenade wird von vielen Fischrestaurants gesäumt. Rechts unten:

In diversen Seitenstraßen befinden sich schöne kleine Fachgeschäfte, die häufig unter Arkaden im Schatten liegen, im Sommer wie an regenreichen Tagen ein großer Pluspunkt. Auch ein uriger Markt mit Halle fehlt nicht.

Versäumen sollte man nicht, das Rathaus von La Rochelle zu besichtigen. Prächtig!

La Rochelle- Da war doch was? Der Stadtteil „La Pallice“ war für einige Szenen der Drehort für den Film „Das Boot“.

Oben der U-Boot-Bunker, den man nicht besichtigen kann. Der Stadtteil gehört momentan eher zu den „Problemvierteln“ und trägt teilweise gewisse „Lost Place“-Züge. Da eine große Fläche direkt am Wasser für Militär- und Industrieanlagen abgesperrt ist, fällt es nicht leicht, „La Pallice“ neu zu gestalten.

Während des Zweiten Weltkriegs war La Rochelle zwischen 1940 und 1945 von der deutschen Armee besetzt, die einen riesigen U-Boot-Bunker errichtete, der Teil des Atlantikwalls war. In La Rochelle gibt es ein Museum, das sich mit dieser Zeit beschäftigt. Es nennt sich „Le bunker de La Rochelle“.

Das Museum ist in einem verwinkelten Keller untergebracht, der nicht gekühlt ist. Unten rechts: Die Leere täuscht, 10 Sekunden später wuselten zwei Schulklassen um uns herum, es wurde sehr eng und wir beendeten die Besichtigung nach knapp 10 Minuten..

Eigentlich wollten wir uns in La Rochelle noch das Aquarium und das Schloss Saint Jean d’Angle ansehen, doch es war sehr heiß und wir suchten Abkühlung am offenen Meer. Wir hofften, sie auf der Ile de Ré zu finde, eine Insel, die ca. 20 km von La Rochelle entfernt liegt und über eine Brücke zu erreichen ist.

Uns empfing eine Landschaftsmischung aus Italien, Andalusien, Niederlande und Bretagne und jedes der kleinen Dörfer ist ein Besuch wert.

Unsere erste Pause legten wir bei der Ruine der Zisterzienserabtei Notre-Dame-de-Ré ein. Die Abtei wurde im 12. Jahrhundert gebaut.
Oben links: Das weiße Dorf „Ars-en-Ré“ mit dem auffälligen schwarz-weißen Glockenturm der Kirche Saint-Étienne zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Links unten die Vauban-Zitadelle aus dem 17.Jahrhundert, sie gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

Danke Bretagne für diese schöne Zeit!

Bretagne 9- Anreise in die Bretagne und die Rückreise

Von Duisburg aus sind es fast 1000 Kilometer, bis man die Außengrenzen der Bretagne erreicht hat. Auf der Hinfahrt legten wir deshalb einen Zwischenstopp in Amiens ein. Wir hatten uns bei einem früheren Aufenthalt schon die Kathedrale angesehen, dieses Mal wollten wir mit einem Boot durch „Les Hortillonnages“ fahren. Ehemalig 10000 ha sind, heute von diesen landwirtschaftlich genutzten alten Kanalgärten nur noch 300 ha übrig.


Leider regnete es heftig, was die Aussichten auf die Gärten einschränkte. Der Bootsführer erzählte uns von der Geschichte dieser großen Anlage aus dem 15. Jahrhundert, wie sich die Nutzung in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie die Zukunftsaussichten der Gärten sind. Gehörten früher die Gärten der Gemeinde und waren das Hauptstandbein für die Versorgung der Einwohner von Amiens, sind heute die meisten Grundstücke in Privatbesitz. Das hat z.T. die Auswirkung, dass sich die Gärten in eine Disney – Schrebergartensiedlung mit Kanälen umwandeln, in der Besitzer mit Figürchen oder humorvollen Installationen um die Aufmerksamkeit der Bootsgäste buhlen.

Wegen des schlechten Wetters verzichteten wir in Amiens auf einen Stadtbummel und besuchten noch das Wohnhaus von Jules Verne, das zu einem Museum umgewandelt wurde. Das lohnt sich. Das Ensemble der Ausstellungsstücke ließ abenteuerliche Aufbruchstimmung aufkommen.

Auf der Rückfahrt machten wir einen Schwenker ins Loiretal, um dort Freunde zu besuchen. Unterwegs übernachteten wir zweimal in La Rochelle. Was für eine Entdeckung! Über diese Stadt schreibe ich extra im nächsten Beitrag.

Von La Rochelle aus fuhren wir an die Loire nach Richelieu. Früher bot dieses Örtchen eine Vielzahl von exklusiven Geschäften an, von denen heute kaum noch eins existiert. Sehenswert ist der Park, der zu einem Schloss gehörte, das größer als Versailles war. Besitzer war ….Richelieu!

