{"id":18601,"date":"2022-03-14T01:47:00","date_gmt":"2022-03-14T00:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/?p=18601"},"modified":"2024-03-07T03:08:46","modified_gmt":"2024-03-07T02:08:46","slug":"die-hoelle-in-einer-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/2022\/03\/14\/die-hoelle-in-einer-familie\/","title":{"rendered":"Die H\u00f6lle in einer Familie"},"content":{"rendered":"\n<p>Diesen Roman hatte ich mir aus der B\u00fccherei ausgeliehen, da der Titel f\u00fcr mich nach viel Musik und Klavierspielen klang. Aber das war nur die angenehme Seite der 460 seitigen Geschichte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/7A91339B-85D3-4CC0-8BE1-0322FC286B05-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-18602\" style=\"width:272px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/7A91339B-85D3-4CC0-8BE1-0322FC286B05-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/7A91339B-85D3-4CC0-8BE1-0322FC286B05-225x300.jpeg 225w, https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/7A91339B-85D3-4CC0-8BE1-0322FC286B05.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Karl Wittgenstein ist ein \u00e4u\u00dferst erfolgreicher \u00f6sterreichischer Stahlmagnat Anfang des 20. Jahrhundert. Er und seine Frau Poldi haben acht Kinder und wohnen im einem prachtvollen Wiener Palais. Sie nehmen rege am luxuri\u00f6sen Leben teil, Karl bet\u00e4tigt sich als M\u00e4zen f\u00fcr Komponisten und Maler. Dazu geh\u00f6ren u.a. Klimt, Kokoschka, Mahler und Brahms. Von au\u00dfen betrachtet muss es eine gl\u00fcckliche Familie sein, der es an nichts fehlt. Doch dem ist nicht so.<br>Drei S\u00f6hne nehmen sich als junge M\u00e4nner das Leben, bzw. verschwinden spurlos. Sie passen nicht in das Weltbild ihres m\u00e4chtigen Vaters. Auch Paul und Ludwig Wittgenstein leiden unter Karl. Luki, sp\u00e4ter bekannt als der Philosoph Ludwig Wittgenstein, ist als Kind labil und versucht sp\u00e4ter durch extreme Entscheidungen, dem Fluch des Reichtums zu entkommen. <br>Paul Wittgenstein ist immer wie seine drei Schwestern bem\u00fcht, seinem Vater zu gefallen. Dabei treten sie in einen Wettstreit, bei dem von Geschwisterliebe nur in ganz wenigen Momenten etwas zu sp\u00fcren ist. Paul ist der Verlierer. Selbst als ihm im ersten Weltkrieg der recht Arm abgenommen werden muss und er trotzdem danach eine Weltkarriere als Pianist aufbaut, ist er f\u00fcr die Familie nie gut genug. Um nicht wie seine Br\u00fcder ebenfalls durch die Familie mental kaputt gemacht zu werden, f\u00fchrt er ein Doppelleben mit diversen Geliebten, die nicht aus den entsprechenden Kreisen kommen.  Es dauert lange, bis er eine Frau findet, die ihm etwas mehr Seelenruhe verschafft. Hilde, eine blinde Pianistin, schenkt ihm zwei Kinder. Zuerst versteckt er seine kleine Familie, doch dann \u00e4ndert sich das Leben schlagartig. Im Jahr 1938 sind die Nationalsozialisten in \u00d6sterreich an der Macht. Die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung und alle Menschen mit Behinderungen m\u00fcssen um ihr Leben bangen. In letzter Sekunde schafft es Paul, eine Flucht f\u00fcr sich und seine Familie zu organisieren. Damit endet der Roman. (In einem Epilog erf\u00e4hrt man kurz, wie das weitere Leben  der Familie Wittgenstein verl\u00e4uft).<br>Auf den ersten 100 Seiten war ich von diesem Roman entt\u00e4uscht, denn der Titel hatte mich anscheinend in die Irre gef\u00fchrt. Ich las einen Roman \u00fcber eine Familie, \u00fcber die es nur wenig Gutes zu sagen gibt. In dem Roman fand ich keine Sympathietr\u00e4ger. Ludwig Wittgenstein ist f\u00fcr mich dabei die unangenehmste Person, die sich den Schein der Armut gibt, um immer wieder in den Scho\u00df des Reichtums zur\u00fcckzukehren, wenn er das Zusammensein mit  \u201eNormalb\u00fcrgern\u201c nicht mehr aush\u00e4lt. Aber auch Paul verh\u00e4lt sich fragw\u00fcrdig. Selbst als gestandener Mann kann er sich den ungeschrieben Gesetzen der Familie nicht entziehen und l\u00e4sst eine schwangere Geliebte im Stich, was in einer Katastrophe endet.<br>Was das Thema Musik angeht, so lernt man in diesem Roman viel \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Pianisten und Komponisten. So beauftragt Paul beispielsweise den Komponisten Ravel, ein Konzert f\u00fcr die linke Hand zu komponieren. Dies endet in einem Debakel.<br>Ein gut zu lesender Roman mit dem Reiz, Blicke in das Leben einer ber\u00fchmten Familie zu werfen und gleichzeitig  Zeit- und Musikgeschichte pr\u00e4sentiert zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer ein kurzes Video mit Paul Wittgenstein am Klavier sehen m\u00f6chte:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Paul Wittgenstein plays Raff - La Fileuse (Arr. for left hand alone)\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/lgk1gOp4vF4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Roman hatte ich mir aus der B\u00fccherei ausgeliehen, da der Titel f\u00fcr mich nach viel Musik und Klavierspielen klang. 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