{"id":18545,"date":"2022-03-01T01:29:00","date_gmt":"2022-03-01T00:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/?p=18545"},"modified":"2024-08-31T22:20:29","modified_gmt":"2024-08-31T20:20:29","slug":"fuer-langschlaefer-und-tagbegruesser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.libroart.de\/lindabroszeit\/2022\/03\/01\/fuer-langschlaefer-und-tagbegruesser\/","title":{"rendered":"F\u00fcr Langschl\u00e4fer und Tagbegr\u00fc\u00dfer"},"content":{"rendered":"\n<p>Vorletzte Woche hatte ich das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, nein, ich m\u00f6chte eigentlich lieber schreiben die gro\u00dfe Ehre, bei einem Kaffeetrinken einer Gedichtrezitation beizuwohnen. Eine noch sehr agile alte Dame (95 Jahre) rezitierte das f\u00fcnfstrophige Gedicht \u201eDer Schatzgr\u00e4ber\u201c von Johann Wolfgang von Goethe. (Wer es lesen m\u00f6chte: <a href=\"https:\/\/www.mumag.de\/gedichte\/goe_jw44.html\">https:\/\/www.mumag.de\/gedichte\/goe_jw44.html<\/a>). <br>Das war ergreifend und ein Funke sprang zu mir \u00fcber. \u201eDas m\u00f6chte ich auch k\u00f6nnen!\u201c, sagten mir mein Kopf und mein Bauch. Gedacht, getan. <br>Nat\u00fcrlich fing ich ganz klein an, denn das Auswendiglernen stand nie auf dem Stundenplan und im Berufsleben brauchte ich dieses K\u00f6nnen auch nicht. Ich hatte fr\u00fcher zwar schon einmal ein paar Gedichte gelernt, damals motivierte mich aber nicht das leuchtende Beispiel der alten Dame und ich verga\u00df die Gedichte wieder schnell.<br>Mein \u201eGed\u00e4chtnisworkout\u201c hat mit diesen beiden Gedichten begonnen:<\/p>\n\n\n\n<p>Langschl\u00e4fers Morgenlied von Mascha Kal\u00e9ko<br><br>Der Wecker surrt. Das alberne Geknatter&nbsp;<br>Rei\u00dft mir das sch\u00f6nste St\u00fcck des Traums entzwei.&nbsp;<br>Ein flei\u00dfig Radio \u00fcbt schon sein Geschnatter.&nbsp;<br>Pitt \u00e4u\u00dfert, da\u00df es Zeit zum Aufstehn sei.&nbsp;<br><br>Mir ist vor Fr\u00fchaufstehern immer bange.&nbsp;<br>\u2026 Das k\u00f6nnen keine wackern M\u00e4nner sein:&nbsp;<br>Ein guter Mensch schl\u00e4ft meistens gern und lange.&nbsp;<br>\u2014 Ich bild mir diesbez\u00fcglich etwas ein \u2026&nbsp;<br><br>Das mit der goldgeschm\u00fcckten Morgenstunde&nbsp;<br>Hat sicher nur das Lesebuch erdacht.&nbsp;<br>Ich ruhe sanft. \u2014 Aus einem k\u00fchlen Grunde:&nbsp;<br>Ich hab mir niemals was aus Gold gemacht.&nbsp;<br><br>Der Wecker surrt. Pitt malt in d\u00fcstern S\u00e4tzen&nbsp;<br>Der Faulheit Wirkung auf den Lebenslauf.&nbsp;<br>Durchs Fenster h\u00f6rt man schon die Autos hetzen.&nbsp;<br>\u2014 Ein warmes Bett ist nicht zu untersch\u00e4tzen.&nbsp;<br>\u2026 Und dennoch steht man alle Morgen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Quasi als Gegenpol w\u00e4hlte ich als zweites Gedicht eins von Joachim Ringelnatz aus. Es hei\u00dft \u201eMorgenwonne\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin so knallvergn\u00fcgt erwacht.<br>Ich klatsche meine H\u00fcften.<br>Das Wasser lockt. Die Seife lacht.<br>Es d\u00fcrstet mich nach L\u00fcften.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein schmuckes Laken macht einen Knicks<br>Und gratuliert mir zum Baden.<br>Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs<br>Betiteln mich &#8222;Euer Gnaden&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus meiner tiefsten Seele zieht<br>Mit Nasenfl\u00fcgelbeben<br>Ein ungeheurer Appetit<br>Nach Fr\u00fchst\u00fcck und nach Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorletzte Woche hatte ich das gro\u00dfe Vergn\u00fcgen, nein, ich m\u00f6chte eigentlich lieber schreiben die gro\u00dfe Ehre, bei einem Kaffeetrinken einer Gedichtrezitation beizuwohnen. Eine noch sehr agile alte Dame (95 Jahre) rezitierte das f\u00fcnfstrophige Gedicht \u201eDer Schatzgr\u00e4ber\u201c von Johann Wolfgang von Goethe. (Wer es lesen m\u00f6chte: https:\/\/www.mumag.de\/gedichte\/goe_jw44.html). 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