Am nächsten Tag übernachteten wir in bei einer Freundin. Sie schlug „ 42 auf einen Streich“ vor, sprich, eine Modellanlage von 42 bekannten Loireschlössern. Ich war zuerst etwas skeptisch, aber auf einem 1,5, km langen Rundweg sich so komprimiert einmal Loireschlösser im Maßstab 1:25 anzusehen und ihre verschiedenen Bauweisen zu vergleichen, hat mich überzeugt.

Wir wollten danach natürlich noch ein Loireschloss „in Echt“ sehen und entschieden uns für das „Château Montpoupon“. Eine gute Wahl, denn es liegt, ca 15 km von Chenonceau entfernt, etwas abseits und gehört nicht zu den Schlössern, die man sich z.Zt. als Tourist ansehen muss.

Das Schloss wurde im 15. Jahrhundert erbaut, das heutige Erscheinungsbild resultiert weitgehend von den Umbauten im 20. Jahrhundert durch die Familie La Motte Saint-Pierre, die heute noch in dem rechten Turm wohnt.
Die zur Besichtigung freigegebenen Räume haben teilweise einen sehr intimen Charakter. Die Tante des heutigen Eigentümers, Suzanne La Motte Saint-Pierre, lebte hier eine lange Zeit und man sieht beispielsweise noch ihr Kinderzimmer (unten links). Bis zum Ende des Jahrtausends tat sie viel, um das Schloss und die Ländereien zu erhalten und gründete sogar ein eigenes Museum.

Zuletzt machten wir noch einen Abstecher nach Chédigny, dem Rosendorf schlechthin. Hier stand das Rosenfest vor der Tür und die Blumen verwandelten das Dörfchen in eine grandiose Duftwolke.

Wer eine Duftpause einlegen wollte, konnte mehrere Ateliers besichtigen.

Besonders gut gefiel mir das „Atelier Alain Plouvier“.

Bretagne 7 – Was macht die Bretagne aus?

In der südlichen Bretagne fielen uns in der Stadt Quimper zuerst die Restaurants und Cafés auf. Gefühlt wurde in jedem zweiten Ladenlokal etwas zum Essen angeboten, dazu kam noch eine große Markthalle. Auf diesem Bild sieht man unten beispielsweise einen kleinen Platz, auf dem gleich vier Crèperien um Kunden buhlten.


Die Kathedrale St. Corentin wurde in 600 Jahren gebaut (13.-19. Jahrhundert), so dass sich in ihr noch einige gotische Originalfenster befinden, die zu den ältesten in Frankreich gehören. Ein großer Brand 1762 zerstörte viel von Quimper, doch findet man immer noch einige sehr alte Fachwerkhäuser und Bauten aus der Renaissance. Das alles sahen wir uns mit Freude an, doch es war noch nicht der Höhepunkt von Quimper.

Rechts die Kathedrale, links oben ein Foto aus einer der alten Passagen, darunter zwei Bilder, die zwei der drei Flüsse zeigen, die durch Quimper fließen.

In Quimper hat man die Auswahl zwischen drei Museen, eins für die Kunst, ein anderes für Keramik und schließlich das dritte für bretonische Heimatgeschichte. Letzteres besuchten wir und waren hingerissen vom Gebäude, dem Umfang der Sammlung und der Schönheit handwerklicher Künste.

Das Museum ist im ehemaligen Bischofspalast aus dem 16. Jahrhundert untergebracht. Oben rechts werden beispielsweise Funde aus der Römerzeit präsentiert.
Diese Fotocollage kann Ihnen nur eine kleine Idee von der Pracht bretonischer Trachten übermitteln.
Es gibt auch eine Keramikabteilung. In der Mitte ein altes Relief aus einem Bahnhof, das drei zurückkehrende Fischer zeigt, darunter eine Musikergruppe, die zum bretonischen Festtag „ Jour de pardon“ aufspielt.
Besonders beeindruckte uns die Üppigkeit der Möbelabteilung, rechts unten „bretonischer Bauhausstil“.

Dieser Museumsbesuch schenkte uns schon einen tiefen Einblick in die „Seele der Bretagne“. Ein zweites Museum erweiterte noch unser Wissen.

In diesem Buch lese ich seit ein paar Jahren immer mal wieder ein paar Texte:

Georges Perros beschreibt darin Alltagsbeobachtungen und macht sich seine Gedanken dazu. Das ist manchmal keine leichte Lesekost, aber man soll sich ja Herausforderungen stellen und ich finde Perros als Autor sehr interessant.
Das ist der Grund, warum wir nach Douarnenez gefahren sind, da Perros hier lange gelebt hat. In den Hafenkneipen sprach er mit den Menschen und hörte sich ihre Geschichten an.

