Vom bunten Schatten und einem schwarzen Regenbogen

Auf 152 Seiten nimmt uns die Illustratorin Tessa Sima mit in ihr Reich der Geistesblitze. Pro Seite sieht man ein kleines Bild, darunter steht ein Satz, der Ausgangspunkt für eine Geschichte steht, die man als Betrachter weiter denken kann. Simas Ideen sind angehaucht von österreichischem Humor, kommen mal lustig, mal skurril daher, politisch darf es auch sein, gerne auch subversiv. Auf dem Deckblatt begegnen wir einem Dromedar, das sich in seiner Freizeit gerne mal als Kirschtörtchen verkleidet, wir lesen vom Klopapier, das gerne mal ein Wertpapier wäre oder lernen einen pubertierenden Regenbogen kennen, der sich lieber schwarz anzieht, weil das cooler ist. Im Gegensatz zum Regenbogen sorgt der Schornsteinfeger immer dafür, dass sein Schatten schön bunt ist.
Das Bild eines Diamantringes ist unterschrieben mit:“ Der Ring hatte lange kein Tageslicht gesehen.“ Ist das nicht genial?

Die Buntstiftzeichnungen sehen auf den ersten Blick manchmal etwas kindlich aus, aber das täuscht. Der Text hat eine handschriftliche Anmutung, wobei diverse Durchstreichungen auffallen.

Dazu zitiere ich einen Text: „Als Friedensangebot an ihre Legasthenie schreibt Tessa Sima 2018 eine kurze Geschichte auf ein kleines Stück Papier und versieht sie mit einer Illustration. Die erste Ein Blattgeschichte. Mit ihr verschwindet Tessa Simas Angst vor dem weißen Blatt und vor Rechtschreibfehlern. Die Folge ist eine sprudelnde Freude an Stift und Papier und für unendlich viele Ein Blattgeschichten später gelten immer noch drei Regeln:

1. Nicht radieren! Aus jedem Fehler entsteht etwas.
2. Jede Geschichte muss fertiggestellt werden, komme was wolle!
3. Zeige sie der Welt!

Ich finde dieses Buch wunderbar, wenn man schnell mal einen Stimmungsaufheller braucht oder einen kleinen Stupser, seine eigene Fantasie anzukurbeln.
Hier drei Ergebnisse, nach der Lektüre einiger Seiten „Einblattgeschichten“:

Einmal traf Herr Apfel Frau Mus,
erst nickten sie sich zu einen kurzen Gruß.
Dann gab es einen langen Kuss,
es folgte ein inniger Liebesblues
und jetzt steht hier eine Schale Apfelmus.

Eine Laterne war heller als die Sterne.
“Doofe Laterne!“ dachten die Sterne in der Ferne.

Eine Tasse wollte mal eine Badewanne sein,
aber zu groß war das zu badende Schwein.
Doch mit einem „chen“ an seinem Ende,
passte es schließlich ganz hinein.