Mit seinem Buch über Bäume ist Peter Wohlleben deutschlandweit bekannt geworden und hat sicherlich mit dazu beigetragen, unsere Einstellung zu Bäumen zu verändern.
Jetzt hat er ein neues Buch geschrieben. Es ist eine Mischung aus Krimi, Science Fiction, philosophischer Betrachtung, Gesundheitsratgeber, Umweltbuch und ein Aufruf, uns Menschen und unsere Welt neu zu sehen.
Wohllebens Schreibstil ist witzig, seine Hauptpersonen nennt er liebevoll „kleine Racker“, „neugierige Knilche“ oder „Winzlinge“. Er erklärt Wissenschaft in einer Art, dass jeder Laie sie versteht und bringt viele Beispiele, die seine Aussagen verdeutlichen sollen. Dabei berichtet er auch aus seinem privaten Umfeld.
Von diesem Buch ist die Rede:

Höre ich da ein „Iiiigitt-Bakterien- das lese ich nicht!“ Das wäre wirklich ein Fehler, denn wie oben schon erwähnt, erklärt Peter Wohlleben u.a. auch, wie wichtig Bakterien für unsere menschliche Existenz und damit auch für unsere Gesundheit sind.
Jeder von uns besitzt eine Bakterienmannschaft, die dafür sorgt, dass es uns gut geht. Eine Mannschaft ist immer im Einsatz und versucht, einen optimalen Zustand für seinen Menschen aufrecht zu erhalten. Allerdings gibt es zig Faktoren , die diese Arbeit erschweren. Drei von vielen Stichworten, die in diesem Buch behandelt werden: Unvernünftige Einnahme von Antibiotika bei jedem Hüsterchen, Hundehaufen auf der Straße, Mikroplastik in Lebensmitteln. Wohlleben gibt viele Anregungen, wie jeder von uns täglich seine Mannschaft unterstützen kann.
Es liegt aber auch an politischen Entscheidungen, dass Bakterien bei uns und in der Umwelt ihren Job erledigen können. Und hier kommt der Autor u.a. auch wieder auf den Wald zurück. Durch die Hitzesommer der letzten Jahre sind Fichten-und Kiefernbestände vertrocknet und nun sollen Anpflanzungen beispielsweise von Zedern oder Douglasien den deutschen Wald widerstandsfähiger machen. Das Problem: Diese Baumarten stammen alle aus kalten Hochregionen anderer Erdteile und die heimischen Bakterien können diese Bäume nicht benutzen, um Wolken zu produzieren. (Ja, Sie lesen richtig: Bakterien sind mit für das Entstehen von Regenwolken verantwortlich). Auch Roteichen sollen gepflanzt werden, eine Baumart, die u.U. die heimische Bakterienwelt sogar vernichtet. Warum fördert man nicht heimische Bäume, die resistenter bei Trockenheit sind? Fragen Sie bei der Landesforstbehörde nach.
Ich habe am Anfang das Buch mit einem Krimi, einem Science Fiction Roman oder einer philosophischer Betrachtung verglichen. Der Text ist so spannend, wenn es beispielsweise darum geht, mit welchen Tricks unsere lieben Partnerbakterien die bösen Eindringlinge (davon gibt es dummerweise auch eine Menge) bekämpfen. Science Fiction? Wann tauchte das erste Bakterium auf der Welt auf? Ist es Resultat einer chemischen Reaktion oder kam es vom Mars oder dem Jupitermond „Europa“ (Kein Scherz!)? Was hat Mundgeruch mit Raumfahrt zu tun?
Philosophisch wird das Buch, wenn man hinterfragt, ob der Mensch wirklich „die Krone der Schöpfung“ ist. In den letzten Jahren gewinnen Wissenschaftler immer mehr Erkenntnisse über Bakterien und ihre ungeheuren Fähigkeiten, sich anzupassen, zu lernen und Neues zu erschaffen. Das wirkt sich auch auf unser Wissen über Tiere und Pflanzen aus. Auch bei ihnen hat jedes Individuum eine eigene Bakterienmannschaft, die dafür sorgt, dass das Tier oder die Pflanze lernt, sich weiter entwickelt und damit Fähigkeiten besitzt, die bisher nur Menschen zugesprochen wurden. Mehr Respekt gegenüber Fauna und Flora wäre deshalb angebracht, denn wir Menschen, Pflanzen,Tiere und Tiere sitzen alle in einem Boot Erde.
Ein letztes Argument, das Buch zu lesen: Es macht Hoffnung für die Zukunft. Bakterien können die Helden für unsere derzeitigen Umweltprobleme sein. Man muss sie nur lassen (wie beispielsweise im Wald) und sollte sie nicht bekämpfen (wie beispielsweise durch Überdüngung der Landwirtschaft). Mehr Geld sollte investiert werden, um Bakterien weiter zu erforschen und sie gezielt einzusetzen, um Umweltsünden abzubauen.