In unserem Reiseführer (Dumont Taschenbuch) wird Douarnenez nicht gerade euphorisch beschrieben, aber ich wollte zum Hafen Port Rhu, da es hier noch alte Kneipen gibt und auch eine Mediathek, die den Namen von Perros trägt und in der es eine Ausstellung über den Autor gibt.

Erst eine große Enttäuschung: Die Mediathek hatte geschlossen. Daneben aber, wie schon in Quimper, ein „Museumstrüffel“.
Tauchen Sie mit mir ein in die Welt der Seefahrt, des Karnevals und der exzellenten Schwarzweissfotografie! Das Museum „Port-Musée du Bâteau“ befindet sich in einer ehemaligen Konservenfabrik.

Boote aus allen Teilen der Welt kann man hier bestaunen.
Rechts: Maritime Szenen zeigen, wie das Leben früher aussah. Links: Wichtig für die Bretagne: Der Fang und die Verarbeitung von Sardinen!
Im Außengelände des Museums konnten wir uns diverse historische Schiffe ansehen.

Wenn Sie sich für Maritimes interessieren, habe ich zwischendurch noch einen Buchtipp für Sie:

Der Autor segelt zusammen mit zwei Freunden vom Norden der Bretagne aus Richtung Wales, danach von Irland nach Schottland, der Segeltörn endet auf den Orkney- bzw. Shetlandinsel. Wie er schreibt, ist es das Küstenband seiner Träume. Auf dieser Reise geht Tesson auch immer wieder an Land, um zu Fuß oder per Rad zur nächsten Anlegestelle zu kommen. Tesson ist auf der Suche nach Feen. Was sind für ihn Feen? Hier kommt er selbst zu Wort:

Sein Buch bietet bewegende Situationen, wenn er uns an seinen Naturempfindungen teilnehmen lässt. Als sehr belesener Mann zieht er immer wieder Gedichte und Zitate berühmter Dichter heran, um seine Gefühle zu beschreiben.

Aus Goethes Faust II

Aber er lässt in seinem Reisebericht auch immer wieder Humor aufblitzen, bzw. übt er auch gerne einmal Kritik, sei es unverhohlen oder dezent.


Aber zurück zu dem Museum. In Douarnenez schlägt auch ein Herz für den Karneval und das schon offiziell seit 1835. Er gilt als einer der ältesten der Bretagne und jedes Jahr werkeln und schneidern die Bewohner von Douarnenez originelle Figuren und Kostüm.

Links oben: Die bretonischen Kardashian-Schwestern

Neben den vielen Kostümen und Masken wurden auch Fotos gezeigt, die ein Beweis dafür waren, wie sehr diese alte Tradition die Bewohner zusammenschweißt. Besonders gut gefielen mir auch die zahlreichen alten Werbeplakate für den Karneval, „Les Gras“ genannt.

Und dann lernten wir noch den Fotografen Michel Thersiquel kennen. Er wurde in der Bretagne geboren, verbrachte einen Teil seines Lebens in anderen europäischen Ländern, bevor er wieder in seine Heimat zurückkehrte, um die Menschen und Landschaften in der Bretagne zu fotografieren. Das Museum kann auf ein Archiv von ca. 100000 Bildern zurückgreifen und es gibt jährlich wechselnde Ausstellungen. Als wir dort waren, wurden Schwarzweißfotos u.a. vom Karneval und Frauen in der bretonischen Tracht gezeigt.

Rechts unten: Links: Kleine Pause vom Karneval, rechts zwei Bücher, die ich mir als Erinnerung mitbrachte.

Die Menschen, ihre Handwerkskunst, die Seefahrt- mit dem Besuch dieser beiden Museen bekamen wir ein besserer Gefühl dafür, was die Bretagne ausmacht.
Nächste Woche kommt noch ein Aspekt dazu: Welche Themen bewegen Bretonen heute? Ich habe den Bretonen „nicht aufs Maul“ geschaut, aber auf ihre Schilder.

Bretagne 6-Der Süden

Die zweite Hälfte unserer Ferien übernachteten wir in Concarneau. Eigentlich wollte ich dort nicht hin, denn ich befürchtete besonders viele deutsche „Krimipilger“, die sich die Stadt wegen der Krimiserie mit Kommissar Dupin von Jean-Luc Bannalec ansehen wollten.
Fun Fact zwischendurch: Dupin war nicht der erste Polizist, der in Concarneau für Recht und Ordnung sorgt. Bereits in den 60er Jahren ließ Georges Simenon in seinen Krimi „Der gelbe Hund“ seinen Kommissar Maigret in dieser Stadt ermitteln. Interessant zu lesen, war damals Concarneau doch eine sehr kleinbürgerliche Stadt ohne viel Abwechslung, die durch mehrere Morde erschüttert wird.

