{"id":30042,"date":"2025-08-25T08:46:30","date_gmt":"2025-08-25T06:46:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/?p=30042"},"modified":"2025-08-25T08:56:37","modified_gmt":"2025-08-25T06:56:37","slug":"das-grandseigneur-der-deutschen-untergrundliteratur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/2025\/08\/25\/das-grandseigneur-der-deutschen-untergrundliteratur\/","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Ploog- der Grandseigneur der deutschen Untergrundliteratur"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich arbeitete Ende der 70er Jahre in der damals gr\u00f6\u00dften Buchhandlung Deutschlands, dem Stern Verlag in D\u00fcsseldorf. Die B\u00fccher der ber\u00fchmten amerikanischen Autoren der Beat Generation Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William S. Burroughs fand man dort nur vereinzelt im Regal, denn zu dieser Zeit hatten diese Schriftsteller haupts\u00e4chlich Leser und Leserinnen, denen das \u201eEstablishment\u201c suspekt war und die den Wunsch nach Freiheit und Ver\u00e4nderung hatten. Noch weniger pr\u00e4sent waren deutsche Autoren, die \u00e4hnliche Gedanken in ihren B\u00fcchern verfolgten. Peter Paul Zahl, J\u00f6rg Fauser oder Rolf Dieter Brinkmann wurden vom Feuilleton manchmal besprochen, aber die Autoren aus Verlagen wie z.B. Rotbuch, M\u00e4rz oder Maro ignorierte man gerne. Die Inhalte waren \u201enicht lesbar\u201c oder entsprachen nicht dem b\u00fcrgerlichen Weltbild der 60er bis 80er Jahre. Die Autoren mussten um ihren Lebensunterhalt k\u00e4mpfen. Es gab allerdings eine Ausnahme\u2026<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"330\" height=\"522\" src=\"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_5168.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30048\" style=\"width:225px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_5168.jpeg 330w, https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/IMG_5168-190x300.jpeg 190w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 85vw, 330px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>J\u00fcrgen Ploog (1935 bis 2020) hatte schon in jungen Jahren beschlossen, sein Leben dem Schreiben zu widmen und herauszufinden, welche Welten sich mit der Sprache erschlie\u00dfen lassen. Im Gegensatz zu seinen Mitstreitern entschied er sich, eine Ausbildung zum Piloten zu machen und flog danach 33 Jahre f\u00fcr die Lufthansa. Das machte ihn finanziell unabh\u00e4ngig und ihm war es egal, ob seine B\u00fccher sich verkauften. Bedingt durch seine Arbeit, war er oft in New York und wurde ein guter Freund von William S. Burroughs. Damit war er am \u201ePuls\u201c der amerikanischen Beatbewegung und lernte bei Burroughs eine Cut-up Technik kennen. (Techniken, bei der ein bestehender Text zerschnitten und zuf\u00e4llig neu zusammengesetzt wird, um einen neuen Text zu erschaffen). Das neue Zusammensetzen der W\u00f6rter sp\u00fclt Unbekanntes aus dem eigenen Innenleben an die Oberfl\u00e4che und dies wurde f\u00fcr J\u00fcrgen Ploog f\u00fcr viele Jahre der Weg, seine Texte zu schreiben.<br>K\u00e4mpften deutsche Untergrundautoren mit den grauen Alltagserlebnissen und dem deutschen Politikmief, konnte J\u00fcrgen Ploog durch seinen Beruf auf Beobachtungen zur\u00fcckgreifen, die er weltweit machte. Auf einem Markt in Bangkok, in einer Bar in Tokio, im Supermarkt in Chicago\u2026 Sein Unterbewusstsein speicherte jeden Eindruck und er floss in seine Texte mit ein. <br>Dies alles machte ihn zu einer charismatischen Gestalt in der alternativen Literaturszene. Dass Ploog gutaussehend, immer freundlich und h\u00f6flich, also quasi ein Gentleman war, unterst\u00fctzte noch seinen Ruf als \u201eGrandseigneur\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Buch erinnern sich Wegbegleiter an J\u00fcrgen Ploog, Tagebucheintr\u00e4ge und E-Mail Verkehr sind zu lesen, auch findet man einige Textausz\u00fcge aus seinen B\u00fcchern. Auf die legend\u00e4re Literaturzeitung \u201eGasolin 23\u201c, deren Mitherausgeber Ploog 14 Jahre lang war, wird eingegangen, Foto- und Bildmaterial (J\u00fcrgen Ploog malte auch) erg\u00e4nzen die Texte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob ich J\u00fcrgen Ploog einmal begegnet bin? In den ersten Jahren meines Lebens als Buchh\u00e4ndlerin besuchte ich neben der Frankfurter Buchmesse auch einmal die Mainzer Minipressen Messe, die zur selben Zeit stattfand. Hier pr\u00e4sentierten sich damals \u00fcber 100 Verlage, die den Mainstream nicht bedienten. Als junge Frau h\u00e4tte ich ihm nicht viele Fragen stellen k\u00f6nnen, zu unterschiedlich waren die Lebenswelten. Heute w\u00e4re das anders. Bei den abgedruckten E-Mails sind auch einige dabei, die Ploog in den letzte Jahren seines Lebens geschrieben hat. In ihnen nimmt er Stellung zu unserer heutigen Welt und schreibt Kluges.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Buchbesprechung ist einfach gestrickt und entspricht nicht dem geistigen Level des Buches oder anderen bereits erschienen Buchbesprechungen. Aber vielleicht habe ich sie neugierig gemacht auf diesen Autoren oder auf die Zeit, in der es noch Untergrundliteratur gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier eine zweite Buchbesprechung: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article689eddd7cf5f0271ccd53954\/Juergen-Ploog-Der-Pilot-der-die-Avantgarde-nach-Frankfurt-brachte.html\" title=\"\">https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article689eddd7cf5f0271ccd53954\/Juergen-Ploog-Der-Pilot-der-die-Avantgarde-nach-Frankfurt-brachte.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich arbeitete Ende der 70er Jahre in der damals gr\u00f6\u00dften Buchhandlung Deutschlands, dem Stern Verlag in D\u00fcsseldorf. Die B\u00fccher der ber\u00fchmten amerikanischen Autoren der Beat Generation Jack Kerouac, Allen Ginsberg und William S. 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