{"id":21822,"date":"2022-12-12T01:32:00","date_gmt":"2022-12-12T00:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/?p=21822"},"modified":"2022-12-12T07:20:46","modified_gmt":"2022-12-12T06:20:46","slug":"annaeherung-an-marina-abramovic","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/2022\/12\/12\/annaeherung-an-marina-abramovic\/","title":{"rendered":"Ann\u00e4herung an Marina Abramovi\u0107"},"content":{"rendered":"\n<p>In den letzten Jahren las ich mehrere Zeitungsartikel \u00fcber die Performancek\u00fcnstlerin Marina Abramovi\u0107. Mich stie\u00dfen ihre Vorstellungen, in denen sie sich \u00fcber mehrere Stunden oder sogar Tage selbst k\u00f6rperliches Leid antat, ab, f\u00fcr mich waren die Zuschauer in den Museen oder Theatern Voyeure, die nur darauf warteten, dass der K\u00fcnstlerin etwas Schlimmes passiert. Daf\u00fcr hatte ich kein Verst\u00e4ndnis.<br>Der letze Artikel erschien Mitte November, es wurde dar\u00fcber berichtet, dass Marina Abramovi\u0107 die erste Inhaberin der Pina-Bausch-Professur an der Folkwang-Uni sei. Auch dieser Bericht nahm mich nicht f\u00fcr die K\u00fcnstlerin ein, denn sie beansprucht f\u00fcr sich das Wissen, was gute und was schlechte Kunst ist. Solche rigorosen Aussagen sind mir suspekt.<br>Aber ich wollte Frau Abramovi\u0107 nicht unrecht tun  und so beschloss ich, ihre Biografie zu lesen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2BC25E76-03DC-4C83-989F-B69AEECFE8AE-758x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21865\" width=\"273\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2BC25E76-03DC-4C83-989F-B69AEECFE8AE-758x1024.jpeg 758w, https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2BC25E76-03DC-4C83-989F-B69AEECFE8AE-222x300.jpeg 222w, https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2BC25E76-03DC-4C83-989F-B69AEECFE8AE-768x1037.jpeg 768w, https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/2BC25E76-03DC-4C83-989F-B69AEECFE8AE.jpeg 948w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 85vw, 273px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Man bekommt bereits in den ersten Kapiteln \u00fcber ihre Kindheit und Jugend eine Ahnung davon, warum sich die Gewalt gegen sich selbst wie ein roter Faden durch ihr Werk zieht. Sie ist die Tochter eines Paares, das bei Tito, dem damaligen Machtinhaber Jugoslawiens, hoch im Kurs steht. Im Krieg sind die Eltern mutige und aufopfernde K\u00e4mpfer gewesen und Tito belohnt beide mit einem Luxusleben in Belgrad. W\u00e4hrend der Vater dies zusammen mit anderen Frauen zu sch\u00e4tzen wei\u00df, bleibt die Mutter im Partisanenmodus und erzieht dementsprechend ihre Tochter mit aller H\u00e4rte. Sie schl\u00e4gt sie oft, Z\u00e4rtlichkeiten kommen nicht vor, W\u00fcnsche werden nur dann erf\u00fcllt, wenn sie mit Bildung zu tun haben. Marina leidet sehr, erst das Malen verschafft ihr eine M\u00f6glichkeit, dem schrecklichen Elternhaus f\u00fcr kurze Zeit zu entfliehen. Sie lernt andere K\u00fcnstler kennen, erste Performanceversuche finden statt. Geld hat sie nicht, so wohnt sie auch als Erwachsene weiterhin bei ihrer Mutter, die sie permanent kontrolliert.<br>Ihre Situation \u00e4ndert sich, als sie auf den deutschen K\u00fcnstler Ulay trifft und beide sich ineinander verlieben. Mit ihm findet Marina f\u00fcr die n\u00e4chsten 12 Jahre eine verwandte Seele und ihr gelingt die Abnabelung vom Elternhaus. Beide f\u00fchren diverse Performances auf, langsam etablieren sie sich in der internationalen Kunstszene. Geld hat das Paar nur wenig und so lebt es u.a. v\u00f6llig ungebunden vier Jahre in einem Auto. Die beiden beginnen, sich mit anderen Religionen, alten Mythen, Heilungs-und Meditationsmethoden zu besch\u00e4ftigen und die daraus resultierenden Erfahrungen flie\u00dfen immer h\u00e4ufiger in ihre Kunstform ein.<br>Der zunehmender Ruhm als Performancepaar belastet die Beziehung schlie\u00dflich so sehr, dass sich das Paar trennt. Marina ist am Boden zerst\u00f6rt. Sie f\u00fchlt sich mit 40 alt, einsam, ohne Zukunft. Doch dieses Tief st\u00e4rkt sie noch mehr und macht ihre neuen Vorf\u00fchrungen teilweise noch extremer. Dann lernt sie Paolo kennen, ihre zweite gro\u00dfe Liebe. In den n\u00e4chsten Jahren wird sie zum Superstar, der sich aber nie ausruht, sondern seine Ideen immer weiter vorantreibt. Finanzielle Probleme hat Marina keine mehr, doch machen ihr Gedanken an Alter und Tod zunehmend zu schaffen- neue Themen f\u00fcr ihre Darbietungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Marina Abramovi\u0107 schreibt \u201efrei von der Leber weg\u201c, ihr Schreibstil und auch ihre Offenheit \u00fcberraschten mich positiv. Die Erkl\u00e4rungen zu ihren einzelnen Auff\u00fchrungen waren aufschlussreich und ich sah mir, nachdem ich das Buch zu Ende  gelesen habe, mehrere Videos auf YouTube an. <br>Mich hat diese Biografie beeindruckt und ich zolle Marina Abramovi\u0107 Respekt. Ihre Kunst verstehe ich nun besser, aber sie wird mir weiterhin fremd bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Jahren las ich mehrere Zeitungsartikel \u00fcber die Performancek\u00fcnstlerin Marina Abramovi\u0107. Mich stie\u00dfen ihre Vorstellungen, in denen sie sich \u00fcber mehrere Stunden oder sogar Tage selbst k\u00f6rperliches Leid antat, ab, f\u00fcr mich waren die Zuschauer in den Museen oder Theatern Voyeure, die nur darauf warteten, dass der K\u00fcnstlerin etwas Schlimmes passiert. 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