Es stellte sich heraus, dass Concarneau als Übernachtungsort eine gute Wahl war, denn abends, nachdem viele Tagestouristen abgereist waren, wurde es beschaulich. Die Lage des Ortes ist toll, man kann wunderbar am Meer spazieren gehen, die Auswahl der Restaurants lässt nichts zu wünschen übrig. Was mir besonders gut gefiel war die Tatsache, dass sich die touristischen Neppangebote und Souvenirläden hauptsächlich auf die Ile de Clos beschränkten, so dass die eigentliche Innenstadt den Einwohnern von Corcarneau gehört und sie dort ihre zum Alltagsleben benötigten Geschäfte finden.

Oben der Blick auf die Innenstadt von der Ile de Clos aus, darunter ein paar Schnappschüsse aus der Innenstadt.
Auf der Ile de Clos, einer Insel mit einer Festungsanlage.

Wir machten von Concarneau aus Tagesfahrten und diese führten uns u.a. nach Pont-Aven und Vannes.

Pont-Aven wirbt für sich als Künstlerstadt, da hier Gaugin und andere Kreative bereits im 19. Jahrhundert die malerischen Ecken als Motive für ihre Werke entdeckten. Es gibt heute zahlreiche Galerien in dem Städtchen.

Vannes beeindruckt durch seine Prachtbauten und alten Fachwerkhäuser.

Eine Stadt, die zum Bummeln einlädt oder auch zum Ausprobieren von Spezialitäten in der alten Markthalle. Wir ließen uns ohne Karte treiben und waren dann höchst erfreut, als wir plötzlich am Hafen standen. Hier ließen sich die 34 Grad (Mitte Mai!) besser aushalten.

Mehr um das Thema Landschaft ging es bei unserer Fahrt durch das „Pays Bigouden“. Hier war es auch deutlich frischer. Ein Ziel war der „Phare d‘Eckmühl“, auf den man bis nach oben steigen kann. Auch lässt sich gut am Meer spazieren gehen.

Ausführlicher gehe ich im nächsten Beitrag auf die Städte Quimper und Douarnenez ein, die für uns neben dem Gebiet des „Phare d‘Eckmühl“ die beiden schönsten Ausflügsziele waren.

Bretagne 5: Die Stadt Brest


Auf der Fahrt vom Norden der Bretagne in den Süden legten wir einen Zwischenstopp in Brest ein. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und in den 50er Jahren baute man schnell viele neue Wohnblocks. Die Kargheit dieser Nachkriegsbauten prägen heute noch das Stadtbild, Brest nennt sich freundlich „Die weiße Stadt“. Der erste Eindruck ist nicht sehr einladend, besonders bei Regen, den es in Brest öfter als in jeder anderen bretonischen Stadt gibt.

Oben: Das eine Ende der Einkaufsstraße mit dem Rathaus im Hintergrund. Unten: Ein ehemaliges Industriegebiet wird nach und nach umgestaltet- siehe unten!

In der Einkaufsstraße gibt es kaum die in Deutschland überall präsenten Ketten, keine Leerstände, stattdessen schöne Bekleidungsgeschäfte, die sich mit anderen Fachgeschäften, Cafés und Restaurants abwechselten. Die Straße verläuft zwischen dem Rathaus und der Hubbrücke, beides Wahrzeichen der Stadt.

Ein ebenso imposantes Gebäude ist die nahe gelegene Kirche St. Louis

Nachdem die ursprüngliche katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert im Zweiten Weltkrieg abgebrannt war, baute man von 1953 bis 1958 diese neue Kirche aus Beton, Granit und Stahl. Keine Ornamente mehr, die großartigen Fenster und wenige Holzfiguren sind der einzige Schmuck. Ich mag diesen Minimalismus sehr.

Möchte man sich mit der Geschichte der Stadt befassen, empfiehlt sich der Besuch des Schlosses. In ihm befindet sich auch das Maritimmuseum und man bekommt einen Eindruck, welche wichtige Rolle die Stadt seit der Römerzeit als strategischer Militärstützpunkt gespielt hat. Dies ist bis heute sichtbar, denn immer wieder trifft man auf Hinweisschilder, dass man vor einem militärischen Gelände steht, das nicht fotografiert werden darf.

Oben rechts eine Teilansicht des Schlosses, links daneben ein Ausbaggerschiff für den Fluss Penfeld. Links unten ein Ventilator für das Zwischendeck eines Schiffes, rechts daneben ein maritimer Kopfschmuck.

In der Innenstadt von Brest findet man nur wenige Grünanlagen. Etwas außerhalb liegt der Botanische Garten, dem wir auch einen kurzen Besuch abstatteten. Es werden hauptsächlich Pflanzen gezeigt, die im 18. und 19. Jahrhundert entdeckt wurden, als im Hafen von Brest auch große Seeexpeditionen starteten.

Komme ich zum Abschluss auf den Höhepunkt unserer fünfstündigen Besichtigungstour zu sprechen. Brest ist durch den Fluss Penfeld geteilt und eine Seilbahn fährt von der Innenstadt direkt zu den „Ateliers des Capucines“, die laut Brest-Homepage die „größte überdachte öffentliche Platzfläche Europas“ ist.


Unten links die „Ateliers des Capucins“, ein ehemaliges Werft- und Industriegebäude der französischen Marine. Ursprünglich stand dort seit 1695 ein Kapuzinerkloster („Capucins“ = Kapuziner), das nach der Französischen Revolution von der Marine übernommen wurde. Im 19. Jahrhundert wurden daraus große Werkhallen für den Bau und die Reparatur von Kriegsschiffen.  

In den Reiseführern wird dieses Gebäude als Kulturzentrum beschrieben. Das ist richtig, aber es ist eher noch ein „Labor für den sozialen Wandel“. Man findet hier keine isolierten Ausstellungen, sondern offene Werkstätten, in denen man zusehen oder sogar mitmachen kann. Auf ca. 10.000 qm treffen sich Menschen, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen, Neues auszuprobieren, zu lernen oder sich inspirieren zu lassen.

Bibliothek, Theater, Konzertsaal, Geschäfte, Restaurants – gibt es hier alles. Aber beispielsweise auch ein Repaircafé (oben links), eine Boulderanlage oder Workshop-Räume- unten links findet gerade ein Bierbrauerkurs statt.
Rechts: Einfach mal was ausprobieren oder machen…

Bei einem erneuten Besuch von Brest würden wir mehr Zeit einplanen, denn wir waren noch nicht im Hafen oder in dem über die französischen Grenzen bekannten Meeresmuseum. Auch würde ich meinen Blick schulen, um die feinen Unterschiede der weißen Häuser zu entdecken und mehr wertzuschätzen.

Eine Collage mit Bildern von Gebäuden in Brest, erstellt von KI

Bretagne 4 – Feine Steine und Vögel

Wer im Norden der Bretagne an der „Côte de Granit Rose“ nicht von den Felsen beeindruckt ist, dem kann man nicht mehr weiterhelfen.

Trotz der Touristenströme gingen wir den Weg „Sentier des Douaniers“ zwischen Trestraou und Ploumanac‘h entlang und in einigen Momenten hatte ich die Felsen sogar für mich alleine.

In Ploumanac’h gibt es einen Skulpturenpark, in dem man sich aus diesem Granit angefertigte Figuren ansehen kann. Sie haben alle einen Bezug zu bretonischen Mythen. Uns gefiel diese Ausstellung gut, wenngleich ich mich fragte, welche großartigen Felsen eventuell dafür gesprengt worden sind und inwieweit Menschen das Recht dazu haben, auf der Erde etwas unwiederbringlich zu zerstören, selbst, wenn es „nur“ ein Stein ist.

Solche Gedanken kamen mir, da ich zuvor dieses Buch gelesen habe:

Möchte man ähnlich beeindruckende Steinformationen ohne zu viele Touristen besuchen, empfehle ich eine Fahrt nach Port Blanc, nördlich von Plevénan:

Das Thema Steine bezieht sich bei mir auch auf die vielen kleinen Inseln, die vor den Küsten der Bretagne lagern. Wir machten eine kleine Bootsfahrt entlang der „Sept Îles“ im Norden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie schwierig es für Schiffe ist, in diesen Gewässern zu manövrieren.

Ein anderer Grund waren die möglichen Vogelbeobachtungen auf diesen Inseln. Basstölpel fühlten sich hier sehr wohl.

Aber auch Kormorane wählen die Inseln als Brutgebiet und wir sahen tatsächlich auch einige wenige Papageientaucher! Das war ein schönes Wiedersehen, nachdem wir Stomer Island im letzten Jahr in Wales besucht hatten, eine Lieblingsinsel dieser niedlichen Vögel.

Das ist ein guter Übergang zu einem weiteren meiner Ferienbücher in der Bretagne.

Zwei Tage, bevor wir gen Frankreich aufbrachen, habe ich mir dieses Buch noch zugelegt in der Annahme, es könnte gut zu den französischen Steinkreisen passen, die wir uns ansehen wollten. Das tat es auch, sofern es die Stimmungen wiedergibt, die an solchen Orten herrschen können. Ansonsten wurde ich von dem Inhalt überrascht, da die Autorin ihren Megalithenführer mit der Geschichte der Krebserkrankung ihres Mannes verbindet- ich hatte nur die Vorderseite des Buches gelesen.
Bis ca. zur Hälfte des Buches fand ich diese Kombination recht gelungen, denn es tauchen einige kluge Sätze in den Schilderungen auf. Doch dann kippte es irgendwann bei mir, da sich die Berichte wiederholten über die Wirkung der Steinkreise, Dolmen und Megalithen auf das Ehepaar. Auch die wiederkehrenden Erwähnungen, dass ihre beiden Kinder nur selten wirklich Lust hatten, ihre Eltern bei solchen Begehungen zu begleiten, nervten mich ein bisschen.
Für enthusiastische GB-Urlauber, die immer wieder auf die Insel fahren, kann dieses Buch aber eine schöne Ergänzung zum Reiseführer sein. Die Beschreibungen der geschichtsträchtigen Orte sind fundiert, eine Karte gibt es jedes Mal dazu und man bekommt durchaus eine weitere Facette dieses Landes „geschenkt“. Ich wünschte, ich hätte das Buch vor zwei Jahren bei einem Urlaub auf den Orkney-und Hebrideninseln mit dabei gehabt.

Der „Cairn von Barnenez“ liegt bei Plouezoc’h im Département Finistère. Barnenez entstand etwa 4500 v. Chr. und gilt als eine der ältesten Megalithanlagen der Welt.
Mehr Infos unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Cairn_von_Barnenez

Bretagne 3 – Eine Blumenliebhaberin bedankt sich beim Golfstrom

Wenn man Mitte Mai in die Bretagne fährt, hat man, sofern man sich für die Vegetation der Bretagne interessiert, zwei Nachteile: Die Hortensien blühen noch nicht und manche Schlösser und deren Gärten öffnen erst im Juni.
Die Vorteile dieser Jahreszeit überwiegen aber eindeutig. Alle Farben sind noch frisch und die Farbpalette der Blüten könnte kaum größer sein. Da blüht der rosa Rhododendron neben oranger Kapuzinerkresse, spanische Gänseblümchen neben blauen Glockenblumen, garniert mit Mohn oder Rosen. Großzügigen Schatten bieten u.a. die Palmen, auf die man überall trifft. .

Lieben Sie Gärten, dann empfehle ich Ihnen, nach dieser Karte Ausschau zu halten. Sie ist kostenlos und lag in Touristeninformationen oder an anderen touristischen Hotspots aus.

Und wenn Sie nach der Karte suchen, nehmen Sie sich noch dieses Büchlein mit. Dank ihm bekamen wir zwei schöne Museumstipps.

Ich gerate ins Schwärmen, wenn ich an den “Jardin Exotique et Botanique de Roscoff“ denke, der 1986 gegründet wurde. Eine Gruppe von Pflanzenenthusiasten erwarb damals ein felsiges Grundstück, das zuvor teilweise als Mülldeponie genutzt worden war. Der Garten hat heute eine Größe von ca. 1,6 Hektar und zeigt rund 3500 Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt. Dem Golfstrom sei Dank, sorgt er doch für einen milden Winter mit einem ozeanischen Klima.

Oben links: Australische Eukalyptusbäume sind Nachbarn von Riesenfarnen (unten links)

In dem Garten gibt es verschiedene Rundwege. Wenn Sie alles sehen und genießen möchten, müssen Sie ca. 2-3 Stunden einrechnen, denn man kann auch einen Berg erklimmen, mehrere Brücken über Seen überqueren, verschiedene Blicke auf das Meer genießen oder sich von installierter Kunst überraschen lassen.

In einem anderen Blütenmeer können Sie baden, wenn Sie an die Steilküsten im äußersten Südwesten fahren. Hier blühte der duftender Stechginster, ich wollte gar nicht mehr weg und hätte stundenlang an der Küste weiterlaufen können.

Jetzt denken Sie vielleicht: „Ach, Linda /Frau Broszeit hatte wohl immer schönes Wetter, aber wie sieht es bei Nebel oder Regen aus?“ So:

oder so:

Bei uns war nicht immer eitel Sonnenschein, aber so ein trübes Wetter gehört bei der Bretagne mit dazu. An diesen Tagen fotografierte ich gerne die alten Bäume und abends passte dieses Buch als Lektüre besonders gut:

Noch einmal zurück zu der Vegetation in der Stadt. In Frankreich wird aktiv viel dafür getan, mehr Grün in die Städte zu bringen, sei es, dass kahle Plätze in grüne Oasen umgewandelt werden oder Bürger aktiv dazu aufgerufen werden, sich beim Entsiegeln von Bürgersteigen zu engagieren.

Einer von mehreren neu gestalteten Plätzen- gesehen in Morlaix.
Die Übersetzung des Schildes:
Machen Sie aus Ihrer Straße einen Garten
Schutz der Anpflanzungen
Um die neuen Pflanzungen vor Tieren und möglichen Beschädigungen zu schützen, wurden Zäune (Absperrungen) aufgestellt, damit diese neue Vegetation Zeit hat, zu wachsen und sich zu entwickeln.
Die Zäune werden entfernt, sobald die Vegetation ausreichend robust ist.
Respektieren wir den natürlichen Lebenszyklus der Pflanzen!
(Unten stehen die Logos von „Nature pour tous!“ – „Natur für alle!“ – und der Stadt Poitiers.)

Hier könnten sich viele deutsche Städte inspirieren lassen…

Das Thema „Vegetation in der Bretagne“ hat noch viele andere Facetten, mit denen ich auch in Berührung kam, doch würden diese Schilderungen zu weit führen.

In der nächsten Woche heißt es „Feine Steine in der Bretagne“- Salut!

Bretagne 2 – Mein Besichtigungsranking im Norden

Wir übernachteten in der ersten Woche in
Perros-Guerec: Bekommt 2 von 5 Sternchen. Ein Sternchen für die Lage an der Nordküste, um von hier aus Tagesausflüge zu unternehmen, ein Sternchen für den Wochenmarkt und den schönen Blick auf den Hafen.

Ansonsten kann ich diesem Ort nicht viel abgewinnen. Schon bei der Fahrt in die Stadt wird man von hässlichen Gewerbeflächen empfangen. Perros-Guirec besteht quasi aus einer Unterstadt mit Hafen, wo es fast immer Verkehrsstaus gab und eine Oberstadt mit den meisten Geschäften, Restaurants und Cafés. Man geht 10-15 Minuten bergauf, bergab, um zu einem Teil der Stadt zu kommen. Überall hatte ich den Eindruck, dass man der Stadt jeden freien Platz auspresst, um dort teure Eigentumappartments hochzuziehen.
Dieser Eindruck setzte sich bei einer Fahrt westlich an der Küste weiter fort.
Erst ab
St.Michel-en-Grève wurde die Küste ursprünglicher, die Orte beschaulicher. In St.Michel besuchten wir einen alten Seefahrer-Friedhof, der direkt über dem Meer liegt. Bei uns war Ebbe, aber es war sehr windig und wir konnten uns gut vorstellen, wie das Meer die Friedhofsmauer umpeitscht. 5 Sternchen!


Auch die Weiterfahrt an der Baie de Lannion entlang bot uns immer wieder schöne Aussichten

und niedliche Orte wie beispielsweise
Locquirec: Ein bisschen verschlafen, aber schöne Ausblicke, ein Markt direkt am Meer und eine gute Crèperie. *****

Roscoff **** Für viele Touristen nur ein Ort, um mit einer Fähre zu einem anderen Ort (Kanalinseln, Irland oder England) zu kommen. Der Fährhafen liegt etwas außerhalb der Innenstadt. Diese eignet sich bestens zum Flanieren.

Was ein absolutes Highlight ist: Der exotische Garten! Über ihn werde ich im nächsten Beitrag berichten.

Paimpol **** Hier muss ich unterscheiden zwischen Paimpol Innenstadt und der zu Paimpol gehörigen „Abbaye de Beauport“. Die Innenstadt wird von Touristen (zu) sehr geliebt, die Lage direkt am Hafen ist allerdings auch sehr attraktiv. ***


Die Ruine der Abbaye hat uns einen Nachmittag „very british“ geschenkt. *****

Von der Ruine hat man auch sehr schöne Aussichten und im Garten duftet es z.Zt. wunderbar

Morlaix ***** Die Mischung macht‘s! Das Wahrzeichen der Stadt, die Eisenbahnbrücke als Viadukt ist begehbar und man hat einen schönen Blick auf die Stadt. Zur einen Seite auf den Hafen, zu der anderen Seite auf die Altstadt.

Steigt man in die Altstadt hinab, trifft man auf Häuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert wie dieses beispielsweise:

Das „Maison à Pondalez“ stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es gehörte einem reichen Kaufmann und ist eins der wenigen Häuser, das noch mit einer doppelzügigen Holztreppe zu besichtigen ist.

Aber in den Gassen weht auch ein „moderner Wind“, diese Wandbilder fielen mir besonders auf.

Es gibt noch Museen, ein Kulturzentrum oder eine alte Anlage zur Tabakverarbeitung zu besichtigen. Wir verbrachten noch einige Zeit im

Das Café existiert seit 1885 und hat viel Atmosphäre. Am liebsten hätte ich den ganzen Tag dort gesessen und andere Besucher beobachtet. Eine alte Dame mit Sonnenbrille, die nur dann über die Sonnenbrille linst, wenn sie etwas in ein Heft schrieb. Eine Schriftstellerin inkognito? Oder saß da der Bruder von Mr. Bean? Die beiden Männer dahinten, waren sie zwei Kommissare, die einen Fall diskutierten? Dann die Mutter mit ihren beiden Töchtern, die eine war unverkennbar das Aschenputtel. Und dort der Mann mit dem Armani Anzug und der dicken Golduhr und den vielen Ringen – italienische oder russische Mafia?

Zurück zur Bretagne!

Nicht umfahren sollten Sie schließlich das Örtchen
Tréguier ****

Gleich zwei große Persönlichkeiten hat die Stadt aufzuweisen: Den Schutzheiligen der Richter und Rechtsanwälte St-Yves, welche ihn auch heute noch im Mai während einer Wallfahrt im Ort zahlreich um die Vergebung ihrer Sünden bitten und den Schriftsteller Ernest Renan.

Besucher empfängt eine beeindruckende Kathedrale mit einem sehr schönen Kreuzgang.

Ein literarisch-künstlerischer „Wind“ weht durch die gut erhaltene Altstadt und mehrere Künstler zeigen in Galerien Ihre Werke.

Der Bretagne 3 -Artikel steht unter dem Motto „Es grünt so grün“ und erscheint am 4.6.26

Bretagne 1- Die üblichen „Verdächtigen“

In diesem Monat verbrachten wir zwei Wochen in der Bretagne, die erste Woche im Norden, die zweite im Süden. Es war unser dritte Besuch und wir wollten noch ein paar unbekannte Flecken kennenlernen. Die Aushängeschilder der Bretagne, die Sie auf jeder Reisehomepage oder jeden Bretagne-Kalender finden, kommen in meinen Beiträgen der nächsten Wochen nicht vor, denn ich „arbeite“ sie jetzt direkt ab.

Leuchttürme:

Wir besuchten im Süden den „Pointe du Raz“ und machten einen Spaziergang entlang der Küste. Vier Leuchttürme auf einen Schlag findet man nicht so schnell. Als ich dieses Foto machte, stand hinter mir übrigens der fünfte Leuchtturm.

Alleinstehende Häuser mit dramatischer Felsenformation:

Im Norden an der Côte de Granit Rose

Menhire:

Unterwegs entdeckt: Einsam und verlassen steht er in der Nähe von St. Malo.

Traumhafte Strände:

An der Nordküste in der Nähe von Ploumanac‘h.

Kalvarienberge:

Dieser „Calvaire“ in Guimiliau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Ca. 200 Figuren zeigen biblische Szenen.

Das war alles sehr schön, aber es sind touristische Hotspots, die man nur dann relativ ungestört genießen kann, wenn man sie gegen Abend besucht.
Wir hielten deshalb tagsüber Ausschau nach Orten, die uns überraschten oder die das Bild der Bretagne vermittelten, das wir in unseren Köpfen hatten.

Solche Orte und bretonische Themen haben wir gefunden- Fortsetzung folgt!

In Berlin zu Fuß aus der Blase heraus

Die Autorin lebt seit mehreren Jahren in Berlin Kreuzberg. Sie möchte aus ihrer Blase ausbrechen und das Berliner Umland kennenlernen und sehen, wie sich das Leben unterscheidet und welche Beziehungen es von Stadt und Land gibt. So macht sie sich an einem Rosenmontag auf und geht nach Osten. Ihr Konzept:
Nur ca. 20 km pro Tag laufen, um Zeit für Beobachtungen und Gespräche zu haben, kein Smartphone mitnehmen, die Unterkunft will sie jeweils bei Freunden von denjenigen finden, bei denen sie am Tag zuvor übernachtet hat.
In dem Buch beschreibt sie 15 Etappen, davon hat sie dreizehn zu Fuß bewältigt.
Die ersten acht Tage ist sie noch in Deutschland. Die Örtchen sind propper, allerdings sind immer wieder Geschäfte oder Restaurants geschlossen und die Stimmung ist manchmal trostlos. Wett gemacht wird dies von der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen, bei denen sie übernachtet. Sie führt abends interessante Gespräche, bald merkt sie, dass sie hier noch immer in ihrer Blase ist. Es sind Menschen, die von der Stadt aufs Land gezogen sind, um sich Lebensträume zu erfüllen. Themen sind u.a. das Miteinander zwischen den alten Dorfbewohnern und Zugezogenen und der Einfluss der AfD, die manche an die Rückkehr nach Berlin denken lassen. Aber tragen die Zugezogenen vielleicht Mitschuld an der starken AfD, weil sie das Fremde verkörpern?
In Polen angekommen, sind für die Autorin Sprachbarrieren und ungewohnte Alltagsrituale die größte Herausforderung. Aber auch hier erlebt sie wieder eine große Freundlichkeit und Interesse an ihrer Wanderung und man ist stolz, ihr historische Baudenkmäler und Museen im Heimatort zu zeigen und über die Geschichte zu erzählen.
Am Ende der Wanderung ist Millay Hyatt beglückt, denn sie weiß nun, dass es zwischen den Menschen in der Stadt, auf dem Land oder auch in einem anderen Staat Verbindungen gibt. Es sind Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit.
Das Buch bietet viel Stoff zum Nachdenken: Naturbeschreibungen, zum Teil witzigen Alltagsbeobachtungen, Gedanken zur deutschen und polnischen Geschichte, Überlegungen zum Feminismus, Fragen des Miteinanders in der Gesellschaft, diese Themen sind miteinander verwoben. Auch machte mich das Buch neugierig auf den Osten jenseits von Berlin, ganz besonders die kleinen polnischen Städte wären für mich eine Reise wert.
hat viel erlebt und das quasi „vor der Haustür“. Das passt bestens in unsere Zeit mit Angst vor Kerosinmangel und damit bedrohten Auslandsurlauben.